Der säkulare Antisemitismus war die Ursache der Nazi-Schlächtereien
Europäische Aufklärung und aggressive Nationalismen waren Basis und Triebkräfte für die bürgerliche Rassenlehre einschließlich des Antisemitismus’, die im nationalsozialistischen Völkermord kulminierte. Von Leo G. Schüchter.

Bei allen Unterschieden zwischen dem „Antisemitismus der Nationalsozialisten und dem christlichen Saatbeet“ behauptet Goldhagen:
„Der Antisemitismus bleibt die unvermeidliche kausale, historische und moralische Verbindung zwischen der Kirche, den Nazis und Auschwitz.“
Das ideologische Schema, nach dem der tausendjährige oder gar zweitausendjährige „Antisemitismus“ des Christentums in direkter und kausaler Verbindung in den Nationalsozialismus und den Massenmord an Juden geführt habe, ist ein verbreitetes Klischee von jüdischen, aber auch linksliberalen und antiklerikalen Autoren und Politikern.
Dieses Vorurteil gegen Christen und Kirche ist nicht nur historisch unhaltbar, sondern auch wissenschaftlich unredlich und unseriös.
Zum einen unterscheidet der Autor nicht zwischen dem neuzeitlichen rasse- oder volksbestimmten Antisemitismus einerseits und dem glaubens- oder konfessionsbezogenen Antijudaismus der Geschichte.
Zum andern wird eine Kontinuität des historischen Antijudaismus unterstellt, die historisch nicht haltbar ist.
Zwischen den Phasen vermehrter antijüdischer Texte in der Spätantike etwa oder dem Spätmittelalter gab es mehrere Epochen entspannter und irenischer Beziehungen zwischen Juden und Christen.
Schließlich ist es historisch und wissenschaftlich unredlich, bestimmte Vorschriften für Juden innerhalb einer Zunftgesellschaft, wie etwa die Kleidungsvorschriften des Lateran-Konzils für Juden, mit den Schikanen des nationalsozialistischen Regimes in Analogie oder gar Gleichheit zu setzen. Dieser Versuchung widersteht auch Raoul Hilberg nicht.
Im zweiten Jahrhundert nach Christus hat sich die frühe Kirche im dramatischen Überlebenskampf mit der Gnosis ausdrücklich auf die Seite des Schöpfergottes geschlagen und damit das Alte Testament bzw. die jüdische Bibel endgültig als konstitutive Dimension der Offenbarung anerkannt.
Wenn es trotzdem ab dieser Zeit vereinzelt antijüdische Schriften gab, von bekannten und weniger bekannten Theologen, welche die Juden verallgemeinernd als Christus-Mörder beschimpften und andere Häßlichkeiten auftrugen, so war das nicht der Kern oder Hauptstrom einer noch nicht vereinheitlichten Theologie.
Im Spiegel der hochmittelalterlichen Kreuzes-Theologie des Arnulf von Löwen und auch Franz von Assisi etwa, nach der es die Christen sind, die mit ihren Sünden Jesus Christus ans Kreuz gebracht haben und immer noch bringen, ist die alte Lehre von den Christus-Mördern einfach schlechte Theologie am Kirchenrand. Das kann man auch im ‘Katechismus der Katholischen Kirche’ bei Punkt 598 nachlesen.
„Was du, Herr, hast erduldet, ist alles meine Last. Ich, ich hab es verschuldet, was du ertragen hast…“, heißt es nach mittelalterlicher Vorlage bei Paul Gerhard 1656.
Mit der Blütezeit der Kreuzestheologie und Passionsfrömmigkeit der katholischen Kirche im 17./18. Jahrhundert verschwand die Gottesmörderlehre vollständig aus der aktuellen katholischen Theologie.
In gleicher Zeit, der Epoche der Aufklärung, ist die Inkubation des bürgerlichen Antisemitismus anzusetzen.
Der Begründer des modernen säkularen Antisemitismus war Voltaire.
Nach Voltaire sind die Juden vagabundierende Betrüger mit dem schmutzigsten Geiz, abstoßendem Aberglauben und unüberwindlichem Haß gegen alle Völker, welche sie tolerierten und reich machten.
Voltaire konstruiert einen jüdischen Volkscharakter aus folgenden Verhaltensweisen: Unwissenheit, barbarische Sprache, Haß auf andere Völker, Grausamkeit, Kannibalismus und sexuelle Perversionen.
Die jüdische Nation sei „mit dem gleichen Blick, mit dem wir die Neger sehen, zu betrachten, nämlich als eine minderwertige Menschenart“.
