Kardinal von Galen war ein Englandhasser und Kriegstreiber, nicht wahr?
Anläßlich der Seligsprechung von Bischof von Galen behauptete die umstrittene Theologin Uta Ranke-Heinemann, der Löwe von Münster habe zum Krieg gegen England aufgehetzt.

Der Artikel stammt aus der Feder des Vechtaer Kirchengeschichtlers Rudolf Willenborg – ein Fachmann auf dem Gebiet des Kirchenkampfes während der nationalsozialistischen Periode.
Willenborg nimmt auf einen Artikel von Uta Ranke-Heinemann Bezug, den diese anläßlich der Seligsprechung von Kardinal von Galen in der Berliner Linksaußen-Zeitung ‘Junge Welt’ unter dem Titel „Ein Antisemit und Kriegsfreund“ publiziert hatte.
Clemens August Kardinal Graf von Galen wurde am 9. Oktober 2005 von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen.
In ihrem Artikel behauptete Frau Ranke, daß Bischof von Galen am 9. März 1941 im ‘Katholischen Kirchenblatt für das Nördliche Münsterland’ über den Krieg gegen England folgendes geschrieben habe:
„Gott hat es zugelassen, daß das Vergeltungsschwert gegen England in unsere Hände gelegt wurde. Wir sind die Vollzieher seines gerechten Willens.“
Dieses Zitat wird gerne auch von anderen antiklerikalen und kirchenfeindlichen Autoren kolportiert.
Kardinal von Galen sei – so Willenborg – in diesem Zusammenhang als „Kriegshetzer, Militarist, Kriegsbefürworter oder Kriegstreiber“ bezeichnet worden.
Historiker, die solche Aussagen als falsch entlarvten, würden dagegen als „Apologeten, Hagiographen oder Panegyriker“ apostrophiert.
Willenborg hat das von Frau Ranke verwendete Zitat auf einen Aufsatz des linkskatholischen Publizisten und Pazifisten Johannes Fleischer zurückgeführt.
Der Aufsatz mit dem angeblichen Zitat erschien 1956 unter dem Titel „Der Mythos vom heiligen Widerstandskämpfer“. Zu seiner Quelle schreibt Fleischer einleitend:
„Wohl aber durfte das ‘Katholische Kirchenblatt für das nördliche Münsterland’ vom 9. März 1941 (…) mit bischöflicher Billigung (…) der Volksverdummung im Interesse des Verbrechers Hitler und seines Massengemetzels folgendermaßen behilflich sein.“
Darauf folgt das angeblich Galen-Zitat zum Krieg gegen England.
Doch nach einem Blick in die entsprechende Ausgabe des ‘Katholischen Kirchenblatts für das nördliche Münsterland’ stellte Willenborg fest, daß der zitierte Text gar nicht von Bischof von Galen stammt.
„Es handelt sich vielmehr um einen rein fiktiven Text von einem Autor namens Willi Lindner unter der Überschrift »Die göttliche Gerechtigkeit im Kriege«“ – so Willenborg.
Erzählt wird eine frei ausgemalte Geschichte von drei Männern, die sich treffen, um über den Krieg gegen England zu reden.
Der Charakter der Geschichte wird aus den ersten Sätzen deutlich:
„Der alte Permoser hatte seine Pfeife frisch gestopft und setzte sie mit einer feierlichen Umständlichkeit in Brand. Als die Glutkrumen aufleuchteten und der Knasterqualm ihn blau umwölkte, nickte er zufrieden vor sich hin.“
Anschließend sprechen die drei Männer über den Krieg gegen England. Dabei werden gängige, durch nationalsozialistische Propaganda genährte Volksmeinungen wiedergegeben.
Fleischer hat offenbar für seinen Aufsatz im Jahr 1956 willkürlich Sätze aus den Aussagen der drei Männer zusammengeschrieben.
Ohne Kenntlichmachung von Auslassungen konstruierte er sie zu einem „Galen-Zitat“.
Nun könnte man sagen – so der Einwand von Willenborg –, daß das Zitat zwar nicht aus dem Munde von Bischof von Galen stamme, aber trotzdem in einem von ihm autorisierten Kirchenblatt, wenn auch in einer etwas skurrilen Form, erschienen sei.
Auch zu diesem Argument fand Willenborg interessante historische Details und erinnert an eine Begebenheit zu Beginn des Jahres 1937.
Damals sollten alle deutschen Kirchenzeitungen eine Nachricht des ‘Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda’ veröffentlichen.
Darin wurde ein Sittlichkeitsdelikt wahrheitswidrig und in sehr gehässiger Weise als Affront gegen die Kirche benützt.
