Heiliges Land
Wenn die Kanonen donnern, hört das Gehirn auf zu arbeiten
Die israelischen Angriffe auf den Gaza-Steifen und den Libanon wurden nicht über Nacht beschlossen. Von Uri Avnery.
(kreuz.net) Das eigentliche Ziel der Operation im Libanon ist, das dortige Regime zu stürzen und eine Marionetten- Regierung einzusetzen.

Dies war schon das Ziel von Ariel Scharon bei der Invasion des Libanon im Jahr 1982. Es ist ihm nicht gelungen.

Aber Scharon und seine militärischen und politischen Elitezöglinge haben das nie wirklich aufgegeben.

Wie im Jahr 1982 wurde auch die jetzige Operation in vollständiger Koordination mit der USA geplant und ausgeführt.
Uri Avnery:
Genau wie 1982 wurde auch die jetzige Operation in vollständiger Koordination mit der USA geplant und ausgeführt.


Wie damals geschieht das auch jetzt in Übereinstimmung mit einem Teil der libanesischen Elite.

Das ist die Hauptsache. Alles andere ist Lärm und Propaganda.

Am Vorabend der Invasion von 1982 sagte der Außenminister der USA, Alexander Haig, zu Ariel Scharon: Bevor die Invasion anfange, sei eine „klare Provokation“ notwendig, um die nötige Akzeptanz in der Weltöffentlichkeit zu schaffen.

Die Provokation fand tatsächlich statt, genau zum richtigen Zeitpunkt, als Abu-Nidals Terrorbande versuchte, den israelischen Botschafter in London zu ermorden.

Dies hatte zwar keine Verbindung mit dem Libanon und noch weniger mit der PLO – sie war Abu Nidal feindlich gesinnt. Aber es genügte als die Provokation, auf die man gewartet hatte.

Dieses Mal wurde die nötige Provokation durch die Gefangennahme zweier israelischer Soldaten durch die Hisbollah geliefert.

Jeder weiß, daß die zwei Soldaten nicht anders als durch Gefangenenaustausch befreit werden können.

Aber die große Militärkampagne, die seit Monaten vorbereitet war, wurde der israelischen und internationalen Öffentlichkeit als Rettungsmaßnahme verkauft.

(Dasselbe geschah – seltsam genug – zwei Wochen vorher im Gazastreifen. Hamas und seine Partner nahmen einen Soldaten gefangen. Das war die Rechtfertigung für eine massive Operation, die seit langem vorbereitet war. Deren Ziel es, die palästinensische Regierung zu demolieren.)

Das offizielle Ziel der Libanon-Operation ist es, die Hisbollah von der Grenze zu vertreiben, um es ihr zu verunmöglichen, weitere Soldaten gefangenzunehmen und Raketen auf israelische Städte abzufeuern.

Die Invasion in den Gazastreifen zielt offiziell auch darauf ab, die Städte Sderot und Aschkelon aus der Schußweite der Qassam-Raketen zu bringen.

Das erinnert an die „Operation Frieden für Galiläa“ im Jahr 1982.

Damals wurde der israelischen Öffentlichkeit und der Knesset erklärt, das Kriegziel sei, die Katjuscha-Raketen vierzig Kilometer weg ins Landesinnere abzudrängen.

Das war eine bewußte Lüge. Denn vor dem Krieg war elf Monate lang keine einzige Katjuscha – noch ein einziger Schuß – über die Grenze gekommen.

Das Ziel der Operation war von Anfang an, Beirut zu erreichen und dort einen Quisling-Diktator einzusetzen.

Wie ich es mehr als einmal erzählt habe, hat mir das Scharon selber etwa neun Monate vor dem Krieg erzählt. Ich habe es damals mit seinem Einverständnis veröffentlicht – ohne ihn direkt zu zitieren.

Natürlich besitzt die jetzige Operation auch verschiedene sekundäre Ziele. Diese schließen allerdings die Befreiung der Gefangnen nicht mit ein.

Jeder normale Mensch weiß, daß dies nicht mit militärischen Mitteln erreicht werden kann.

Aber wahrscheinlich ist es möglich, einige der Tausenden von Raketen und Katjuschas, welche die Hisbollah während der letzten Jahre gehortet hat, zu zerstören.