Kant war der Begründer des modernen Rassebegriffs. Die Charaktereigenschaften der Nationen lägen in deren Blutmischung begründet. Die vollkommenste Rasse sei die der Weißen, die asiatischen Völker ständen in der Mitte und „ganz unten die Neger“.
Hegel übernahm für seine Rassenlehre die damals zeitgenössischen Kriterien von Schädelform, Nasenkrümmung, Backenknochen und „Gesichtswinkel“.
Mit diesen Schriften der Aufklärer lag das ideologische Waffenarsenal bereit, mit dem der aggressive Nationalismus zum Ende des 19. Jahrhunderts den modernen Antisemitismus herausbilden konnte, besonders in Deutschland, Frankreich und den USA.
Dieser säkulare Antisemitismus erreichte im Nationalsozialismus seinen hybriden Kulminationspunkt aus einem betont antichristlichen, antikirchlichen und antigöttlichen Antrieb.
Auf diesem geistesgeschichtlichen Hintergrund betonte Papst Benedikt XVI. bei seiner Nachbetrachtung zur Polenreise am 1. Juni:
„Vor dem Grauen von Auschwitz gibt es keine andere Antwort als das Kreuz Christ: die Liebe, die bis in den Abgrund des Bösen herabgestiegen ist, um den Menschen an der Wurzel zu retten, wo seine Freiheit sich gegen Gott auflehnen kann.
Die heutige Menschheit vergesse Auschwitz nicht und die anderen ‘Fabriken des Todes’, in denen die nationalsozialistische Diktatur versucht hat, Gott auszurotten, um sich an seine Stelle zu setzen.
Sie gebe nicht der Versuchung zum Rassenhaß nach, der am Anfang der schlimmsten Formen des Antisemitismus steht.“
Weiterlesen:
Mittwoch, 28. Juni 2006 22:51
Soziales: Der Weg ist das Ziel?!
Der indische Jurist Mahatma Gandhi hat so seine Umwege hinter sich gehabt, als er zur Erkenntnis kam:
„Es gibt keinen Weg zum Frieden, Frieden ist der Weg“.
Ich schlussfolgere, gerade auch im Blick auf den jüdischen Rabbi Jesus, des Zimmermanns Sohn, den man später auf hellenistische Weise abheben ließ’und ihn den Menschen entriss: Es war der Weg des Antisemitismus, der den Antisemitismus erzeugte. Es war der Weg der Rassenideologen und ihrer Möglichmacher, dass es diese gab. Es war der Weg der Gewalttäter in Familie und Militär, in den mit sekundären Tugenden verkommenen Bürokratien und in den auf Waffenproduktion ausgerichteten Konzernen – es war eben nicht der Weg des Jesus, des Moshe, des Abraham, ein gottgefälliges Leben zu führen.
Die Kirchen haben dabei aus meiner Sicht einen hohen Anteil in der Geschichte der Verfolgung und Tötung von Menschen gehabt, als sie dem Aberglauben an Hexen und Ungläubige, an Bessere und „Schlechtere“, anhingen.
Die Verfolgung der Frauen mit Wissen, die Verfolgung derer, die anders leben wollten als die Herrschenden – das war eine der Ursachen für die Internalisierung des Mörderischen, das zum Völkermord führte.
Ich schlussfolgere, gerade auch im Blick auf den jüdischen Rabbi Jesus, des Zimmermanns Sohn, den man später auf hellenistische Weise abheben ließ’und ihn den Menschen entriss: Es war der Weg des Antisemitismus, der den Antisemitismus erzeugte. Es war der Weg der Rassenideologen und ihrer Möglichmacher, dass es diese gab. Es war der Weg der Gewalttäter in Familie und Militär, in den mit sekundären Tugenden verkommenen Bürokratien und in den auf Waffenproduktion ausgerichteten Konzernen – es war eben nicht der Weg des Jesus, des Moshe, des Abraham, ein gottgefälliges Leben zu führen.
Die Kirchen haben dabei aus meiner Sicht einen hohen Anteil in der Geschichte der Verfolgung und Tötung von Menschen gehabt, als sie dem Aberglauben an Hexen und Ungläubige, an Bessere und „Schlechtere“, anhingen.
Die Verfolgung der Frauen mit Wissen, die Verfolgung derer, die anders leben wollten als die Herrschenden – das war eine der Ursachen für die Internalisierung des Mörderischen, das zum Völkermord führte.
