China
Die Quadratur des Kreises
Der Vizepräsident der vom Regime in Peking kontrollierten ‘Patriotischen Vereinigung’ wird auch chinesischer Papst genannt. Er ist zugleich Katholik und Kommunist.
(kreuz.net, Peking) Das Drama von Liu Bainian – dem Vizepräsidenten der chinesischen Patriotischen Vereinigung – ist sein doppelter Gehorsam.

Diese Ansicht vertrat die französische Tageszeitung ‘Le Figaro’ in einem Artikel von Ende Juni.

Liu entstammt einer katholischen Familie. Von seiner Mutter gedrängt träumte er davon, ins Priesterseminar von Qingdao – eine Hafenstadt in Ostchina – einzutreten, bevor ihm das die chinesische Kulturrevolution (1966-1976) verbot.

Dreißig Jahre später reiste er nach eigenen Angaben nach Rom und pilgerte dort in die Hauptbasiliken der Stadt, um einen vollkommenen Ablaß seiner zeitlichen Sündenstrafen zu erhalten.

„Er verteidigt das Wohl der Kirche, soweit er dazu in der Lage ist“, erklärt Pater Jeroom Heyndrickx von der Universität von Louvain vor ‘Le Figaro’. Der Priester kennt Liu persönlich gut.

Liu ist auch ein hochrangiges Mitglied der Kommunistischen Partei. Das geht aus einem vertraulichen Dokument hervor, daß vor einigen Jahren in Peking verfaßt wurde.

Der chinesische Papst scheint auch als Parteimitglied sehr geschätzt zu sein. Darum ist in seinem Fall das Tabu gebrochen, das den chinesischen Parteikadern jede religiöse Mitgliedschaft verbietet.

Geteilt zwischen Gott und Cäsar ist Liu zweifellos ehrlich, meint Pater Heyndrickx: „Aber er ist auch blind.“

Jetzt bemüht sich Papst Benedikt XVI. darum, die von den Kommunisten kreierte Parallelkirche zu integrieren. Doch dagegen wehrt sich Liu mit Händen und Füssen.

Vor ‘Le Figaro’ vermeidet es Liu, den Papst, „der China liebt“, anzugreifen.

Aber er beklagt den Einfluß eines päpstlichen Umfeldes, das in „auf rechte Positionen“ festnageln wolle.

Liu freut sich, daß der Vatikan inzwischen die meisten chinesischen Bischöfe, die seit 1978 von den chinesischen Kommunisten ernannt wurden, anerkannt hat.

Aber er kritisiert zugleich die vierzig Untergrundbischöfe heftig, die von Rom eingesetzt wurden: „Das sind alles entschlossene Gegner der chinesischen Regierung.“

Viele dieser Bischöfe haben Haftstrafen hinter sich.

In Peking habe niemand die Rolle der Katholiken vergessen, die während der Umwälzungen in Osteuropa am Ende der 80er Jahre vom Vatikan unterstützt wurden.

„Wie könnten die kommunistischen Führer akzeptieren, daß sich hier ähnliche Dinge ereignen?“
      
1 Lesermeinung
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#1   Stefan Fischer   17:27:58 | Freitag, 14. Juli 2006
Neue Blüte des Christentums
Die kath. Missionssituation Chinas erinnert stark an das Urchristentum des damaligen römischen Imperiums. Auf wundersame Weise erleben wir satten und streitmüden Europäerchristen, wie dort im Jahrzehnte lang isolierten China der hl. Geist in der ursprünglichen Kraft Christi wirkt. Mit Freude und Beschämtheit treffen wir Gläubige, denen die Sakramente noch als GÖTTLICHE Segensgaben gelten, weil sie noch in der „Katakomben-Phobiehaltung“ weder Prunk noch Massenspektakel benötigen, um ihrer religiösen Ergriffenheit Dynamik zu verleihen. Gott möge dieses Land mit guten und kräftigen Katholischen Christen und Missionaren segnen.Amen.
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