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Sonntag, 19. Dezember 2004 08:53
Messe zum sechzigsten Priesterjubiläum im Konzentrationslager von Dachau
Heute um 10.00 Uhr wird der Bischof der norddeutschen Diözese Münster, Reinhard Lettmann, in einem Pontifikalamt in der Dachauer Pfarrkirche Heilig Kreuz der Priesterweihe des Seligen Karl Leisner gedenken.
Der selige Karl Leisner am Tage seiner Heiligen Primiz im Konzentrationslager Dachau.
Der selige Karl Leisner am Tage seiner Heiligen Primiz im Konzentrationslager Dachau.
(kreuz.net, Dachau) Am Gottesdienst werden Bischöfe aus Deutschland Frankreich, Polen und den Niederlanden teilnehmen. Das Pontifikalamt beginnt um 10 Uhr.

Anschließend werden die Gottesdiensteilnehmer in einer Prozession zum ehemaligen Lagergelände ziehen, um in dem „Priesterblock 26“ eine Gedenkstunde zu halten.

Der selige Karl Leisner wurde am dritten Adventssonntag des Jahres 1944 zum Priester geweiht. Der Tag fiel auf den 17. Dezember. Zu diesem Zeitpunkt war der Selige bereits schwer an Tuberkulose erkrankt.

In Dachau gab es einen eigenen Priesterblock. Darin wurden mehr als 2800 Priester festgehalten. Fast 500 deutsche und österreichische Priester, mehr als 1500 polnische Priester und ungefähr 150 Priester aus anderen europäischen Ländern. Dazu kamen 60 evangelische Pfarrer. Vom Theologiestudenten bis zum Bischof waren alle vertreten. Der älteste eingekerkerte Priester war 82-jährig.

Unter den Gefangenen befand sich auch der 29-jährige Karl Leisner. Er war Diakon des Bistums Münster in Westfalen. Am 9. November 1939 war Leisner verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht worden. Später verlegte man ihn nach Dachau.

Was war der Grund für Leisners Verhaftung? Leisner hatte bedauert, daß der Reichsführer Adolf Hitler das Attentat im Münchener Bürgerbräukeller überlebt hatte. Seine Äußerung wurde von einem Denunzianten weitergeleitet.

Der todkranke Diakon hatte die Hoffnung wohl aufgegeben, jemals zum Priester geweiht zu werden. Da kam im Herbst 1944 eine überraschende Wende. Unerwartet wurde der französische Bischof vom Clermont-Ferrand (Zentralfrankreich), Monsignore Gabriel Piguet, ins Lager eingeliefert.

Man begann im Lager die Weihe des todkranken Diakons in Erwägung zu ziehen. Nach und nach wurde in tiefster Verschwiegenheit die Weihe vorbereitet. Die Zustimmung des Ortsbischofs, Michael Kardinal Faulhaber, wurde eingeholt. Öle, liturgische Bücher und Paramente wurden besorgt und ein Koffer mit einem Kelch und einem Meßgewand für den Weihekandidaten mußte ins Lager geschleust werden.

Weitere Meßgewänder mußten geschneidert werden. Ein russischer Kriegsgefangener schmiedete einen Bischofsring. Ein Benediktinerpater schnitzt einen Bischofsstab mit den Worten „Victor in vinculis – Sieger in Fesseln“. Endlich traf auch die Erlaubnis des Bischofs von Münster, Clemens August von Galen, ein, der Karl Leisners Diözesanbischof war.

Alles war bereit für die heilige Handlung. Wie bei Pontifikalgottesdiensten üblich wurde Bischof Piguet aus der Wohnstube abgeholt. Unter den Klängen des priesterlichen Gesangs „Ecce sacerdos magnus“ zog er in die arme Lagerkapelle. Die Lateinische Sprache vereinte Deutsche, Franzosen, Polen und Priester aus anderer Herren Länder zu einer selbstverständlichen liturgischen Gemeinschaft.

Karl Leisner hielt seine Primiz am Stephanustag 1944. Das war zugleich seine letzte Heilige Messe. Der Neupriester starb nach Kriegsende am 12. August 1945 in Planegg bei München.

Am 23. Juni 1996 sprach Papst Johannes Paul II. Karl Leisner zusammen mit Bernhard Lichtenberg in Berlin selig.

Auslöser dafür, daß die Seligsprechung für Karl Leisner iniziert wurde, waren Lebensschutzdemonstrationen im Mai 1973 in Deutschland, als der unselige Abtreibungsparagraph § 218 von sich Reden machte.

Einer der Teilnehmer einer Pro-Life-Demonstration, Pfarrer Perau, ein ehemaliger Studienkollege von Karl, habe damals geäußert: „Wenn Karl noch leben würde, dann würde er heute mitdemonstrieren.“

In Verteidigung gegen Angriffe von nicht-kirchlicher Seite konterte Pfarrer Perau, Leute wie Karl Leisner gehörten seliggesprochen.
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2 Lesermeinungen:
Samstag, 29. Januar 2005 15:43
GerdEric: Was war der Grund für Leisners Verhaftung?
Leisner hatte bedauert, daß der Reichsführer Adolf Hitler das Attentat im Münchener Bürgerbräukeller überlebt hatte.

Tja, wenn ich diese Aussage ohne Wenn und Aber von den Deutschen hören könnte, dann hätte auch ich kein Problem, eine positive Zukunft für Deutschland zu sehen.
Aber dieses ewige relativieren: Aber die Anderen…
Sonntag, 19. Dezember 2004 09:04
Dolfus: Für Deutschland
Seliger Karl Leisner, bitte für Dein Volk!
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