Für dieses Ziel sind die Armeechefs bereit, die Bewohner von israelischen Städten zu gefährden, die den Raketen ausgesetzt sind. Sie glauben, das lohne sich wie ein Austausch von Schachfiguren.

Ein anderes sekundäres Ziel ist es, die „Abschreckungsmacht der Armee“ wiederherzustellen

Das ist ein Codewort, um auch den verletzten Stolz der Armee zu heilen, der durch die gewagten Aktionen der Hamas im Süden und der Hisbollah im Norden schwer gelitten hat.

Offiziell verlangt die israelische Regierung, daß die Regierung des Libanon die Hisbollah entwaffnet und sie aus dem Grenzgebiet entfernt.

Das ist unter der augenblicklichen Regierung – einem empfindlichen Gefüge ethno-religiöser Gemeinschaften – ziemlich unmöglich.

Die leichteste Erschütterung könnte das ganze Gebäude zum Einsturz bringen und den Staat in vollkommene Anarchie stürzen – besonders nachdem es den Amerikanern gelang, die syrische Armee zu vertreiben – mithin das einzige Element, das jahrelang für einige Stabilität gesorgt hatte.

Die Idee, im Libanon eine Quisling-Regierung zu installieren, ist nicht neu.

Schon 1955 schlug der damalige Verteidigungsminister Ben Gurion († 1973) vor, einen „christlichen Offizier“ zu nehmen und ihn als Diktator einzusetzen.

Ministerpräsident Mosche Scharett († 1965) zeigte auf, daß diese Idee sich auf völlige Ignoranz der libanesischen Verhältnisse gründete und vereitelte dies.

Aber 27 Jahre später versuchte Ariel Scharon trotzdem, es in die Tat umzusetzen.

Baschir Gemayel wurde tatsächlich als Präsident ins Amt gehievt, um kurz darauf – im September 1982 – ermordet zu werden. Sein Bruder Amin folgte ihm und unterzeichnete mit Israel einen Friedensvertrag, wurde aber aus dem Amt vertrieben.

Genau dieser Bruder unterstützt jetzt öffentlich die israelische Operation.

Die Rechnung ist die folgende: Wenn die israelische Luftwaffe genügend schwere Schläge gegen die libanesische Bevölkerung austeilt und dabei die See- und Flughäfen lahm legt, die Infrastruktur zerstört, die Wohnviertel bombardiert, die Schnellstraße Beirut-Damaskus unterbricht etc., dann würde die Öffentlichkeit auf die Hisbollah wütend werden und die libanesische Regierung unter Druck setzen, daß sie Israels Forderungen erfüllt.

Da die gegenwärtige Regierung nicht einmal davon träumen kann, dies zu tun, würde dann die Einsetzung eines Diktators durch Israel erfolgen. Das ist militärische Logik.

Ich habe meine Zweifel an ihr. Man kann eher vermuten, daß der größte Teil der Libanesen wie jedes andere Volk auf der Welt reagieren wird: mit Zorn und Hass gegen die Invasoren.

So geschah es 1982 als die Schiiten im Süden des Libanon – bis dahin so gefügig wie ein Fußabstreifer – sich gegen die israelischen Besatzer erhoben und die Hisbollah gründeten, welche die stärkste Kraft des Landes wurde.
Uri Avnery:
Bis zur israelischen Invasion des Libanon im Jahr 1982 waren die Schiiten im Süden des Landes so gefügig wie ein Fußabstreifer. Dann erhoben sie sich gegen die Besatzer und gründeten die Hisbollah.


Wenn die libanesische Elite sich nun als Kollaborateure Israels erweisen sollte, wird sie von der Landkarte gefegt.

(Übrigens: Haben die Qassams und Katjuschas die israelische Bevölkerung dazu gebracht, auf ihre Regierung Druck auszuüben, damit sie aufgibt? Im Gegenteil.)

Die amerikanische Politik ist voller Widersprüche.

Präsident Bush wünscht im ganzen Nahen Osten sogenannte Regimewechsel. Das gegenwärtige libanesische Regime ist aber erst kürzlich von den Amerikanern eingesetzt worden.

Mittlerweile ist es Bush nur gelungen, den Irak zu zerbrechen und dort einen Bürgerkrieg zu verursachen – wie es von uns hier vorausgesagt wurde.

Er könnte dasselbe im Libanon veranlassen, wenn er nicht beizeiten die israelische Armee stoppt.

