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Montag, 26. Juni 2006 15:53
Wieder auf Druck der Glaubenskongregation
Die deutsche Bischofskonferenz untersagt kirchlichen Mitarbeitern eine Tätigkeit bei der von der Kirche abgelehnten Schwangerenberatung ‘Donum vitae’.
Werbeplakat von 'Donum vitae'
Werbeplakat von ‘Donum vitae’
(kreuz.net) Für die deutschen Bischöfe ist eine Mitarbeit beim Verein ‘Donum vitae’ mit einer kirchlichen Tätigkeit unvereinbar.

Das erklärte die Bischofskonferenz laut einem Bericht, der gemeinsam von der ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ und dem ‘Kölner Stadt-Anzeiger’ recheriert wurde.

‘Donum vitae’ wurde im September 1999 gegen den Willen der deutschen Bischöfe gegründet. Die Vereinigung berät schwangere Mütter und stellt ihnen auf Wunsch auch Beratungsbestätigungen aus. Diese können in Deutschland für eine legale Kinderabtreibung verwendet werden.

Die jüngste Distanzierung der Bischofskonferenz wird in den kommenden Tagen in den Amtsblättern der Bistümer veröffentlicht.

Damit erhält der Beschluß Rechtskraft.

Welche die Strafmaßnahmen im Falle eines Zuwiderhandelns sind, wurde nicht bekannt.

Die Bischofskonferenz erklärte ferner, daß es sich bei ‘Donum vitae’ um eine Vereinigung außerhalb der Katholischen Kirche handle.

Deshalb seien keine institutionellen und personellen Kooperationen mit dem deutschen Caritasverband und dem ‘Sozialdienst katholischer Frauen’ möglich.

Wer in kirchlichen Räten und Mitwirkungsgremien sowie in kirchlichen Verbänden und Organisationen Verantwortung übernimmt, solle „zum Zwecke der größeren Klarheit des kirchlichen Zeugnisses auf eine leitende Mitarbeit in Donum vitae verzichten“.

So könnten die Unterschiede zwischen ‘Donum vitae’ und der Position der Kirche besser zur Geltung gebracht werden.

Nach Ansicht der Bischöfe dient die Klarstellung der „Einheit der Kirche“. Gläubige und Bischöfe seien gemeinsam an die „Maßgaben des Papstes“ gebunden.

Nach Informationen der ‘Frankfurter Allgemeinen’ folgt der Beschluß der deutschen Bischofskonferenz einer entsprechenden Bitte der Glaubenskongregation.

Im November 2000 hatte der damalige Nuntius in Deutschland, Erzbischof Giovanni Lajolo, im Auftrag der Glaubenskongregation festgestellt, daß sich ‘Donum Vitae’ „in einem offenen Widerspruch zu den Anweisungen des Heiligen Vaters“ befindet.

Die Tätigkeit des Vereins verdunkle „das Zeugnis der katholischen Kirche, für das alle Glieder – Geistliche, Ordensleute und Laien – Verantwortung tragen“.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 16 Lesermeinungen:
Mittwoch, 28. Juni 2006 19:12
möchtegern-kathole: Neue Kongregation
etwas ironisch sollte man dem Papa-Raz die Gründung einer „Kongregation für germanische Angelegenheiten“ empfehlen und den deutschen Bischöfen das klösterliche Leben
Dienstag, 27. Juni 2006 18:21
Es geht hier um Gesinnungs- und Verantwortungsethik.

Es ist völlig klar, daß die Kirchen keine diskret „Beratungsscheine“ genannten Tötungslizenzen ausstellen dürfen. Ich selber stehe daher ohne Vorbehalt auf der Seite Roms, das solches völlig zu recht verbietet.

Andererseits wird mir entgegengehalten (von mir nicht nachprüfbar), in Ländern mit so gut wie absolutem Abtreibungsverbot (d. h. einzige Ausnahme bei unverantwortlicher Gefährung des Lebens der Mutter) sei die Anzahl der illegalen Abtreibungen höher, als bei uns die Anzahl der „legalen“.

Hieraus ergeben sich folgende Fragen:

1. Stimmt diese Behauptung?

2. Wenn diese Behauptung stimmt, zeigt das nur, daß ein Verbot alleine nichts nutzt. Hier ist noch eine Menge Bewußtseinsbildung zu leisten, und in erster Linie ist ein überzeugtes und überzeugender geschlossener Auftritt der Kirchen gefragt. Unterschiedliche Meinung innerhalb der Kirchen wirken nicht überzeugend

Die Ausstellung von Beratungsscheinen bewirkt jedenfalls den Eindruck, die Kirchen billigen die Tötung der Ungeborenen und wirkt daher verhehrend auf Bewußtseins-und Gewissensbildung.

Es geschieht schon heute sehr viel von Kirche und Privat für Schwangerschaftskonflikte. Aber offenbar geschieht noch nicht genug.
Dienstag, 27. Juni 2006 11:04
Wer dafür eine Erklärung braucht, dem kann man nicht mehr helfen.
Danke für diesen ehrlichen Satz.
Würde es sich um einen Sachverhalt handeln, der einfach zu erklären ist, dann könnten sie sicherlich die intellektuellen Kapazitäten aufbringen, diese Erklärung zu liefern.
So haben Sie zumindest außer Streit gestellt, dass dies nicht der Fall ist und die Erklärung nicht erbracht werden kann. Nun wäre noch zu erklären:
Kann sie a) nicht erbracht werden, weil es sie nicht gibt?
Oder kann sie b) nicht erbracht werden, weil sie so künstlich konstruiert, an den Haaren herbeigezogen und wirr ist, dass es Ihnen zu aufwändig wäre, sie zu erbringen?
Oder kann sie c) – was ich nicht vermute – aus dem Grund nicht erbracht werden, da Ihr Reservoir an intellektuellen Kapazitäten erschöpft ist?
Dienstag, 27. Juni 2006 10:48
Benedikt: @ aschera
Deshalb gehe ich davon aus, dass diese keine ergebnisoffene Beratung anbieten, sondern eine, die klar darauf ausgerichtet ist, den Umsatz der Abtreibungskliniken zu steigern.
Ich persönlich finde das bedenklich, sehr bedenklich!


Bedenklich? Das wäre schlicht und einfach rechtswidrig (§ 219 StGB). Im übrigen gibt es natürlich weiterhin kirchliche Beratungsstellen – sie stellen nur keine Scheine mehr aus.
Dienstag, 27. Juni 2006 09:16
Rodolfo Panetta: Erfreuliche Klarstellung!
Diese erfreuliche Klarstellung ist überfällig. Bei uns im Kreis Freudenstadt liest sich das Namensverzeichnis von „Donum Vitae“ wie das „Who is who?“ des örtlichen Funktionärskatholizismus. Die Frau des Landrats, eine Schwester von Erwin Teufel, ist Vorsitzende. Man hat den Eindruck, als bedeute „katholisch sein“ für viele in erster Linie Widerstand gegen Rom zu leisten.
Dienstag, 27. Juni 2006 00:25
methusalix †: Es erinnert doch sehr an einen gewissen Pontius Pilatus,
was die Kirchenbeamten da treiben. Sie sagen: „Wir wollen nicht mit schuld sein an Schwangerschaftsabbrüchen!“
Sie sind genau an den Schwangerschaftsabbrüchen mit schuld, die sich durch eine einfühlsame kirchliche Beratung hätten verhindern lassen. Aber kann es, angesichts der Rabulistik, die auch von höchsten Kirchenbeamten betrieben wird (Meisner von Köln, z. B.), so etwas überhaupt geben?
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