Kirchenmusik
Das jämmerliche Produkt einer kirchlichen Talentflucht
Die Aufklärung kompensierte die rationale Dürre der Texte des Kirchenliedes mit seichten und gefühlsbetonten Melodien. Von Prof. Dr.h.c. Josef Friedrich Doppelbauer.
(kreuz.net/Sisa) Das Kirchenlied spiegelt die religiösen und geistigen Entwicklungen wider, die nur übersichtsartig dargestellt seien.

Die sogenannte Aufklärung, die sich praktisch im 18. Jahrhundert durchsetzte, war ihrem Wesen nach den Offenbarungsreligionen gegenüber kritisch eingestellt.

Die Vernunft war die einzige Erkenntnisquelle und was sich nicht vernünftig erklären ließ, wurde beiseite gedrängt. Metaphysik war verpönt.

Das Christentum wurde zur Morallehre verdünnt.

Ich übersehe nicht die Verdienste der Aufklärung. Doch ihr radikaler Fortschritts-Optimismus war utopisch. Die Kirchen aber sahen sich gezwungen, das Vernunftprinzip in ihre Lehre, soweit es ging, einzubauen.

Da die Aufklärung auf Erziehung setzte, sollten die Lieder belehrend und möglichst einfach sein. Um die rationale Dürre der Texte schmackhafter zu machen, wurden die Liedmelodien gefühlsbetont und seicht.
Es war für talentierte Musiker
nicht mehr verlockend, in kirchliche Dienste zu treten. Das Zeitalter der bürgerlichen Musikkultur brach an. Die Talentflucht vor allem aus der Evangelischen Kirche setzte ein.


Melodien, die Jahrhunderte lang ohne weiteres vom Volk gesungen wurden, galten plötzlich als zu schwer und nicht volkstümlich genug. Das Kirchenlied verlor nicht nur an formaler, sondern auch an inhaltlicher Qualität.

Zusätzlich vollzog sich eine soziologische Veränderung.

Es war für talentierte Musiker nicht mehr verlockend, in kirchliche Dienste zu treten. Das Zeitalter der bürgerlichen Musikkultur brach an. Die Talentflucht vor allem aus der Evangelischen Kirche setzte ein.

Die katholische Kirche konnte dieser besser standhalten, da die Gestaltung der Messe noch immer künstlerische Qualitäten herausforderte.

Das Kirchenlied dagegen blieb Domäne zweit- und drittrangiger Talente.

Michael Haydns Deutsche Singmesse „Hier liegt vor deiner Majestät“ oder Franz Schuberts „Deutsche Messe“ sind Randerscheinungen ihres Schaffens.

Besonders Schuberts Werk war nicht für den Volksgesang gedacht.

Das wirkt bis heute nach, da das Volk stellenweise die Rhythmik der Gesänge verschleift, besonders im Schlußgesang.

Wie sehr man schließlich „mit der Zeit“ ging und sogar die ursprünglich geforderte Einfachheit vergaß, zeigt die 1777 in Landshut erschienene Sammlung „Der heilige Gesang zum Gottesdienst der römisch-katholischen Kirche“. Die Gesänge waren vielfach zu arios [sehr melismatisch, daher zu schwierig für das Volk].

1790 erschien das Gesangbuch abermals, jedoch von Michael Haydn verbessert. Vergleicht man damit das Gesangbuch des Nikolaus Beuttner 1602 aus dem Steirischen, so wird der Substanzverlust deutlich.

Der Verfasser (*1918) war Kompositionsprofessor sowie Prorector des Salzburger Konservatoriums ‘Mozarteum’. Er verstarb am 13. Januar 1989. Dieser Beitrag entstammt dem bisher unveröffentlichten Nachlaß.

Nächstes Mal: Der triviale Mensch möchte in einer „dumpfen Euphorie“ leben
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
1. Das Produkt einer Revolution
2. Das jämmerliche Produkt einer kirchlichen Talentflucht
3. Der triviale Mensch möchte in einer dumpfen Euphorie leben 4. Spätmarxistisch orientierte Aufklärungswelle 5. Die wunde Stelle der Liturgiereform 6. Die Kirche hat auf vielen Gebieten der Kultur Kompetenzen eingebüßt 7. Mehr Rock-Musik in der Liturgie
      
