St. Pölten
Die altrömische Noblesse hielt die Foltermale der Bekenner hoch
Kürzlich erschien eine brisante Analyse der St. Pöltner Sex-Skandale im Sommer 2004: „Ein ‘Martyrium’ der Hirten kommt der Kirche insgesamt immer zugute.“
(kreuz.net, Wien) Der emeritierte Salzburger Kirchengeschichtler Pater Gerhard B. Winkler hat sich kürzlich in einem Beitrag mit den Ereignissen des Sommers 2004 in der Diözese St. Pölten befaßt.

Pater Winkler ist Zisterzienser des Klosters Wilhering.

Der Zisterzienser hatte von 1974 bis 1983 den Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Universität Regensburg inne. Zur damaligen Zeit lehrten dort unter anderem auch Professor Dr. Kurt Krenn, der spätere Diözesanbischof von St. Pölten, und Prof. Dr. Joseph Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI.

Von 1983 bis zu seiner Emeritierung 1999 war Pater Winkler Professor für Kirchengeschichte an der Universität Salzburg.

Der nachfolgend in Auszügen dokumentierte Text stammt aus einem jüngst im renommierten Wiener Dom-Verlag erschienenen Sammelband und trägt den Titel „Die katholische Kirche in Österreich von 1986 bis 2005“:

„Als Bischof Krenn 1991 die Diözese St. Pölten übernahm, hatte sich der Gegenwind keineswegs gelegt. […]

Mehrere Maßnahmen verzieh man ihm nicht: etwa daß er seine Erstsemestrigen nicht in das neu eingerichtete Propädeutikum in Horn schickte.

Denn in St. Pölten konnten doch jedes Jahr erheblich mehr Priester geweiht werden als in anderen Diözesen. In seiner Amtszeit als Bischof waren es immerhin insgesamt 90.

Das Letzte wurde nicht völlig neidlos anerkannt; das Erste verstanden allerdings manche zu Unrecht als laesio maiestatis [= Majestätsbeleidigung], hatte doch Rom wiederholt die Eigenverantwortung jedes einzelnen Ortsbischofs eingemahnt. […]

Die entscheidende Krise kam ins Rollen, als der Diözesanbischof endlich die Seminarvorstehung ausgewechselt hatte, deren liberalistischer Kurs sich offensichtlich nicht bewährt hatte.

Vielleicht ließen sich die neuen Verantwortlichen durch den unverhofften Zulauf zum Seminar etwas täuschen. Die Zahl 44, die nach der Visitation auf vierzehn und schließlich auf vier zusammenschmolz, konnte sich in Österreich sehen lassen. […]

Schließlich gab es einen bei Gericht anhängigen Fall von unmoralischem und rechtswidrigem Gebrauch pornographischen Materials, den die Vorsteher allerdings unverzüglich anzeigten.

Bei einem Seminaristen, R. R., der von auswärts stammte und das Propädeutikum in Horn absolviert hatte, bevor er sich ins St. Pöltener Seminar begab, fand die Polizei 300 neu gekaufte Porno-DVDs homosexuellen Inhalts.

Der Betroffene, der selbst öffentlich angab, homosexuell zu sein, trat wenig später vor Gericht als Hauptzeuge gegen die Seminarleitung auf, ohne daß dessen einschlägige Befangenheit gehörig berücksichtigt worden wäre.

Die eigentliche Identität dieses auswärtigen Kandidaten und seine Verbindungen sind nach meinem Wissen bis heute nicht völlig geklärt.

Das Ganze wurde aber als genereller Sexskandal aufgemacht und verallgemeinert, bei dem das Menschenrecht auf ein faires Gericht, auf ‘Unschuldsvermutung’ und auf das Grundrecht auf Ehre für die Mehrzahl der Beteiligten nicht gewahrt wurde. […]

Eine Klage zweier betroffener Herren der Seminarleitung wegen übler Nachrede gegen ein österreichisches Massenjournal wurde von dem mit der Frage befaßten Gericht ohne schlüssigen Beweis im September 2005 zu einer Generalschelte der katholischen Kirche umfunktioniert.

Danach mache sich die katholische Kirche der Doppelmoral schuldig, was zu beurteilen gar nicht die Aufgabe des Forums war. Die klagenden Priester mußten die Prozeßkosten zahlen. […]

Der Bischofswechsel erwies sich für den neuen Diözesanbischof Dr. med. Dr. theol. Klaus Küng als äußerst friedlich und harmonisch, wenn man dessen turbulente Aufnahme in Feldkirch damit vergleicht.

Er hatte sich in seinem ersten bischöflichen Amt als glücklich bekannt, keine Fakultät beaufsichtigen zu müssen.

Vielleicht waren es auch die Überlegungen der Kurie, daß [Bischof] Küng nun das Gute ernten sollte, das [Bischof] Kurt Krenn unter großen Mühen gesät hatte.