Außerdem könnte ein vernichtender Schlag gegen die Hisbollah nicht nur die Wut des Iran anheizen, sondern auch unter den Schiiten im Irak, auf deren Unterstützung sich Bushs Pläne eines pro-amerikanischen Regimes gründen.

Wie sollte also die Antwort lauten?

Nicht zufällig hat die Hisbollah den Überfall mitsamt Soldatenentführung zu einem Zeitpunkt durchgeführt, als die Palästinenser um Beistand riefen.

Die palästinensische Sache ist in der ganzen arabischen Welt populär.

Indem sie ihnen zeigt, daß sie ein Freund auch in der Not sind, wenn alle anderen Araber so schmählich versagen, hofft die Hisbollah ihre Popularität zu vergrößern.

Wenn jetzt schon ein israelisch-palästinensisches Abkommen erreicht worden wäre, dann wäre die Hisbollah nur mehr ein lokales libanesisches Phänomen, ohne Einfluß auf unsere Situation.
Uri Avnery:
Wenn jetzt schon ein israelisch-palästinensisches Abkommen erreicht worden wäre, dann wäre die Hisbollah nur mehr ein lokales libanesisches Phänomen, ohne Einfluß auf unsere Situation.


Weniger als drei Monate nach der Bildung der Olmert-Peretz-Regierung ist es ihr gelungen, Israel in einen Zwei-Frontenkrieg zu ziehen, dessen Ziele unrealistisch und dessen Folgen nicht abzusehen sind.

Wenn Ehud Olmert hofft, als „Mister Macho-Macho“, als Sharon II., angesehen zu werden, dann wird er enttäuscht werden.

Dasselbe gilt für den verzweifelten Versuch von Amir Peretz, als imponierender „Mister Sicherheit“ ernstgenommen zu werden.

Jeder hat begriffen, daß diese Operationen – im Gazastreifen genauso wie im Libanon – längst von der Armee geplant und diktiert worden waren.

Der Mann, der jetzt in Israel die Entscheidungen fällt, ist der militärische Oberbefehlshaber und ehemalige Befehlshaber der Luftwaffe Dan Halutz. Nicht zufällig wurde der „Job“ im Libanon der Luftwaffe zugeteilt.

Die israelische Öffentlichkeit ist vom Krieg gar nicht begeistert.

Sie hat sich mit stoischem Fatalismus damit abgefunden, weil man ihr erzählt hat, es gebe keine Alternative: und, in der Tat, wer könnte gegen ihn sein?

Wer möchte nicht, daß die „entführten Soldaten“ befreit werden? Wer möchte nicht, daß die Katjuschas entfernt werden und die Abschreckung wieder funktioniert?

Kein Politiker wagt es, die Operation in Frage zu stellen – außer den arabischen Knessetmitgliedern, die von der jüdischen Öffentlichkeit ignoriert werden.

In den Medien herrschen die Generäle – und nicht nur die in Uniform. Es gibt fast keinen früheren General, der nicht von den Medien eingeladen wird, zu kommentieren, zu erklären und zu rechtfertigen – und alle sprechen mit einer Stimme.
Uri Avnery:
Jeder hat begriffen, daß diese Operationen – im Gazastreifen genau so wie die im Libanon – längst von der Armee geplant und diktiert worden waren.


Als kleine Illustration: Israels bedeutendster Fernsehsender lud mich zu einem Interview über den Krieg ein, nachdem bekannt geworden war, daß ich an einer Anti-Kriegs-Demonstration teilgenommen hatte.

Ich war ziemlich überrascht. Aber nicht lange – eine Stunde vor der Sendung, rief ein sich entschuldigender Talkshowmaster an und sagte, es hätte sich ein schrecklicher Fehler eingeschlichen – in Wirklichkeit wollte man Professor Schlomo Avinery, den früheren Generaldirektor des Außenministeriums einladen.

Auf ihn kann man zählen, wenn es darum geht, eine Handlung der Regierung mit abgehobener akademischer Sprache zu rechtfertigen – ganz gleich, um welche es sich handelt.

„Inter arma silent musae“ – „wenn die Waffen sprechen, schweigen die Musen“ heißt ein altes Sprichwort. Hier paßt eher: Wenn die Kanonen donnern, hört das Gehirn auf zu arbeiten.

