1956 wurde er von Papst Pius XII. auf Lebenszeit ernannt, 1997 von Papst Johannes Paul II. vertrieben. Jetzt ist er – 89jährig – in den Vatikan zurückgekehrt.
(kreuz.net, Vatikan) Mons. Domenico Bartolucci (89) war in der römischen Kirchenmusik über Jahrzehnte
eine Institution und Legende.
Der Priester und hochbegabte Komponist war auf Lebenszeit ernannter Dirigent
der Cappella Sistina und ein großer Meister der Polyphonie.
Die Cappella Sistina ist der Kirchenchor
für die päpstlichen Liturgien im Petersdom.
Doch im Jahr 1997 wurde Mons. Bartolucci verjagt und durch
einen neuen Chormeister ersetzt, der sich musikalisch für die Massenzelebrationen mit leichter Musik –
die Papst Johannes Paul II. so sehr am Herzen lagen – besser eignete.
In Vatikan hatte Mons. Bartolucci
zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viele Freunde. Einer von ihnen war Kardinal Joseph Ratzinger.
„Halten
sie durch, Maestro, halten sie durch!“ – soll Kardinal Ratzinger dem Kapellmeister des Petersdoms noch
nach der Messe der Heiligen Cäcilia am 22. November 1996 zugerufen haben. Es half nichts.
Nur einige
Monate später wurde der Musiker defenestriert.
Die Polyphonie war im Petersdom schon lange von der Ideologie
der aktiven Teilnahme der Gläubigen an der Liturgie in die Enge getrieben worden.
Raum für kurze Motetten
oder für den Gregorianischen Choral gab es nur noch in wenigen toten Augenblicken der Liturgie.
Um die
Meisterwerke der Polyphonie aufzuführen, mußte die Cappella Sistina auf Konzerttour gehen – zum Beispiel
in die Sowjetunion oder nach Japan. Dort erreichte Mons. Bartolucci die Nachricht, daß er abgesetzt worden
war.
Der Präsident der Accademia nazionale di Santa Cecilia, Bruno Cagli – ein Jude –, protestierte
gegen die Absetzung und zeigte sich bei Staatssekretär Angelo Kardinal Sodano besorgt, daß „das unschätzbare
religiöse und künstlerische Erbe der römischen Polyphonie verlorengehen könnte“. Der weltberühmte
Dirigent Riccardo Muti erhob seine Stimme.
Der Vatikan zeigte kein Musikgehör.
Doch jetzt erinnerte
sich der neue Papst an Mons. Bartolucci.
Der noch sehr rüstige Greis wurde eingeladen, mit dem Chor
der Stiftung Domenico Bartolucci ein Konzert in der Sixtinischen Kapelle zu geben.
Gesungen wurde die
große polyphonische Tradition, die man mit der Entlassung von Mons. Bartolucci eigentlich hatte loswerden
wollen.
Das Konzert fand am vergangenen Samstag nachmittag in Gegenwart des Papstes statt.
Es enthielt
Werke von Mons. Bartolucci und von seinem berühmten Vorgänger Giovanni Pierluigi da Palestrina († 1594).
Am Ende des Konzertes dankte der Papst Mons. Bartolucci für das Konzert und kam dann auf die Polyphonie
zu sprechen:
„Die Werke, die wir gehört haben und besonders die parallele Anordnung von Werken aus dem
16. und 20. Jahrhundert, bestärken die Überzeugung, daß die heilige Polyphonie und besonders jene der
sogenannten ‘Römischen Schule’ ein Erbe ist, das sorgfältig bewahrt, am Leben erhalten und verbreitet
werden muß.“
„Das nützt nicht nur Musikwissenschaftlern und Liebhabern, sondern der ganzen kirchlichen
Gemeinschaft, für welche diese Überlieferung ein unschätzbares geistliches, künstlerisches und kulturelles
Erbe darstellt.“
Worte, die man im Vatikan schon lange nicht mehr gehört hat.
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32 Lesermeinungen
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den Hang zur Banalität wie viele V 2 Ideologen hatte auch JP II einen ausgesprochenen Hang zur Banalität.
