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Freitag, 23. Juni 2006 13:34
Redeverbot in der Diözese Linz?
Nach einem Weiheaufschub für den Linzer Skandaldiakon wird der zuständige Bischof von radikalen Klerikerkreisen und abgefallenen Priestern unter Druck gesetzt. Offen und lauthals behaupten sie eine „Gefährdung der Meinungsfreiheit“.
Der Bischof von Linz, Mons. Ludwig Schwarz
Der Bischof von Linz, Mons. Ludwig Schwarz
(kreuz.net, Linz) Der Bischof von Linz, Mons. Ludwig Schwarz, nahm heute zum Aufschub der Priesterweihe des Linzer Diakons Andreas Golatz Stellung.

Mons. Schwarz äußerte sich vor Journalisten des ‘Österreichischen Rundfunks’ und vor der kirchenfeindlichen Tageszeitung ‘Der Standard’.

Der Bischof erklärte, daß das umstrittene
Interview des Diakons in der Diözese Linz große Turbulenzen hervorgerufen habe. Der Entschluß, die Weihe zu verschieben, sei in einem Gespräch mit dem Weihekandidaten zustande gekommen.

Seine Aufforderung zu einem „Aufstand gegen Rom“ und seine Befürwortung des Frauenpriestertums gingen mit dem Versprechen der Loyalität und des Gehorsams bei der Priesterweihe nicht konform.

Derartige Äußerungen dürften so kurz vor der Weihe so nicht stehenbleiben.

Diakonatsweihe von Andreas Golatz am 3. Dezember 2005
Diakonatsweihe von Andreas Golatz am 3. Dezember 2005
Bischof Schwarz betonte, daß er keine Weisung von Rom bekommen habe, die Priesterweihe des umstrittenen Diakon aufzuschieben. Er habe jedoch den Nuntius informiert, so Mons. Schwarz.

Das Bekanntwerden des Weiheaufschubs hat jetzt in der sehr liberalen Diözese Linz starke Reaktionen hervor.

So empörte sich der Dechant des Dekanats Linz-Süd, Hw. Franz Handlechner. Es sei ein Skandal, daß man „die eigene Meinung“ nicht mehr öffentlich sagen dürfe.

Er solidarisiere sich mit Golatz, erklärte der Dechant trotzig.

Solche Aussagen von Linzer Diözesanpriestern sind nicht verwunderlich. Auch die von Bischof Schwarz eingesetzte Leitung des Linzer Priesterseminars sowie Professoren der theologsichen Privatuniversität Linz haben sich in der Vergangenheit ähnlich geäußert.

Der abgefallene Priester, Mag. Ludwig Puchinger, erklärte vor dem ‘Österreichischen Rundfunk’ als Vertreter der sogenannten ‘Vereinigung Priester ohne Amt in Oberösterreich’: „Ich finde die Sache ganz schlimm, wenn es nicht mehr möglich ist, daß man in der Kirche seine Meinung sagt.“

In dem heutigen Pressegespräch nahm Bischof Schwarz auch zu diesen Äußerungen Stellung.

Es sei nicht sein Stil, das offene Denken zu verbieten, erklärte der Bischof. Er bemühe sich immer um ein offenes Gespräch. Es gehe ihm um eine kritische Loyalität zur Kirche.

Gleichzeitig wies Bischof Schwarz darauf hin, daß seine Diözese Teil der Gesamtkirche sei. Deshalb schulde sie ihr auch Loyalität: Die Kirche respektiere die Freiheit jedes Einzelnen. Gefordert sei aber Loyalität.

Als Bischof sei er immer um einen väterlichen Umgang mit seinen Mitarbeitern und den Gläubigen bemüht. Er habe kein anderes Interesse, als für die Gläubigen da zu sein.

Es sei aber auch seine Aufgabe, auf die Anliegen und Richtlinien der Weltkirche hinzuweisen.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 38 Lesermeinungen:
Samstag, 8. Juli 2006 08:56
Brigitte Bussmann: Redeverbot im Bistum Linz
wann versteht Bischof Schwarz endlich, dass nicht nur jeder Weihekandidat, sondern auch jeder Priester nur seinem eigenen Gewissen verpfichtet ist. Dieses Gewissen muss über dem Gehorsamsanspruch des Bischofs stehen oder weiß Bischof Linz nicht, dass jeder seinem Gewissen zu folgen hat, selbst wenn es unüberwindlich irrt? Dies ist alte moraltheologische Lehre der katholischen Kirche.
Aber Diakon Andreas Gorlatz irrt nicht –- Bischof Dr. Schwarz soll endlich verstehen und mit ihm die Bischöfe der ganzen europäischen Kirche incl. Papst Benedikt, dass endlich Reformen, besonders die Aufhebung der Zölibatsverpflichtung nun endgültig erfolgen muss.
Montag, 26. Juni 2006 15:35
Babylon †: @ venus: Genau, und deswegen auch keine Sakramente,
keine Hierarchie, kein Pristertum, keine Messe, keine Evangelien selbst geschrieben, keine Evangelien kurz nach seinem Tod geschrieben (der Herr kommt ja sowieso bald auf den Wolken des Himmels) etc.

