[ « 257 258 259 260 261 » ]
Donnerstag, 20. Juli 2006 09:16
Friedensverhandlungen statt Fliegerangriffe
Die jüdische Liebe zu Israel muß weder blind sein noch das begangene Unrecht hinter einer Schweigemauer verstecken oder leugnen. Der Beweis wurde kürzlich geliefert.
Israel zerstört die lebensnotwendige Infrastruktur der Palästinenser
Israel zerstört die lebensnotwendige Infrastruktur der Palästinenser
(kreuz.net, Berlin) ‘Jüdische Stimme’ nennt sich die deutsche Sektion der ‘Europäischen Juden für einen gerechten Frieden’, die in zehn westeuropäischen Ländern tätig sind.

Sie unterstützt die Widerstands- und Friedensbewegung in Israel sowie den Kampf Palästinas um Selbstbestimmung.

Am 17. Juli veröffentlichte die ‘Jüdische Stimme’ in Berlin eine Stellungnahme zu den schweren Angriffen der israelischen Armee auf den Libanon.

Die Schuldfrage bei der Entführung israelischer Soldaten, dem Abfeuern von Qassam-Raketen auf israelische Ortschaften oder bei der israelischen Absperrung und Besatzung des Gazastreifens wird ausgeklammert.

Die Erklärung stellt fest, daß die Angriffe der israelischen Armee gegen die Zivilbevölkerung, die Zerstörung von Elektrizitätswerken, Flughäfen, Brücken, Straßen und anderen Einrichtungen der lebensnotwendigen Infrastruktur „unverhältnismäßig und inakzeptabel“ sind.

Ohne die Intervention der Regierungen der internationalen Völkergemeinschaft drohten die Kriegshandlungen Israels zu einem Flächenbrand zu eskalieren, der die gesamte Region erfassen könnte.

„Noch ist es möglich, umzukehren. Noch kann ein Weg zu einem dauerhaften Frieden eröffnet werden.“

Die Geschichte Israels und Palästinas belege seit 1948 unmißverständlich, daß ein dauerhafter Frieden nicht durch Krieg und Zerstörung erreicht werden könne.
Jüdische Stimme:
„Jeder Waffengang brachte bisher nur Blutvergießen sowie den Verlust bitter benötigter Ressourcen. Das Ergebnis: Leid und Haß auf beiden Seiten.“


„Jeder Waffengang brachte bisher nur Blutvergießen sowie den Verlust bitter benötigter Ressourcen. Das Ergebnis: Leid und Haß auf beiden Seiten.“

Die internationale Gemeinschaft – besonders die EU-Regierungen und die USA – müßten sich besinnen und „die israelische Regierung zwingen, von einem Kriegspfad abzukehren, der schon jetzt außer Kontrolle geraten ist.“

Gleichzeitig werden die Vereinten Nationen aufgefordert, endlich geeignete Schritte einleiten, um das Leben und Überleben von Millionen Menschen in der Region wirksam zu schützen.

Die europäischen Regierungen müßte alle Mittel – auch Sanktionen – einsetzen, um die israelische Regierung zu Verhandlungen mit der gewählten palästinensischen Regierung zu bewegen.

Die ‘Jüdische Stimme’ richtet sich auch an die Regierung der Bundesrepublik Deutschland. Diese gebe vor, eine „besondere Verantwortung“ für die sechs Millionen in Israel lebenden Juden wahrzunehmen. Darum sei es ihre Pflicht, konstruktive Beiträge zum Schutz der israelischen und der palästinensischen Bevölkerung einzuleiten.

Doch die deutsche „Waffenbruderschaft mit der israelischen Armee“ sowie die Lieferung von Waffen zu Test- und Einsatzzwecken schüre das Feuer und verstoße gegen die Gesetzgebung der Bundesrepublik.

Die ‘Jüdische Stimme’ verurteilt auch die Erklärung des ‘Zentralrates der Juden in Deutschland’ vom 14. Juli, worin eine „einseitige Kritik an Israel“ zurückgewiesen wird.

In dieser Erklärung werde die Politik der israelischen Regierung blind unterstützt: „Das halten wir für verantwortungslos. Der Zentralrat kann in dieser Frage nicht im Namen aller in Deutschland lebenden Juden sprechen.“

Insbesondere wird der stellvertretende Vorsitzende des ‘Zentralrates der Juden in Deutschland’, Dieter Graumann, kritisiert, Er hatte der Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) nach ihren Erklärungen im Berliner ‘Tagesspiegel’ vom 16. Juli „antiisraelische Reflexe“ vorgeworfen.

„Wer wie Herr Graumann indirekt sogar den Rücktritt einer Politikerin fordert, hätte die Pflicht, die Bevölkerung darüber aufzuklären, daß die von ihr geäußerte Kritik und Besorgnis ausdrücklich beide Seiten in den Blick nimmt, die israelische und die palästinensische. Anderenfalls macht er sich schuldig, bloße Propaganda zu betreiben.“
Jüdische Stimme:
„Eine Beilegung der Feindseligkeiten hängt maßgeblich davon ab, daß die Regierung Israels ihre Weigerung aufgibt, mit der gewählten Regierung Palästinas zu verhandeln.“


„Eine Beilegung der Feindseligkeiten, die zur aktuellen Eskalation geführt haben sowie eine vertragliche Übereinkunft zu einer dauerhaft tragfähigen Lösung hängen maßgeblich davon ab, daß die Regierung Israels ihre Weigerung aufgibt, mit der gewählten Regierung Palästinas zu verhandeln.“

Der „Hauptdruck der internationalen Gemeinschaft“ müsse daher gegen Israels Politik gerichtet sein, die unter Mißachtung einschlägiger Bestimmungen des internationalen Rechts allein auf militärische Gewalt setze.