Die Banalität ist im religiösen Bereich was die Virtuosität im musikalischen Bereich ist. Gewisse Bravourstücke
sind dazu da, um dem ausführenden Künstler zu gestatten, sich zu profilieren und sein Können zu demonstrieren.
Auch JP hatte den ausgesprochenen Hang sich zu profilieren. Glücklicherweise ist seit der Wahl Benedikt
XVI diese Art von Exhibitionismus in den Hintergrund geraten
Musikerleben 1. Welchen Sinn macht es, einen Dienst lebenslang zu vergeben? War eine merkwürdige Entscheidung
damals. 2. Warum kann ein 80jähriger nicht in den Ruhestand geschickt werden? Ist doch kein in die Wüste
schicken. 3. Wenn dieser heute 89jährige ein Konzert leitet, hat das doch mit einer „Rehabilitierung“
nichts zu tun …
Bartolucci Wenn es sich um den Leiter des Chores der sixtinischen Kapelle und nicht des Petersdomes handelt,
folgendes: Um 1980 hat der Chor der sixtinischen Kapelle im Rahmen von „Europäische Kathedralchöre im
Dom zu Köln“ im Kölner Dom gesungen. Der Chor hatte die allerschlechteste Kritik, weil der Dirigent
die Stimmen so hochdrückte, daß der Chor kaum zu hören war. Auch die Rundfunkübertragung war ausgesprochen
schlecht. Bei einem Romaufenthalt Anfang 1982 hat mir mein damals dort lebender Bekannter dringend abgeraten,
Aufnahmen vom Chor der sixtinischen Kapelle zu kaufen, und zwar mit derselben Begründung, mit der dieser
Chor wenig vorher in Köln in Grund und Boden kritisiert wurde! Ich habe denn auch auf meine hiesige Erfahrung
verwiesen.
@Ph.Wolkenstein Mit Gregorianik und Akapella – Chören kann man keinen Petersplatz füllen. Das ist völlig
korrekt. Deshalb gehören auch die Papst-Liturgien IN die Kirche! Weg mit Marinis Open-Air-Spektakel!
#24 ExBochumer † 17:37:34 | Dienstag, 27. Juni 2006
Es wundert mich, daß Marini noch in Amt und Ehren ist – trotz Benedikt XVI. Aber vielleicht ist der jetzige
Papst zu schwach, sich gegen einige zerstörerische Kräfte zur Wehr zu setzen?
Papst – Begräbnis Der Chor ist in einem erbärmlichen Zustand. Das konnte man bei der Übertragung des
Papst – Begräbnis hören. Nix gegen die herrliche Musik beim Begräbnis von Fürst Rainier. Mit Gregorianik
und Akapella – Chören kann man keinen Petersplatz füllen. Da muß entsprechende Tontechnik her und ein
großes, gutes Orchester samt Opernchor. Diese Messe war eine Schande …
Ach… ach der Typ ist also für das jämmerliche Gewimmere des Chors von St. Peter verantwortlich? Na,
vielleicht hätte man an seiner statt jemanden einsetzen sollen, der auch was von Chorleitung versteht
URL-Korrektur Werter Sulpicius, für jene, die nicht „Kopie & Paste“ beherrschen, hier eine kleine Korrektur
Ihrer URL zum Doppelklicken… :) Sinfonia Sacra, Dokumente www.sinfonia-sacra.de/40902.html.
Es geht an St.-Peter nicht nur darum was, sondern auch wie es gesungen wird. Das Gregorianik-Geleiere,
dass uns die Capella-Sistina zumutet trägt nicht gerade zur Würde des Gottesdienstes bei. Ich wüßte
gern, was B XVI manchmal denkt, wenn er das mitanhören muß, wo er doch weit besseres gewohnt ist.
Es geht erst einmal darum,… … WAS gesungen wird. Das WIE ist sicherlich bei jedem Chor verbesserungswürdig.
Es geht hier darum, wie ich schon unten sagte, für was Bartolucci stand: nämlich für die lehramtlichen
Aussagen der Kirche zur liturgischen Musik! Das ist der entscheidende Punkt.
