09:37:30 | Montag, 10. Juli 2006
Kürzlich starb irgendwo im Reich der Mitte ein uralter Chinese – ein ehemaliger Strafgefangener, der während seines Lebens mehrfach und für längere Zeit im Knast gesessen war. Ein Kommentar.
(kreuz.net, Qiqihar) Der Verstorbene hieß Guo Wenzhi. Er war der von den Kommunisten in den Untergrund
gedrängte ehemalige Bischof von Qiqihar. Die Stadt befindet sich in Nordostchina.
Mons. Guo starb in
der gesellschaftlichen Ächtung. Ein großer Fehler. Ein solches Schicksal sollte ein moderner, weltgewandter
Bischof eigentlich zu verhindern wissen.
Westliche Hirten zeigen zum Beispiel eine unfehlbare Tendenz,
sich im Sinne des Wohls der Kirche [und des eigenen Ansehens] den jeweiligen Regimen anzupassen: den Abtreibungsregimen,
den Kriegsregimen, den Homo-Regimen, den Geld-Regimen.
Mons. Guo war kein westlicher Bischof.
Darum
wurde er auch noch nach seinem Tod verfolgt und gedemütigt:
„Nein“ – sagten die chinesischen Kommunisten –
„dieser Guo figuriert nicht auf der offiziellen Liste der Regimebischöfe.“
Mons. Guo durfte darum nicht
als Bischof begraben werden. Denn das kommunistische und gottlose Regime wollte ihn als solchen nicht
anerkennen.
Sein ewiges Priestertum nach der Ordnung des Melchisedek bestritten die Gottlosen immerhin
nicht.
Das sind – mindestens für uns Westmenschen – höchst ungewöhnliche Vorgänge.
Wir sind bei
uns eher daran gewöhnt, daß Bischöfe und Regime und Regime und Bischöfe einander Grußworte und Schmeicheleien
zuschanzen und sich in ihren Palästen gegenseitig besuchen.
Der verstorbene Bischof wurde vom Regime
nur zu Verhören eingeladen. Dennoch war er – wie es heißt – der geliebteste und am meisten respektierte
chinesische Kirchenmann.
Aber von wem geliebt? Von wem respektiert? O nein, nicht von den Journalisten,
die vorgeben, dem Volk ohne Stimme eine Stimme zu verleihen, indem sie das schreiben, was ihnen die Mächtigen
zu schreiben erlauben und indem sie, etwa die Gründer von ‘Stern’ und ‘Spiegel’, heute den National-
und morgen den -Sozialisten zu Diensten sind.
Den toten Mons. Guo lieben die Journalisten dann, wenn
sich die Machtverhältnisse ändern.
Bis es soweit ist, wird und wurde der Kirchenmann nur von den dummen,
kleinen Leuten geliebt – also von jener großen Masse von Menschen, die in einer Demokratie oder Volksdemokratie
nichts zu piepsen hat.
Mit einem Wort: Mons. Guo wurde von Menschen geliebt, die nichts zählen.
Er
starb im Alter von 89 Jahren. Geboren wurde er zwar vor 88 Jahren. Aber in der chinesischen Kultur beginnt
das Alter eines Menschen im Augenblick seiner Empfängnis.
Mons. Guo war der Sohn einer katholischen
Familie. Im Jahr 1948 wurde er zum Priester geweiht.
In den Fünfziger Jahren entdeckte das chinesische
Regime in ihm einen „Konterrevolutionär“ – im Westen würde man ihn heute „einen Fundamentalisten“ nennen.
Dieses Schwerverbrechen brachte ihm 1954 eine Verurteilung zu zehn Jahren Zwangsarbeit ein. Der Bischof
wurde in den folgenden Jahren in verschiedenen Konzentrationslagern festgehalten.
Danach kehrte er zu
seiner priesterlichen Arbeit im Untergrund zurück.
Im Jahr 1989 wurde er zum Bischof konsekriert und
anschließend wieder verhaftet.
Dieses Mal bestand das Verbrechen des rückfällig gewordenen Straftäters
Guo darin, an einer Konferenz der chinesischen Untergrundbischöfe teilgenommen zu haben.
Nach seiner
Entlassung aus dem Strafvollzug wurde er wegen seiner eifrigen Evangelisationsarbeit bekannt. Seine Diözese
begann zu blühen: Berufungen, Konversionen. Katholische Einrichtungen und Gruppierungen wurden aufgebaut.
Er konsekrierte auch seinen Nachfolger Mons. Wen Jinyi.
Dieser wurde sogar zur letzten Bischofssynode
über die Eucharistie
eingeladen. Natürlich in einer politisch korrekten Mischung: zwei Untergrundbischöfe
und zwei Regimebischöfe.
Die Mischung erhielt von den chinesischen Kommunisten aber keine Ausreisebewilligung.
Jetzt ist der lächerliche Bischof Guo gestorben. Dadurch wurde auch ein großes diplomatisches Hindernis
aus dem Weg geräumt.
Denn anständige Bischöfe benehmen sich nicht wie Mons. Guo. Sie landen nicht
im Arbeitslager sondern in den Palästen dieser Welt.
Sie werden „diplomatisch“ genannt und auch schon
zu Lebzeiten heiß geliebt und gelobt – von denen, die in der Gesellschaft Macht und Einfluß besitzen.
Diese Hirten können mit langen Nekrologen und feierlichen Bischofsrequiems rechnen.
Dem lächerlichen
Guo blieb das alles verwehrt.
Doch dann bemerkte der liebe Gott bei einer rauschenden Himmelsparty für
die Apostelfürsten und Märtyrer Petrus und Paulus, daß im himmlischen Festsaal noch ein Platz frei
war.
Darum holte er sich den lächerlichen Bischof Guo in den Himmel.
Das war am 29. Juni.
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