20:46:40 | Sonntag, 2. Juli 2006
Man tagte in der Turnhalle auf dem Areal des Franziskushauses – und alle waren froh darüber. Turnhalle? Von Stefan Löbel.
(kreuz.net, Altötting) Die Rede ist von der diesjährigen sechsten Altötting-Wallfahrt der katholischen
Laien- organisationen ‘Pro Sancta Ecclesia’ und ‘Vereinigung der Initiativkreise katholischer Laien und
Priester
im deutschen Sprachraum’. Sie fand Mitte Juni statt.
Für den Gottesdienst ist den Anhängern
des überlieferten Ritus nur das Beste gut genug.
Für ihre Tagungen ist dagegen entscheidend, ob der
Raum zweckmäßig ist.
Freilich mußten am letzten Tag der Wallfahrt zusätzlich Stühle herangeschafft
werden, weil die vorgesehenen Sitzgelegenheiten nicht reichten.
Die Fußwallfahrer waren drei Tage unterwegs.
Nachdem die Anmeldungen zunächst zögerlich eingingen, waren die zwei geplanten Fußwallfahrten zusammengelegt
worden.
Das war etwas voreilig. Denn offensichtlich vertrauten die Teilnehmer auf das im Vorjahr gezeigte
Improvisationstalent der Organisatoren und warteten bis zum letzten Augenblick mit der Anmeldung.
Am
Start in Forsting östlich von München fanden sich über vierzig Pilgern ein – deutlich mehr als zum
gleichen Zeitpunkt des Vorjahrs. Dann machte sich auch eine österreichische Gruppe von sechzehn Pilgern
mit einem Priester auf den Weg.
Im Westen folgten die täglichen Heiligen Messen den Steigerungen des
Vorjahres: vom würdig ausgestatteten Saal eines Gasthauses am Donnerstag, zur Dorfkirche am Freitag,
bis zum Pontifikalamt in der Basilika am Samstag.
Eine solche Abwechslung müssen die Gläubigen der
Alten Liturgie bekanntlich schon seit Jahrzehnten auf sich nehmen. Messen in Basiliken – die einst für
diesen Ritus gebaut wurden – sind immer noch die große Ausnahme.
Der mühsame Weg der kleinen Pilgerschar
samt Durst und Hitze entspricht dem kirchengeschichtlichen Augenblick. Auch Blitz und Donner begegneten
dieses Jahr den Fußpilgern.
Da nahmen spontane Pfadfindereltern die zwölf Pilger, die auf Zelte angewiesen
waren, in ihr Haus auf und boten ihnen Verpflegung und Unterkunft.
Das schon Ende 2005 beschlossene Thema
für die Vorträge im Franziskushaus in Altötting – die Bedeutung katholischer Familien für ein christliches
Europa – wurde von Monat zu Monat aktueller.
Denn die in den IK-Nachrichten schon seit Jahren aufgezeigte
demographische Krise rückt langsam auch einer breiten Öffentlichkeit ins Bewußtsein.
Pater Bernward
Deneke von der Petrusbruderschaft sprach über das Ehesakrament nach Eph 5. Er verglich diese Darlegung
mit dem nicht nur im Protestantismus verbreiteten Verständnis der Ehe als ein „weltlich Ding“.
Inge
Thürkauf befaßte sich mit Wesen und Würde der Frau. Diese lassen sich ebensowenig wie beim Mann auf
eine bloß soziale Prägung zurückführen.
Der Beitrag von Mons. Rudolf Michael Schmitz mußte in diesem
Jahr vom Regionaloberen des Institutes Christus König und Hoherpriester, Pater Richard von Menshengen,
verlesen werden. Der Autor wurde durch einen unaufschiebbaren Termin in den USA festgehalten.
Inhaltlich
setzte er hochtheologisch bei der innertrinitarischen Definition des Vaterbegriffs an.
Konkret blieb
der Generalobere der Servi Jesu et Mariae,
Pater Andreas Hönisch SJM. Er legte an den eigenen Lebenserfahrungen
dar, wie die gesellschaftliche und innerkirchliche Revolution zunächst schleichend begann. Ihr fiel vor
allem die Jugend zum Opfer.
