Sind die liturgischen Schunkellieder endlich ausgesungen? Kürzlich wartete der Präsident des Päpstlichen Institutes für Kirchenmusik mit einer spektakulären Ankündigung auf.
(kreuz.net, Vatikan) Am 30. Juni gab der Präsident des Päpstlichen Institutes für Kirchenmusik, Mons.
Valentino Miserachs Grau, der katholischen italienischen Tageszeitung ‘Avvenire’ ein Interview.
Während
des Gespräches verteidigte der Kirchenmusiker den Gregorianischen Choral und gab eine geradezu spektakuläre
Neuigkeit bekannt:
„Papst Benedikt XVI. wird im November an der Neueröffnung unseres Institutes teilnehmen.“
„Die Tatsache, daß der Papst gedenkt, bei diesem Anlaß persönlich anwesend zu sein, ist ein Zeichen,
daß er die Situation aus nächster Nähe betrachtet.“
Diese Ankündigung ist tatsächlich außergewöhnlich.
Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil erlebte das Päpstliche Institut für Kirchenmusik einen tragischen
Niedergang. In den letzten Jahrzehnten führte es noch ein jämmerliches Mauerblümchendasein.
Papst
Johannes Paul II. hat es in seinem langen Pontifikat nur ein einziges Mal besucht. Ende November 1985
weihte der Papst – anläßlich des achten Internationalen Kongresses für Kirchenmusik – die neue Orgel
des Institutes.
Während seiner Regierungszeit wurde das Institut auch aus seinem ursprünglichen Gebäude
im Zentrum Roms ausquartiert. Seither befindet es sich im ehemaligen Benediktinerkloster San Girolamo.
Das Kloster war von Papst Pius XI. gegründet worden, um eine kritische Neuausgabe der Vulgata vorzubereiten.
Es wurde mit Mönchen der Luxemburgischen Abtei Clervaux/Clerf besiedelt.
Doch im Wirbelsturm des letzten
Konzils geriet die Arbeit der Mönche ins kirchenhistorische Abseits.
Mit dem Einzug des Institutes für
Kirchenmusik schien ein anderes Unternehmen mit einem ähnlichen Schicksal die Mauern von San Girolamo
betreten zu haben.
Es fehlte an Studenten. Das musikalische Niveau war schlecht. In einer Zeit, wo die
Gitarre den kirchenmusikalischen Aspirationen der erneuerten Liturgie zu genügen schien, lernten einige
verlorene Studenten in Rom Harmonie und Kontrapunkt oder wie man Motetten schreibt und den Gregorianischen
Choral singt.
Daß der Papst dieses von der Kirche vergessene Institut besuchen will, ist darum eine
kleine Sensation.
Aber der Heilige Vater scheint noch weitere Neuerungen zu planen.
Nach den Worten
von Mons. Miserachs fehlt es nämlich an einer „vatikanischen Institution, welche die Arbeit aller Kirchenmusiker
mit Autorität koordiniert und über die liturgischen Zelebrationen wacht.“
Mons. Miserachs wagt in diesem
Zusammenhang eine Prophetie:
„Benedikt XVI. wird als großer Kenner und Liebhaber der Kirchenmusik mit
Sicherheit einen entscheidenden Impuls geben.“
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41 Lesermeinungen
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#41 Freinsberg 17:56:56 | Donnerstag, 6. Juli 2006
@ iustus Steht dies auch irgendwo im Missale von 1962? Das Missale 1962 unterscheidet sich hier nicht
von den Vorgänger-Ausgaben; einzige Ausnahme: den Lesungen im Hochamt hört der Priester zu. Mosebach
sagt […], daß dem gemeinsamen Beten von Kyrie und Gloria – soweit er sieht – keine rubrizistischen
Schranken entgegenstehen. Das geht sicher. Bleibt aber das Problem im Hochamt, wenn Chor, Schola oder
Volk die betr. Texte singen. Ich weiß, Du behauptest immer, daß die Messe im alten Ritus als „gemeindelose“
konzipiert sei, aber: Steht das auch irgendwo im Messbuch? Der „Ritus servandus“ beschreibt eindeutig
die Privatmesse, rechnet auch damit, dass zugleich an mehreren Altären zelebriert wird. Die Gemeinde
kommt nicht vor. Siehe: www.nocturnale.de/…iturgie/missale.html Oder können (nur nach dem Missale!)
