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Mittwoch, 5. Juli 2006 11:26
Eine Veräppelung von Papst und Publikum
Es wird immer deutlicher, daß die angebliche Distanzierung der deutschen Bischöfe vom Beratungsdienst für schwangere Mütter ‘Donum vitae’ nur dazu diente, um die Gläubigen und den Papst an der Nase herumzuführen.
Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann
Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann
(kreuz.net, Osnabrück) Heinz-Wilhem Brockmann ist kein kleiner Fisch. Er ist Vizepräsident des ‘Zentralkomitees der deutschen Katholiken’. Das ‘Zentralkomitee’ ist das oberste Laiengremium von Deutschland.

Zugleich ist Brockmann Mitglied im bundesweiten Stiftungsvorstand der Schwangerenberatung ‘Donum vitae’, von der sich die Deutschen Bischöfe Ende Juni – wenigstens offiziell – distanziert haben.

Der fünfköpfige Stifungsvorstand ist das wichtigste Leitungsgremium der von der Kirche abgelehnten Schwangerenberatung .

Erst kürzlich wurde Brockmann zudem ins Leitungsteam für den Katholikentag 2008 in Osnabrück berufen.

Der Haken an der Sache: Laut einem jüngsten Beschluß der Bischöfe ist leitenden kirchlichen Mitarbeitern eine Tätigkeit bei ‘Donum vitae’ angeblich untersagt.

Die Bischofskonferenz ersuchte Ende Juni „die Gläubigen, die in den kirchlichen Räten und Mitwirkungsgremien sowie den kirchlichen Verbänden und Organisationen Verantwortung übernehmen, zum Zweck der größten Klarheit des kirchlichen Zeugnisses auf eine leitende Mitarbeit in ‘Donum Vitae’ zu verzichten und so die Unterschiede zwischen ‘Donum Vitae’ und Positionen der Kirche besser zur Geltung zu bringen und zu respektieren“.

Brockmann lebt in einer flagranten Verletzung dieser Bestimmung. Und das soll auch so bleiben.

Zur Frage, welches Amt er angesichts der bischöflichen Erklärung aufgeben werde, antwortete Brockmann vor der ‘Frankfurter Rundschau’ ohne Zögern: „Keins“.

Er müsse jetzt keine Schritte setzen. Er habe sich die Entscheidung ehrenamtlich für ‘Donum vitae’ zu arbeiten, „nicht leicht gemacht“. Revidieren könne er sie nicht:

„Es gehört zu den besten Traditionen meiner Kirche, daß der Katholik im Zweifel seinem Gewissen gehorchen und seinen Überzeugungen treu bleiben muß. Egal wer anderes von ihm verlangt.“

Auch der Bischof von Osnabrück, Mons. Franz-Josef Bode, wiegelte ab. Ein Sprecher des Bischofs sieht „keinen aktuellen Handlungsbedarf“.

Die Oberhirten hätten die Gläubigen ersucht und nicht aufgefordert oder befohlen, auf ein Mitwirken bei ‘Donum vitae’ zu verzichten, wenn sie in der Kirche haupt- oder ehrenamtlich arbeiten.

Sie hätten außerdem darum gebeten, keine Aufgaben bei dem umstrittenen Verein zu übernehmen. Was sich ja nicht unbedingt auf Ämter beziehe, die man schon übernommen habe.

Falls sich Brockmann aber erneut nominieren lasse, dann müsse man „miteinander reden“.

Doch das kann dauern. Brockmann wurde erst 2005 für fünf Jahre in den fünfköpfigen Vorstand von ‘Donum vitae’ gewählt.

Auch der Präsident des ‘Zentralkomitees der deutschen Katholiken’ – Prof. Dr. Hans Joachim Meyer – macht keine Anstalten, seinen Platz im 15köpfigen Kuratorium von ‘Donum vitae’ zu räumen.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 49 Lesermeinungen:
Freitag, 7. Juli 2006 17:58
Jörg Guttenberger, Köln: Laurentius2: Lakmustest
Wegen Netzausfalls erst heute:

Kardinal Meisner sorgt, so weit bekannt, persönlich für ausnahmslos glaubensstarke und kirchentreue Pfarrer in der Kölner Innenstadt! Deswegen gibt es in den dortigen Kirchen neben der formellen Teritorialgemeinde immer eine mehr oder weniger große ínformelle Personalgemeinde.

