18:59:27 | Mittwoch, 26. Juli 2006
Die Aufklärung kompensierte die rationale Dürre der Texte des Kirchenliedes mit seichten und gefühlsbetonten Melodien. Von Prof. Dr.h.c. Josef Friedrich Doppelbauer.
(kreuz.net/
Sisa) Das Kirchenlied spiegelt die religiösen und geistigen Entwicklungen wider, die nur übersichtsartig
dargestellt seien.
Die sogenannte Aufklärung, die sich praktisch im 18. Jahrhundert durchsetzte, war
ihrem Wesen nach den Offenbarungsreligionen gegenüber kritisch eingestellt.
Die Vernunft war die einzige
Erkenntnisquelle und was sich nicht vernünftig erklären ließ, wurde beiseite gedrängt. Metaphysik
war verpönt.
Das Christentum wurde zur Morallehre verdünnt.
Ich übersehe nicht die Verdienste der
Aufklärung. Doch ihr radikaler Fortschritts-Optimismus war utopisch. Die Kirchen aber sahen sich gezwungen,
das Vernunftprinzip in ihre Lehre, soweit es ging, einzubauen.
Da die Aufklärung auf Erziehung setzte,
sollten die Lieder belehrend und möglichst einfach sein. Um die rationale Dürre der Texte schmackhafter
zu machen, wurden die Liedmelodien gefühlsbetont und seicht.
Es war für talentierte Musiker
nicht mehr
verlockend, in kirchliche Dienste zu treten. Das Zeitalter der bürgerlichen Musikkultur brach an. Die
Talentflucht vor allem aus der Evangelischen Kirche setzte ein.
Melodien, die Jahrhunderte lang ohne
weiteres vom Volk gesungen wurden, galten plötzlich als zu schwer und nicht volkstümlich genug. Das
Kirchenlied verlor nicht nur an formaler, sondern auch an inhaltlicher Qualität.
Zusätzlich vollzog
sich eine soziologische Veränderung.
Es war für talentierte Musiker nicht mehr verlockend, in kirchliche
Dienste zu treten. Das Zeitalter der bürgerlichen Musikkultur brach an. Die Talentflucht vor allem aus
der Evangelischen Kirche setzte ein.
Die katholische Kirche konnte dieser besser standhalten, da die
Gestaltung der Messe noch immer künstlerische Qualitäten herausforderte.
Das Kirchenlied dagegen blieb
Domäne zweit- und drittrangiger Talente.
Michael Haydns Deutsche Singmesse „Hier liegt vor deiner Majestät“
oder Franz Schuberts „Deutsche Messe“ sind Randerscheinungen ihres Schaffens.
Besonders Schuberts Werk
war nicht für den Volksgesang gedacht.
Das wirkt bis heute nach, da das Volk stellenweise die Rhythmik
der Gesänge verschleift, besonders im Schlußgesang.
Wie sehr man schließlich „mit der Zeit“ ging und
sogar die ursprünglich geforderte Einfachheit vergaß, zeigt die 1777 in Landshut erschienene Sammlung
„Der heilige Gesang zum Gottesdienst der römisch-katholischen Kirche“. Die Gesänge waren vielfach zu
arios [sehr melismatisch, daher zu schwierig für das Volk].
1790 erschien das Gesangbuch abermals, jedoch
von Michael Haydn verbessert. Vergleicht man damit das Gesangbuch des Nikolaus Beuttner 1602 aus dem Steirischen,
so wird der Substanzverlust deutlich.
Der Verfasser (*1918) war Kompositionsprofessor sowie Prorector
des Salzburger Konservatoriums ‘Mozarteum’. Er verstarb am 13. Januar 1989. Dieser Beitrag entstammt dem
bisher unveröffentlichten Nachlaß.Nächstes Mal: Der triviale Mensch möchte in einer „dumpfen Euphorie“
leben
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#16
Freinsberg 16:52:45 | Freitag, 28. Juli 2006
#14
DieFidele 18:02:36 | Donnerstag, 27. Juli 2006
#13
Abu 15:14:56 | Donnerstag, 27. Juli 2006
#12
Benedikt 12:44:52 | Donnerstag, 27. Juli 2006
#11
Aloah 10:17:50 | Donnerstag, 27. Juli 2006
#10
aschera 10:00:23 | Donnerstag, 27. Juli 2006
#9
Jawohl! 09:27:40 | Donnerstag, 27. Juli 2006
#8
Pünktchen 09:25:45 | Donnerstag, 27. Juli 2006
#7
Markus-Antonius † 09:13:02 | Donnerstag, 27. Juli 2006
#6
Pünktchen 08:57:11 | Donnerstag, 27. Juli 2006
#5
Markus-Antonius † 07:12:42 | Donnerstag, 27. Juli 2006
#4
Asbeel 06:16:54 | Donnerstag, 27. Juli 2006
#3
Benedikt 00:18:41 | Donnerstag, 27. Juli 2006
#2
Breze 00:02:44 | Donnerstag, 27. Juli 2006
#1
FritzG 23:43:38 | Mittwoch, 26. Juli 2006