18:14:16 | Freitag, 14. Juli 2006
Seit der Aufklärung gilt die unantastbare Menschenwürde als die Generalnorm der Menschenrechte. Doch damit ist es jetzt vorbei. Von Hubert Hecker.
(kreuz.net) Der Begriff Würde sagt aus, daß dem Menschen kein Äquivalent entspricht – also ein noch
so hoher Wert oder Zweck die Einmaligkeit eines Menschenlebens nicht aufwiegen kann.
Dieser Bedeutung
von Würde entspricht die biblische Aussage der Gottebenbildlichkeit des Menschen. Darin hat das vorstaatlich
gegebene Recht auf Menschenwürde seine Quelle und Legitimation.
In keiner anderen großen Weltkultur
oder Weltreligion konnte diese grundlegende Kategorie von Menschenwürde herausgebildet werden.
Aus der
unantastbaren Menschenwürde folgt das sakrosankte Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, von
dem zum Beispiel im Artikel 2 des Deutschen Grundgesetzes die Rede ist.
Dieser fundamentale Konsens des
christlichen und aufgeklärten Europas wird heute durch mehrere Großideologien untergraben, angegriffen
und zu zertrümmern versucht.
Die Basis dafür legte der französische Philosoph René Decartes († 1650).
Er hat die Welt in krude Dinge ohne Geist und Seele sowie in die geistig-logische Welt ohne Materialität
auseinanderdividiert.
Diese Doktrin sieht im Menschen nichts als ein mechanisches Zusammenspiel, eine
komplexe Chemiefabrik, ein kybernetisches Biosystem.
Heutige Vertreter der Biowissenschaften sehen in
dem ungeborenen Menschen im Frühstadium einen Zellhaufen oder Biomaterial, das wegzuschneiden oder abzusaugen
diese kühlen Köpfe als Alltagsgeschäft verbuchen.
Auch aus dem Lager der Evolutionstheorien werden
der ethisch-politischen Kategorie der Menschenwürde schwere Schläge versetzt.
Wenn der Mensch als der
nackte Affe definiert wird, als einer der 93 Primaten-Arten oder ein Werkzeug gebrauchendes Tier, das
zu seinen Gattungsnachbarn keinen substantiellen Unterschied aufweist, dann ist der Begriff Würde als
ein unendlicher Wert obsolet.
Schließlich ist der Ansatz des Utilitarismus ein Totengräber der Menschenrechte.
Der Utilitarismus setzt die
Nobelpreisträger James Watson:
Bei der Tötung eines behinderten Kindes wird
viel Leid verhindert, durch die Geburt eines gesunden Kindes dagegen wachsendes Lebensglück erreicht.
größtmögliche
Leidverminderung sowie das Glück der größtmöglichen Zahl als universales moralisches Prinzip für
soziale Systeme an.
Bei der Tötung eines behinderten Kindes etwa, so argumentiert der Nobelpreisträger
für Medizin, James Watson, wird viel Leid verhindert oder vermindert, durch die Zeugung und Geburt eines
gesunden Kindes dagegen wachsendes Lebensglück erreicht.
Die massiven Angriffe auf die Menschenwürde
schlagen sich auch in der juristischen Kommentierung des Deutschen Grundgesetzes nieder, dem berühmten
Maunz-Dürig-Kommentar.
Bisher galt die Menschenwürde ab dem Zeitpunkt der Zeugung, bei dem der „neue
Persönlichkeitskern entsteht, … in dem alles Wesentliche und Wesenhafte eines Menschen beschlossen
ist“.
In der Neuausgabe des Maunz-Dürig von 2003 bevorzugt der Kommentator eine „prozeßhafte Betrachtung
des Würdeschutzes mit entwicklungsabhängiger Intensität eines bestehenden Achtungs- oder Schutzanspruches“,
so daß insbesondere der ungeborene Mensch die unantastbare Würde nur noch in einer „gleitenden Skala
variierender Disponibilität“ beanspruchen kann.
Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Wolfgang Böckenförde
bedauert in der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ vom 3. September 2003 diesen „Abbau von Würdeschutz
nach Angemessenheitsvorstellungen des Interpreten“.
Aber der gleiche Richter hat mit der Zustimmung zum
Abtreibungs-Urteil des Verfassungsgerichts von 1993 diese Destruktion der Kategorie ‘Würde’ mitbefördert.
Im Leitsatz Nr. 7 des Bundesverfassungsgerichtsurteils vom 28. 5. 1993 zu Abtreibung, entsprechend Paragraph
219 des deutschen Strafrechts, heißt es, daß die Menschenwürde und das Lebensrecht des Ungeboren dann
aufgehoben werden kann, wenn durch die Schwangerschaft solche schweren Belastungen entstehen, die die
zumutbare Opfergrenze „eigener Lebenswerte“ übersteigen.
Damit wird der ungeborene Mensch oder ein Menschenleben
in eine Äquivalenzbeziehung zu anderen „Lebenswerten“ gesetzt.
Leben und Würde des Menschen werden
angetastet.
Die Katholische Kirche ist die einzige Großorganisation in Europa, die das Menschenrecht
auf Würde und Leben kategorisch und bedingungslos aufrechterhält.
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Aloah 10:31:12 | Samstag, 15. Juli 2006
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Aloah 10:07:10 | Samstag, 15. Juli 2006