Der ägyptische Papst zieht sich in ein Wüstenkloster zurück
Papst Shenuda III. ist das geistliche Oberhaupt der koptischen Christen in Ägypten. Mit seinem Rückzug will Shenuda III. gegen Schwierigkeiten der Christen in der ägyptisch islamischen Gesellschaft protestieren.

Die koptischen Christen sind die einheimische Form des Christentums in Ägypten. Sie führen ihren Ursprung auf den Evangelisten Markus zurück, der um das Jahr 60 die ersten christlichen Gemeinschaften im Land gegründet hat.
Die koptisch Orthodoxe Gemeinschaft gehört zu den orientalischen Kirchen. Ihr Oberhaupt ist der Patriarch von Alexandrien (Nordägypten), der auch „Papst von Alexandrien“ genannt wird. Shenuda III. ist seit 1971 im Amt.
In Ägypten kam es in den letzten Wochen zu Spannungen wegen Gerüchten, daß Christen zur Konversion zum Islam gezwungen worden seien. In Kairo wurden daraufhin 34 koptische Christen bei Demonstrationen verhaftet. Zu Auseinandersetzungen kam es auch in Südägypten.
Nach Angaben seines Sekretärs wird sich Papst Shenuda in der Abgeschiedenheit aufhalten, bis eine Übereinkunft mit der Regierung zustande kommt. Es scheint dabei vor allem um die Freilassung der verhafteten Christen zu gehen.
Die Kopten machen ungefähr 10% der ägyptischen Gesamtbevölkerung aus. Generell ist das Verhältnis zwischen Moslems und Kopten friedlich. Der gegenwärtige Konflikt entzündete sich am Fall von Frau Wafa Constantine, einer Priestergattin.
Regierungsbeamte hatten behauptet, daß Frau Constantine (48) die Absicht geäußert hätte, islamisch zu werden, aber von ihrer Familie daran gehindert würde.
Gerüchte begannen unter den Christen zu kursieren, daß Frau Constantine entführt und zur Konversion gezwungen worden sei. Das führte zu wütenden Protesten vor der Kathedrale des Heiligen Markus in Kairo. Sogar Steine sollen geflogen sein.
Die Zusammenstöße und die Proteste vor der Kathedrale beruhigten sich, als bekannt wurde, daß sich Frau Constantine wieder in Gewahrsam der Kirche befinde.
Letzten Donnerstag gab der ägyptische Generalstaatsanwalt bekannt, daß Frau Constantine zur Polizei gegangen war und den Wunsch geäußert hatte, zum Islam zu konvertieren. Nachdem sie sich mit Kirchenvertretern getroffen habe, sei sie aber auf ihren Entscheid zurückgekommen.
Ebenfalls im Dezember kam es zu religiösen Auseinandersetzungen im oberägyptischen Dorf Munqtin. Die Polizei mußte Moslems und Christen trennen, nachdem im Dorf drei Läden christlicher Besitzer verwüstet und christliche Häuser mit Steinen beworfen worden waren.
Der bekannteste unter den ägyptischen Kopten ist wohl Butros Butros-Ghali (82), der von 1992-1996 als sechster Generalsekretär der Vereinten Nationen amtierte.
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