Londoner Skandalgeschichten
Der Sprecher des britischen Erzbischofs von Westminster wurde kürzlich in eine üble Schlammschlacht verwickelt. Leider kann man nicht sagen, daß er daran unschuldig wäre.

Der Erzbischof von London – der den offiziellen Titel „Erzbischof von Westminster“ trägt – ist Cormac Kardinal Murphy-O’Connor.
Die Anklage: Der Pressesprecher der Erzdiözese soll 23jährig im Jahr 1989 eine damalige Konkubine geschwängert und anschließend zur Abtreibung gedrängt haben.
Entsprechende Gerüchte wurden Ende Juni von der britischen Boulevardzeitung ‘Daily Mail’ gestreut.
Die Tageszeitung berief sich auf die nicht namentlich genannte Kindsmutter. Diese ist inzwischen verheiratet und Mutter zweier Kinder.
Die Abtreibung soll durchgeführt worden sein, als der jetzige Pressesprecher an der Universität Oxford – 80 Kilometer nordwestlich von London – studierte.
Dazu behauptete seine damalige Konkubine vor ‘Daily Mail’, daß sie das Kind damals habe behalten und Ivereigh heiraten wollen: „Aber er erklärte unmißverständlich, mich nicht zu unterstützen und sich nicht an der Erziehung des Kindes zu beteiligen.“
Damit sei sie in eine Situation gebracht worden, in der sie die Tötung des Kindes als einzigen Ausweg gesehen habe.
Ivereigh sei nach der Tat erleichtert gewesen. Schon eine Woche später sei er mit dem nächsten Mädchen ausgegangen.
Er habe auch gestanden, schon vorher, während eines Aufenthaltes in Südamerika, ein anderes Mädchen geschwängert zu haben.
Der öffentlich Beschuldigte gab eine andere Version zum Besten.
Er habe seine damalige Konkubine nicht zur Kinderabtreibung genötigt. Die in Südamerika geschwängerte Freundin sei frei erfunden.
Ivereigh rechtfertigte sich damit, daß er in seiner Studentenzeit – als sein Kind abgetrieben wurde – kein praktizierender Katholik gewesen sei.
Dennoch sei er gegen die Abtreibung des Kindes gewesen und habe sich seit jener Zeit leidenschaftlich gegen die vorgeburtliche Kindertötung eingesetzt: „Das war ein traumatisches Ereignis, das mich zur Kirche zurückgeführt hat.“
Nach seinem Studium in Oxford trat Ivereigh den Jesuiten bei, die er nach einem Jahr allerdings wieder verließ.
Später arbeitete er für die linkskatholische britische Wochenzeitung ‘The Tablet’. Seit 2004 steht er im Dienst des Erzbischofs von Westminster.
Doch im vergangenen Jahr geschah es wieder.
Ivereigh schwängerte erneut eine Frau, dieses Mal mit Zwillingen. Zunächst soll er der Kindsmutter angeblich die Hochzeit versprochen, doch später seine Meinung geändert haben. Kurze Zeit später erlitt die Mutter eine Fehlgeburt.
Nach der Version von Ivereigh wurde das Verhältnis im beiderseitigen Einvernehmen gelöst.
Inzwischen ließ die erzbischöfliche Kurie in London verlauten, daß der Kardinal über die Abtreibung und die jüngste Vaterschaft seines Pressesprechers informiert sei:
„Kardinal Murphy-O’Connor betrachtet diese Umstände als persönlich und schmerzhaft für alle Beteiligten.“
Der Artikel im ‘Daily Mail’ ist nicht ohne politischen Hintergrund.
Im Augenblick kämpft der Erzbischof von Westminster für eine Ausweitung des Lebensrechtes ungeborener Menschen. Daran ist auch sein Pressesprecher an vorderster Front beteiligt.
Darauf schien auch seine Jugendfreundin aus den 80er Jahren anzuspielen, als sie vor ‘Daily Mail’ erklärte, daß Ivereighs Einsatz gegen die Abtreibung angesichts dieser Vergangenheit „heuchlerisch“ sei.
Sämtliche Artikel weiterlesenWeiterlesen:
Montag, 17. Juli 2006 00:08
PegasusNbW: @monachus anglicanus
Im Prinzip stimme ich voll zu. Ich gebe allerdings zu bedenken, dass man heutzutage zumeist Greater London meint, wenn man von „London“ spricht (meint man nur die City of London sagt man dies explizit; das ist zumindest die Erfahrung, die ich während meines Gastsemesters in England gemacht habe) – und in Greater London (also „London“ im landläufigen Sinne) befinden sich eben die zwei unten genannten Metropolitansitze.
Sonntag, 16. Juli 2006 19:04
monachus anglicanus: Westminster nicht gleich London
Also, Westerminster wie jeder Brite weisst ist eine eigenständige Stadt und nicht Teil der Stadt London.
Der Erzbischof, der sein Sitz in Westminster hat heißt tatsächlich Erzbischof von Westminster und nicht
von London. Southwark ist auch eine City südlich der Themse und hat ihren eigenen Erzbischof. Die City
of London ist nur eine andere Stadt innerhalb des Erzbistums Westminster.
Grüße an alle aus England.
Grüße an alle aus England.
Sonntag, 16. Juli 2006 17:17
PegasusNbW: Falsche Vereinfachung
Eigentlich sollten die Schreiber, die auf einer katholischen Internet-Seite publizieren, wissen, dass die Vereinfachung, den Erzbischof von Westminster als den Erzbischof von London zu bezeichen, falsch ist. Immerhin hat London zwei römisch-katholische Metropoliten besitzt – den Erzbischof von Westminster und den Erzbischof von Southwark.
Sonntag, 16. Juli 2006 17:09
Evelin: Wenn ein Mann zu seiner
Frau / Freundin sagt, dass er sich sicher nicht an der Erziehung des Kindes beteiligen werde und auch
kein Geld habe etc. dann kann das eine verzweifelte Frau schon auf die Idee der Abtreibung bringen. Ebenso
eine typische Wendung wie „Mach, was du willst. Es ist deine Entscheidung. Pro Choice.“
Es gibt sehr wohl eine indirekte Mitschuld.
Er kann ja sagen: Ja, das war so. Sie hat recht. Es war vor meiner Bekehrung. Und diese Sünde tut mir heute noch leid.
(Und nicht so ein Herumgedruckse).
Es gibt sehr wohl eine indirekte Mitschuld.
Er kann ja sagen: Ja, das war so. Sie hat recht. Es war vor meiner Bekehrung. Und diese Sünde tut mir heute noch leid.
(Und nicht so ein Herumgedruckse).
Sonntag, 16. Juli 2006 13:54
Sulpicius: Hier gibt’s auch ein Photo…
… http://www.dailymail.co.uk/pages/live/articles/news/news.html?in_article_id=392222&in_page_id=1770
Sonntag, 16. Juli 2006 11:38
Beobachterin: quod erat demonstrandum
Dieser Artikel zeigt, daß die Realität oftmals anders ist als die Theorie.
Das bedeutet aber auch nicht, daß jede menschliche Schwäche zum Standard erhoben werden muß und daß dieser Mann jetzt ein Abtreibungsbefürworter werden muß.
Das bedeutet aber auch nicht, daß jede menschliche Schwäche zum Standard erhoben werden muß und daß dieser Mann jetzt ein Abtreibungsbefürworter werden muß.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.