Das Generalvikariat ist sicher nicht links orientiert. Dafür habe ich allerdings aufgrund eigener Erlebnisse den Eindruck, daß man auf dem Markt das Personal aufzulesen genötigt ist, das sonst niemand gebrauchen kann. Des Rätsels Teillösung stand vor Monaten in der Personalkronik (veröffentlicht regelmäßig in der Kirchenzeitung): als Personalreferenten werden nicht, wie zu erwarten, Juristen, sondern Theologen, d. h. zu Personalreferenten umfunktionierte Pastoralreferenten eingestellt, die mit ihren Aufgaben verständlicherweise völlig überfordert sind.
Freitag, 7. Juli 2006 16:16
aschera: tja, das mag stimmen, iustus.
Der Beitrag von leg… ist erheiternd. Doch muss ich korregieren: Ein kreuz.net Autor hätte sicherlich noch irgendwo untergebracht, dass diese Kreise in Wirklichkeit alle schwul sind und zu wenig gegen Abtreibung unternehmen!
Freitag, 7. Juli 2006 15:12
iustus: freundlicher Umgang
Ich bin eben ein Sensibelchen.

Die Gegenfraktion ist aber auch nicht grade zimperlich, schießt auch manchesmal über das Ziel hinaus.
Freitag, 7. Juli 2006 14:38
Zitat iustus: Aber da ich zu den angesprochenen akademischen Kreisen gehöre, aus denen sich Widerstand erhebt, fühlte ich mich beleidigt.
Nun denke ich, ist dem Piroska-Fan insofern zuzustimmen, als dass man von iustus doch erwarten könnte, sich angesichts der kreuz-net-diktionen eine etwas dickere Haut haben sollte.
Hätte ein kreuz.net Autor diesen Abschnitt formuliert, dann würde er wahrscheinlich beleidigend klingen! Etwa so:
Umstürzlerische Widerstände kommen aus selbsternannten „akademischen“ Kreisen, diese Schweine sind unfähig zur Kommunikation, ihr Bildungsdünkel und ihr Pseudo-Elitarismus stehen auf den wackligen Beinen eines romantisierenden Verhältnisses zur Geschichte, das sie in ihrer perversen Exotik-Verliebtheit auch noch als Kirchlichkeit zu tarnen suchen, indem sie ihre abspalterischen Latein-Eskapaden als katholisch ausgeben.
Freitag, 7. Juli 2006 14:13
Jörg Guttenberger, Köln: Bernhardin: Quelle genannt
Als Quelle habe ich kardina Meisner angegeben und die dazu gehörige Möglichkeit, bei Bedarf weiter zu recherchieren, wie Sie selbst zugeben.

Zum Kardinal Meisner habe ich schon einmal ausführlicher Stellung genommen. Ihr Hinweis, er rede viel wenn der Tag lang ist, enspricht ebenfalls keinem gehobenen, geschweige akademischen, Anspruchsniveau, zumal wir das in Köln weit besser beurteilen können, als irgendwelche erzbistumsfremden Elemente aus Allemanien.

Wegen Netzstörungen komme ich erst jetzt zu einer Antwort.
Freitag, 7. Juli 2006 12:36
iustus: Beleidigung akademischer Kreise
„Es handelt sich um jene Schichten, denen die Heilssorge der Kirche zwar immer zu gelten hat, die aber keinesfalls zum Maßstab kirchlchen Selbstvollzuges gemacht werden dürfen…“

Soweit so gut, Maßstab des kirchlichen Selbstvollzuges sollte ohnehin der Kyrios sein, insoweit könnte man Rahner/Vorgrimler also zustimmen. Die Begründung

„… da sie ohnedies aus eingewurzelter Trägheit nie zum Selbstvollzug der Kirche beitragen (es sei denn als Staffage bei Massendemonstrationen).“

ist aber haarsträubend: Mal ganz abgesehen davon, daß dies wirklich beleidigend ist, fällt auf, daß die Begründung den Schluß nahelegt, daß gläubige Volk (eben nicht der Herr) könnte sehr wohl zum Maßstab des kirchlichen Selbstvollzugs gemacht werden (wäre es denn nur etwas weniger träge).

Und zum Hinweis auf die akademischen Kreise frei nach Mosebach:

Darin bestand eben die Stärke des alten Ritus, daß er sowohl den einfachen Hirten als auch den höchsten Schichten des Volkes alles bot.

Wie der Bildungsstand der Anhänger des alten Ritus insgesamt auschaut, ist mir daher völlig gleichgültig. Der Herr schaut auch auf das Herz, nicht auf den Universitätsabschluss. Aber da ich zu den angesprochenen akademischen Kreisen gehöre, aus denen sich Widerstand erhebt, fühlte ich mich beleidigt.
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