Schließlich sprachen zwei Mütter, Eva Maria Jaindl und Eva Lehner, die
aus der Erfahrung mit insgesamt siebzehn Kindern überzeugend darzustellen wußten, was es heißt, in
unserer Zeit Mutter in einer kinderreichen Familie zu sein.
Alle diese Beiträge kann man auf Tonkassetten
anhören. Es fehlt nur ein Beitrag: der Abschlußvortrag von Christa Meves.
Frau Meves legte ihr vorbereitetes
Manuskript zur Seite und sprach frei und mit vielen pointierten Anmerkungen über konkrete politische
Themen.
Deshalb wollte sie ihre Ausführungen nicht auf Tonkassetten verbreitet wissen.
Manchmal muß
man eben doch persönlich anwesend sein, um alles mitzubekommen.
Am Samstag nachmittag war das Pontifikalamt.
Als der lange Zug mit Fußpilgern, Ritterorden und dem liturgischen Dienst mit Erzbischof Wolfgang Haas
von Vaduz in die Wallfahrtskirche eingezogen war, blieb in der riesigen Basilika kein Platz frei.
Viele
knieten vorn, hinten und auf den Emporen auf dem Boden.
Ob sich der Erzbischof im Altarraum oder in der
Basilika umschaute: Überall sah er viele junge Gesichter. Von der Empore herunter hörte er nur junge
Stimmen.
Vielleicht veranlaßte ihn das, nicht nur über die Familie zu predigen, sondern auch über
die Jugend und die überlieferte Liturgie:
„Es ist erstaunlich – und ich darf es immer wieder feststellen –
wie viele junge Menschen sich angezogen fühlen von der Heiligkeit dieser Liturgie.
Das ist eine große
Hoffnung für uns alle. Das zeigt uns auch den zukunftsweisenden Charakter dieses heiligen Geschehens,
das wir in Ehrfurcht feiern.
Das zeigt uns auch, daß die Herzen der Menschen offen sind, wenn sie diesen
heiligen Feiern begegnen und wenn sie spüren, welch große Würde und Schönheit aus diesem gefeierten
Glauben auf sie zukommt.
Hindern wir niemanden daran, gerade diese heilige Liturgie neu zu entdecken
und sie als Neuheit zu erleben.
Vielleicht ist es gerade in der göttlichen Vorsehung so festgelegt,
daß es über eine Zeit großer Ernüchterungen, ja sogar großer Entgleisungen hinweg ein Wiederfinden
gibt dessen, was man als verloren erachtete, was aber nie verloren ging; daß wir es vielleicht wieder
neu erleben und erlernen müssen, um die ständige Neuheit dessen zu erfahren, was wir heilige liturgische
Tradition nennen.
Diese heilige Liturgie gehört nicht zu den Dingen, die man zu den Konserven rechnet.
Diese heilige Liturgie ist eine vitale, wundervolle sakramentale Kraft, die Auswirkungen hat – in den
Herzen der Einzelnen und der vielen.“
Entsprechend optimistisch der Ausblick des Erzbischofs:
„Es kommt
mit Sicherheit der Tag und die Stunde, da diese überlieferte Liturgie der heiligen Kirche wieder vermehrt
zum Leuchten kommt: nicht nur in kleineren Gruppen, sondern ganz bestimmt auch weit auf dem Erdenrund
in allen Nationen und Völkern.“
Warum sangen und musizierten die
katholischen Pfadfinder unter Leitung
von Pater Hönisch so gut wie Berufsmusiker – nein besser als diese?
So gut, daß es vielen Pilgern unwillkürlich
Tränen in die Augen trieb?
Man spürte, was man bei Berufsmusikern so oft vermißt: Das Singen und Musizieren
der Pfadfinder war keine Aufführung.
Sie verwandelten vielmehr die einst für diese heilige Liturgie
komponierte Musik in Anbetung und Gebet.
Tonkassetten der Vorträge können bestellt werden bei
Herrn
Erwin Dullinger
Reuchlinstraße 22
A-4020 Linz
Mobil-Tel.A: 0043-(0)650-2603343
Mobil-Tel. B.: 0043-(0)664-4009128
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