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Montag, 10. Juli 2006 18:19
„Theologisch gerechtfertigt“
Da es schon einmal Priesterinnen gibt, kann man sie auch zu Bischöfinnen ordinieren. Zu dieser Erkenntnis kam kürzlich die anglikanische Kirche in England. Am Wochenende wurde ein weiterer historischer Schritt gesetzt.
Papst Leo XIII. erklärte schon 1896, daß sämtliche anglikanische Weihen "null und nichtig" sind.
Papst Leo XIII. erklärte schon 1896, daß sämtliche anglikanische Weihen „null und nichtig“ sind.
(kreuz.net, York) Ab dem Jahr 2012 sollen in der anglikanischen Staatskirche von England Frauen als Bischöfinnen eingesetzt werden können.

Das beschloß die Generalsynode – das oberste Leitungsgremium – der Anglikaner im nordenglischen York am Samstag mit 288 gegen 119 Stimmen.

Die Generalsynode der anglikanischen Gemeinschaft setzt sich aus drei Gruppen zusammen: dem „House of Laity“, dem „House of Bishops“ und dem „House of Clergy“.

Die gestrige Abstimmung benötigte eine Zweidrittelmehrheit. Die Bischöfe stimmten 31:9, die Kleriker 134:42 und die Laien 123:68 für den Schritt.

Das Konzept der Bischöfinnen sei „theologisch gerechtfertigt“ und „in Übereinstimmung mit dem Glauben der Kirche“.

Bereits vor einem Jahr entschied die englische Generalsynode, die Ordination von Bischöfinnen grundsätzlich zu unterstützen und entsprechende theologische Abklärungen durchzuführen.

Dieser theologische Klärungsprozeß gilt nun als abgeschlossen.

Die anglikanische Generalsynode versuchte während einer zweieinhalbstündigen Debatte unter der Federführung des gastgebenden Erzbischofs von York, John Sentamu, die Tatsache zu entkräften, daß Christus nur Männer als Apostel berufen hat.

Der Bischof von Durham, Tom Wright, entgegnete, es gebe eine große Gewißheit, daß Frauen bei der Leitung der Urkirche geholfen hätten.

Besonders bedeutsam sei, daß Christus nach seiner Auferstehung zuerst Maria Magdalena erschienen ist.

Tatsächlich habe Christus nur männliche Apostel gewählt. Aber in seiner Auferstehung habe er ein neues Projekt, eine neue Schöpfung begonnen. Hier seien die Frauen von Anfang an involviert gewesen.

Vor der Abstimmung rief der Yorker Erzbischof Sentamu zur Akzeptierung weiblicher Bischöfe auf:

„Wenn es theologisch richtig ist, Frauen zu Priestern zu weihen, dann ist es möglich und natürlich, sie zu Bischöfen zu konsekrieren.“ Seit 1994 ordinieren die englischen Anglikaner Frauen zu Priestern.

Gleichzeitig räumte Sentamu ein, daß der bevorstehende Schritt in der Ökumene vor allem mit der Katholischen Kirche und der orthodoxen Gemeinschaft zu Schwierigkeiten führen könnte.

Der Vatikan hatte die anglikanische Gemeinschaft von England Anfang Juni vor der Ordination weiblicher Bischöfe gewarnt.

Andererseit erklärte Papst Leo XIII. schon im Jahr 1896 in seiner Bulle ‘Apostolicae Curae’, daß die anglikanischen Bischofs-, Priester- und Diakonenweihen „null und nichtig“ sind.

Bevor es in England Bischöfinnen geben wird, muß noch das anglikanische Kirchenrecht geändert werden.

Der Primas der englischen Gemeinschaft, Erzbischof Rowan Williams von Canterbury, wird dafür in den nächsten Tagen eine Expertenkommission einsetzen.

Neben kirchenrechtlichen Kriterien wird das Gremium Lösungen ausarbeiten, um die anglikanischen Gegner der Bischöfinnenordination zu versöhnen. Damit soll eine Spaltung der englischen Anglikaner verhindert werden.

