Der ehemalige Sprecher des Vatikan, Joaquin Navarro-Valls wurde kürzlich mit viel Lob verabschiedet. Inzwischen hört man auch andere Stimmen.
(kreuz.net) Am 12. Juli publizierte die katholische Nachrichtenseite ‘korazym.org’ ein Interview mit dem
italienischen Vatikanisten Franco Pisano.
‘korazym.org’ ist eine italienische Webseite neokonservativer
Ausrichtung.
Franco Pisano (61) arbeitete als langjähriger Journalist bei der italienischen Nachrichtenagentur
‘Ansa’.
Er erklärte vor ‘korazym.org’, daß in den Jahren unter Navarro-Valls eine starke Annäherung
des Vatikans an die Medien stattgefunden hat.
Diese Entwicklung habe Johannes Paul II. selber veranlaßt,
als er in einem seiner ersten Treffen mit Journalisten erklärte, daß die Kirche ein Glashaus sein müsse.
Insofern habe Navarro nur die Wünsche des Papstes umgesetzt. Dabei sei es ihm auch gelungen, die Rolle
des Direktors des vatikanischen Pressesaals zu verändern:
„Man hat sich daran gewöhnt, den Begriff
»Pressesprecher des Papstes« zu gebrauchen. Doch das ist ein Amt, das es in Wirklichkeit nicht gibt,
weil niemand anstelle des Papstes sprechen kann.“
Navarro-Valls habe sich diese Rolle im Laufe der Jahre
trotzdem angeeignet.
Schon vor seiner Zeit hätte der Vatikan die Journalisten mit offiziellen Mitteilungen
beliefert. Man habe auch Anfragen stellen können, auf die knapp geantwortete worden sei: „Jedes Wort
war dabei eine offizielle Stellungnahme“ – so Pisano:
„Doch Navarro begann damit, sogenannte »off the
record« Mitteilungen zu verwenden – das heißt – Erklärungen abzugeben und Aussagen zu machen, die irgendwie
dem Vatikan zugeschrieben werden konnten, aber nur in einem allgemeinen Sinn. Das war der Vatikan der
»zuverlässigen Quellen«, des »es wurde in Erfahrung gebracht« und des »man sagt«.“
Das habe dazu
geführt, daß es keine Stelle und keine Person mehr gab, die wirklich offiziell Stellung nahm. Dafür
sei aber viel mehr gesagt worden.
So habe Navarro gelegentlich vor Journalisten erzählt, daß er am
Abend zuvor mit dem Papst gegessen habe und dabei diese oder jene Dinge gesagt worden seien:
„Für uns
Journalisten gab es nichts Besseres, auch wenn wir natürlich die Quelle nicht zitieren durften. Trotzdem
handelte es sich bei dieser Vorgehensweise um eine massive Einflußnahme.“
In diesem Zusammenhang sei
es auch zu „Triumphalismen und Übertreibungen“ gekommen.
Pisano erwähnt die Zeit, als sich Papst Johannes
Paul II. die Hüfte brach.
„Nach der Operation war der Papst für einige Monate nicht mehr zu sehen.
Er erschien öffentlich erst wieder während seiner Sommerferien in den Bergen.“
Offiziell verlautete
nichts über den Tagesablauf des Papstes.
Doch dann habe Navarro von einem Spaziergang erzählt, bei
dem der Papst an einem Kreuzweg vorbeigekommen sei, den er von Anfang bis Ende gebetet habe.
„Laut dieser
Aussage legte der Papst dabei einen beachtlichen Weg zurück und soll sich an jeder Station niedergekniet
haben.“
Doch diese Nachricht von Navarro sei von den Tatsachen widerlegt worden:
„Am nächsten Sonntag
erschien der Papst während der Messe müde und zeigte sogar beim Stufenlaufen ein schmerzverzerrtes Gesicht.
Die Geschichte vom Spaziergang war eine offensichtliche Fälschung gewesen.“
Eine ähnliche Peinlichkeit
leistete sich der Pressesaal auch nach dem Luftröhrenschnitt im März 2005.
Wollte man seinen Mitteilungen
glauben, so hatte dieser Eingriff den Papst nicht davon zurückhalten können, nach der Operation ein
reichliches Frühstück zu sich zu nehmen.
Solche Dinge hätten wenigstens in einigen Bereichen zu einem
Verlust der Glaubwürdigkeit geführt – so Pisano:
„Es ist klar, daß Navarro bei der Gesundheit des
Papstes von seiner Rolle her verpflichtet war, nicht die ganze Wahrheit zu sagen. Zugleich wurde seine
Glaubwürdigkeit irreversibel beschädigt, als er immer wieder Dinge erzählte, die dann von der Wirklichkeit
widerlegt wurden.“
Auch politisch habe sich Navarro eingemischt.
Am Vorabend der US-Invasion in Afghanistan
gab Navarro der Nachrichtenagentur ‘Reuters’ ein Interview. Er sprach dabei sogar von einer angeblichen
US-Selbstverteidigung und unterstellte, daß der Vatikan mit den Bomben der Amerikaner einverstanden sei.
Mit dem neuen Pressechef, Pater Federico Lombardi, werde im Vatikan ein neuer Stil Einzug halten.
Die
Nominierung des Jesuiten sei auch ein Teil der Bemühungen des gegenwärtigen Papstes, die Strukturen
der Kurie zu vereinfachen.
„Pater Lombardi ist eine ganz andere Persönlichkeit als Navarro-Valls, den
man in gewisser Hinsicht als Salonlöwen bezeichnen könnte.“
Der neue Leiter des Pressesaals sei auch
Mitglied der Leitung der jesuitischen Zeitschrift ‘Civiltà Cattolica’ gewesen und besitze eine kulturelle
Weite, die dem neuen Papst besser entspreche.
„Ich glaube aber, daß der eigentliche Grund für seine
Wahl im Willen des Papstes besteht, sich nicht interpretieren zu lassen.“
Der Papst wolle nicht, daß
Dinge gesagt würden wie: „In Wirklichkeit denkt der Papst das folgende…“
Benedikt XVI. brauche keinen
Pressesprecher. Damit werde der zukünftige Direktor des Pressesaals weniger Einfluß haben als vorher.
„Wenn außerdem derjenige, der etwas übermittelt, eine große Bildung besitzt, wird er problemlos in
der Lage sein, seinen Dienst zu verrichten und sich dabei darauf beschränken, zu erklären ohne zu interpretieren“ –
so Pisano.
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Immerhin hat Navarro-Valls zuvor Undenkbares vollbracht: Dem Vatikan einen Gutteil positive Medienpräsenz
gesichert, durch gute Arbeit. Die „Steinchen“, die ihm hier nachgeworfen werden, wo man ihn anscheinend
für einen modernistisch-verlogenen Kabbalisten hält, werden der Reputation keinen Abbruch tun.
Quellenangabe…? Sämtlichen Zitaten in diesem Artikel fehlt eine Quellenangabe. Wer hat eigentlich den
gnazen Artikel geschrieben? Die anonyme Kreuznetredaktion? Ich kann dem Artikel nur entnehmen, daß die
Übershrift insofern stimt, als daß der unbekannte Artikel Herrn N.Vals die Steine hi9nterherwirft. So
werde Nachrichten gemacht… flatratepower