16 Lesermeinungen
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#16   Freinsberg   16:52:45 | Freitag, 28. Juli 2006
Aufklärung etc.
Was Prof. Doppelbauer schreibt, lässt sich in jeder Kirchenmusikgeschichte – und zwar genauer & ausgewogener – nachlesen. Ich weiß nicht, warum Kreuznet diese Serie überhaupt bringt. Um zu zeigen, dass Dopppelbauer (den ich als Komponisten sehr schätze) gegen Ende seines Lebens pessimistisch geworden ist?
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#15   Jörg Guttenberger, Köln   23:56:51 | Donnerstag, 27. Juli 2006
Pünktchen, Asbeel, Markus-Antonius
Zu den recht oberflächlichen Beiträgen von Asbeel und Markus Antonius kann man die Ausführungen von Pünktchen nur dick unterstreichen!
Eine mögliche Hilfe ist immer, für jede Lebenslage eine passende Stelle aus der Bibel zu finden. Damit sind Probleme zwar noch nicht gelöst, aber wir finden einen Weg, wenigstens damit fertig zu werden, die Kraft, damit zu leben.
Schließlich ist die Bibel für das Leben und nicht für den Schreibtisch gedacht.
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#14   DieFidele   18:02:36 | Donnerstag, 27. Juli 2006
Weils grad so schön ist …
Die Fußwaschung, die Entfernung des Verräters und die Voraussage der Verleugnung durch Petrus haben die Apostel aufgewühlt, so daß sie hellhörig dem Herrn lauschen: „Euer Herz bange nicht, glaubt an GOTT und glaubt an mich.“ Die erste Abschiedsrede ist eigentlich kein Abschied, sondern eine erneute und vertiefte Selbstoffenbarung Christi und zeigt 3 Dinge: das Ziel (Himmel als ewige Heimat), den Weg (Christus), und das Wirken auf der Erde (Werke aus dem Glauben und der Verbundenheit mit Christus). Christus bleibt nach dem Abschied geistig und unsichtbar bei den Seinen.
Es sind tiefste Geheimnisse, die hier enthüllt werden, das Wesen und Wirken Christi, die Natur der Kirche, der Sinn des christlichen Lebens, die Kraft des Glaubens und des Gebetes, die Bedeutung des Wirkens und der Werke, und letztlich ist alles sinnerfüllt in und durch Christus, den einzigen Sinn des Lebens, der Geschichte und der ganzen Welt.
Das Christentum ist also keine Religion neben andern, sonder es ist die Religion. Denn Christus ist der eine und einzige Sohn des himmlischen Vaters und folglich die Offenbarung GOTTES des Vaters. Man kommt nur durch GOTT zu GOTT. Christus ist der menschgewordene GOTT, also kommt man nur duch ihn zum Vater. ER ist der Weg, der den Menschen zu GOTT führt, zum eigentlichen Lebensziel.
EWIG 11+12/1998 :(3
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#13   Abu   15:14:56 | Donnerstag, 27. Juli 2006
@Asbeel
Die Kirche ist zur Rettung Ihrer und meiner und aller Seelen da. Eine Seelenrettungsanstalt. Sie sagen, eine verrottete Anstalt. Meinetwegen. Sie meinen, da gäbe es aber durchaus Wertvolles. Klar, meines Erachtens im Kern so wertvoll, daß es einzigartig ist. Aber darüber müssen wir jetzt nicht diskutieren. Eine riesengroße Anstalt, stellenweise schon eine Bruchbude, unübersichtlich. In einem verlassenen Eck hausen ein paar Penner, in einem anderen verrammeln gerade ein paar „Fundis & Tradis“ ein Tor, damit der CSD nicht reinkommt. Aber Sie können ja anderswo reingehen. Es gibt z.B. eine ziemlich gute Bibliothek, mit Wirken von Pieper, Spaemann, Ratzinger, Chesterton, Newman, Lewis. Wenn Sie da drin gelesen haben, finden Sie sich in dem Gebäude mit dem etwas eigenartigen Personal viel besser zurecht, und das lohnt sich! Es gibt Seelen-Wellnessanlagen, die wie Beichtstühle aussehen, Taufbecken mit geweihtem Wasser, Hospize, in denen Moribunde gepflegt werden, himmlische Musik, und ganz unten, ganz tief, da sprudelt eine Quelle, mit dem Wasser des ewigen Lebens.
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#12   Benedikt   12:44:52 | Donnerstag, 27. Juli 2006
@ Asbeel
Gebt uns Jungen doch einfach mal wieder einen Grund euch zuhören zu wollen.
Uns Jungen? Wen meinen Sie damit? Wenn ich mich hier im Forum umgucke, dann weiß ich von einigen, dass sie noch nicht jenseits der 30 sind.
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#11   Aloah   10:17:50 | Donnerstag, 27. Juli 2006
@Asbeel: …und der Lärm
>>Gebt uns Jungen doch einfach mal wieder einen Grund euch zuhören zu wollen.<<<
Kein Problem, dann schalte erst den ohrenbetäubenden Lärm des Zeitgeistes aus und hör zu, was zB Jesus Christus in den Evangelien zu sagen hat.
Ein altes Sprichwort meint:
„Wer gehört werden will muss leise sprechen“.
Der Glaube kommt vom hören, wenn nur krakeelt wird, mit wummernde zugedröhnten trara, der kann beim besten Willen nichts verstehen.
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#10   aschera   10:00:23 | Donnerstag, 27. Juli 2006
Ach ja…
Pünktchen betreibt wieder mal die Steinbruch-Methode – einfach irgendein Bibelzitat aus dem Zusammenhang reißen und, weil’s grad zufällig zur eigenen Position passt, den anderen vors Gesicht knallen. Lahm! :-@
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#9   Jawohl!   09:27:40 | Donnerstag, 27. Juli 2006
Jung und alt
Die Kirche ist jung und läßt asbeelchen alt aussehen!
Jawohl! :)3
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#8   Pünktchen   09:25:45 | Donnerstag, 27. Juli 2006
Markus Antonius: Ja,
es gibt einen inneren Maßstab, an dem wir uns alle messen lassen müssen. Gemessen am Ewig-Jungen, gemessen an Jesus Christus gestern, heute und in Ewigkeit sehen wir alle alt aus! Äußeren Maßstäben der Jugendlichkeit und angebl. Zeitgemäßheit kann die Kirche gelassen entgegentreten. Sie sind so schnell veraltet, wie eine Generation der nächsten folgt.
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#7   Markus-Antonius †   09:13:02 | Donnerstag, 27. Juli 2006
Dann gilt
es, diesen Grund sichtbar zu halten! Leider geschieht das nicht immer, s. kreuz-net. Das scheint mir eher ein verschlammter Tümpel zu sein, in dem der Grund nicht mehr zu sehen ist.
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#6   Pünktchen   08:57:11 | Donnerstag, 27. Juli 2006
Asbeelchen:
Gebt uns Jungen doch einfach mal wieder einen Grund euch zuhören zu wollen.
1. Kor. 3, 11: Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
Daß die Kirche jünger ist als asbeel und dennoch einen jahrtausendealten Schatz bewahrt, wurde bei den Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Papst Johannes Paul II sichtbar. Die inzwischen selber angestaubten Stilübungen in stets wohlfeiler „Kirchenkritik“, wie sie uns asbeelchen so bemüht vorführt, sind mit einem Schlage wie weggefegt! Die Kirche ist jung und läßt asbeelchen alt aussehen!
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#5   Markus-Antonius †   07:12:42 | Donnerstag, 27. Juli 2006
Hallo, Asbeel,
mit Ihren Fragen outen Sie sich als Suchende und Fragende! Leider dürfen Sie hier keine Antworten erwarten. Sie haben es hier mit einem Sammelbecken von überwiegend verblendeten, ewiggestrigen, und psychisch angeschlagenen Fundamentalisten zu tun, die mit ihren Ansichten größtenteils nicht mehr im Einklang mit den Lehren der römisch-kath. Kirche stehen. Ich hoffe, Sie finden gute Ansprechpartner bei den Kirchen. Lassen Sie sich nicht durch das, was Sie hier zu lesen und zu sehen bekommen verunsichern. Und bleiben Sie am Ball!
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#4   Asbeel   06:16:54 | Donnerstag, 27. Juli 2006

