Deutschland
Erleuchtungen zum Anlaß der Fußballweltmeisterschaft
In Hamburg hat das gegenwärtige Fußballfieber auch die dortige katholische Erzdiözese erfaßt. Doch dann meldete sich die Hamburger Kulturbehörde. Von Johanna Wieder.
(kreuz.net, Hamburg) Das gegenwärtig grassierende Fußballfieber hat in diesen Tagen so manche Kuriosität hervorgerufen.

So installierte der Künstler Michael Batz in den letzten Wochen in Hamburg an Bürohäusern, Hotels und anderen Gebäuden über hundert „Blue Goals“ als sogenanntes Kunstprojekt zur Weltmeisterschaft.

Es ist verständlich, daß unser fußballbegeisteter Erzbischof Werner Thissen, seinen Dom auch gerne mit so einem „Blue Goal“ dekoriert hätte.

Erzbischof Thissen im Fußballfieber
Der Künstler Michael Batz installierte in den letzten Wochen in Frankfurt an Bürohäusern, Hotels und anderen Gebäuden über hundert "Blue Goals" - eine nicht besonders beeindruckende Konstruktion aus Leuchtstoffröhren - als sogenanntes Kunstprojekt zur Weltmeisterschaft.Künstler Batz, der Vertreter eines Sponsors und Dompropst Nestor Kuckhof illuminierten das 115. Blue Goal um die Statue des Heiligen Ansgar vor dem Dom in Hamburg.

Das Bistumsblatt berichtete über die Vorgänge.Ursprünglich sollte sich das Blue Goal nicht vor dem Dom, sondern als Freiluft-Installation zwischen den Domtürmen befinden. Doch das lehnte der Denkmalschutz ab.

Allerdings erfuhr man am 21. Mai in der vom Erzbischof herausgegebenen ‘Neuen Kirchenzeitung’ 2006, daß das Denkmalschutzamt dem Ansinnen des Erzbistums einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Die Behörde verbot dem Erzbistum, das „Blue Goal“ – eine nicht besonders beeindruckende Installation aus blauen
Hamburger Denkmalamt:
„Die Pietät läßt es nicht zu, daß Gebetsstätten als Werbeflächen für die Fußball-Weltmeisterschaft dienen.“
Leuchtröhren – in luftiger Höhe zwischen den Domtürmen anzubringen.

Begründung des Pressesprechers der Hamburger Kulturbehörde:

„Die Pietät läßt es nicht zu, daß Gebetsstätten als Werbeflächen für die Fußball-Weltmeisterschaft dienen.“

So mußte das „Blue Goal“ damit vorlieb nehmen, eine moderne Metallskulptur des Heiligen Ansgar auf dem Domvorplatz einzufassen.

Die Erzdiözese hat sich mit dieser Lösung abgefunden. Entsprechend zeigte die ‘Neue Kirchenzeitung’ den Dompropst Nestor Kuckhoff, der bei der Illumination des Kunstwerkes in einem schnittigen blauen Zweireiher mit Krawatte davor lächelt.

Bemerkenswert ist, daß dem leitenden Redakteur der ‘Neuen Kirchenzeitung, dipl. theol. Andreas Hüser, in seinem Kommentar in der Kirchenzeitung die hier vorliegende verkehrte Welt nicht entgangen ist:

Die städtische Behörde sorgt sich um die Heiligkeit der Kirche, während sich die Kirche um die Vermarktung der Fußball-Weltmeisterschaft in Hamburg kümmert.

Weitere Impulse zur Weltmeisterschaft erhalten die Gläubigen im Erzbistum Hamburg durch das Büchlein „90 Minuten. Anstöße eines Fans“.

Es wurde vom Erzbischof zur Weltmeisterschaft verfaßt und ist für 4,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

Im Büchlein sieht der geneigte Leser den Erzbischof beim Tischfußball und
erfährt aus dem Munde von Franz Beckenbauer wie es der Fußball-Kaiser so mit dem Empfang der Heiligen Kommunion hält.

Beckenbauer ist sicherlich kompetent in solchen Fragen, hat er doch vor einigen Tagen seine Konkubine, mit der er schon zwei Kinder hat, in dritter Ehe geheiratet.

Es ist für die neue „Familie“ auch liturgisch sehr passend, daß die Brautleute den 23. Juni 2006 – das Hochfest vom Heiligsten Herzen Jesu – als Hochzeitstag gewählt haben.

Originaltext:

„Ich bin kein Kirchgänger. Das letzte Mal war’s bei der Europameisterschaft vergangenes Jahr in Lissabon. Ich bin mit der Heide spazieren gegangen und habe dabei eine Kirche besucht.

Da war gerade eine Messe und der Pfarrer verteilte die Oblaten. Hab ich mir gedacht, stellst dich an als guter Christ. Und der gibt mir die Hand und ich gehe wieder, so zehn Meter.

Da saust der Pfarrer mir hinterher, klopft mir auf die Schulter und macht das Zeichen: Essen!“


Schließlich erzählt der Erzbischof aus der eigenen Biographie wie er im Jahr 1966 als neugeweihter Priester ein wichtiges Fußballspiel dem pünktlichen Dienstantritt als Priester vorzog.

Zum Glück war sein vorgesetzter Pfarrer auch ein Fußballfan.
      