Und erst, als der Herr ausblieb: Institutionalisierung der neuen Glaubensrichtung, mit allem drum und dran.
Montag, 26. Juni 2006 10:32
aphrodite †: @ deusexmachina:
Scheinbar… hat er nicht, hm?
Natürlich nicht. Er hat die Basileia tou theou noch zu seinen Lebzeiten erwartet. „Kirchenrecht“ war ihm wirklich schnurzpiepe – wenn das Ende kommt, braucht’s schließlich keine „Kirche“. Dementsprechend hat Jesus ja auch keine gegründet.
Sonntag, 25. Juni 2006 13:56
Benedikt: @ DDL
Benedikt, dieser Satz tut Ihnen doch vermutlich (hoffentlich) jetzt schon leid, oder?

Nein, wieso?

Was wäre denn das für ein „Glaube“, der zu seiner Aufrechterhaltung ein solches Stützkorsett benötigt? Das hat mit „glauben“ doch nichts mehr zu tun, das ist pures Regelbefolgen und wortwörtlich „Nachbeten“.

Falscher Ansatz. Um zu garantieren, dass der eigene Glaube – wenigstens in den Essentialia – auch der Glaube ist, den die Väter und Urväter hatten, ist es eben notwendig, gewisse Dinge als nicht dem Glauben zugehörig zu definieren. Wie Sie sich sicher vorstellen können, ist es durchaus die entscheidende Frage, ob der eigene Glaube dem der Apostel entspricht. Ansonsten ging ja völlig die Sicherheit verloren, an das Richtige zu glauben.

Vermittelt werden soll also nur das, was wirklich als dem Glauben zugehörig gilt. Hier muss nun jeder entscheiden, ob er damit etwas anfangen kann oder nicht. Den Glauben aber nach Belieben so verbiegen dass es einem persönlich passt, dass man sich nicht ändern muss – was soll das bringen?

Offenkundig HAT Ihre Religion die ersten Jahrhunderte OHNE dieses Korsett überlebt.

Das ist doch falsch. Schon die Apostelbriefe enthalten Anweisungen. Das ist nichts anderes.

Wenn Ihr Gründer, Jesus, diesen ellenlangen Regelkatalog gewollt hätte – wieso hat er Ihnen den dann nicht mitgegeben?

Er gab uns den Heiligen Geist. Das genügt.
Sonntag, 25. Juni 2006 13:45
deusexmachina: @Benedikt
„Ein Glaube lässt sich eben nur mit einer festen Disziplin bewahren.“

Benedikt, dieser Satz tut Ihnen doch vermutlich (hoffentlich) jetzt schon leid, oder?

Was wäre denn das für ein „Glaube“, der zu seiner Aufrechterhaltung ein solches Stützkorsett benötigt? Das hat mit „glauben“ doch nichts mehr zu tun, das ist pures Regelbefolgen und wortwörtlich „Nachbeten“.

Zudem sind Sie natürlich historisch widerlegt, denn jeder Regel geht ja ein diesbezüglich regelloser Zustand voraus. All die katholischen Dogmen, Regeln, Traditionen haben sich über 2000 Jahre gebildet und NICHT am Tag nach Himmelfahrt im Jahre 30 n.Chr. Offenkundig HAT Ihre Religion die ersten Jahrhunderte OHNE dieses Korsett überlebt.

Wenn Ihr Gründer, Jesus, diesen ellenlangen Regelkatalog gewollt hätte – wieso hat er Ihnen den dann nicht mitgegeben? Also als klipp und klare Anweisungen, etwa als „Gebote 11-100“, statt in Form von Gleichnissen, über deren Interpretation sich folgende Generationen die Schädel einschlagen würden? Als Gott wäre er sich der Notwendigkeit eines solchen Regulariums ja bewusst gewesen – WENN er Ihre Auffassung geteilt hätte.

Scheinbar… hat er nicht, hm?
Sonntag, 25. Juni 2006 13:32
teleologe: Mama, der hat mich gehaut!
hinterher beschweren gilt nicht.

Nein, das gilt nicht! Du kannst nicht einfach was sagen, das gilt einfach nicht! Aua! Jetzt hau mich nicht du ur blöder du! Das sag ich meiner Mama! Maaaammmaaaa, der hat mich gehaut! Der is so ur blöd. Und geredet hat er auch, einfach so. Das gilt nicht!



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