15:35:44 | Montag, 17. Juli 2006
Am 10. August des vergangenen Jahres veröffentlichte die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ einen Artikel der literarisch ambitionierten Journalistin Eva Demski zum Thema „Sadomaso ohne Schrecken“. Von Lars Chr. Trebuhr.
(kreuz.net) Man hätte erwarten können, daß eine angesehene Schreiberin der ‘Frankfurter Allgemeinen’,
die ihre Reportage über eine Homo-Parade in die Sommerloch-Zeitungsreihe „Deutschland feiert – seine
Volksfeste“ einordnet oder einordnen muß, allein schon dadurch ihren Blickwinkel so färbt, daß aus
der schrillen und exhibitionistischen Rotlicht-Demonstration eine harmlose rosafarbene Volksfestidylle
für die ganze Familie wird.
Aber nein. Frau Demski dürfte eine solche Interpretation brüsk von sich
weisen und auf ihrer tiefsten Überzeugung bestehen, daß sie mit ihrer kultur- und gesellschaftskritischen
Schreibe der immer noch diskriminierten und ausgegrenzten Gruppe der homosexuellen Menschen zu etwas mehr
gesellschaftlicher Anerkennung verhelfen möchte:
„Ob die älteren Frauen, die Rollstuhlfahrer, die beiden
dürren Jungs mit ihrem ebenso dürren Hund, das Mädchen mit der behinderten Freundin, der tanzende Bierflaschenträger
oder all die anderen Mühseligen und Beladenen, die sich jetzt auf dem Platz sammeln, nun schwul oder
lesbisch sind: so was von egal, denke ich.
Aber das ist nicht wahr, vielleicht nur diese drei Tage lang
nicht. Montag ist Aschermittwoch, dann ist wieder Hartz vier oder Arthrose oder eine verlorene Lehrstelle.“
Somit wird gleich zu Anfang klar, wie die beschriebene Homo-Parade in die sozialpolitische Konstellation
Deutschlands im Jahre 2005 einzuordnen ist: als festliche Auszeit aus dem Elend des Randgruppendaseins,
als ein Hoffnungszug der Ausgegrenzten aus dem Jammertal des Anderssein durch das rosarote Meer der Zuschauer
hindurch in das gelobte Land der Gleichstellung hinein.
Ein schwieriges Unternehmen, wozu ihnen die versierte
Kulturkritikerin literarische Schützenhilfe geben will.
So, nun kann sich der Zug und die Schreiberin
in Bewegung setzen.
Es ist alles wie beim Karneval, wirklich, „Zuschauerreihen wie beim Faschingsumzug“.
Auf dem Sadomaso-Wagen läßt sich ein „lächelndes Mädchen stundenlang in den Hals beißen“.
Wie bei
der Schreckenskammer auf dem Jahrmarkt, klärt eine Oma ihr weinendes Enkelkind auf. Die beißen nicht
wirklich!
Ja, so ist Sadomasochismus – „ohne Schrecken“, eine sympathische Nervenkitzelschau für die
modernen Menschen zur Erheiterung ihres trüben Alltags.
Die grausame Wirklichkeit des Rotlichtmilieus
wird sorgfältig ausgeblendet, den Zuschauern ein farbenfroher Bildschirmschoner präsentiert.
Die grausame
Wirklichkeit
des Rotlichtsmilieus wird sorgfältig ausgeblendet, den Zuschauern ein farbenfroher Bildschirmschoner
präsentiert.
Das Rotlichtmilieu existiert ausschließlich in den Formen verschiedenster Gewalt, sagt
die schwedische Gesundheitsministerin voll Schrecken nach einem Reportagefilm, der hinter dem Bildschirmschoner
das rüde Programm des tatsächlichen Lebens im Rotlichtmilieu zeigt, auch den Menschenhandel und die
Zwangsprostituierten aus Osteuropa vor allem, 400.000 allein in Deutschland. Grauer Alltag!
Muß man
denn immer wieder mit dieser unappetitlichen Sache den Spaß der crazy comedy community verderben?
Haben
nicht auch diese modernen Sklavinnen unserer Wohlstandsgesellschaft das Recht, mindestens für einige
Stunden die Unpäßlichkeiten ihres verkauften Lebens zu vergessen, indem sie als „lächelnde Mädchen
auf dem Sadomaso-Wagen ohne Schrecken“ nur schauspielern – freiwillig natürlich –, was sonst ihr grau-grausamer
Alltag ist?