Der Bischof von Münster – Mons. Clemens August von Galen – wies die Schriftleiter der kirchenamtlichen Bistumsblätter an, die Aufnahme der Nachricht abzulehnen.
Ansonsten könnte der Eindruck entstehen, daß der Text von kirchlicher Seite stamme.
Die Verleger gehorchten. Darauf durften ihre Blätter nicht mehr erscheinen.
Nur der Verleger des ‘Katholischen Kirchenblattes für das nördliche Münsterland’ folgte den Anweisungen der Behörden und nahm die Nachricht auf.
Auch dort erschien der Artikel nicht im Hauptblatt, sondern nur in einer beschränkt aufgelegten Beilage.
Das Kirchenblatt konnte daraufhin als einziges weiter erscheinen. Es wurde aber in der Folge von den Gläubigen durch Nichtkauf und Abbestellung boykottiert.
Mons. von Galen entzog dem ‘Kirchenblatt’ in der Folge die Anerkennung als kirchenamtliches Bistumsblatt.
Aus dem Fall entwickelte sich eine scharfe Kontroverse zwischen Bischof Galen und Propagandaminister Goebbels.
Am 1. Juni 1937 übersandte Bischof von Galen allen Ordinariaten Deutschlands seinen Schriftwechsel mit Minister Goebbels.
Darin teilte er unter anderem mit, daß der Verleger und Drucker des ‘Kirchenblattes für den nördlichen Teil der Diözese Münster’ ohne Vorwissen des Bischofs gehandelt hatte.
Der letzte Satz des Schreibens von Mons. von Galen lautete:
„Wie ich höre, hat aber ein großer Teil der früheren Bezieher dieses Blattes, das ich nicht mehr als ‘kirchenamtliches Bistumsblatt’ anerkennen kann, dasselbe abbestellt.“
Soweit die Fakten.
Am 23. September 1978 wurde zum hundertsten Geburtstag des Kardinals in Münster ein Denkmal errichtet.
Dagegen protestierten die Ortsgruppe Münster des ‘Deutschen Freidenkerverbandes’ und eines ‘Antifaschistischen Arbeitskreises Münster’ mit zwei Flugblättern.
Eines der Flugblätter enthielt das dem Löwen von Münster untergejubelte England-Zitat.
Publizistisch begleitet wurde die Aktion des ‘Freidenkerverbandes’ durch eine Broschüre von Reinhold Schmidt mit dem Titel „Der Kardinal und das 3. Reich. Legende und Wirklichkeit über Kardinal von Galen“.
Auch darin findet sich das Zitat.
Als der Seligsprechungsprozeß für den Löwen von Münster begann, tauchte das gefälschte Galen-Zitat wieder gehäuft auf.
Unter anderem kochte eine Zeitung, die sich ‘Mahnmal – Initiative für die Millionen Opfer der Kirche’ nannte und der Sekte ‘Universelles Leben’ nahesteht, die Galen-Legende wieder auf.
Die umstrittene Theologin Uta Ranke-Heinemann faßt ihre „Recherche“ wie folgt zusammen:
„Um den Bischof von Münster, Graf Galen, hat sich die Lebenslüge des deutschen Nachkriegskatholizismus vom angeblichen Widerstand der offiziellen Kirche am dichtesten zusammengesponnen.“
Frau Ranke-Heinemanns Artikel in der ‘Jungen Welt’ wurde von verschiedenen kommunistischen Blättern und Internetzeitungen übernommen.
Daneben meldete sich auch die ‘Nationaldemokratische Partei Deutschlands’ (NPD) zu Wort.
Eine pazifistische ‘Friedens-Zeitung’, die ihre Seite auch ins Internet gestellt hatte, trug den Titel „Denk mit und handle“. Die Überschrift ihres Beitrages lautete: „Seligsprechung eines Kriegstreibers“.
Unter den Quellen, mit denen belegt werden sollte, daß Mons. von Galen ein Kriegstreiber sei, führte man das England-Zitat an, um im Anschluß daran festzustellen:
„Mit solchen Aussagen hat der Kardinal die ,Todesmaschinerie’ nicht gebremst, sondern kräftig mitangekurbelt.“
Der antikirchliche Autor Karlheinz Deschner verwendet in verschiedenen Publikationen eine etwas andere Version des Fleischer-Zitates.
Die Art der Zusammenstellung ist aber die gleiche wie bei Fleischer.
