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Mittwoch, 5. Juli 2006 09:37
Langsam aber sicher
Sind die liturgischen Schunkellieder endlich ausgesungen? Kürzlich wartete der Präsident des Päpstlichen Institutes für Kirchenmusik mit einer spektakulären Ankündigung auf.
Die zentrale Rolle der Gitarre im Gottesdienst scheint in Frage gestellt
Die zentrale Rolle der Gitarre im Gottesdienst scheint in Frage gestellt
(kreuz.net, Vatikan) Am 30. Juni gab der Präsident des Päpstlichen Institutes für Kirchenmusik, Mons. Valentino Miserachs Grau, der katholischen italienischen Tageszeitung ‘Avvenire’ ein Interview.

Während des Gespräches verteidigte der Kirchenmusiker den Gregorianischen Choral und gab eine geradezu spektakuläre Neuigkeit bekannt:

„Papst Benedikt XVI. wird im November an der Neueröffnung unseres Institutes teilnehmen.“

„Die Tatsache, daß der Papst gedenkt, bei diesem Anlaß persönlich anwesend zu sein, ist ein Zeichen, daß er die Situation aus nächster Nähe betrachtet.“

Diese Ankündigung ist tatsächlich außergewöhnlich.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil erlebte das Päpstliche Institut für Kirchenmusik einen tragischen Niedergang. In den letzten Jahrzehnten führte es noch ein jämmerliches Mauerblümchendasein.

Papst Johannes Paul II. hat es in seinem langen Pontifikat nur ein einziges Mal besucht. Ende November 1985 weihte der Papst – anläßlich des achten Internationalen Kongresses für Kirchenmusik – die neue Orgel des Institutes.

Während seiner Regierungszeit wurde das Institut auch aus seinem ursprünglichen Gebäude im Zentrum Roms ausquartiert. Seither befindet es sich im ehemaligen Benediktinerkloster San Girolamo.

Das Kloster war von Papst Pius XI. gegründet worden, um eine kritische Neuausgabe der Vulgata vorzubereiten. Es wurde mit Mönchen der Luxemburgischen Abtei Clervaux/Clerf besiedelt.

Doch im Wirbelsturm des letzten Konzils geriet die Arbeit der Mönche ins kirchenhistorische Abseits.

Mit dem Einzug des Institutes für Kirchenmusik schien ein anderes Unternehmen mit einem ähnlichen Schicksal die Mauern von San Girolamo betreten zu haben.

Es fehlte an Studenten. Das musikalische Niveau war schlecht. In einer Zeit, wo die Gitarre den kirchenmusikalischen Aspirationen der erneuerten Liturgie zu genügen schien, lernten einige verlorene Studenten in Rom Harmonie und Kontrapunkt oder wie man Motetten schreibt und den Gregorianischen Choral singt.

Daß der Papst dieses von der Kirche vergessene Institut besuchen will, ist darum eine kleine Sensation.

Aber der Heilige Vater scheint noch weitere Neuerungen zu planen.

Nach den Worten von Mons. Miserachs fehlt es nämlich an einer „vatikanischen Institution, welche die Arbeit aller Kirchenmusiker mit Autorität koordiniert und über die liturgischen Zelebrationen wacht.“

Mons. Miserachs wagt in diesem Zusammenhang eine Prophetie:

„Benedikt XVI. wird als großer Kenner und Liebhaber der Kirchenmusik mit Sicherheit einen entscheidenden Impuls geben.“

© Bild: Catholic Church Conservation
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 41 Lesermeinungen:
Donnerstag, 6. Juli 2006 17:56
Freinsberg: @ iustus
Steht dies auch irgendwo im Missale von 1962?
Das Missale 1962 unterscheidet sich hier nicht von den Vorgänger-Ausgaben; einzige Ausnahme: den Lesungen im Hochamt hört der Priester zu.

Mosebach sagt […], daß dem gemeinsamen Beten von Kyrie und Gloria – soweit er sieht – keine rubrizistischen Schranken entgegenstehen.
Das geht sicher. Bleibt aber das Problem im Hochamt, wenn Chor, Schola oder Volk die betr. Texte singen.