Eine solche Spaltung ist aber nicht sehr wahrscheinlich. Der große Exodus aus der anglikanischen Kirche von England hat bereits 1994 bei der Einführung der Frauenordination stattgefunden. Damals konvertierten Tausende von anglikanischen Klerikern und Laien zum Katholizismus.

In der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft gibt es gegenwärtig bereits in 14 der insgesamt 38 Landeskirchen das Bischofsamt für Frauen.

Die US-amerikanische anglikanische Episkopalkirche wählte erst letzten Monat eine Frau Bischöfin zu ihrer Vorsitzenden.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 57 Lesermeinungen:
Donnerstag, 13. Juli 2006 14:45
aschera: @ Benedikt:
Ich habe das ganze Paket gemeint. Dann würde die historisch-kritische Exegese in der Kirche endlich allgemeine Gültigkeit haben ist doch in den protestantischen Kirchen auch noch nicht durchgesetzt, oder? (Bsp.: nach wie vor Gerangel um die Themen Homosexualität und Verhütung)
Donnerstag, 13. Juli 2006 12:35
Benedikt: @ aschera
Anerkennung der Menschenrechte und einer demokratischen Struktur finden, und es gäbe den Unterschied zwischen Geweihten und LaiInnen nicht mehr. Wären das herrliche und gottvolle Zeiten!

Ich wüsste nicht, in wie weit dies bei den Protestanten nicht verwirklicht wäre.
Donnerstag, 13. Juli 2006 12:00
aschera: Träumen Sie weiter!
Das gibt es alles schon – bei den Protestanten.
Nochmals: Wenn’s doch nur so wäre. Und für alle anderen christlichen Denominationen gilt dasselbe.
Donnerstag, 13. Juli 2006 10:24
Benedikt: @ aschera
Das gibt es alles schon – bei den Protestanten. Sie erinnern sich, dass sind die, bei denen die Zeiten so gottvoll sind, dass demnächst wegen Gläubigenmangels 23 Landeskirchen zu 12 fusioniert werden. Dass die Kirchenreformer das immer ignorieren, ist verständlich, warum man ihnen aber folgen sollte nicht.
Donnerstag, 13. Juli 2006 10:12
aschera: ein Wunschtraum
Unsere Kirche ist halt von unserem Herrn Jesus Christus gegründet und wird vom Heiligen Geist geleitet.
Wenn’s doch nur so wäre. Dann würde die historisch-kritische Exegese in der Kirche endlich allgemeine Gültigkeit haben, die Kirche würde endlich zur Anerkennung der Menschenrechte und einer demokratischen Struktur finden, und es gäbe den Unterschied zwischen Geweihten und LaiInnen nicht mehr. Wären das herrliche und gottvolle Zeiten!
Mittwoch, 12. Juli 2006 16:29
Benedikt: @ Frl. Ilse
Ich glaube nicht, dass man in 250 Jahren über den Schiedsrichter in der Gesellschaft lacht. Eine solche Rolle ist nämlich ziemlich nützlich für alle. Gäbe es den Schiedsrichter nicht, würde immer der Stärkere gewinnen und das Faustrecht unser einziges Rechtsgut sein.

Die Frage ist, ob der Schiedsrichter immer die Polizei sein wird. Man kann sich das sicher heute nicht vorstellen, aber früher gab es auch Dinge, die man sich nicht vorstellen konnte und heute lacht man drüber.

Ohne Polizei wären die Innenstädte von Dortmund und Köln während der WM von den Hools zerlegt worden.

Sicher sicher. Heute geht es nicht ohne. Was nicht heißt, dass das immer so sein wird.

Männer sind nun mal diejenigen, die aggressiver und krimineller sind, dass ist eine alte Einsicht der Polizei, ganz besonders, wenn sie unter sich sind.

Durchaus richtig, wenn auch das neue Phänomen der Mädchen Gangs zunehmend Beachtung findet.
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