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Montag, 3. Juli 2006 10:40
Pünktchen: Falsches wird durch Wiederholung nicht wahr
Zum angebl. „Antisemitismus“ von Galens fehlt in dem Beitr. von URH jeder Beleg! Auf einer wiss. Tagung
zu diesem Thema:
Joachim Kuropka (Vechta) stellte sich dem heiß umstrittenen Thema „Bischof von Galen und die Juden“. Unter Verw. auf die mangelhafte Rezeption der bisherigen Literatur, die sich etwa in den Falschinformationen der „Enzyklopädie des Holocaust“ … widerspiegelt, gab der Referent zunächst eine Zusammenfassung des akt. Forschungsstandes. So verwies er etwa auf Wilhelm Dambergs bisl. zu wenig beachtete Entdeckung, dass die Bistumsleitung in Münster im Juni 1938 alle Pfarrer angewiesen hat, eine den Antisemitismus kritisch beurteilende Broschüre mit dem Titel „Die Nathanaelfrage unserer Tage“ den Gläubigen zur Lektüre zu empfehlen. Kuropka betonte ferner das gute persönliche Verhältnis Galens zum Münsteraner Rabbiner Fritz Steinthal. Für dessen aus der Erinnerung getroffene Aussage, nach der Pogromnacht sei auf Anordnung Galens in allen Kirchen des Bistums Münster für die Juden gebetet worden, fehlen Nachweise in den kirchlichen Archiven, doch konnte der Referent bestätigende Belege aus rheinländ. Gestapoakten anführen. In seinem Resümee betonte er die Einmaligkeit der Broschürenverbreitung und der Gebetsaktion. Den richtigen Zeitpunkt zur „Flucht in die Öffentlichkeit“ in der Frage der Judenverfolgung habe Galen jedoch wie die anderen Bischöfe verpasst, was er sich nach eigenem Bekunden später selbst zum Vorwurf gemacht hat.
Joachim Kuropka (Vechta) stellte sich dem heiß umstrittenen Thema „Bischof von Galen und die Juden“. Unter Verw. auf die mangelhafte Rezeption der bisherigen Literatur, die sich etwa in den Falschinformationen der „Enzyklopädie des Holocaust“ … widerspiegelt, gab der Referent zunächst eine Zusammenfassung des akt. Forschungsstandes. So verwies er etwa auf Wilhelm Dambergs bisl. zu wenig beachtete Entdeckung, dass die Bistumsleitung in Münster im Juni 1938 alle Pfarrer angewiesen hat, eine den Antisemitismus kritisch beurteilende Broschüre mit dem Titel „Die Nathanaelfrage unserer Tage“ den Gläubigen zur Lektüre zu empfehlen. Kuropka betonte ferner das gute persönliche Verhältnis Galens zum Münsteraner Rabbiner Fritz Steinthal. Für dessen aus der Erinnerung getroffene Aussage, nach der Pogromnacht sei auf Anordnung Galens in allen Kirchen des Bistums Münster für die Juden gebetet worden, fehlen Nachweise in den kirchlichen Archiven, doch konnte der Referent bestätigende Belege aus rheinländ. Gestapoakten anführen. In seinem Resümee betonte er die Einmaligkeit der Broschürenverbreitung und der Gebetsaktion. Den richtigen Zeitpunkt zur „Flucht in die Öffentlichkeit“ in der Frage der Judenverfolgung habe Galen jedoch wie die anderen Bischöfe verpasst, was er sich nach eigenem Bekunden später selbst zum Vorwurf gemacht hat.
Montag, 3. Juli 2006 10:12
Parzifal: @ Pünktchen
Wird eine solche aufgedeckt, wird der Fehler zwar kleinlaut eingestanden, aber sogleich übertönt von
einem neuen Schwall vollmundiger Anschuldigungen auf der Basis dubioser Mutmaßungen.
Nun machen Sie mal halblang. Nach diesem Prinzip arbeitet eher kreuz.net als Ranke-Heinemann. Außerdem hat sie doch völlig recht. Nur weil ein Zitat falsch ist muss deshalb nicht gleich die ganze Meinung fehlerhaft sein.
Übrigens: ich bin nicht DDL, nicht deusexmachina, semiotico oder sonstwer. Ich bin ich!
Nun machen Sie mal halblang. Nach diesem Prinzip arbeitet eher kreuz.net als Ranke-Heinemann. Außerdem hat sie doch völlig recht. Nur weil ein Zitat falsch ist muss deshalb nicht gleich die ganze Meinung fehlerhaft sein.
Übrigens: ich bin nicht DDL, nicht deusexmachina, semiotico oder sonstwer. Ich bin ich!