Harte Kirchenbänke, heruntergeleierte Lithurgien, die immergleichen alten Geschichten (es begab sich aber zu jener Zeit…), das ewig gleiche Lagerdenken, lange bisweilen substanzlose und inhaltsleere religiöse Offenbarungen von der Kirchenkanzel aus.
2000 Jahre Kirchengeschichte haben eure saftigen und glutvollen Märchen gleichsam eingefroren in Dogmen, starre Rituale und stereotype Deutungsmuster.
Dabei könnte das Christentum mit all seinem reichen Bilder- und Geschichtenschatz einen wichtigen Teil in unserer Gesellschaft einnehmen, und doch ist aus dem mystischen Erleben eurer Religion ein leises und nicht mehr warnebares Lüftchen geworden.
Die herkömmlichen religiösen Institutionen haben so vielen von uns nichts mehr zu sagen, die ausgetretenen Spuren eurer Religion scheinen Vielen als nicht mehr begehbar, zumindest aber als trivial bis unverständlich.
Eure Religion ist wie ein alter Dinosaurier der sich in Wahrheit schon seit Jahrzehnten längst selbst überlebt hat, und der vergessen hat sich an die neuen veränderten Umweltbedingungen anzupassen, und der jetzt versucht nicht völlig in seiner eigenen Belanglosigkeit zu ertrinken.
Gebt uns Jungen doch einfach mal wieder einen Grund euch zuhören zu wollen.
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#3   Benedikt   00:18:41 | Donnerstag, 27. Juli 2006
Verdünnung
Das Christentum wurde zur Morallehre verdünnt.
Dieser Prozess hält bei einigen bis heute an :-(
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#2   Breze   00:02:44 | Donnerstag, 27. Juli 2006
zum Thema
Man kann über die Kirchenmusik streiten, es ist und bleibt Geschmacksache und ist fürwahr keine dringende Glaubensfrage, es gibt wichtigeres…
Ich verstehe sowieso nicht wie man sich darüber dergleichen echauffieren kann…
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#1   FritzG   23:43:38 | Mittwoch, 26. Juli 2006
Langweilige Thematik?
Dieser Artikel ist jetzt schon fast 5 Stunden online, und es hat noch niemand einen Leserkommentar verfasst. Ist das Thema langweilig? Oder können die verblendeten Fundi-Kommentatoren hier nicht so gut ihren Hass auf (Gott und) die Welt ablassen, wie es bei redaktionellen Ergüssen zur Homosexualität oder Abtreibung möglich ist?
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