nicht vielmehr ohne Probleme die Dialoge des alten Ritus statt vom Ministranten allein auch von der ganzen
Gemeinde gesprochen werden […]? Und Kyrie und Gloria und Sanctus usw. mit dem Priester gemeinsam? Das
Missale sieht dies nicht vor. Aber schon in der Betsingmesse Pius Parschs sprechen die Dialoge Priester
und Gemeinde. Und Rom hat 1922 die „Missa dialogata“ gestattet. (Dem war freilich – u.a. in der „Rivista
liturgica“ – eine Debatte vorausgegangen, ob in der Missa lecta das Volk aktiv teilnehmen dürfe[!]) All
dies ändert aber nichts am Grundkonzept der Tridentinischen Messe.
@Freinsberg Die Verdopplungen kommen aus der mittelalterlichen (sogenannten) Privatmesse. In den nicht-feierlichen
Messen war der Priester notgedrungen auch Kantor, Chor, Lektor und Diakon, d. h. er übernahm (sprechend)
alle Texte (Gesänge und Lesungen). Im 13. Jh. wurde es zur Vorschrift, dass der Priester diese Texte
IMMER zusätzlich sprechen musste, auch wenn die Zuständigen sie ohnehin ausführten. So musste der Eindruck
entstehen: Nur was der Priester tut, gilt. Steht dies auch irgendwo im Missale von 1962? Mosebach sagt
in „Häresie der Formlosigkeit“, daß dem gemeinsamen Beten von Kyrie und Gloria – soweit er sieht – keine
rubrizistischen Schranken entgegenstehen. Das löst zwar das Problem noch nicht vollständig (nämlich
nicht im Bezug auf die Texte, die von anderen als vom Priester vorgetragen werden), durch gemeinsames
Beten würde aber schon mal insoweit die „Verdoppelung wegfallen“. Ich weiß, Du behauptest immer, daß
die Messe im alten Ritus als „gemeindelose“ konzipiert sei, aber: Steht das auch irgendwo im Messbuch?
Oder können (nur nach dem Missale!) nicht vielmehr ohne Probleme die Dialoge des alten Ritus statt vom
Ministranten allein auch von der ganzen Gemeinde gesprochen werden (die der Ministrant ohnehin nur vertritt)?
Und Kyrie und Gloria und Sanctus usw. mit dem Priester gemeinsam?
Sensation Daß der Papst dieses von der Kirche vergessene Institut besuchen will, ist darum eine kleine
Sensation. Was bei diesem Pontifikat schon alles eine Sensation gewesen sein soll, ich weiß ja nicht…
Wirklich voran gebracht wurde bis jetzt kaum was.
Daß Ratze jetzt dieses Institut besucht hängt doch einfach damit zusammen, daß Ratze Ahnung hat von
Musik (spielt ja Klavier), während JP II von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte…
@ Sulpicius Die Verdopplungen kommen aus der mittelalterlichen (sogenannten) Privatmesse. In den nicht-feierlichen
Messen war der Priester notgedrungen auch Kantor, Chor, Lektor und Diakon, d. h. er übernahm (sprechend)
alle Texte (Gesänge und Lesungen). Im 13. Jh. wurde es zur Vorschrift, dass der Priester diese Texte
IMMER zusätzlich sprechen musste, auch wenn die Zuständigen sie ohnehin ausführten. So musste der Eindruck
entstehen: Nur was der Priester tut, gilt.
@Freinsberg Mein altes Streitthema mit FSSPX-Priestern. Hier wäre eine behutsame Liturgiereform notwendig.
Aber bevor dabei Blödsinn passiert, lasse ich die Duplizität lieber weiterexistieren. Sie schadet ja
niemandem.
