Weihnachten
Kardinal Scheffczyk im Weihnachtsinterview
Kardinal Leo Scheffczyk sprach in einem Interview mit dem Hilfswerk „Kirche in Not“ über das Geheimnis von Weihnachten, die richtig verstandene Toleranz und den feinen Unterschied zwischen der Erlösung und der Befreiung der Menschheit.
(kreuz.net) Kardinal Leo Scheffczyk (84), ehemaliger Professor für dogmatische Theologie an der Universität München, sprach gestern mit Michael Ragg vom internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not/Ostpriesterhilfe“. Es ging dabei um die Verflachung und Verfälschung des Weihnachtsfestes und um dessen ursprüngliche Bedeutung.

Der Kardinal sprach von den Unterschieden zwischen dem christlichen Weihnachtsfest und den heidnischen Vorläuferfesten in der gleichen Jahreszeit. Das christliche Weihnachtsfest wurde im 4. Jahrhundert in die abendländische Kirche eingeführt und auf den 25. Dezember gelegt. Hierbei sei die heidnische Festfeier des Sonnengottes durchaus von Bedeutung gewesen. Die Sonnenwende wurde schon in vorchristlicher Zeit als Tag des wachsenden Lichtes begangen.

Das Gedenken an die Geburt Christi war bewußt als Gegenstück zum heidnischen Brauchtum, das mit diesem Tag verbunden war, gedacht. Jesus Christus, die Sonne der Gerechtigkeit sei dem heidnischen Sonnengott entgegengestellt worden.

Der Inhalt des Festes sei völlig neu bestimmt worden. Das Weihnachtsfest könne darum nicht auf einen heidnischen Gedenktag zurückgeführt werden.

Auf den Weihnachtsmann angesprochen, meinte der Kardinal, daß diese Figur eine Verflachung der Gesellschaft und Verfälschung des Weihnachtsfestes darstelle. Die christliche Wahrheit sei kommerzialisiert und der Weihnachtsmann als billige Belustigungsfigur für Kinder eingeführt worden.

Es sei die Aufgabe des Weihnachtsmannes, das Christkind als Geschenkgeber und Gabenspender abzulösen. Das sei Ausdruck eines dramatischen, religiös-kulturellen Verweltlichungsprozeßes. Christliche Vorstellungen würden innerweltlich umgeprägt und damit bagatellisiert.

Zu den ‘Weihnachtschristen’ meinte der Kardinal, daß die vollen Kirchen an Weihnachten ein Beweis für die Aktualität der Weihnachtsbotschaft seien. Diese Botschaft habe den Menschen etwas zu sagen, selbst wenn diese nicht immer vom innersten Kern der Geburt Christi berührt würden.

Das Wesen von Weihnachten sei ein geschichtliches Ereignis, stellt der emeritierte Professor weiter fest. Die Geschichte der Geburt Christi erhebe den Anspruch ein wirkliches Geschehen zu sein. Weihnachten sei nicht eine beliebige Geschichte, sondern die Geschichte der Geburt des Erlösers.

Auf die Frage nach der Jungfrauengeburt, machte der Dogmatiker klar, daß der Glaube der Kirche die Jungfrauengeburt tatsächlich, realistisch und wörtlich verstehe. In der Jungfrauengeburt sei das geschehen, was der Apostel Johannes im ersten Kapitel seines Evangeliums andeute: daß nämlich die Geburt Christi nicht aus dem Blute, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geschah.

Bei der Geburt des Sohnes Gottes in der Menschheit handle es sich um etwas Einzigartiges und um ein abgrundtiefes Geheimnis. Dieses Ereignis begründe die Einzigartigkeit des Christentums unter den Religionen. Darin liege der Grund für die christliche Verpflichtung zur Missionierung und Ausbreitung dieser einzigartigen Botschaft Christi.

Gegner des Christentums sähen darin eine Verletzung des Toleranzgedankens. „Aber das Festhalten an der Gottheit Christi und an der Einzigartigkeit des Christentums besagt nicht einen Anruf zum Kampf gegen die Religionen und Kulturen, sondern gerade im Namen des Gottes der Liebe und des Friedens einen Appell zum Verstehen der anderen Religionen und ihrer Anhänger. Das ist die recht verstandene Toleranz, die nicht aus Gleichgütigkeit gegenüber der Wahrheit erwächst, sondern aus der Anerkennung der Freiheit des Andersdenkenden“, meinte der Kardinal.

Das Weihnachtsgeheimnis sei Ausdruck der übergroßen Liebe Gottes. Der heilige Paulus drücke dies im Titusbrief aus. „Erschienen ist die Güte und Menschenliebe Gottes.“ Gott habe die unendliche Differenz zwischen Schöpfer und Geschöpf nicht gescheut: „Er wollte und konnte diese Distanz kraft seiner Menschenliebe, die er schon in der Schöpfung und in der Begnadung bewies, überwinden. Dabei wollte Gott das Menschliche gleichsam an seinem tiefsten Punkt ergreifen, nämlich in der Schwäche und Bedürftigkeit eines Kindes.“

Im Weihnachtsereignis erscheine Christus als der Retter, als Heiland, als Erlöser der Welt. „Die Erlösung aber ist im Wesen und im Kern, wie das Wort schon sagt, eine Herauslösung vor allem aus der Sünde, aus dem ewigen Tod und aus der Gewalt des Bösen, auch des Bösen in Person, des Teufels.“

Man greife heute lieber zum Begriff der Befreiung statt dem der Erlösung. Der Begriff der Befreiung lasse sich nach der Ansicht vieler besser auf die irdischen Nöte und Bedrängnisse des Menschen ausdehnen. „Man sagt dann mit Betonung, Gott habe in der Erlösung den Menschen aus gänzlich freier Liebe vom tiefsten Elend befreit. Aber dann muß man erklären, warum die Befreiung gerade auf dem Weg des Kreuzes vor sich ging.“
      
1 Lesermeinung
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#1   Dolfus   09:06:14 | Dienstag, 21. Dezember 2004
Dank sei Gott,
daß wir noch so gläubige und fromme Cardinäle haben! Deo gratias! text
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
WeihnachtenIn den USA ist Weihnachten ein Tabu Weihnachten„Syt willekomme heirre kirst“ WeihnachtenDas neueste liturgische Kombimöbel
RSS Feed  •  News Ticker  •  Werbebanner  •  Visitenkarte  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net