18:03:31 | Donnerstag, 6. Juli 2006
„Das letzte Konzil führte das Priestertum in die schwerste Krise der Kirchengeschichte.“ Deren Ursache sei das Dekret über die Priester, das zwar die alte Definition von Trient wiederhole, aber in einen Kontext stelle, wie ihn sich Martin Luther gewünscht habe. Von Bischof Bernard Fellay.
(kreuz.net, Ecône) „Als ich zum ersten Mal die alte Messe gelesen habe, entdeckte ich, was der Priester
ist.“ Dieses ergreifende Zeugnis haben wir in der letzten Zeit oft von Priestern zu hören bekommen, die
sich uns annähern.
In diesem Satz ist ein großer Teil des tiefen Geheimnisses zusammengefaßt, das
die Kirche gegenwärtig verwundet:
1) Die Kirche befindet sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil
in einer Krise, weil man dem Priestertum seine Kraft genommen hat. Das ist eines der fundamentalen Elemente
dieser Krise.
2) Das Priestertum ist und bleibt einer der entscheidensten Punkte für die Wiederherstellung
Bischof Bernard Fellay:
In der Konstitution über die Kirche, ‘Lumen gentium’, werden den Bischöfen und
vor allem den Laien ganze Kapitel gewidmet, während man zum Priester nur einige Paragraphen findet.
der
Kirche. Erzbischof Lefebvre war unter den Männern der Kirche des 20. Jahrhunderts derjenige, der dies
vielleicht am besten begriffen hat.
3) Mit der Gründung der Priesterbruderschaft St. Pius X. besaß
er kein anderes Ziel, als die Wiederherstellung des Priestertums, um dadurch die ganze Kirche zu erneuern.
4) Um das zu erreichen, muß die innige Verbindung zwischen Priester und Heiliger Messe, die von einer
ungeahnten Tiefe ist, wiederhergestellt werden. Die Konzilsväter haben es offen zugegeben, daß der Priester
der „große Vergessene“ des Zweiten Vatikanums ist.
In der Kirchenkonstitution ‘Lumen gentium’ werden
den Bischöfen und vor allem den Laien – einer der großen „Entdeckungen“ des Konzils – ganze Kapitel
gewidmet, während man zum Priester nur einige Paragraphen findet.
Die Priester werden
Internationale
Theologenkommission:
Durch das Zweite Vatikanum ist die Stellung des Priesters in der Kirche nur noch verschwommen
erkennbar.
entweder dem Bischof oder dem allgemeinen Priestertum der Getauften untergeordnet.
1971 kann
die internationale Theologenkommission sagen:
„Das Zweite Vatikanum hat dieses priesterliche Bild unter
zwei Aspekten verändert. Das Konzil hat vor allem das allgemeine Priestertum aller Gläubigen behandelt
und erst danach das Amtspriestertum […]
Es hat desweiteren die Stellung des Bischofs als Zentrum der
Teilkirche und als Glied des universalen Bischofskollegiums hervorgehoben. Die Stellung des Priesters
in der Kirche ist nur noch verschwommen erkennbar.“ (Le ministère sacerdotal, Cerf, Paris, 1971).
Diese
Verschwommenheit, die aus dieser Geringschätzung und neuen Betrachtungsweise des Priestertums entstand,
hat den Identitätsverlust des Priesters verursacht, von dem Johannes Paul II. 1992 im postsynodalen Schreiben
‘Pastores dabo vobis’, sprach.
Er sagte, daß dieser Identitätsverlust von einer irrigen Interpretation
des Konzils herrühre.
Identitätsverlust, eine unklare Stellung in der Kirche. Und das obwohl das Konzilsdekret
[über die Priester] ‘Presbyterorum ordinis’ die vom Konzil von Trient gegebene Definition des Priesters
wiederholt!
Aber der Kontext ist so geartet, daß der Begriff des Priesters als Prediger – wie ihn Luther
(† 1546) haben wollte – in den Vordergrund geschoben wird und nicht der Priester, der das Opfer darbringt.
Das führt Pater Daniel Olivier, einen anerkannten Fachmann in der Frage des Niedergangs des Priestertums
nach dem Konzil, zu folgender Aussage:
„Das wahre Problem ist für den Katholizismus so ungewöhnlich,
daß man die instinktive Erblindung leicht erkennt, die es erlaubt, diesem Problem auszuweichen.
Der
Wille, zweien Konzilien treu zu sein, die so unterschiedliche Wege gehen, ist ganz einfach unmöglich.“
(Daniel Olivier, Les deux visages du prêtre, Fayard, Paris 1971, Seite 106.)Der neuen Darstellung des
Priestertums entspricht die Neue Messe völlig. Sie ist in ihrer Art und Absicht sogar noch protestantischer.
Die beiden Elemente – Definition des Priesters und der Neuen Messe – genügten, um die schwerste Krise
des Priestertums in der ganzen Kirchengeschichte hervorzurufen.
Sagen wir es offen: Das Priestertum wurde
in geschickter Weise entstellt. Das Vorstehen (praeesse), das Predigen (praedicare) sind sicher priesterliche
Aufgaben. Aber sie sind nicht das Wesentliche: Opfern (sacrificare).
Solange der Priester nicht versteht,
daß sein Daseinsgrund das Opfer ist und daß seine Weihe ihn zum Opfer hin ausrichtet
Bischof Bernard
Fellay:
Für die nach Erzbischof Bugninis eigenen Worten im Namen des Ökumenismus »protestantisierte«
Messe brauchte es auch ein entsprechendes Priestertum.
und zwar zum Kreuzesopfer unseres Herrn, hat er
nicht wirklich begriffen, wer er ist.
Ein Priester ohne Messe und Opfer ist wie ein Auge ohne Sehkraft,
ein Ohr ohne Gehör oder wie Beine, die nicht gehen.
Noch nie ist es dem Feind der Kirche gelungen, die
Kirche so sehr im Herzen zu treffen. Denn das Herz der Kirche, das dem ganzen mystischen Leib das übernatürliche
Leben mitteilt und das Leben im ganzen Organismus verteilt, ist das heilige Messopfer.
Für die nach
[Erzbischof Annibale] Bugninis († 1982) eigenen Worten im Namen des Ökumenismus „protestantisierte“ Messe
brauchte es auch ein entsprechendes Priestertum.
Den Priestern, die wir am Briefbeginn zitierten, fiel
es durch den Kontakt mit der überlieferten heiligen Messe wie Schuppen von den Augen. Sie sind – wie
sie mir erzählen – zugleich enttäuscht aber auch glücklich.
Enttäuscht weil „man“ ihnen diesen Schatz
vorenthalten hat.
Glücklich – von Glück überströmt – weil sie die außerordentliche Größe ihrer
Berufung, der beeindruckenden Wirklichkeit der Teilnahme am Priestertum Unseres Herrn Jesus Christus „in
persona Christi“erfaßt haben.
Der Priester ist eingebunden, ja sogar hineingetaucht, in die Opferhandlung
unseres Herrn, des Hohenpriesters. Er partizipiert daran mit seinem ganzen Sein, das er Jesus hingibt,
der Priester und Opfergabe zugleich ist für das Heil der Seelen, für die Erlösung.
Das alles wird
in der Neuen Messe unterschlagen. Arme Priester, die nicht wissen, was sie sind.
Aus dem Pfingstbrief
des Generaloberen der vom Vatikan aufgehobenen Priesterbruderschaft St. Pius X. an Freunde und Wohltäter.
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