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Sonntag, 22. Oktober 2006 11:09
Chinesisches Chaos
Das Reich der Mitte ist jetzt soweit, daß es die ersten Früchte der kommunistischen Bevölkerungspolitik erntet. Das Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht abzuschätzen.
China steht vor einer beispiellosen demographischen Katastrophe
China steht vor einer beispiellosen demographischen Katastrophe
(kreuz.net, Schanghai) Schanghai ist eine supermoderne Metropole mit über 13 Millionen Einwohnern.

Die Stadt besitzt aber zugleich die älteste Bevölkerung des Landes – und das ist erst der Beginn. Dies berichtete die Tageszeitung ‘New York Times’ Ende Juni.

20% der Stadtbevölkerung sind mindestens sechzig Jahre alt. Das ist das Pensionsalter für Männer in China. Jedes Jahr wächst die Zahl der Pensionierten in Schanghai um 100.000 Personen.

Und das ist nur der Anfang. Für die Jahre 2010 bis 2020 wird geschätzt, daß die Zahl der Pensionisten jährlich um 170.000 Personen steigen wird.

Das Ergebnis: Im Jahr 2020 ist ein Drittel der Bewohner der Stadt sechzig Jahre oder älter. Die Wogen dieses Umschwunges werden in China weit über Schanghai bemerkbar sein.

Experten gehen davon aus, daß die Stadt der Vorbote einer der größten demografischen Revolutionen in der Menschheitsgeschichte ist. Sie wird für ganz China tiefreichende Folgen haben.

Dem bevölkerungsreichsten Staat der Welt, der seine ökonomische Kraft auf einen scheinbar endlosen Nachschub billiger Arbeitskräfte aufgebaut hat, könnten schon bald die Arbeitskräfte fehlen.

Eine alternde Bevölkerung wird dem kommunistischen Regime auch politische Probleme bereiten.

In den 50er Jahren ermutigte die Mao-Diktatur noch eine Bevölkerungsexplosion. Einige Jahre nach dem Tod des Diktators im Jahr 1976 wechselte man ins Gegenteil: zur Ein-Kind-Politik. Diese Maßnahme hat im Land ungefähr 390 Millionen Geburten verhindert.

Nach Angaben der ‘New York Times’ könnte sich diese Ein-Kind-Politik aber als eine weitere monumentale demographische Fehlleistung herausstellen.
Nach Angaben der ‘New York Times’
könnte sich diese Ein-Kind-Politik aber als eine weitere monumentale demographische Fehlleistung herausstellen.


Denn angesichts des rasend schnell wachsenden chinesischen Volkseinkommens, leben die meisten Chinesen länger und haben weniger Kinder – ein Trend, der in den reichen Ländern schon lange sichtbar ist.

Dieser neue Trend und die außerordentlich tiefe Geburtenrate haben ein starkes Mißverhältnis zwischen den alten und den jungen Bevölkerungsteilen bewirkt.

Damit ist das wacklige Pensionssystem des Landes bedroht. Es wurde für ein 4:1 Verhältnis von Arbeitern und Pensionisten geplant und fährt bereits jetzt ein riesiges Defizit ein.

Der Rückgang der Arbeitskräfte wird die Kosten für die Arbeit erhöhen und der Kompetivität Chinas auf dem Weltmarkt schaden.

Industriebetriebe in Ländern mit einer jüngeren Bevölkerung – Indien, Vietnam und Bangladesch – werden davon profitieren.

Das Ausmaß des Alterungsprozesses in der chinesischen Gesellschaft ist so gewaltig, daß Bevölkerungswissenschaftler davon sprechen, daß man an einem Ort ein Loch stopft, um an einem anderen Ort eine Explosion zu erzeugen.

Das Regime ist mehr oder weniger ratlos und beginnt die Ein-Kind-Politik zu lockern. So wird Eltern, die als Einzelkinder aufwuchsen, die Geburt eines zweiten Kindes erlaubt. Auch wurde die vierjährige Wartezeit zwischen der Geburt des ersten und des zweiten Kindes aufgehoben.

Doch chinesische Bevölkerungsexperten glauben, daß die Ein-Kinder-Regel vermutlich bestehen bleiben wird. Eine Änderung wäre nämlich auch ein Eingeständnis, daß eine der wichtigsten politischen Entscheide der letzten Jahrzehnte gescheitert ist.

Zudem ist ungewiß, daß die Aufhebung der Maßnahme die gegenwärtige Lage verbessern könnte.

Ärmere Menschen im Landesinneren würden dadurch wohl mehr Kinder gebären. Doch bei der aufsteigenden Mittelklasse an der reichen Ostküste würden die Dinge beim Alten bleiben.

