13:28:57 | Mittwoch, 19. Juli 2006
Rote und grüne Politiker instrumentalisieren Auschwitz und die Millionen Opfer des nationalsozialistischen Terrors, um ihre politischen Ziele voranzubringen. Von Leo G. Schüchter.
(kreuz.net) Während seines
Besuches in Auschwitz-Birkenau hat Papst Benedikt XVI. – wie sein Vorgänger
Johannes-Paul II. – bei jedem der Gedenksteine verweilt, die für die verschiedenen europäischen Opfergruppen
errichtet wurden.
In seiner anschließenden Rede gedachte er an erster Stelle der jüdischen Opfer. Jene
Gewalttäter hätten das ganze Volk Israel austilgen wollen – und zugleich den vom Volk Israel bezeugten
Gott, um sich
an dessen Stelle zu setzten.
An weiteren Opfergruppen spricht er besonders von den Millionen
leidender und getöteter Menschen aus dem Volk der Polen, der Sinti und Roma sowie der „ungeheuren Blutopfer
der russischen Soldaten im Kampf gegen das nationalsozialistische Terrorsystem“ an – ein Einsatz, der
zugleich die Diktatur des Stalinismus stärkte und verbreitete.
„Auch alle anderen Steine in den vielen
Sprachen Europas sprechen uns von dem Leiden der Menschen aus diesem ganzen Kontinent.“
Der Papst rief
dazu auf, sich nicht einfach der Opferzahlen „im großen und ganzen“ zu erinnern, sondern der Einzelmenschen –
der Ebenbilder Gottes – der „einzelnen Gesichter von Menschen, die hier im Dunkel des Terrors endeten“.
„Hinter diesen Gedenksteinen verbirgt sich das Geschick von unzähligen Menschen. Sie rütteln unser
Gedächtnis auf, sie rütteln unser Herz auf. Nicht zum Haß wollen sie uns bringen: Sie zeigen uns, wie
furchtbar das Werk des Hasses ist. Sie wollen uns zur Einsicht bringen, die das Böse als Böses erkennt
und verneint. Sie wollen den Mut zum Guten, zum Widerstand gegen das Böse in uns wecken.“
Auf diese
Stelle der Papstrede ist kaum einer von den Medien-Kommentatoren eingegangen, obwohl sich gerade dieses
Gedenken an das Leiden der Einzelnen von vielen Politikerreden abhebt, die in Auschwitz gehalten werden
oder sich auf Auschwitz beziehen.
Einer, der im Zusammenhang mit dem nationalsozialistischen Völkermord
schnell das Wort von der Schuld der Deutschen im Mund führte, war der Politiker Joschka Fischer – von
1998 bis 2003 deutscher Außenminister.
In der Zeit des Bosnien-Krieges Anfang der 90er Jahre wetterte
er gegen ein „robustes Mandat“ der UNO und insbesondere gegen den Einsatz deutscher Kontingente mit Hinweis
auf das „Wüten der Hitler-Soldateska im Zweiten Weltkrieg“ dort.
UNO-Generalsekretär Kofi Annan entschuldigte
sich später beim bosnischen Volk, daß die UNO bei diesem mörderischen Krieg so spät gegen die serbischen
Aggressoren eingegriffen habe, erst nachdem mehr als 300.000 Menschen durch den Krieg umgekommen waren.
Einige Jahre später sprach sich Fischer als Außenminister vehement für den völkerrechtswidrigen Kosovo-Krieg
gegen Serbien aus, nachdem die Serben viele Kosovo-Albaner drangsaliert und zur Flucht gezwungen hatten.
Fischers Argumentation: Im Kosovo bahne sich ein neues Auschwitz an. Deshalb müßten gerade Deutschland
und Deutsche in den Krieg einsteigen, um ein neues Auschwitz zu verhindern.
Der Massenmord an den Juden
wurde vom deutschen Außenminister damit für tagespolitische Interessen und außenpolitische Ziele instrumentalisiert,
Politiker und Kritiker gewissermaßen mit der Auschwitzkeule in den Krieg getrieben.
Der Vergleich zwischen
der Drangsalierung der Kosovo-Albaner und Auschwitz als Inbegriff von Massenvernichtung bedeutet zugleich
eine ungeheure Verharmlosung und Relativierung des nationalsozialistischen Massenmordens.
Diese Relativierung
wurde auch von anderer Seite betrieben, wenn amerikanische Kommentatoren über eine von deutschen Geschäftsleuten
mitgebaute Giftgasfabrik in Libyen als „Auschwitz im Wüstensand“ schrieben.
Auch nationalpolitisch haben
Rote und Grüne „Auschwitz“ – und damit das Leiden und Sterben von Millionen Menschen – instrumentalisiert
und für ihre ideologische Zwecke nutzbar gemacht.
Die Teilung Deutschlands sei die geschichtspolitische
Strafe für Deutschlands Verbrechen im Zweiten Weltkrieg und deshalb eine Wiedervereinigung abzulehnen,
dozierte der Schriftsteller und SPD-Propagandist Günther Grass noch 1989.
Joschka Fischer und Oskar
Lafontaine bauten in den 80er Jahren „Auschwitz“ zu einem Negativ-Gründungsmythos der Bundesrepublik
auf:
Einziger Grund und die Legitimation für den deutschen Staat sei es, Auschwitz zu verhindern. Deutschland
sollte in einer Art „Sühnestolz“ – H. A. Winkler – in Europa Vorreiter einer Bewegung gegen Krieg und
Nationalismus sein.
„Prädestination durch Perversion“, wie der Historiker H. A. Winkler diesen Nationalmasochismus
drastisch kommentiert.
Papst Benedikt XVI. hat gut daran getan, diesen verlogenen und instrumentalisierten
Schuld- und Sühne-Stolz nicht zu präsentieren.
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