Ein ‘Martyrium’ der Hirten kommt der Kirche insgesamt immer zugute.

Nur entsprach es altrömischer Noblesse und dem kirchlichen Brauch der Väter, das Andenken der Confessores [= Bekenner] gerade wegen ihrer Foltermale hoch zu halten.“

Auszug aus: Gerhard B. Winkler: Die katholische Kirche in Österreich von 1986 bis 2005, in: Jan Mikrut (Hg.): Die katholische Kirche in Mitteleuropa nach 1945 bis zur Gegenwart, Wien 2006, 193-226.
      
13 Lesermeinungen
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#13   Justus   17:32:21 | Sonntag, 23. Juli 2006
Irrtum, Lüge, Turk
Irrtum bleibt Irrtum, Lüge bleibt Lüge und Turk bleibt Turk.
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#12   turk   09:50:34 | Freitag, 14. Juli 2006
Irrtum bleibt Irrtum, auch bei einem Professor
So wie die falsche Dauerglorifizierung eines einzigen Bischofs www.internetpfarre.de/blog/item/30/ wie im Fall von Bischof Krenn seitens unerleuchteter Grueppchen nicht dessen (in der Regierungsendzeit) geschehene Verharmlosung homosexueller Situationen der von ihm eingesetzten Priesterseminar-Regenten www.kreuz.net/bookentry.595.html wettmachen konnte, ebensowenig koennen anerkannte wissenschaftliche Leistungen im Fall eines emeritierten Kirchengeschichtsprofessors dessen nachweislichen wissenschaftlichen und kirchenhistorischen Irrtum www.kreuz.net/bookentry.615.html zum Fall St. Poelten wettmachen. Irrtum, auch durch unwissentlich uebernommene Luegen, bleibt Irrtum.
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#11   aschera   14:39:45 | Donnerstag, 13. Juli 2006
ewige Wiederkehr des Gleichen
Und schon wieder das Thema Abtreibung, obwohl es in diesem Thread null und nix verloren hat. Bravo!
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#10   Laurentius2   14:15:48 | Donnerstag, 13. Juli 2006
@Markus-Antonius 7 AUSWANDERN wg. LIBERAL-SOZIALISMUS ?
Hätten Sie das beim National-Sozialismus den „weinerlichen“ „schwarzen Römlingen“ auch gesagt?
Und ganz so schlimm ist es ja auch noch nicht ! Diese Gesinnungsdiktatur ist sehr sehr viel subtiler. Genozid geschieht nur in den gynäkologischen Praxen – und eigentlich weiß es diesmal wirklich jeder deutsche Staatsbürger !
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#9   Justus   16:39:00 | Mittwoch, 12. Juli 2006
Turk scheut vor nicht zurück
Prof. Winkler ist ein allgemein anerkannter und hoch verdienter Theologe, der über jeder Ideologie und jedem Lagerdenken steht. Etwas mehr Respekt, bitte!
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#8   turk   11:03:05 | Mittwoch, 12. Juli 2006
Totaler Reinfall Winklers, schade.
Stimme aus dem Tradiland www.kreuz.net/reader.151.html (siehe unten) ist hier rechtzugeben. Der Artikel ist reine Propaganda, armer Prof. em. Winkler, der da derselben Gruppe auf den Leim gegangen ist wie z. B. der „13.“.
HIER ALSO DIE VOLLE WAHRHEIT UND AUFKLAERUNG ALLER OBIGEN IRRTUEMER MIT ARGUMENTEN! www.kreuz.net/bookentry.615.html
Johannes Paul I. www.kreuz.net/reader.183.html schreibt da richtig: „Es ist im übrigen lächerlich, wenn bei Prozessen, bei denen mehrheitlich Personen mit homosexueller Vergangenheit aufgetreten sind, für einen einzigen Zeugen behauptet würde, er wäre allein deshalb unglaubwürdig. Die Wahrheit ist: weil R. R. das sagte, was er sah und hörte, wollten die Ex-Vorsteher diesen Belastungszeugen kraft vorgefertigter Erklärungen für immer unglaubwürdig machen, was u. a. durch staatliche Richterinnen Gott sei Dank mißlungen ist, auch zum Wohle der Glaubwürdigkeit der Kirche.“
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#7   Frl.Ilse   09:33:05 | Mittwoch, 12. Juli 2006
@Befangenheit
Der Betroffene, der selbst öffentlich angab, homosexuell zu sein, trat wenig später vor Gericht als Hauptzeuge gegen die Seminarleitung auf, ohne daß dessen einschlägige Befangenheit gehörig berücksichtigt worden wäre.
Ich weiß ja nicht, wie es im österreichischen Recht aussieht, aber die Unterschiede zum deutschen Recht werden doch eher gering sein. Und dort muss derjenige, der das Urteil spricht, unbefangen sein. Der Zeuge muss bloß wiedergeben, was er gesehen oder gehört oder erfahren hat. Der Zeuge ist i m m e r in das Geschehen involviert und somit „befangen“. Angesichts des doch recht lockeren Umgangs mit Rechtsbegriffen ist der Artikel mit großer Vorsicht zu genießen.