Der Aufbau der UNO und der internationalen Regelwerke nach 1945 habe das Ziel verfolgt zu verhindern, daß sich ein Volk über ein anderes erhebt, es geringschätzig behandelt, unterdrückt oder terrorisiert und sicher zu stellen, daß ein Staat seine Grenzen nicht eigenmächtig überschreiten oder gar Krieg gegen einen anderen Staat entfachen darf.

Diese Errungenschaften würden preisgegeben, wenn die Welt keinen Weg finde, Israel dazu zu bringen, alle UN-Resolutionen anzuerkennen, mit der gewählten Regierung Palästinas zu verhandeln und einen Vertrag anzustreben, der die friedliche Koexistenz mit einem künftig an der Grenze Israels von 1967 zu errichtenden Staat Palästina sowie mit allen anderen Anrainerstaaten garantiere.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 28 Lesermeinungen:
Montag, 24. Juli 2006 20:08
Abu: @ Lieber Parzifal,
das mit dem Muslim-Bruder war ein Scherz, deshalb der .

Ich bete nicht nach, was die sagen, da ich das nur aus zweiter Hand weiß.

Ihr Wahlergebnis deutet jedenfalls schon auf eine breite Akzeptanz. Und das nach Jahrzehnten Verbot und Verfolgung.

Jedenfalls sind sie am Glauben näher dran als linke Studenten. Sie praktizieren ihn. Und sie tun was.

Auch der Rektor der Al Azhar wird Ihre Reform-Utopien allenfalls milde belächeln. Diese Uni hat allerdings an Ansehen verloren seit Nasser.
Montag, 24. Juli 2006 13:55
Jawohl!: Diesmal Daumen hoch!
Die Muslimbruderschaft ist letztlich genauso revolutionär wie die Piusbruderschaft.
Exakt!
Aber das wollen die Perennitätstraditionalisten nicht wahrhaben.
Montag, 24. Juli 2006 13:46
Parzifal: @ Abu
Wieviele praktizierende Muslime kennen Sie?

Schon einige. Ich hab ein halbes Jahr in Kairo studiert und pflege da schon noch Bekanntschaften.
Die meisten davon sind allerdings eher jung, studentisch und links.
Auch ist die Muslimbruderschaft eine revolutionäre Bewegung die mit dem von der einfachen Bevölkerung gepflegten Islam nicht viel zu tun hat. Den meisten einfachen Ägypern sind die volbärtigen, streng drein blickenden Moslembrüder eher unheimlich.
Der Scheich Al-Azhar (Rektor der Al-Azhar Universität) hat mit der Muslimbruderschaft rein gar nichts am Hut, stellt aber für den Durchschnittsmoslem eine ähnliche Autorität dar wie etwa der Papst in Rom für Katholiken.
Die Muslimbruderschaft ist letztlich genauso revolutionär wie die Piusbruderschaft. Das Leute wie Sie das Geschwätz der Moslembrüder unreflektiert nachbeten, macht deren Ansichten auch nicht wahrer.
Montag, 24. Juli 2006 07:37
Abu: @ Parzifal
Wieviele praktizierende Muslime kennen Sie?

Ich habe mich in diesem Forum noch nie zum Vatikanum II geäußert und auch nicht zu Pius X.

Ich habe auch nicht gesagt, daß ich das gut oder schlecht finde, wie Muslime ihre Religion zu sehen pflegen.

Insofern sind Ihre Behauptungen, die Muslime seien mein Vorbild, was die Kirche betrifft, Unterstellungen –- und Ablenkungsmanöver.

Ich würde allerdings von mir behaupten, daß ich ein realistisches Bild von Muslimen habe, was ich von Ihnen nicht sagen kann.

Ihr Islam-Bild changiert zwischen „gefährlich“ und „zu verändernd“. Ersteres ist ein Angstbild, letzteres ein Wunschbild.

Nehmen Sie einfach zur Kenntnis: Der Islam ist eine eminent politische Religion, das gehört zu seinem Wesen. Und: Sie und die liberalen Intellektuellen des muslimischen Welt und der Westen werden den Islam nicht auf jene Traumvariante zurechtstutzen, die Bassam Tibi „Euro-Islam“ nennt. Nicht durch Bomben, nicht durch Invasionen, nicht durch Polizeistaat und Folter und auch nicht durch Belehrungen und Appelle. Vergessen Sie’s.
Sonntag, 23. Juli 2006 23:01
Parzifal: @ Ganz doll!
Könnten Sie das vielleicht präzisieren?
Was an meiner Meinung finden Sie denn pervers?
Dass ich die Priesterbruderschaft St. Pius X. als Sekte bezeichnet hab?
Pervers!
Dass ich Lefebvre mit Khomenie verglichenh hab?
Tut mir leid für Sie!
Dass mir religiöse Irre unsympathisch sind, egal ob sie Christen, Juden, Moslems oder sonst was sind?
Sorry!
Sonntag, 23. Juli 2006 22:37
Jawohl!: @ Persiflage
In der Beschreibung des Islam hat Abu zu 100 % recht, während Sie ja völlig grün hinter den Ohren sind. Falsch ist Abus einseitig positive Bewertung dieses Zustandes; freilich Ihre ist fast noch perverser, sowohl im Blick auf den Islam wie auch im Blick auf den Westen.
Alle Lesermeinungen anzeigen 22 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net