Mgr Marini hat ja äußerst aktiv die Ppstliturgie zerstört in den kletzten jahren nd er wollte ja auch
die Musik modernisieren da war der gute maestro im weg
So, so, Ratzinger soll also „Halten Sie durch“ gerufen haben? Dazu bitte eine Quellenangabe! Wenn man
sich den seit Jahrzehnten grauenhaften Chorgesang der Capella Sistina anhört, kann es mit den Qualitäten
des in Rede stehenden Maestros auch nicht sehr weit her gewesen sein. Aber unsere kreuz-net Oberliturgen
wissen wie immer bestens Bescheid, auch wenn sie Noten nicht von Fliegendreck unterscheiden können.
Spekulation Vielleicht konnte Mons. Bartolucci nicht Gitarre spielen, die ist doch heutzutage in unserer
hochentwickelten „Musica Sacra“ wichtig wie kein anderes Instrument. Dann ist der Rauswurf natürlich
einleuchtend, wer hatt denn „Kumbaya my Lord“ in der Messe nicht lieber als einen hochwertigen Palestrina-Satz
O:O
#7 thaumaturgos 12:35:49 | Dienstag, 27. Juni 2006
was soll die rede von zurückgekehrt? er ist neuzig … da war er eh schon pensionsreif bei seiner entlassung
und wenn der papst keinen musiker entlassen kann, was soll dann seine amtsgewalt es muss ja nicht unbedingt
eine musikalische frage gewesen sein, es könnte auch persönliches sein … dazu haben auch päpste das
recht vor paul vi. sind die leute schneller persona non grata gewesen als in den letzten jahren, aber
ich weiss es war alles so schön, die kirche der himmel auf erden … wie heissts so schön: LERNEN SIE
GESCHICHTE!
Sowjetunion? Soll damit ausgesagt werden , wenigstens die Kommunisten hätten noch guten Musikgeschmack?
Ansonsten möchte ich daruf hinweisen, daß es die UdSSR schon seit 1991 nicht mehr gab.
Polyphonie? Raum für kurze Motetten oder für den Gregorianischen Choral gab es nur noch in wenigen toten
Augenblicken der Liturgie. Ich hoffe doch, dass die päpstliche Choralschola so gut ist, dass die von
ihr gesungenen Gregorianischen Choräle nicht polyphon klingen.
Geschmacksache ist es eben nicht. Immer und in allen Dokumenten hat die Kirche den gregorianischen Choral
und die klassische Vokalpolyphonie als die ihr eigene Musik definiert. Zum Vergleich: Stellen Sie sich
mal vor, ein orthodoxer Patriarch wollte den typischen orthodoxen Kirchengesang abschaffen, weil ihm irgend
eine Art moderner westlicher Musik besser gefällt. Jeder versteht sofort, daß dieser fiktive Patriarch
nicht über der Musiktradition seiner Kirche steht und es folglich so nicht geht. Zumindest aber hat es
unser hl. Vater verstanden.
@Hódmezövásárhelykutasipuszta Es geht hier nicht um Geschmacksfragen, sondern um das, was die Kirche
in ihren lehramtlichen Texten als liturgische Musik definiert.
Johannes Paul II. Also ich finde es wirklich infam, wie seine Heiligkeit unser Papst Johannes Paul II.
hier als Linker dargestellt wird, der einfach Leute rauswirft, die ihm nicht zu Gesicht stehen. Klar gibt
es an Seiner Theologie einiges zu kritisieren, die Enzyklika Centesimus annus, die sich wie ein kommunistisches
Manifest liest, seine Anthropologie, auf die sich moralisch verderbte Nudisten immer wieder berufen, aber
ich finde trotzdem, dass der Artikel besser herausstellen hätte können, dass es hier um eine Geschmacksfrage
gegangen ist und keine theologisch-pastorale. Dem hat einfach die Musik nicht gefallen!
ich habe den äußerst rustigen Maestro in lebhafter erinnerung gebe gott daß man bald für den erzbischof
marini ein anderes betätigungsfeld findet als die päpdtliche liturgie