Es ist absolut „nichts Furchteinflößendes zu spüren“, versichert uns Eva Demski immer
wieder, auch diese wilden Typen mit Leder und Ketten und dem ganzen martialischen Gebammel: der Inbegriff
von Harmlosigkeit und Friedfertigkeit ist das und selbst die donnernde und stinkende Motorradkavalkade
gebe „trotz mächtiger Bizepse und drohend in die Gegend gereckter Bäuche“ eher das Bild von einer „sanften
und rührenden Ungelenktheit“ ab.
Überhaupt müßte den Zugorganisatoren großes Lob gezollt werden
für die umsichtige Aufstellung, bei der „abwechselnd Zartes und Hartes“ die Zuschauer in Stimmung hielte,
„wobei das Zarte so zart nicht und das Harte so hart nicht wirkt“.
Die Schminke des schönen Scheins
läßt das Garstig-Grausame der gesellschaftlich Gedemütigten in sanfterem Licht erscheinen.
Alles in
allem „eine Mischung aus Sambaschule und Kinderumzug“.
Und auch dem letzten Skeptiker sei es zum wiederholten
Male eingebleut:
„Sogar die Sadomasos entbehren jeglichen Schreckens. Wer über die brav auf dem Wagen
angegebenen Websites versucht, wenigstens da einen Blick in die Nachtseiten des Lebens zu erhaschen, wird
enttäuscht: Die liest sich so nett, als gehe es um einen Club für Modelleisenbahnfans.“
Frau Demski
hat leider nicht angegeben, über welche Websites sie die Tag- und Nachtseiten der homosexuellen Grausamkeiten
nicht ergründen konnte.
Man kann ihr da leicht weiterhelfen.
Es genügt schon, die Seiten der ‘Deutschen
AIDS-Hilfe’ aufzurufen: Mehr als 2/3 der HIV-Neuerkrankten eines Jahres sind Männer, die sich homosexuell
und bisexuell betätigen.
Wenn man diese Zahl in Beziehung setzt zu dem Bevölkerungsanteil von Homosexuellen –
ca. 1,4% laut einer Statistik des sogenannten ‘Lesben- und Schwulen Verbandes Deutschlands’ –, wird deutlich,
daß die Homosexuellen sich um ein Vierzigfaches mehr an tödlichem Leid antun und ihr Leben durchschnittlich
um 8 bis 10 Jahre verkürzen.
Dann die erhöhten Zahlen von Drogenmißbrauch und Kriminalität in der
Homosexuellenszene.
Aber nicht nur untereinander, auch anderen Menschen drohen die Homo-Verbände Zorn
und Verderben an.
Aus den neckisch-„drohend in die Gegend gereckten Bäuche“ der motorisierten Leder-Schwulen
wird in der politischen Realität der „geballte Zorn aller Lesben und Schwulen“, welcher der Bundestagsvizepräsidentin
Frau Antje Vollmer angedroht wurde, weil sie im ‘Tagesspiegel’ einen kritischen Artikel zu der Adoptionsforderung
der Homosexuellen-Verbände geschrieben hatte.
Das war kein Ausrutscher des sogenannten
Es ist
die grundlegende
Kommunikationsstrategie des sogenannten ‘Lesben- und Schwulen Verbandes Deutschlands’, gegnerische Positionen
niemals zu diskutieren, sondern grundsätzlich zu desavouieren – als fundamentalistisch, rückständig,
rechtsradikal.
‘Lesben- und Schwulen Verbandes Deutschlands’, sondern deren grundlegende Kommunikationsstrategie,
gegnerische Positionen niemals zu diskutieren, sondern grundsätzlich zu desavouieren – als fundamentalistisch,
rückständig, rechtsradikal und mit anderen gar nicht „sanften und rührenden“ Begriffen.
Insbesondere
steht der neue Papst im Visier des sogenannten ‘Lesben- und Schwulen Verbandes Deutschlands’.
Was die
Homoaufmarsch-Schwärmerin der ‘Frankfurter Allgemeinen’ als „klerikale Scherzarrangements“ herunterspielt,
ist für den veranstaltenden Homo-Verband eine bitterböse Strategie:
In jeder der wöchentlichen Pressemeldungen
wird der Vatikan mit Hetze überschüttet, das nüchterne Homosexualitäts-Rundschreiben des Papstes als
Haßpredigt gebrandmarkt.
Papst Benedikt XVI. wird auf der Verbandsseite als Haßfigur aufgebaut, dem
man mit dem Beitritt zu besagtem Homo-Verein eins in die Fresse schlagen könnte.
Soviel zu Frau Demskis
lustigen Scherzarrangements.
Irgendwie muß der Leser den Eindruck bekommen, daß es bei der beschriebenen
Homo-Parade letztlich doch nur um eine Verdoppelung der sozialen Maskerade des Rosenmontagsfaschings handelte,
eben eines Sommerkarnevals.