Außerdem sind die vielen alten Menschen, die auf China zukommen, bereits da.

Die Betten, die in den Altenheimen zur Verfügung stehen müssen und das Pflegepersonal, das benötigt wird, sind Wirklichkeiten, an denen China nicht mehr herumkommt.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 12 Lesermeinungen:
Sonntag, 22. Oktober 2006 23:09
Christian Hüller: @ Leverkuehn
Wieso, Adrian Leverkuehn?

Ich finde, die Analyse hat durchaus einige brauchbare Ansatzpunkte.

>>Dieser neuen besitzlosen, entwürdigten, von der Hand in den Mund lebenden Arbeiterklasse war die Kinderzahl fortan gleichgültig; sie hatten ohnehin nichts zu vererben. Die Verwahrlosung der nachfolgenden Generationen war entsprechend.<<

Nun gut, die Verwahrlosung (bzw. Verelendung) war v.a. eine Folge der Ausbeutung durch die kapitalist. Bourgeoisen [Diese Terminologie ist auch mir nicht fremd ].

Aber folgendes stimmt:
>>Die Schaffung eines verwahrlosten, unchristlichen, daher leicht formbaren Proletariats war für den Teufel ein Meilenstein auf dem Weg der restlosen Zerschlagung des Christentums.<<

Gut: Restlos wurde es nicht zerschlagen. Aber es gingen viele tausende für das Christenum verloren. Die Kirche hatte aber eine Mitschuld, die man heute unter >>Vernachlässigung der soz. Frage<< fasst.

Den Satz…
>>Die Schaffung eines verwahrlosten, unchristlichen, daher leicht formbaren Proletariats war für den Teufel ein Meilenstein auf dem Weg der restlosen Zerschlagung des Christentums<<
…kann man aber getrost auf die Praxis im sozialistischen Bankrottstaat DDR beziehen:

Da gingen dem Christentum durch dessen planmäßige Unterdrückung und Marginalisierung ganz sicher tausende von Anhängern verloren.
Sonntag, 22. Oktober 2006 22:12
Adrian Leverkuehn: Nein Maurice!
Onan hat völlig recht! Es ist so dumm, daß es gar nicht lohnt es zu verbessern!
Sonntag, 22. Oktober 2006 19:18
Maurice Corvisier: Ich weis nicht, „Onan“
(welch’ unangenehmer nick), was Sie an E.Ss prägnanter und zutreffender Kurzanalyse aufregt?

Sie ist in jeder Weise zutreffend.
Sonntag, 22. Oktober 2006 18:55
Elendester Sünder: Verbesserung
Danke für den Hinweis, OnanIV. Ich nehme mir konstruktive Kritik stets zu Herzen.
Es muß natürlich heißen: „Der Kapitalismus im 19. Jahrhundert…“
Sonntag, 22. Oktober 2006 18:05
OnanIV: @elendster…
das ist so dumm dass mir doch tatsächlich nicht einfällt, wo ich denn mit dem richtigstellen anfangen soll…

btw: außerdem ist es menschenverachtend.
Sonntag, 22. Oktober 2006 16:12
Elendester Sünder: Der Rattenschwanz der zerschlagenen Tradition
Die Bevölkerungsexplosion ist eine Folge der Abkehr von der gewachsenen Tradition. So war es in Europa; so ist es heute in Afrika und Asien.

In christlichen Zeiten kamen diejenigen Kinder, für die das Erbteil nicht reichte, ins Kloster, oder sie verdingten sich als Knechte oder Mägde. In jedem Fall blieben sie kinderlos. Das traditionelle Mitgiftsystem verhinderte eine Überbevölkerung und sorgte für eine vernünftige Verteilung der Güter. Vom heutigen Establishment wird das Mitgiftsystem aus durchschaubaren Gründen verteufelt.

Der Kapitalismus im 18. Jahrhundert zwang mit seiner Massenproduktion die unzähligen kleinen Handwerksbetriebe zur Aufgabe. Die brotlos gewordenen Schuster, Töpfer, Schmiede, Gerber, Wagenbauer usw. wurden zur Arbeit in kapitalistischen Großfabriken gedrängt. Dieser neuen besitzlosen, entwürdigten, von der Hand in den Mund lebenden Arbeiterklasse war die Kinderzahl fortan gleichgültig; sie hatten ohnehin nichts zu vererben. Die Verwahrlosung der nachfolgenden Generationen war entsprechend.

Die Schaffung eines verwahrlosten, unchristlichen, daher leicht formbaren Proletariats war für den Teufel ein Meilenstein auf dem Weg der restlosen Zerschlagung des Christentums.
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