Nur noch ein kleiner Gedanke. Als der Staat Israel in der Mitte eines grausamen Krieges gegründet wurde, waren die Wände mit Plakaten zugepflastert, auf denen folgendes zu lesen war: „Das ganze Land – eine Front, das ganze Volk – eine Armee!“

Seitdem sind 58 Jahre vergangen. Doch der Slogan ist noch genau so gültig wie damals.

Was sagt das über die Generationen von Staatsmännern und Generälen aus?

Uri Avnery (83) wurde im nordrhein-westfälischen Beckum als Helmut Ostermann geborene und ist ein israelischer Publizist und Friedensaktivist.
      
18 Lesermeinungen
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#18   Abu   07:45:40 | Freitag, 21. Juli 2006
Blueberry-Parzifal-Identitätenkasper
Weil hier kein Özoguz mitdiskutiert, sondern Sie, Sie Pfeife! :-S
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#17   blueberry   22:08:29 | Donnerstag, 20. Juli 2006
@ Abu
Frage: Wieso richten Sie diese Botschaft an MICH?
Warum nicht zum Beispiel an Dr. Yavuz Özoguz?
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#16   Abu   12:09:38 | Donnerstag, 20. Juli 2006
Tut mir leid. Anders geht’s erst recht schief!
Parzifal! Da Sie mich für so eine Art Anti-Westler halten, erstmal eins: Am Westen schätze ich die persönliche Freiheit, den Rechts-staat und das Lebensrecht. Der Staat darf meine Freiheit, meine Privatsphäre nur im Rahmen des Grundgesetztes einschränken. Er muß sich an seine Gesetze halten, die sich ans Grundgesetz halten müssen. Demnach darf er mich nicht einfach einsperren, nicht foltern und nicht töten. Auch wenn Sie und Schäuble und Schily das für „ineffektive Terrorabwehr“ halten …
Außerdem schätze ich am Westen das Christentum, das im Orient marginalisiert ist.
Wenn der Westen wegen Terrorgefahr und Verbrechen diese Prinzipien aufgibt (und da is schon viel zu viel passiert!), wie Sie es beschreiben, gibt er sich selbst auf. Er darf nicht zum Terroristen werden, um Terroristen zu bekämpfen. Das gilt auch für Israel. Denn das Ergebnis wäre Terroristenzüchtung a la Irak und Polizeistaat.
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#15   Parzifal   22:58:23 | Mittwoch, 19. Juli 2006
@ Abu
Dass Sie mit zweierlei Maß messen, habe ich schon öfters bemerkt. Sie haben keinerlei Probleme mit Islamo Faschisten, wenn aber Israel, der Westen oder die USA mal den Mund aufmachen, dann sind Sie strikt dagegen, sind empört und protestieren.
Beide sind militante, teils terroristische Organisationen. –-- Israel aber ist ein Staat, ein demokratischer Rechtsstaat.
Hallo? Heißt das jetzt das ich mir einfach nur das Label „militanter Terrorist“ um den Hals hängen muss damit ich tun und lassen kann was ich will? Es ist doch völliger Unsinn zu meinen ein Staat müsse lieber Terroranschläge in Kauf nehmen, anstatt sich effektiv dagegen wehren zu dürfen. Was ist denn mit dem Polizisten der dem Metzler Entführer Folter angedroht hat? Was ist mit den Berufverboten in den sechzigern? Was mit dem Recht der Bundeswehr ein Flugzeug abschießen zu dürfen wenn es entführt wurde und möglicherweise auf ein AKW stürzen soll? Sind Sie sich da auch so sicher dass man aus reiner Prinzipientreue bspw den Tod eines Kindes in Kauf nehmen muss?
Wieso wettern Sie hier nur gegen Israel, äußern aber kein Wort über die „militanten Terroristen“? Dürfen die weiter Terror ausüben ohne dass der Islamisten Versteher Abu aus reinem Hass auf den Westen ein Problem damit hat?
Ach gehen Sie doch nach Hause!
Oder fahren Sie nach Delmenhorst und küssen Ihrem Guru Özoguz die Füße!
Hoch lebe der Kalif von Delmenhorst und Abu ist sein Prophet!
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#14   Stimme aus Wien   13:32:34 | Mittwoch, 19. Juli 2006