Ich weiß, Du behauptest immer, daß die Messe im alten Ritus als „gemeindelose“ konzipiert sei, aber: Steht das auch irgendwo im Messbuch?
Der „Ritus servandus“ beschreibt eindeutig die Privatmesse, rechnet auch damit, dass zugleich an mehreren Altären zelebriert wird. Die Gemeinde kommt nicht vor. Siehe: http://www.nocturnale.de/…iturgie/missale.html

Oder können (nur nach dem Missale!) nicht vielmehr ohne Probleme die Dialoge des alten Ritus statt vom Ministranten allein auch von der ganzen Gemeinde gesprochen werden […]? Und Kyrie und Gloria und Sanctus usw. mit dem Priester gemeinsam?
Das Missale sieht dies nicht vor. Aber schon in der Betsingmesse Pius Parschs sprechen die Dialoge Priester und Gemeinde. Und Rom hat 1922 die „Missa dialogata“ gestattet. (Dem war freilich – u.a. in der „Rivista liturgica“ – eine Debatte vorausgegangen, ob in der Missa lecta das Volk aktiv teilnehmen dürfe[!])

All dies ändert aber nichts am Grundkonzept der Tridentinischen Messe.
Donnerstag, 6. Juli 2006 15:00
iustus: @Freinsberg
Die Verdopplungen kommen aus der mittelalterlichen (sogenannten) Privatmesse. In den nicht-feierlichen Messen war der Priester notgedrungen auch Kantor, Chor, Lektor und Diakon, d. h. er übernahm (sprechend) alle Texte (Gesänge und Lesungen). Im 13. Jh. wurde es zur Vorschrift, dass der Priester diese Texte IMMER zusätzlich sprechen musste, auch wenn die Zuständigen sie ohnehin ausführten. So musste der Eindruck entstehen: Nur was der Priester tut, gilt.
Steht dies auch irgendwo im Missale von 1962?

Mosebach sagt in „Häresie der Formlosigkeit“, daß dem gemeinsamen Beten von Kyrie und Gloria – soweit er sieht – keine rubrizistischen Schranken entgegenstehen.

Das löst zwar das Problem noch nicht vollständig (nämlich nicht im Bezug auf die Texte, die von anderen als vom Priester vorgetragen werden), durch gemeinsames Beten würde aber schon mal insoweit die „Verdoppelung wegfallen“.

Ich weiß, Du behauptest immer, daß die Messe im alten Ritus als „gemeindelose“ konzipiert sei, aber: Steht das auch irgendwo im Messbuch?

Oder können (nur nach dem Missale!) nicht vielmehr ohne Probleme die Dialoge des alten Ritus statt vom Ministranten allein auch von der ganzen Gemeinde gesprochen werden (die der Ministrant ohnehin nur vertritt)? Und Kyrie und Gloria und Sanctus usw. mit dem Priester gemeinsam?
Mittwoch, 5. Juli 2006 20:45
Romulus: Sensation
Daß der Papst dieses von der Kirche vergessene Institut besuchen will, ist darum eine kleine Sensation.
Was bei diesem Pontifikat schon alles eine Sensation gewesen sein soll, ich weiß ja nicht… Wirklich voran gebracht wurde bis jetzt kaum was.
Mittwoch, 5. Juli 2006 16:07
Freinsberg: Benedetto und Musik
Ja, und er liebt (& spielt!) Musik von Bach, diesem Ketzer!
Mittwoch, 5. Juli 2006 15:54
Babylon †: Daß Ratze jetzt dieses Institut besucht
hängt doch einfach damit zusammen, daß Ratze Ahnung hat von Musik (spielt ja Klavier), während JP II von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte…
Mittwoch, 5. Juli 2006 15:42
Freinsberg: @ Sulpicius
Die Verdopplungen kommen aus der mittelalterlichen (sogenannten) Privatmesse. In den nicht-feierlichen Messen war der Priester notgedrungen auch Kantor, Chor, Lektor und Diakon, d. h. er übernahm (sprechend) alle Texte (Gesänge und Lesungen). Im 13. Jh. wurde es zur Vorschrift, dass der Priester diese Texte IMMER zusätzlich sprechen musste, auch wenn die Zuständigen sie ohnehin ausführten. So musste der Eindruck entstehen: Nur was der Priester tut, gilt.
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