@zwobbel Hä? Wieso Unflat? Das ist vorkonziliare Moraltheologie. Lesen Sie mal den Jone oder sonst einen
aus jener Generation. Dann sehen Sie, wie Liturgie nur am Maßstab „gültig/ungültig“ gemessen wird.
Und genau JENER Unflat feiert bei kreuz.net fröhliche Urständ.
@Ralf B. Und natürlich muss der Priester den unliturgischen Akt der Kantoren gültig machen, indem er
zeitgleich denselben Text vor sich herpuspelt, den die Kantoren singen. Sofern die Texte identisch sind,
gebe ich Ihnen völlig recht. Diese Duplizität ist unlogisch. Selbstverständlich ist der Gesang der
Cantores ein authentischer liturgischer Vollzug.
Ralf B. Wer statt mit Taktstock und Routine den greg. Choral zu vergewaltigen ihn mit angepaßtem Ausdruck
und Dynamik in Lautstärke und Geschwindigkeit singt, der gewinnt Freunde für diese Musik. Sehr richtig.
Dazu muß der Sänger geistlich richtig disponiert sein um dem greg. Choral gerecht zu werden. Da dies
ein Traditionalisten- und Fundamentalistenforum ist, muss ich allerdings einhaken. Für die meisten Typen
hier ist die geistliche Disposition ein Scheiß. Es kommt nur drauf an, dass der liturgische Akt rechtmäßig
vollzogen wird, damit Gott auf seiner Strichliste einen Haken machen kann. Deswegen muss es so einfach
wie möglich sein: Ton an Ton klotzen, so wie’s im Buch abgedruckt ist, und Kinder, die nicht andächtig
zuhören, kriegen eins drüber. Und nach der Mess gibt’s dann daheim noch die Peitsche, damit die Kleinen
ordentliche Christenmenschen werden. Und natürlich muss der Priester den unliturgischen Akt der Kantoren
gültig machen, indem er zeitgleich denselben Text vor sich herpuspelt, den die Kantoren singen. Ansonsten
sagt Gott nämlich: „Ne, hör ich mir nicht an. Gilt nicht. Sonntagspflicht nicht erfüllt. Alle ab in
die Hölle.“
na klar nehm ich Ihnen ab. Und „künstlerische Interpretation“ deutet ja schon an, daß ohnehin nicht
immer alles klingen kann/soll als wäre es geklont (auch nicht aus Laon des Jahres 1243).
@zwobbel Ich hoffe, Sie nehmen mir ab, daß ich mit Erster und wichtigster Punkt ist der, daß er überhaupt
wieder gesungen wird. (Das „Wie“ ist da nebensächlich.) künstlerisch verantwortbare Interpretationen
meinte.
Erlebniswelten Erster und wichtigster Punkt ist der, daß er überhaupt wieder gesungen wird. (Das „Wie“
ist da nebensächlich.) Nee nee. Ich kenne Leute die fanden gut gesungenen Choral akzeptabel (nach dem
Motto:„Obwohl es Latein ist…“). Vom schlecht gesungenen Choral haben sie reiß aus genommen. Das Herunterplärren
von Choral durch Leute die sagen: „Ach schon hundert mal gesungen – kein Problem.“ hat schwer geschadet
und ist gerade ein Grund dafür, daß heute nur noch wenige Choral wollen. Aber leider hat uns die „Semiologie“,
obwohl behauptet, diesem Ziel kein Stück näher gebracht. Das mag Ihre Lebenerfahrung widerspiegeln.
Meine nicht. Im Gegenteil. Wer statt mit Taktstock und Routine den greg. Choral zu vergewaltigen ihn mit
angepaßtem Ausdruck und Dynamik in Lautstärke und Geschwindigkeit singt, der gewinnt Freunde für diese
Musik. Dazu muß der Sänger geistlich richtig disponiert sein um dem greg. Choral gerecht zu werden.