Lieber Herr Dr.
Es tut mir leid, ich muss mich an die 1500 Zeichen hatlten – daher nicht wo viele Zitate:
Was das Kriegsvölkerrecht betrifft: es ist eine Maxime um die sich leider sehr wenige kümmern (bitte, die Berichte rund um der Us Soldaten im Irak nachzlesen).
Das mit dem Café und Raketen waren ein Beispiel um die Grenzen des von Ihnen so hoch gehaltenen Kriegsvölkerrechts zu veranschaulichen.
Betreffend: Kireg gegen die Zivilbevölkerung – habe falsch kopiert. Sollte folgendes aus meinem Beitrag stehen: Dass die Hezbollah die Zivilbevölkerung eines ganzen Landes als Geisel hält, müssten wohl die Mitglieder der Hezbollah mit ihrem Gewissen vereinbaren. Soll deswegen Israel alles tolerieren?
Ghandi: Sie wissen, er ist das Vorbild jeder Friedensbewegung – ob er einen Krieg geführt hatte oder nicht – ist von der Definition des Krieges abhängig – aber er hatte Indien von der englischen Kolonialmacht befreit – wäre er in Polen geboren in der zwischenkiregszeit hätte ihm das gegenüber der Nazis nie gelungen. Soviel zur: Sprache die die Hamas und Hezbollah (Zitat @Tacitus).
Übrigens meine Wortmedlung bezog sich auf Ihre Meldung an @Tacitus.
Ich werde nicht wie @Richard den Dr. in „ „setzen – aber
Also: so weit habe ich das Thema nicht verfehlt
stimmt doch.
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#13   Abu   13:24:16 | Mittwoch, 19. Juli 2006
Der Zweck heiligt nicht die Mittel
Daß sich die Hisbollah und die Hamas nicht um das Kriegsrecht oder um das Völkerrecht kümmern, ist vollkommen klar und braucht nicht eigens betont zu werden. Beide sind militante, teils terroristische Organisationen.
Israel aber ist ein Staat, ein demokratischer Rechtsstaat. So viel ich weiß, ist dieser Staat Mitglied der Vereinten Nationen, er hat internationale Dokumente und Vereinbarungen unterzeichnet, in denen er sich zu den Menschenrechten bekennt und dem Völkerrecht unterordnet.
Dieser Staat hat als Staat der Juden Verbindung mit und Unterstüzung durch Menschen, die Weltweit zur intellektuellen, politischen und wirtschaftlichen Elite gehören, dagegen sind die Palästinenser und Libanesen „Waisenknaben“. Und: Dieser Staat Israel ist als Fluchtburg der uralten Gottes-Volkes errichtet worden, das ausgemerzt zu werden drohte durch Mittel- und Osteuropäer, zentral durch Deutsche, aber auch durch Rumänen et alii.
Man erwartet also von einem Staat Israel mit Recht erheblich mehr als von Terroristen.
Sprüche wie „Eine andere Sprache verstehen die Araber nicht“ –- „Krieg ist Krieg“ –- „Gegen Nazis hilft kein Gandhi“ sind ekelerregender Rassismus, Zynismus und menschenverachtender Utilitarismus. Die Infrastruktur eines (nicht angreifend-kriegführenden) Landes zu zerstören, durch Bombardierungen ziviele Opfer billigend in Kauf zu nehmen, Terrorverdächtige zu liquidieren ist aus der Sicht christlicher Ethik nicht hinnehmbar. Der Zweck heiligt nicht die Mittel!
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#12   Dr. Christoph Heger   13:12:43 | Mittwoch, 19. Juli 2006
@Stimme aus Wien
Das alles, was ich ausgeführt habe, nichts mit Ihrem Beitrag zu tun hat – das stimmt nicht:
Nun, wir werden sehen.
Sie werfen nämlich Israel vor – sich einen Dreck um Völkerrecht und insbesondere das Kriegsvölkerrecht zu kümmern.
Sie bestreiten das ja nicht einmal.
Dazu schrieb ich: >>In einem Café jemanden in die Luft sprengen zu lassen – ist das gemäß dem Völkerrecht? Aus dem Gaza-Streifen oder aus Libanon Raketen auf Städte in Israel abzufeuern, entspricht das dem Kriegsvölkerrecht? <<