Montag, 3. Juli 2006 08:37
Pünktchen: So ein Pech, methusalix,
soeben beschwert sich die Autorin Uta Ranke-Heinemann in einem Leserbrief an die FAZ, daß der Historiker
Willenborg sich in seinem Artikel nur auf das als falsch überführte England-Zitat gestützt habe, nicht
aber zugleich auf andere von ihr gelieferte Belege für die angebl. „Kriegsbereitschaft“ und den angebl.
„Antisemitismus“ des Bischofs! Sie gibt damit zu, daß das Zitat nicht von Galen stammt. Um nur ja doch
noch etwas von ihrer Kolportage zu retten, stellt sie die Frage: „Warum weigerte er sich nach dem Krieg,
engl. Journalisten zu empfangen?“ – Wie peinlich diese Frau inzwischen ist!
Es bleibt also dabei: URH betreibt Hetze, sie scheut vor Verleumdungen nicht zurück! Wird eine solche aufgedeckt, wird der Fehler zwar kleinlaut eingestanden, aber sogleich übertönt von einem neuen Schwall vollmundiger Anschuldigungen auf der Basis dubioser Mutmaßungen.
URH hat offenbar längst die Basis seriöser Wissenschaft aufgegeben und verdient ihr Geld mit antikirchl. Propaganda! (Damit ist viel Geld zu machen: s.a. Küng, Drewermann, Auflagenmillionäre!)
Es bleibt also dabei: URH betreibt Hetze, sie scheut vor Verleumdungen nicht zurück! Wird eine solche aufgedeckt, wird der Fehler zwar kleinlaut eingestanden, aber sogleich übertönt von einem neuen Schwall vollmundiger Anschuldigungen auf der Basis dubioser Mutmaßungen.
URH hat offenbar längst die Basis seriöser Wissenschaft aufgegeben und verdient ihr Geld mit antikirchl. Propaganda! (Damit ist viel Geld zu machen: s.a. Küng, Drewermann, Auflagenmillionäre!)
Freitag, 30. Juni 2006 18:53
methusalix †: aka obelix @Pünktchen
Pünktchen: obelixWieso glauben Sie eher nicht an eine Verleumdung?
Weil ich den hier geführten Beweis im Bereich der Kolportage oder Propaganda sehe.
Sie können aber an meiner etwas vorsichtigen Formulierung mit „eher“ erkennen, dass ich mir nicht ganz sicher bin, da mir die genaue Kenntnis des Falles fehlt.
Viel wichtiger erscheint mir, dass ein Mann wie Galen, der im Rampenlicht steht, immer zur Zielscheibe von Verleumdungen werden wird. Wenn er dann jedesmal einen Propagandkrieg oder gar Rechtsfolgen auskösen würde, stünde er zum Schluss so lächerlich da, wie Schröder mit seinem „Haarfärbeprozess“. Will sagen, ein Mann wie von Galen hat meiner Ansicht nach so etwas am allerwenigsten nötig. Deswegen mein Vergleich mit Schwein und Eiche.
Weil ich den hier geführten Beweis im Bereich der Kolportage oder Propaganda sehe.
Sie können aber an meiner etwas vorsichtigen Formulierung mit „eher“ erkennen, dass ich mir nicht ganz sicher bin, da mir die genaue Kenntnis des Falles fehlt.
Viel wichtiger erscheint mir, dass ein Mann wie Galen, der im Rampenlicht steht, immer zur Zielscheibe von Verleumdungen werden wird. Wenn er dann jedesmal einen Propagandkrieg oder gar Rechtsfolgen auskösen würde, stünde er zum Schluss so lächerlich da, wie Schröder mit seinem „Haarfärbeprozess“. Will sagen, ein Mann wie von Galen hat meiner Ansicht nach so etwas am allerwenigsten nötig. Deswegen mein Vergleich mit Schwein und Eiche.
Freitag, 30. Juni 2006 15:44
Pünktchen: obelix
Wieso glauben Sie eher nicht an eine Verleumdung?
Freitag, 30. Juni 2006 15:34
obelix †: Sollte es wirklich eine Verleumdung gewesen sein,
was ich bezweifle, so hat einer vom Format des „Löwen von Münster“ sicher die Einstellung: „Was juckt
es die deutsche Eiche, wenn sich das Schwein an ihr die Schwarte wetzt!“
Alle hier sollten viiiiiiiiel ruhiger werden und ihren Adrenalinspiegel runterfahren. Adrenalin ist das reinste Gift! Also bleibb coooool zwobbel.
Alle hier sollten viiiiiiiiel ruhiger werden und ihren Adrenalinspiegel runterfahren. Adrenalin ist das reinste Gift! Also bleibb coooool zwobbel.
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