Mittwoch, 28. Juni 2006 17:41
Artois †: @„ein Fan“
Hallo Fan, Sie meinen sicherlich „widerwärtig“, – oder täusche ich mich in Ihnen?
Montag, 26. Juni 2006 23:23
Stimme aus Wien: blueberry
Natürlich gibt es keine Schriften und Lehren der alt-germanischen Religion – anhand der gnostischen und
esoterischen Bewegungen, die damals im Umlauf waren wurden sie umgedeutet (Blawatsky, List, Lenz usv.) –
und als „echt germanisch“ dargestellt.List hatte sogar „Visionen“ (er war vorübergehend Blind zu dieser
Zeit), wie die Runen zu deuten sind
Hitler selbst und seine Mitläufer glaubten allerdings, so wie Sie sagten, dadurch die alten Götter wieder zum leben erwecken zu können.
Es gab sehr wohl einen Massenrausch und eine Massenpsychose, die aber nicht auf die allgemeine Glaubenseinstellung der Massen schließen läßt – so etwas ähnliches gab es auch in allen sozialistischen Staaten – sondern um eine geschickte Inszinierung mit einer gewünschten Wirkung.
Mit der Meinung, der Holocaust sollte das vielleicht das rauschhafte Erlebnis der Überlegenheit und Macht der alten Götter symbolisieren könnten Sie recht haben – war aber nur der Meinung der Elite, sprich: Hitler und Umgebung. Für die „Ausführende“ nur eine lässtige Pflicht.
Hitler selbst und seine Mitläufer glaubten allerdings, so wie Sie sagten, dadurch die alten Götter wieder zum leben erwecken zu können.
Es gab sehr wohl einen Massenrausch und eine Massenpsychose, die aber nicht auf die allgemeine Glaubenseinstellung der Massen schließen läßt – so etwas ähnliches gab es auch in allen sozialistischen Staaten – sondern um eine geschickte Inszinierung mit einer gewünschten Wirkung.
Mit der Meinung, der Holocaust sollte das vielleicht das rauschhafte Erlebnis der Überlegenheit und Macht der alten Götter symbolisieren könnten Sie recht haben – war aber nur der Meinung der Elite, sprich: Hitler und Umgebung. Für die „Ausführende“ nur eine lässtige Pflicht.
Montag, 26. Juni 2006 22:56
blueberry: @ Stimme aus Wien
Das Heidentum war aber keine Schriftreligion wie das Christentum, der Islam oder der Buddhismus bei denen
man einfach einige Schriften wälzen muss um zu sehen welche Auffassungen sie vertreten.
Das Heidentum war eine Religion die sich in Ritualen und erzählten und gelebten Vorstellungen ausgedrückt hat. Das gesamte Leben der alten Heiden war ihre Religion. Dadurch dass diese zum Christentum bekehrt wurden, wurden diese alten Bräuche usw. ausgelöscht und damit letztendlich auch die Religion.
Man kann diese Religion nicht mehr in dem Sinn rekonstruieren dass man von Schriften auf Lehren schließen könnte und sagen könnte: wenn du daran glaubst bist du Heide. Solche Dinge gab es nicht.
Will man das Heidentum wieder zum Leben erwecken dann muss man wieder einen Weg finden zu den Ritualen und Gemeinschaftserlebnissen der alten Heiden. Nach Auffassung der Nazis würden in diesem Fall quasi die alten untergegangenen Götter wieder zu Leben erweckt. Und genau so muss man den gesamten Nationalsozialismus auch interpretieren. Als einen Massenrausch und eine Massenpsychose, deren theoretisches Ziel eben darin bestand wieder einen Zugang zu finden zu den Ritualen der alten Heiden um auf diese Weise ein authentisches Heidentum wieder zum Leen zu erwecken. So läßt sich auch der Holocaust einordnen. Er sollte das vielleicht das rauschhafte Erlebnis der Überlegenheit und Macht der alten Götter symbolisieren.
Natürlich gibt es auch andere und ebenso richtige Zugänge zu Hitler und den Nazis.
Das Heidentum war eine Religion die sich in Ritualen und erzählten und gelebten Vorstellungen ausgedrückt hat. Das gesamte Leben der alten Heiden war ihre Religion. Dadurch dass diese zum Christentum bekehrt wurden, wurden diese alten Bräuche usw. ausgelöscht und damit letztendlich auch die Religion.
Man kann diese Religion nicht mehr in dem Sinn rekonstruieren dass man von Schriften auf Lehren schließen könnte und sagen könnte: wenn du daran glaubst bist du Heide. Solche Dinge gab es nicht.