Dazu hatte ich bisher noch gar nichts gesagt. Tue es aber jetzt gern: Natürlich liefert der zweite genannte Sachverhalt Israel eine völkerrechtliche Rechtfertigung zum Krieg.
Außerdem meinten Sie: Die Weise der Kriegsführung gegen die Zivilbevölkerung des Libanons hätte im Falle der Wehrmacht unweigerlich zu Bewertungen wie „typisch nazistisch“ usw. geführt.
Auch das bestreiten Sie ja nicht einmal.
Darauf antwortete ich: >>in einer Gesellschaft, wo die, als Zeichen der Vergebung gereichte Hand als Schwäche gedeutet wird, ist eine andere Sprache nicht möglich. Die Art und Weise einer Friedensbemühung ist immer vom Gegner abhängig – oder galuben Sie Mahatma Gandhi hätte eine Chance im Dritten Reich?<<
Das Kriegsvölkerrecht ist nicht von „Gesellschaften“ und deren Befindlichkeiten abhängig, und Ghandi hat keinen Krieg geführt, hat also mit unserem Thema überhaupt nichts zu tun.
Also: so weit habe ich das Thema nicht verfehlt.
Offenbar doch.
MfG
Christoph Heger
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#11   Stimme aus Wien   12:53:41 | Mittwoch, 19. Juli 2006
Lieber Herr Dr.
Das alles, was ich ausgeführt habe, nichts mit Ihrem Beitrag zu tun hat – das stimmt nicht:
Sie werfen nämlich Israel vor – sich einen Dreck um Völkerrecht und insbesondere das Kriegsvölkerrecht zu kümmern.
Dazu schrieb ich: >>In einem Café jemanden in die Luft sprengen zu lassen – ist das gemäß dem Völkerrecht? Aus dem Gaza-Streifen oder aus Libanon Raketen auf Städte in Israel abzufeuern, entspricht das dem Kriegsvölkerrecht? <<
Außerdem meinten Sie: Die Weise der Kriegsführung gegen die Zivilbevölkerung des Libanons hätte im Falle der Wehrmacht unweigerlich zu Bewertungen wie „typisch nazistisch“ usw. geführt.
Darauf antwortete ich: >>in einer Gesellschaft, wo die, als Zeichen der Vergebung gereichte Hand als Schwäche gedeutet wird, ist eine andere Sprache nicht möglich. Die Art und Weise einer Friedensbemühung ist immer vom Gegner abhängig – oder galuben Sie Mahatma Gandhi hätte eine Chance im Dritten Reich?<<
Also: so weit habe ich das Thema nicht verfehlt.
Redaktion benachrichtigen
#10   -=Richard=-   12:49:02 | Mittwoch, 19. Juli 2006
@ „Dr.“ Heger
Das trifft für Israel offensichtlich auch zu, nämlich die Sprache, sich einen Dreck um Völkerrecht und insbesondere das Kriegsvölkerrecht zu kümmern.
Das trifft auch auf viele andere Länder zu.
Die Weise der Kriegsführung gegen die Zivilbevölkerung des Libanons hätte im Falle der Wehrmacht unweigerlich zu Bewertungen wie „typisch nazistisch“ usw. geführt.
Übertreiben Sie mal nicht. Kein Araber wird in Zügen deportiert. Krieg ist Krieg da werden alle Register gezogen.
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#9   Dr. Christoph Heger   12:39:56 | Mittwoch, 19. Juli 2006
@Stimme aus Wien
Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich der Vorgangsweise Israels ohne Einschänkung zusitmme – ganz im Gegenteil.
Dann sind wir uns ja einig. :(3
Alles andere, was Sie ausführen, hat mit meinem Beitrag nichts zu tun bzw. unterstellt mir Dinge, die ich nicht gesagt habe. :-@
MfG
Christoph Heger
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#8   Stimme aus Wien   12:27:25 | Mittwoch, 19. Juli 2006
Lieber Herr Dr.
Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich der Vorgangsweise Israels ohne Einschänkung zusitmme – ganz im Gegenteil.
Aber: @Tacitus muss ich zustimmen – oder sind Sie der Meinung die Hamas und Hezbollah kümmert das Völkerrecht und insbesondere das Kriegsvölkerrecht? In einem Café jemanden in die Luft sprengen zu lassen – ist das gemäß dem Völkerrecht? Aus dem Gaza-Streifen oder aus Libanon Raketen auf Städte in Israel abzufeuern, entspricht das dem Kriegsvölkerrecht? Wohl kaum!