10 Lesermeinungen
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#10   SALOMON   12:11:26 | Mittwoch, 12. Juli 2006
Verallgemeinerung
Natürlich ist es nicht richtig die Kirche als Werbefläche zu missbrauchen. Dennoch bin ich der Meinung, dass man nichts gegen die Weltmeisterschaft sagen kann und darf, da diese eine in sich absolut gute Sache ist. Man soll also nicht zwischen den Zeilen verallgemeinernd aussagen die Weltmeisterschaft wäre schlecht.
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#9   Sulpicius   21:47:51 | Montag, 3. Juli 2006
Genau
gegenüber dem neuen Pfarrer auch nicht sein…
Genau. Vor allem nicht, wenn er vom „Geist des Konzils“ angehaucht ist.
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#8   Gotthard   21:42:48 | Montag, 3. Juli 2006
Endspiel 1966
Das kann ich doch absolut verstehen, dass der junge Kaplan Thissen wegen des Endspiels der WM 1966 zu spät in die erste Kaplansstelle kam … soooooo wichtig kann Pünktlichkeit gegenüber dem neuen Pfarrer auch nicht sein…
ich selbst habe das Endspiel in Stockholm vor dem Schaufenster eines Fernsehgeschäftes zusammen mit einer katholischen Jugendgruppe verfolgt …
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#7   _Ungläubig-   20:54:42 | Montag, 3. Juli 2006
@ Babylon
Ja die Kirche ist immernoch Werbefläche. Letztens noch für H&M Bikinis. :-)
Zum Text:
das „Blue Goal“ – eine nicht besonders beeindruckende Installation aus blauen
Na dann ist der Verfasser aber noch nicht Nachts durch die Stadt gefahren. Schaut schon sehr schön alles aus.
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#6   Babylon †   15:35:55 | Montag, 3. Juli 2006
@ Sünder: Ich halte es mehr mit Kohelet,
meinem Lieblingsbuch der Bibel. Einfach deshalb, weil dort keine göttliche Offenbarung behauptet wird, sondern der Autor ganz aus sich heraus als Philosoph spricht.
Kohelets skeptisch-relativierenden, fast schon nihilistischen Denkansatz würde ich Dir mal empfehlen. Es ist einfach unglaublich „modern“. !:)
Und da steht letztendlich, daß das Diesseits zwar irgendwie sinnlos („Windhauch“), aber trotzdem eine gute Sache ist, danach kommt die dunkle Unterwelt.
„Da pries ich die Freude; denn es gibt für den Menschen kein Glück unter der Sonne, es sei denn, er ißt und trinkt und freut sich.“ (Koh 7,15) O:O
Das klingt doch schon viel weltfreundlicher… :-]
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#5   Peccator   15:27:21 | Montag, 3. Juli 2006
@ Babylon und den Erzbischof
„Ihr ehebrechisch Gesinnten, wißt ihr nicht, daß die Liebe zur Welt Feindin Gottes ist?
Wer also ein Freund der Welt sein will, macht sich zum Feind Gottes“ (Jak. 4.4).
Möchten Sie, Herr/Frau Babylon éin Feind Gottes sein? Die Freiheit dazu hat Gott Ihnen gegeben. Die Folgen Ihrer Handlungen müssen Sie dann aber auch IHM gegenüber verantworten. Ebenso wie Ihr Freund, der Erzbischof.
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#4   zwobbel   14:15:49 | Montag, 3. Juli 2006
Entbehrlich
Dümmer gehts nimmer.
Völlig platt!
Wozu der Zeit hat!?
Lächerlicher Einschleimer.
Thema verfehlt: Null Punkte!
Wozu ist so einer Bischof?
Hat er keine anderen Sorgen?
„Ihr seit das Salz der Erde. Wenn das Salz schal geworden ist, wird es hinaus geworfen und zertreten.“
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#3   Babylon †   14:01:21 | Montag, 3. Juli 2006
Ich klopfe Thissen auf die Schulter!
Mir gefällt das. Nicht so verbohrt. Der hat keine ängstliche Frömmigkeit wie so viele hier.
Da ich mich in HH ganz gut auskenne: Warum hat das Denkmalamt nicht verboten, daß die ev. Petrikirche (direkt neben dem Rathaus) lange Zeit als Werbefläche benutzt wurde? Da hingen große Werbetransparente vor der Fassade, damit die Gemeinde Geld für Renovierungen bekommt.
Ob das immer noch so ist, weiß ich nicht.
Aber diese Installation zwischen den beiden Türmen: Das wäre seeeehr gut gewesen!
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#2   Krzyszek   12:19:29 | Montag, 3. Juli 2006
Typisch?
„So installierte der Künstler Michael Batz in den letzten Wochen in Frankfurt an Bürohäusern, Hotels und anderen Gebäuden über hundert „Blue Goals“ als sogenanntes Kunstprojekt zur Weltmeisterschaft.“
Ist ja interessant, dass Werner Thissen als Hamburger Erzbischof auch in Frankfurt einen Dom hat. Oder hat Michael Batz sein in Hamburg in Deutschland einzigartiges Projekt auch in Frankfurt am Main noch einmal installiert? Oder ist dieses „Lapsus“ wieder nur typisch für die Arbeit der kreuz.net-Redaktion?
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#1   Sulpicius   11:16:18 | Montag, 3. Juli 2006
Tja, da sieht man wieder, …
… was wir für bekloppte Prälaten durchfüttern.
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