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#6   Uwe Schmidt   02:13:40 | Mittwoch, 12. Juli 2006
JAN MIKRUT
war bis vor ein paar Jahren die rechte Hand von Pater Rydzyk (Radio Maryja Polen).
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#5   thaumaturgos   15:32:43 | Dienstag, 11. Juli 2006
Zu den Autoren gehört unter anderem auch eine gewisse Annemarie Fenzl, die wahre Lobeshymnen auf Kar
sie war ja bis zum Tode des Hwst. H. Kardinals seine Sekretärin und Vertraute …
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#4   Justus   14:36:14 | Dienstag, 11. Juli 2006
Absolut seriös
Ich habe mir das Buch inzwischen gekauft. Zu meiner Überraschung handelt es sich nicht um ein einschlägiges Nischenprodukt, sondern um ein absolut seriöses Werk, das sicher bald zur historischen Standardliteratur gehören wird.
Zu den Autoren gehört unter anderem auch eine gewisse Annemarie Fenzl, die wahre Lobeshymnen auf Kardinal König singt. Allein daran zeigt sich die Ausgewogenheit des Werkes fernab aller Ideologien und kirchenpolitischen Lager.
Soviel steht fest: Wer in Zukunft über die Causa St. Pölten redet oder schreibt, wird an den Ausführungen von Prof. Winkler nicht vorbeikommen.
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#3   Markus-Antonius †   14:31:07 | Dienstag, 11. Juli 2006
Wenn Ihnen
das „liberal-sozialistisch/pseudokatholisch-modernistischen System“ nicht passt, warum wandern Sie dann nicht aus? Ständig dieses weinerliche Geleiere. Vielleicht sind Ihnen iranische Zustände lieber?
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#2   Laurentius2   13:48:34 | Dienstag, 11. Juli 2006
Dank an Prof.Pater Winkler !
… für diese treffende Analyse !:) : Das Ganze wurde aber als genereller Sexskandal aufgemacht und verallgemeinert, bei dem das Menschenrecht auf ein faires Gericht, auf ‘Unschuldsvermutung’ und auf das Grundrecht auf Ehre für die Mehrzahl der Beteiligten nicht gewahrt wurde. […].
Quod erat demonstrandum … dort, wo man sich mit Schmähungen, üblen Verleumdungen :-[ ^-^ :-! gegenüber den betroffenen Priestern :-) o^/ :-) und einem liberal-katholischen Strammstehen :-O :-# ^-^ gegenüber dem liberal-sozialistisch/pseudokatholisch-modernistischen System hervortut …
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#1   Stimme aus dem Tradiland   12:49:32 | Dienstag, 11. Juli 2006
An dem Bericht ist einiges schlicht unwahr
So wird der Eindruck erweckt, es habe so viele Priesterweihen gegeben. Das stimmt zwar, doch haben gerade diese zum allergrößten Teil nicht mit dem Priesterseminar zu tun, wo Regens Schrittwieser auch unter Bischof Krenn noch bis November 2001 sein liberales Regiment weiterführen durfte.
Die Priesterzahlen unter Bischof Krenn stammen weit überwiegend von der Gemeinschaft v. Hl. Josef (dieser Gemeinschaft hatte Bischof Krenn in seiner Diözese Aufnahme gewährt; sie stammen alle aus anderen Diözesen) und den Orden. Sowohl die genannte Gemeinschaft als auch die Orden haben die Gemeinsamkeit, dass ihre Seminaristen nicht das diözesane Seminar besuchen.
Als im November 2001 Regens Küchl eingesetzt wurde, tat sich einmal ein Jahr lang nichts und ab Herbst 2002 gab es dann einen kurzen Aufschwung an Seminaristen, welcher eher als „Sumpfblüte“ bezeichnet werden muß.
Denn von den zul. mehr als 40 genannten „Seminaristen“ waren die meisten nicht geeignet oder gar keine Seminaristen. Unter diesen waren welche mit fehlenden Sprachkenntnissen, ohne Studienber., sehr alte Kandidaten, solche mit Alkohohl- oder psychischen Problemen und vor allem ein großer Schwung an schwulen Kandidaten.
Richtig ist, dass auch ein paar kons. Kandidaten ins Seminar kamen. Doch wurde das Seminarklima durch die Schwulenclique völlig unerträglich und aufgrund des Nichthandelns der Verantwortlichen (Bischof un die selbst involvierten Regenten) trotz Beschwerden schließlich jeder gute Ansatz zunichte gemacht.
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