Solesmenser Schule erlebt man richtig, wenn man zum Beispiel die Kölner Schola von Dr. Gabriel Maria
Steinschulte hört. Nix 4/4 Takt. Aber auch keine Vergewaltigung der Melodie durch Wortbetonung. Beispiel
aus einer ganz anderen Sparte: Wie würden die Semiologen wohl das Lied „Schneeflöckchen, Weißröckchen“
singen, wenn es ohne definierten Rhythmus überliefert wäre? Fest steht: Die Liturgie ist allgemein
und sie braucht den Choral. Also muß es eine allgemeine Interpretationslehre geben, die Spezialistentum
unnötig macht. Das „Liber usualis“ muß genügen.
Achtung: Sulpicius schreibt: „Was vielleicht (!) im 10.-13.Jh. so und so gesungen wurde, muß nicht für
alle Zeiten Gültigkeit haben.“ Welch eine interessante Äußerung von einem Menschen, der hier in diversen
Äußerungen von seinem mittelalterlichen Weltbild Zeugnis ablegt. Besteht etwa noch Hoffnung? Ich glaube
nicht!
@Sulpicius Das 10. Jh. ist Ursprung der ältesten Quellen für die musikalische Form des Chorals. Vorher
gibt es nur Angaben der Propriumstexte sowie hin und wieder auch modale Angaben (vgl. AMS). Insofern liegen
uns keine älteren Quellen für den Choral vor als die aus dem 10. Jahrhundert. Jedenfalls hat noch niemand
ältere entdeckt. Echt wahr!
@Ralf B. und zwobbel Heißt Tradition, dass man sich vom Ursprung entfernen darf @Ralf B.:Seit wann ist
das 10.Jh. Ursprung für den Greg.Choral? @zwobbel: Ich mache aus der Interpretation des Chorals auch
kein Dogma! Erster und wichtigster Punkt ist der, daß er überhaupt wieder gesungen wird. (Das „Wie“
ist da nebensächlich.) Aber leider hat uns die „Semiologie“, obwohl behauptet, diesem Ziel kein Stück
näher gebracht.
an sulpicius Das Dumme ist nur das die meisten Scholae sich gar nciht drum gekümmert haben. (Jetzt gibt
es ja kaum noch welche.) Und dann wurde Choral im vier Viertel Takt gesungen. je de no te gl ei ch la
ng – grauenhaft. Dynamik weder was Lautstärke noch was Geschwindigkeit anbetrifft. Dann habe ich semiologische
Scholae singen hören. Hörte sich um Kategorien besser an. Und so fand ich auch Geschmack an den Neumen
(besonders das Quilisima schmeckt so schön nach Nougat ).
@Zwobbel Das tue ich ja nicht. Aber ich weigere mich – auch aufgrund der musikwissenschaftlichen Sachlage –
die angeblichen Erkenntnisse der sog. „Semiologie“ (richtig heißt es: musikalische Paläographie) zum
Absolutum auch für die heutige Zeit zu erheben. Was vielleicht (!) im 10.-13.Jh. so und so gesungen wurde,
muß nicht für alle Zeiten Gültigkeit haben. Ich verwies schon auf den Ambrosianischen Choral.
@Sulpicius Für Sie gilt wohl auch beim Choral das „sola scriptura“-Prinzip, keine Tradition. Hä? Heißt
Tradition, dass man sich vom Ursprung entfernen darf und schließlich sogar den Ursprung als „tödlich“
bezeichnen kann? Hey, gilt das dann auch für die Reform des Messordo? Super, dann nenne ich die Tradi-Bewegung
eine „tödliche Ideologie“, die keine Tradition kennt Haben Sie sich auch schon mal mit dem „Schwester-Choral“
Ambrosianischer Gesang auseinandergesetzt? Ja. Dann wüßten Sie, wovon ich spreche. Nö, weiß ich nicht.
