13:41:31 | Mittwoch, 12. Juli 2006
Geht es bei dem endlosen Konflikt um die Kopfbedeckung islamischer Frauen um den Schleier oder um die Person, die darunter steckt? Von Dr. Yavuz Özoguz,
Muslim-Markt.
(kreuz.net) Das jüngste Kopftuchurteil in Deutschland hat die Gemüter im Lande einmal mehr erhitzt.
Erhitzt haben sich vor allem jene Gemüter, denen es gar nicht um das Kopftuch der Frau, sondern um die
Ausgrenzung weiblicher Moslems geht. Dabei ginge es auch anders.
Trotz eindeutigem Urteil lehnt die bundesdeutsche
Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) das Kopftuchtragen muslimischer Lehrerinnen im Unterricht weiterhin
kategorisch ab.
Die Flaggenträgerin gegen das Kopftuch muslimischer Frauen in Deutschland hält – seit
ihrer Zeit in Baden-Württemberg – weder etwas vom Gleichheitsgrundsatz der Religionen noch etwas davon,
daß eine moslemische Frau aus religiösen Gründen ihre Haare bedecken will.
Von der Unabhängigkeit
von Gerichten hält Frau Schavan offenbar auch wenig. Denn der Einfluß, denn die so laut vorgetragene
Ablehnung einer Ministerin auf Gerichte hat, dürfte ihr nicht entgangen sein.
Eine muslimische Frau
hat gefälligst ihr Haar zu zeigen, wenn sie in Deutschland Lehrerin werden will – so hat es Frau Schavan
beschlossen.
Die Ministerin behauptet dabei, daß das muslimische Kopftuch angeblich ein Zeichen für
eine „kulturelle Abgrenzung und politischen Islamismus“ sei, wobei das bei der Tracht einer Klosterfrau
nicht der Fall sei.
Wenn man diese Stellungnahme im Sinne des Gemeinwohls und des friedlichen Miteinander
der Bevölkerungsgruppen zu Ende denkt, dann ließe sich eine Lösung für das ganze Land erarbeiten,
mit dem alle Beteiligten leben könnten:
Wie wäre es, wenn man die Nonnentracht grundsätzlich im Schulunterricht
zulassen würde?
Unabhängig davon, ob sie von einer Ordensschwester oder einer muslimischen Frau getragen
wird, könnte die christliche Nonnentracht bundesweit erlaubt werden.
Muslimische Frauen, die nicht auf
ihr Kopftuch verzichten wollen, könnten dann einfach die Nonnentracht anziehen und darin unterrichten.
Vielleicht würden Ordensschwestern vereinzelt dagegen protestieren, da ein bestimmtes Kleid ja auch
das Aushängeschild eines bestimmten Ordens ist.
Aber mit gutem Willen, Mut, christlicher Liebe und Zusammenarbeit
der Ordensgemeinschaften ließe sich mit Sicherheit eine Schulordenstracht schneidern, auf die sich alle
Beteiligten einigen und die genügend Unterscheidungsmerkmale zuläßt.
So könnte sich eine moslemische
Frau durch die Farbe des Schleiers unterscheiden, während der Rest der Kleidung im wesentlichen mit einer
Nonnentracht identisch wäre.
So wäre sichergestellt, daß die Frauenorden sich nicht mißbraucht fühlen.
Zum anderen würde die große Ähnlichkeit mit einer Nonnentracht auch sicherstellen, daß beim Anblick
der moslemischen Lehrerinnen niemand an den (bösen) Islam, sondern eher an das Christentum denkt. Zugleich
hätten die muslimischen Frauen ihre Kleidervorschriften eingehalten.
Muslimische Gegner dieser Lösung,
die eine „Verchristlichung“ muslimischer Frauen befürchten, könnten von den eigenen Verbänden überzeugt
werden.
Eine Mehrheit für einen solchen Kompromiß, der für alle tragbare ist, wäre dem Land sicher.
Gerichte würden von weiteren kostspieligen Prozessen verschont, und das ganze Thema wäre langfristig
gelöst. Das würde dem Land endlich Frieden in einer Frage bescheren, die ihm Rahmen der gegenwärtig
in Deutschland anstehenden Probleme eindeutig zuviel Raum einnimmt.
Sogar Frau Schavan könnte beweisen,
daß es ihr nur um den sogenannten „Islamismus“ nicht um Maßnahmen gegen die islamischen Mitbürger geht.
Gegenwärtig hat Frau Schavan in dieser Angelegenheit noch Klärungsbedarf.
Sachkundige Beobachter befürchten
aber, daß die Ministerin die erste wäre, die einen solchen Vorschlag bekämpfen würde.
Man hört,
daß es Politikern ihres Schlages weniger darum geht durch Kompromisse Wege des gerechten und friedvollen
Miteinanders zu finden, sondern eher um die Ausgrenzung von Teilen der Bevölkerung.
Es gibt aber zum
Glück in diesem Land auch andere Minister.
Sie wissen, daß das Streben nach einem konstruktiven Miteinander
mehr ihrem Amtseid entspricht als die Provokation von Konflikten.
Dr. Yavuz Özoguz ist Webmaster der
Webseite Muslim-Markt.
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