Dass die Hezbollah die Zivilbevölkerung eines ganzen Landes als Geisel hält, müssten wohl die Mitglieder der Hezbollah mit ihrem Gewissen vereinbaren. Soll deswegen Israel alles tolerieren?
Jeder Krieg ist unmenschlich – keine Frage – und ich stehe weit davon entfernt, die Vorgangsweise Israels zu befürworten.
Jedoch: in einer Gesellschaft, wo die, als Zeichen der Vergebung gereichte Hand als Schwäche gedeutet wird, ist eine andere Sprache nicht möglich. Die Art und Weise einer Friedensbemühung ist immer vom Gegner abhängig – oder galuben Sie Mahatma Gandhi hätte eine Chance im Dritten Reich?
Aber: wenn Sie eine Ibessere dee haben, wie Israel die Feindschaft der Nachbarnländer ohne Krieg unterbinden könnte – bitte: die ganze Welt wäre für diese Idee dankbar – vor allem Israel.
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#7   Dr. Christoph Heger   11:56:04 | Mittwoch, 19. Juli 2006
Sprache der Gewalt
Hamas und Hezbollah verstehen nur eine Sprache,
Das trifft für Israel offensichtlich auch zu, nämlich die Sprache, sich einen Dreck um Völkerrecht und insbesondere das Kriegsvölkerrecht zu kümmern.
Die Weise der Kriegsführung gegen die Zivilbevölkerung des Libanons hätte im Falle der Wehrmacht unweigerlich zu Bewertungen wie „typisch nazistisch“ usw. geführt.
MfG
Christoph Heger
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#6   Tacitus   18:57:39 | Dienstag, 18. Juli 2006
Typisch
Wie nahezu alle Vertreter der Friedensbewegung in Israel glaubt Uri Avnery, es sei möglich, einseitig aus dem Zirkel der Gewalt auszubrechen und durch Verhandlungen zu einer Friedenslösung zu gelangen. So sehr ich gerne glauben würde, daß das funktioniert, zeigt doch die Realität, daß es sich dabei um eine Utopie reinsten Wassers handelt.
Hamas und Hezbollah verstehen nur eine Sprache, und gerade der israelische Abzug aus dem Südlibanon hat die Hezbollah noch bestärkt in Ihrer Auffassung, daß Gewalt gegen Israels tatsächlich Erfolge bringen kann.
Die Frage ist letztlich nicht, ob sich jetzt angesichts der israelischen Militäroperation eine schnelle Friedenslösung finden läßt.
Entscheidend ist vielmehr, eine weitere Eskalation durch die Hezbollah (oder ihre Fernsteuerer Iran und Syrien) zu verhindern. Ich hoffe, ihre Drohung gegen Israel war eine leere; eine Neuauflage von 1973 muß wirklich nicht sein.
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#5   FritzG   18:33:44 | Dienstag, 18. Juli 2006
*lach*
Hättest du Ahnung vom Nahen Osten (und zwar wirkliche Ahnung, nicht nur einen Fetisch für Political Correctness), wüsstest du, dass die Al-Qaeda mit dem aktuellen Konflikt nur sehr wenig zu tun hat.
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#4   -=Richard=-   16:28:53 | Dienstag, 18. Juli 2006
@Fritz
Beschäftige dich erst mal mit der Geschichte des Nahen Ostens bevor du hier Pro Al-Qaeda Propaganda verbreitest. Solltest mal damit aufhören die TAZ zu lesen.
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#3   FritzG   16:21:39 | Dienstag, 18. Juli 2006
@ Richard:
Und wovon träumst du Nachts?
Selten sowas naives wie dich gesehen…
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#2   -=Richard=-   16:18:47 | Dienstag, 18. Juli 2006
Der Stürmer lässt grüßen
Ich denke der Author hat da mal wieder zuviel in den „Protokolen des Ältestenrat von Zion“ gelesen :-(
Das Ziel der IDF ist es die Hisbollah zu zerschlagen, damit endlich der Terrorismus aufhört und die Region zur Ruhe kommt. ?:)
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#1   FritzG   12:14:07 | Dienstag, 18. Juli 2006
Überraschend!
Ein ziemlich guter Artikel!
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