Wieso soll aus dem Ambrosianischen Gesang irgendetwas über die Gregorianik schlussfolgern? Daß der Text
im Choral wichtiger sei als die Melodie, ist eine Ideologie, nicht anders als die historisch-kritische
Methode in der Exegese. Ah. Und dass die Melodie wichtiger ist als der Text, das ist natürlich KEINE
Ideologie
Choral durchdringen, er ist Ausdruck von Spiritualität Ich finde: Die ganze Semiologie rundweg als Archäologismus
abzukanzeln ist ignorant! Es gibt zwar einzelne, die es übertreiben und man sollte sich nicht zum Sklaven
dieser teils widersprüchlichen Zeichen (je nach Quelle) machen, aber wie gesagt: Den geistigen Reichtum
der Mönche so gering zu schätzen ist falsch. Im greg. Choral dient die Melodie dem Text. Und jeder Sänger
sollte gefälligst so deutlich singen, daß der Text auch „rüberkommt“. Allein auf die Melodie wert zu
legen ist Ästhetizismus.
@Ralf B.: Für Sie gilt wohl auch beim Choral das „sola scriptura“-Prinzip, keine Tradition. Haben Sie
sich auch schon mal mit dem „Schwester-Choral“ Ambrosianischer Gesang auseinandergesetzt? Dann wüßten
Sie, wovon ich spreche. Daß der Text im Choral wichtiger sei als die Melodie, ist eine Ideologie, nicht
anders als die historisch-kritische Methode in der Exegese. Also in Ordnung: die Debatte mit Ihnen ist
damit beendet.
@ Sulpicius Wenn die Melodie und nicht der Text wichtig ist: Warum muss man dann den Gregorianischen Choral
lateinisch singen? Dann ginge es doch ebenso gut deutsch, englisch, tschechisch…
@Sulpicius Ich nehme an, Sie haben alle Quellen gründlich SELBST gesehen und studiert. Einige wenige
habe ich gründlich selbst gesehen. Einige andere habe ich gründlich im Faksimilie gesehen, einige andere
im Nachdruck. Einige in Abschriften, einige in Auszügen. Ein paar habe ich noch gar nicht gesehen. Der
Text beim Choral ist sekundär, in erster Linie geht es um die Melodie. Das ist so unfassbarer Schwachsinn,
dass die Debatte damit beendet ist. Als nächstes werden Sie wohl noch behaupten, man würde dem Choral
gerecht, wenn man statt des angegebenen Textes nur „lalala“ singt, denn schließlich geht’s ja in erster
Linie um die Melodie… Für die PRAXIS des Chorals ist dieser ganze sinnlose „semiologische“ Hickhack
um die Neumen nur tödlich gewesen, eben weil er angeblich deshalb nur von „Fachleuten“ gesungen werden
kann. Völliger Schwachsinn. Dann müssten Sie auch behaupten, die von Pius X. approbierte Ausgabe sei
„tödlich“, denn auch sie kann nur von „Fachleuten“ gesungen werden – nämlich solchen, die gelernt haben,
Noten zu lesen. Das ist tiefster Archäologismus, von Pius XII. verurteilt, und völlig unlebendig, um
nicht zu sagen tot. Ja klar.
@ Sulpicius >>Der Text beim Choral ist sekundär, in erster Linie geht es um die Melodie.<< Im Gegenteil:
Der gregorianische Choral ist in erster Linie Text-Darstellung. Die Neumen sind rhetorische Zeichen. Das
heißt natürlich nicht, dass man Melodie und gutes Singen vernachlässigen soll.
Neumen sind gut Ja, man sollte die Neumen kennen und auch beachten. Aber man sollte sich auch nicht von
ihnen in ein Korsett zwängen lassen, sonst wirkt man vielleicht auch wieder lächerlich. Die Neumen sind
aus der Spiritualität der mittelalterlichen Mönche entstanden und tradiert. Wenn wir Heutigen diese
Spiritualität hätten wäre vieles besser. Wir können davon lernen. Natürlich sind die Neumen ein weites
Feld und manches ist noch nicht endgültig geklärt. Aber man muß für das Singen des sonntäglich Choralpropriums
kein Spezialist sein (Ordinarium sowieso nicht). Wenn man hier und da spezielle Zeichen nicht zu deuten
weiß, dann vernachlässigt man die eben. Aber wenn man mit Hilfe der Neumen die Art und Weise wie man
Choral gut und angemessen singen soll verinnerlicht hat, dann stört das auch nicht mehr. Der Buchstabe
tötet, Geist macht lebendig.