Das Exhibitionistische des Aufmarsches kommt im Text von Frau Demski nur
als Befürchtung sophistischer Edelhomos vor – obwohl es doch „das Salz in der Paradensuppe“ sein soll.
Nur einmal lenkt sie unseren Blick
Ist es das Schamgefühl
von Frau Demski, daß sie das Nackte und Obszöne
des Homo-Marsches, eben das schamlose Salz in der Homosuppe in ihren Texten ausläßt?
auf ein „rotseidenes,
nicht zu übersehendes Gemächtlein“, das aber schnell von sich durch ein bezauberndes Lächeln unter
mehliger Schminke abzulenken weiß.
Ist es das Schamgefühl von Frau Demski, daß sie das Nackte und
Obszöne des Homo-Marsches, eben das schamlose Salz in der Homosuppe in ihren Texten ausläßt?
Sie verschweigt,
wie das Intime nach außen prostituiert wird und jede Verkleidung die (Homo-)Sexualität in die Öffentlichkeit
herausschreit.
Die Bilder sprechen es deutlicher an, wenn Peter und Heidi auf der Alm vögeln und allerlei
nackte Teufelchen und Engelchen ihre blanken Brüstchen zeigen.
„Liberté, Diversité, Perversité“ hat
einer auf seine Programm-Fahne geschrieben. „Auch nicht schlecht“, findet die Journalistin; also doch
nicht aus Schamgefühl.
Und: „Die zeigen, daß sie anders sind“ – eben pervers.
Wie das denn nun?
Bisher
wollte Eva uns doch glauben machen, daß alles gar nicht anders ist, Homosexuelle so normal und angepaßt
seien wie du und ich, so authentisch lebensfroh wie die rheinischen Jecken!?
Aber vielleicht sind sie
nachts anders? Nö. Die Partynächte wären wieder „klasse“ gewesen, informiert uns die gewissenhafte
Rechercheuse, manchmal auch „heftig“, aber immer im Rahmen.
Vielleicht hat die Autorin auch in diesem
Fall in die falschen Lokalitäten hineingeschaut.
Sie sollte sich einmal von dem Szene-Kenner Wolfgang
Joop führen lassen. Dieser schreibt am 25. November 2004 in der deutschen Wochenzeitung ‘Die Zeit’:
„Der letzte Kick unter Schwulen sind Bareback-Partys, volles Risiko ohne Gummi, Sex auf Leben und Tod.
Barebacking ist ein Zeichen von Hoffnungslosigkeit und Dekadenz.
Auch Frankfurt gehört zu den Barebacking
Capitals. Denn auch in Frankfurt werben zahllose Bareback Clubs um neue Mitglieder und verbitten sich
moralische Appelle. Der Leiter der Frankfurter Beratungsstelle ergänzt:
»Sie – die homosexuellen Sanscondometten –
erachten ihr eigenes Leben und das Leben anderer als weniger schützenswert. Sich selbst und andere zu
infizieren nehmen sie billigend in Kauf.«“Die Deutsche AIDS-Hilfe hat sich diesem Trend inzwischen
angepaßt. Auf den Beratungsseiten der Organisation für Prävention und Hilfe hieß es lapidar: „Jeder
soll auf eigenes Risiko ficken!“
Und die Kirche gibt ihren Segen dazu!? Ja, am Sonntag nachmittag um
drei gehen alle „Gleichliebenden“, die Normal- und die Perversliebenden, die Lack- und Lederliebhaber,
alle jung gebliebenen Tunten und lesbischen Tanten in den Dom.
Die katholische Palottinerschwester am
Altar mit dem Regenbogenschal predigt:
Gott nimmt euch an, wie ihr seid. Gehet hin und sündigt – weiter?
weniger? oder nicht mehr? Man weiß es nicht und will es auch nicht so genau wissen, denn Gott ist doch
gnädig und barmherzig – oder?
Und überhaupt kommen wir alle, alle in den Himmel, wenn es ihn denn gibt,
auch wenn wir nicht brav sind. Ist das nicht tröstlich, so am Ende der drei tollen Tage?
Nur Frau Demski
ist am Ende ein bißchen ungehalten.
Im Dämmerlicht der Kirche dämmert es ihr, daß die Homos irgendwie
„ein bißchen konfus“ und widersprüchlich sind: Sie wehrten sich wie weiland in New York gegen die Ausgrenzung,
aber stellten ihr Anderssein so provozierend zur Schau.
Vielleicht ist diese Einsicht ja schon der Keim
für einen neuen Artikel über die Homo-Aufmärsche in diesem Jahr, der einen klareren Blick auf die finsteren
Homo-Realitäten werfen wird.
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