Will man das Heidentum wieder zum Leben erwecken dann muss man wieder einen Weg finden zu den Ritualen und Gemeinschaftserlebnissen der alten Heiden. Nach Auffassung der Nazis würden in diesem Fall quasi die alten untergegangenen Götter wieder zu Leben erweckt. Und genau so muss man den gesamten Nationalsozialismus auch interpretieren. Als einen Massenrausch und eine Massenpsychose, deren theoretisches Ziel eben darin bestand wieder einen Zugang zu finden zu den Ritualen der alten Heiden um auf diese Weise ein authentisches Heidentum wieder zum Leen zu erwecken. So läßt sich auch der Holocaust einordnen. Er sollte das vielleicht das rauschhafte Erlebnis der Überlegenheit und Macht der alten Götter symbolisieren.
Natürlich gibt es auch andere und ebenso richtige Zugänge zu Hitler und den Nazis.
Montag, 26. Juni 2006 22:20
Stimme aus Wien: blueberry
Aus dem bloßen Wunsch nach dem Beweis der Überlegenheit der alt-germanischen Religion über den Monotheismus
der Juden könnte man nie die Radikalität des Antisemitismus des Nazi-Regimes erklären.
Es handelte sich vielmehr um die religiöse Überzeugung der Verantwortlichen, dass die Juden in der Welt (gleichgültig ob sie Christen sind oder nicht) das Prinzip des Bösen verkörpern und deswegen müssen sie eliminiert werden. Einige von ihnen betrachteten sich deswegen sogar als Menschenfreunde – „sie leisten einen Dienst für die Menschheit“
Es gibt leider einige auf dieser Seite, die der selben Meinung sind.
Es handelte sich vielmehr um die religiöse Überzeugung der Verantwortlichen, dass die Juden in der Welt (gleichgültig ob sie Christen sind oder nicht) das Prinzip des Bösen verkörpern und deswegen müssen sie eliminiert werden. Einige von ihnen betrachteten sich deswegen sogar als Menschenfreunde – „sie leisten einen Dienst für die Menschheit“
Es gibt leider einige auf dieser Seite, die der selben Meinung sind.
Montag, 26. Juni 2006 21:54
deusexmachina: @aphrodite
„Hoffe, das ist scherzhaft gemeint. Falls nicht, gehe ich gleich in meine göttliche Privattischlerei
und suche für Sie schon mal ein passendes Kreuz und lange Nägel aus.“
*kicher* Es spricht eine beredte Sprache über die hiesigen Meinunsgäußerungen, wenn man bei der, die hier Ihre Zweifel erregten, ernstlich ins Grübeln kommt, ob sie nun ernst gemeint sei oder nicht.
In der Tat kann man das manchmal nur anhand des Nicknamens feststellen. In diesem Falle ist das „Gunsenum“ und deutet zweifelsfrei auf deftige Ironie hin. Vermutlich hatten Sie sich von der optischen Nähe zu „Guntram“ oder so täuschen lassen – bei dem wäre das wohl bitterster Ernst gewesen. Er hat denn ja auch nach „Maledica und Konsorten“ gerufen, die für derlei Sprüchlein bekannt sind (wobei: wäre das nicht eher „Malachias“? Bei all den pseudobiblischen Namen guck’ ich manchmal selbst nicht durch, da lob’ ich mir doch griechische Götterbezeichnungen mit einwandfrei freundlichen Assoziationen, speziell im Kontext von Schaumbädern *g*).
*kicher* Es spricht eine beredte Sprache über die hiesigen Meinunsgäußerungen, wenn man bei der, die hier Ihre Zweifel erregten, ernstlich ins Grübeln kommt, ob sie nun ernst gemeint sei oder nicht.
In der Tat kann man das manchmal nur anhand des Nicknamens feststellen. In diesem Falle ist das „Gunsenum“ und deutet zweifelsfrei auf deftige Ironie hin. Vermutlich hatten Sie sich von der optischen Nähe zu „Guntram“ oder so täuschen lassen – bei dem wäre das wohl bitterster Ernst gewesen. Er hat denn ja auch nach „Maledica und Konsorten“ gerufen, die für derlei Sprüchlein bekannt sind (wobei: wäre das nicht eher „Malachias“? Bei all den pseudobiblischen Namen guck’ ich manchmal selbst nicht durch, da lob’ ich mir doch griechische Götterbezeichnungen mit einwandfrei freundlichen Assoziationen, speziell im Kontext von Schaumbädern *g*).
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