@Ralf B. Ich nehme an, Sie haben alle Quellen gründlich SELBST gesehen und studiert. Der Text beim Choral
ist sekundär, in erster Linie geht es um die Melodie. Nach wie vor gibt es keine eindeutige Lesart der
Neumen, damit auch keine eindeutige Interpretation des Gesanges. Für die PRAXIS des Chorals ist dieser
ganze sinnlose „semiologische“ Hickhack um die Neumen nur tödlich gewesen, eben weil er angeblich deshalb
nur von „Fachleuten“ gesungen werden kann. Das ist tiefster Archäologismus, von Pius XII. verurteilt,
und völlig unlebendig, um nicht zu sagen tot. Der Gläubige hat sich also an die von Pius X. approbierte
und angeordnete Ausgabe des Chorals zu halten, so daß dieser endlich auch wieder in der Liturgie erklingen
kann.
@Sulpicius „Die Neumen“ sind nicht „ein, zwei Quellen“, wie Sie behaupten, sondern DUTZENDE Handschriften
aus dem 10. und 11. Jahrhundert. Und sie sind die EINZIGE Form, wie Gregorianische Gesänge tradiert wurden,
und nicht etwa EINE UNTER MEHREREN. Und sie stimmen alle zu einem ganz ganz großen Teil überein bzw.
widersprechen einander nicht (manche sind differenzierender, andere etwas gröber; manche können etwas
darstellen, was andere nicht können usw.). Zu behaupten, man könne aus den Neumen keine Schlussfolgerungen
ziehen, DAS ist wissenschaftlich unredlich.
@Freinsberg Man kann nicht von 1,2 Quellen auf eine allgemeingültige Interpretation der Neumen schließen,
zumal es eben auch einige anderslautende gibt. Das ist wissenschaftlich unredlich.
@Freinsberg Schlecht und recht nach der Quadratnotation zu singen genügt heute nicht. Das ist genau die
Mär, die mitverantwortlich ist für den Niedergang des Chorals in der heutigen Liturgie. Völliger Quatsch!
Jeder seriöse Fachmann wird das bestätigen.
Tridentinus mein Problem ist, dass für die Eucharistie lediglich die Gegenwart des sich liebevoll hingebenden
Christus und nicht wie es die katholische Tradition lehrt, eine Genugttung für die vom Menschen Gott
zugefügte Beleidigung ist. Sie finden Näheres darüber in: Joseph Ratzinger: Ist die Eucharistie ein
Opfer?, in: Concilium 1967, 299 ff.
Interview Miserachs Grau Ich habe das Original angesehen. So sensationell empfinde ich das Interview nicht,
auch nicht den letzten Absatz, aus dem KreuzNet einige Stellen zitiert. Was Miserachs verschweigt: Der
Gregorianische Choral – ausgenommen wenige einfache Stücke – ist nicht Sache der ganzen Gemeinde, sondern
erfordert Spezialisten! Schlecht und recht nach der Quadratnotation zu singen genügt heute nicht. Erst
die Neumen zeigen an, wie der Text vorzutragen ist.
Benedikt XVI und die Kultur selbst wenn die Ekklesiologie und sein Verständnis von Eucharistie für einen
der Rechtgläubigkeit verpflichteten Katholiken nicht nachvollziehbar sind, muss man in ihm einen Mann
erkennen, der sich dem Erbe der abendländischen Kultur verpflichtet weiss. Dies hat er mit seiner sehr
schönen Ansprache anlässlich des Konzertes der Münchener Philharmoniker im Vatikan bezeugt. Auch muss
man ihm zugestehen, dass er sich bemüht, den NOM mit Würde zu feiern. Man kann ihm nur wünschen, dass
die Auseinandersetzung mit der überlieferten Liturgie ihm endlich die Augen öffnen wird