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Donnerstag, 29. Juni 2006 14:03
Ein Fall für den Gesinnungsrichter?
In einem Interview äußerte ein Kurienkardinal die Befürchtung, daß die Kirche für ihren Einsatz für Lebens- und Familienrechte bald schon gerichtlich verfolgt werden könnte.
(kreuz.net, Vatikan) Stammzellenforscher, die mit Kleinstkindern hantieren, sind exkommuniziert.

Das betonte Alfonso Kardinal Lopez Trujillo, der Präsident des Päpstlichen Rates für die Familie, in einem Interview mit der italienischen Wochenzeitung ‘Famiglia Cristiana’.

Die vorsätzliche Zerstörung von menschlichen Embryonen zu Forschungszwecken komme einer Kinderabtreibung gleich – so der Kardinal.

Genauso, wie alle an einer Kinderabtreibung Beteiligten mit dem Kirchenbann belegt seien, sei dies bei der Stammzellenforschung an Kleinstkindern der Fall.

Bei einer Kinderabtreibung treffe die Exkommunikation den Abtreiber, seine Gehilfen und die Kindsmutter. Wenn der Kindsvater der Schlachtung zustimme, sei auch er exkommuniziert.

Bei der Forschung an Kleinstkinderzellen treffe die Exkommunikation die Eltern, die beteiligten Ärzte und die Forscher, „die den Embryo eliminieren“.

Politiker, welche die Kinderabtreibung befürworten, sollten nicht zur Heiligen Kommunion gehen, so der Kurienkardinal.

In dem Interview gestand Kardinal Trujillo, daß er über derzeitige politische Trends tief besorgt sei.

Es gebe Forderungen, daß die Kirche für ihren Einsatz für das Lebensrecht ungeborener Menschen, für die Ehe zwischen Mann und Frau und für ihre Verteidigung der Familie mit Strafen belegt werden solle.

In der westlichen Welt hätten Handlungen, die einst als „Verbrechen erkannt wurden“, heute den Status von Rechten.

Gleichzeitig gelte es als eine Art Straftat, wenn man über die Verteidigung des menschlichen Lebens oder Familierechte nur spreche.

Der kolumbische Kurienkardinal beschrieb in dem Interview auch, daß das Leben in den Augen der Gegenwartskultur nicht mehr heilig und unantastbar sei: „Es ist zu etwas Manipulierbaren in der Hand des Menschen geworden.“

Die Kirche sei in Gefahr, vor Internationale Gerichte gezerrt zu werden – wenn sich der derzeitige politische Trend fortsetze.

Dennoch sei die Kirche weiterhin entschlossen, das menschliche Leben zu verteidigen.

Die italienische Tageszeitung ‘La Repubblica’ kommentierte, daß das heute veröffentlichte Interview so kurz vor der Papstreise zum Weltfamilientreffen in Spanien „ein Angriff mit gezücktem Schwert“ sei.

Papst Benedikt XVI. und Kardinal Trujillo werden Anfang Juli zum Weltfamilienkongreß ins Ostspanische Valencia reisen.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 13 Lesermeinungen:
Freitag, 30. Juni 2006 01:36
Knecht Ruprecht: Das die Kriche
praktisch immer im Krieg mit Regierungen ist, da diese oft gegen das Christentum gerichtet Politik betreiben ist seit 2000 Jahren nichts neues.


Richtig Knecht!
Wenn Sie heute laizistische, also religiös neutrale Regierungen, was die Regierung in Berlin NICHT ist (die in München gleich gar nicht, obwohl Hundhammer tot ist), als gegen die römisch-katholische Kirche eingestellt sehen, nur weil die Kirchenbeamten nicht mehr ganz besonders privilegiert sind, sollten Sie sich auf bittere Zeiten vorbereiten. Die weltliche Macht der Hierarchen ist hin.
Andererseits kann man dies auch als die grosse Chance begreifen. Die Kleriker können jetzt in einem Sturm der Mission verloren gegangenes Terrain durch Überzeugungskraft und vor allem vorbildliches Verhalten den Menschen gegenüber so zurückgewinnen, dass die Bindung der Menschen an ihren Glauben fester denn je sein wird. Solange sich Pfaffen jedoch um die richtige Zeit zur Kniebeuge, die richtige Stellung des Altars oder falsche Kirchenmusik zanken, ist diese Chance vertan, wie so oft.
Freitag, 30. Juni 2006 00:15
Onan †: @Beobachterin
So etwas kennt man sonst nur in Diktaturen.

Weil also nicht nur die 2er Beziehung gelehrt wird, sondern auch die anderen Beziehungskonstellationen, die auch bereits eifrig gelebt werden, glauben Sie in einer Diktatur zu leben?

Eine Diktatur wäre es, wenn nur die Zweierbeziehung, aber nicht die ganze Fülle der möglichen Lebensformen gelehrt werden würde!

Auch wenn es Ihnen schwer fällt dass zu glauben, nicht alle haben das zweifelhafte Glück von einer Idee (in Ihrem Fall der Katholizismus) so besessen zu sein, dass jede Alternative einem diktatorisch vorkommt
Freitag, 30. Juni 2006 00:12
Uwe Schmidt: Trujillo
Trujillo übertreibt mal wieder ein bisschen. Im Moment kann der Kirche noch keiner was, wir sind noch ziemlich stark. Wenn wir uns allerdings in einen antiislamischen Religionskrieg hineinziehen lassen und uns dadurch für immer und ewig als moralische Instanz diskreditieren, dann wird es für die Mächtigen dieser Welt ein Leichtes, die Kirche schlicht zu verbieten.
Donnerstag, 29. Juni 2006 22:09
Gotthard: Gesetz ist notwendig
als daß sie gegen Antidiskriminierungsgesetz usw. lauthals die Stimme erheben.
Hoffentlich kommt das Anti-Diskriminierungsgesetz bald … dann können Rolli-Fahrer nicht mehr aus Restaurants geworfen werden …
Donnerstag, 29. Juni 2006 22:08
Beobachterin: gefährliches Fahrwasser
Ich halte es sehr gut für möglich, daß die Befürchtung des Kurienkardinals wahr werden kann.

Wie ich soeben auf der Homepage der Christlichen Mitte las, verbietet es die „Handreichung für die Sexualerziehung an Berliner Schulen“ den Lehrern, „die Schüler am Leitbild Familie zu orientieren, weil die traditionelle ‘Zwei-Eltern-Familie’ nur eine Lebensform neben vielen anderen“ sei.

Unterrichtsziel sei „die altersgemäße Vermittlung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen in ihrer Vielfalt.“

Kein Wunder, daß man in Berlin keinen katholischen Religionsunterricht mehr zulassen will – dort würde nämlich etwas anderes verkündet werden.

Es ist noch keine offene Christenverfolgung – aber eine subtile Art von Unterdrückung. So etwas kennt man sonst nur in Diktaturen.
Donnerstag, 29. Juni 2006 20:21
Babylon †: Da speit ja einer schon richtig Geifer!!
Boahh, was bin ich froh, daß Fanatiker wie Du nur noch in Wunschträumen ihre Allmachtsphantasien und Allverbrennungs- und Abschlachtungsphantasien von allem, was nicht fanatisch-katholisch ist, ausleben können!

Du mußt ja ganz schön frustriert sein. Kommt wahrscheinlich von der unterdrückten Sexualität. Kann man was gegen tun.

P.S.: „geballte Macht der Gläubigen! wo sind die denn alle?
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