09:38:36 | Donnerstag, 6. Juli 2006
Sogar die zambische Regierung sorgt sich um den Erzbischof. Steckt er wieder bei der Moon-Sekte? Oder gibt es eine einfachere Lösung des Rätsels?
(kreuz.net) Die zambischen Regierung hat den Hochkommissar des Landes in Großbritannien, der auch Botschafter
beim Heiligen Stuhl ist, aufgefordert, herauszufinden, wo sich der emeritierte Kurienerzbischof Emmanuel
Milingo (76) zur Zeit befindet.
Das berichtete die Tageszeitung ‘The Times of Zambia’ am 3. Juli.
Zambia
befindet sich im Süden von Afrika.
Erzbischof Milingo verschwand vor zwei Wochen – wie ‘The Times of
Zambia’ schreibt – „unter bizarren Umständen“ aus seinem gegenwärtigen Wohnort Zagarolo – 50 Kilometer
östlich von Rom.
Der erste Sprecher der Regierung, Vernon Mwaanga, erklärte am 2. Juli in einem Interview
in der zambischen Hauptstadt Lusaka, daß Erzbischof Milingo ein Bürger des Landes sei und die Regierung
Gründe habe, sich über das Verschwinden des Prälaten Sorgen zu machen:
„Wir sind konsularisch verpflichtet,
uns um die Interessen unserer Landsleute zu kümmern, wo immer sie sich aufhalten“ – erklärte der Sprecher:
„Erzbischof Milingo ist ein wichtiger und respektierter Bürger von Zambia. Wenn er auf unerklärte Weise
verschwindet, ist es ein Grund, sich zu sorgen.“
Besorgt zeigte sich auch ein Sprecher der Katholischen
Kirche in Zambia, Hw. Paul Samasumo
Er erklärte, daß der Vatikan nicht tatenlos sei, sondern über
die „letzten Entwicklungen“ in dieser Angelegenheit informieren werde.
Die italienische Presse hat inzwischen
ausgeschlossen, daß Erzbischof Milingo zu seiner ehemaligen Angetrauten – der koreanischen Moon-Anhängerin
Maria Sung – zurückgekehrt ist.
Frau Sung wurde ausfindig gemacht. Der Prälat sei nicht bei ihr.
Vor
einigen Wochen wurde bekannt, daß Mons. Milingo am 22. Juli während eines Soul-Festivals in der Nähe
von Bologna
als Sänger auftreten soll.
Er wollte dabei Teile einer CD vortragen, die er jüngst aufnahm,
um Kinderspitäler in Zambia zu finanzieren.
Nach Angaben der italienischen Presse handelt es sich beim
Verschwinden von Mons. Milingo um eine regelrechte Flucht.
„Ich gehe weg, um nicht mehr zurückzukehren“ –
soll der Prälat kurz vor seinem Verschwinden den zambischen Schwestern gesagt haben, die ihn bisher betreut
haben.
Gleichzeitig habe er die drei Ordensfrauen aufgefordert, nach Afrika zurückzukehren.
Es soll
auch ein Abschiedsbrief existieren, in dem der Erzbischof die Gründe für seine Abreise erklärt.
Die
ehemalige Rechtsanwältin von Mons. Milingo, Emanuela Comerio, die selber im Verdacht steht, mit der Moon-Sekte
verhängt zu sein, schließt eine Rückkehr des Erzbischofs zur Sekte nicht aus.
Im Jahr 2001 produzierte
Mons. Milingo einen unbeschreiblichen Presseskandal als er während einer Massenhochzeit der Moon-Sekte
in New York die koreanische Akupunkturistin Maria Sung heiratete.
Es scheint gewiß, daß Erzbischof
Milingo nicht in sein Heimatland zurückgekehrt ist.
In seinem bisherigen Wohnort Zagarolo bestätigte
Schwester Cristina – eine der Klosterfrauen, die sich um den Erzbischof kümmern –, daß dieser sie aufgefordert
habe, nach Zambia zurückzukehren und „viel Geld“ für die Reise zurückgelassen habe.
Auf die Frage
nach dem Verbleib des Prälaten meint die Schwester: „Ich weiß nichts, aber er wird vermutlich Exerzitien
machen.“
Die italienische Presse sieht die Flucht-Theorie durch das Faktum bestätigt, daß der Erzbischof
seinen Geburtstag am 13. Juni – entgegen seinen Gepflogenheiten – in größter Stille beging.
Der Prälat
pflegte an diesem Tag immer ein großes Fest im Kreise seiner Freunde steigen zu lassen.
Kurz bevor er
verschwand, besuchte er aber die engsten Vertrauten. Er war freundlich und weckte keinerlei Verdacht.
Alberto Giannino – der Präsident der Associazione docenti cattolici, eines katholischen Lehrervereins –
schließt nicht aus, daß Erzbischof Milingo wieder bei der Moon-Sekte gelandet ist.
Giannino ist ein
persönlicher Freund von Mons. Milingo.
Der Sektengründer Moon habe seine Pläne nie aufgegeben, den
Erzbischof zu gewinnen und ihn zum Anführer einer Gruppe verheirateter Priester zu machen – so Giannino.
Giannino glaubt sogar an die Möglichkeit, daß die Moon-Sekte in Afrika eine Parallelkirche errichten
möchte. Das könnte – so Giannino – der Kirche in Afrika viele Gläubige kosten und auch zur Entstehung
einer parallelen Hierarchie führen.
Mons. Milingo sei in letzter Zeit „demotiviert“ gewesen.
Offenbar
hat ihn zuletzt das Veto des Bischofs von Lodi, Mons. Giuseppe Merisi, getroffen. Dieser hatte dem afrikanischen
Prälaten verboten, in seiner Diözese eine Messe zu lesen, die er für ein dort errichtetes geistliches
Zentrum feiern wollte.
Mons. Milingo habe sich als Bischof gefühlt, der von vielen in der Kurie zwar
„toleriert“ aber nicht „akzeptiert“ sei. Die letzten Jahren habe er wie unter Hausarrest verbracht.
Er
habe alle seine Aktivitäten wöchentlich mit einem vom Vatikan ernannten persönlichen Betreuer – dem
ehemaligen Apostolischen Nuntius in Senegal, Mons. Giuseppe Pinto – absprechen müssen.
Entwarnung kommt
vom Passionistenpater Emanuele Zippo aus Caserta, der mit Erzbischof Milingo in Kontakt ist: „Milingo
ist auf Exerzitien“.
Er habe sich in einem Email an einen Priesterfreund für vierzig Tage verabschiedet
und angekündigt, daß er Mittel Juli wieder zurück sein werde.
„Es gibt kein Geheimnis. Ich habe noch
heute morgen mit ihm gesprochen.“ Mons. Milingo befinde sich in Italien auf Exerzitien.
Pater Zippo bittet,
über den Fall keine unnötigen Kriminalromane zu schreiben.
Doch inzwischen gibt es noch eine letzte
Theorie über den Verbleib des Erzbischofs.
Er habe sich zurückgezogen, um die Lieder, die er am Soul-Festival
vortragen will, einzuüben.
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