Machenschaften der Tabakindustrie
Der Tabakmarkt ist ein Kindermarkt
Kirche und kirchliche Einrichtungen sollten sich stärker in die Bewegung für Rauchfreiheit und gegen die Machenschaften der Tabakindustrie einschalten. Von Hubert Hecker.
(kreuz.net) Kürzlich haben die Salesianer Don Boscos beschlossen, daß in Konvent sowie im Hochschul- und Öffentlichkeitsbereich des Klosters Benediktbeuren nicht mehr geraucht werden darf.

Benediktbeuren befindet sich 50 Kilometer südlich von München.

Es ist richtig, daß Kirche und kirchliche Einrichtungen auf diese Seite der Anti-Nikotin-Front gehören und nicht auf das Podium des ‘Verbandes der Cigarettenindustrie’.

Am vergangenen 8. März hatte sich Prälat Karl Jüsten – Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe – zu einem Podiumsgespräch des ‘Verbandes der Cigarettenindustrie’ in Berlin über „gesellschaftliche Freiräume“ lotsen oder kaufen lassen.

Daß auch der protestantische Bischof Wolfgang Huber dort war und ‘Brot für die Welt’ Anzeigen für den ‘Verband der Cigarettenindustrie’ schaltet, ist dafür keine Entschuldigung.

Nikotin ist eine der am schnellsten süchtig machenden Drogen.
Nikotin ist
eine der am schnellsten süchtig machenden Drogen.


Jede Sucht ist eine Form der Selbstversklavung, eine Einschränkung der Willensfreiheit und insofern auch eine Beschränkung der Menschenwürde.

Gleichwohl kann die Nikotinsucht mit einer ernsthaften Entscheidung, endgültig mit dem Rauchen aufzuhören, gestoppt werden.

Die persönlichen und sozialen Folgen der Nikotinsucht sind zwar nicht so dramatisch wie etwa bei Alkohol- oder Heroinsucht, aber nicht weniger schlimm:

Jährlich sterben ungefähr 140.000 Menschen an den Folgen ihres Tabakrauchens. 3.300 Passivraucher werden pro Jahr vom Rauch männlicher und weiblicher Raucher umgebracht.

Die volkswirtschaftlichen Kosten belaufen sich pro Raucher auf ungefähr 1.100 Euro pro Jahr. Diese Kosten setzten sich aus zusätzlichen medizinischen Kosten, Arbeitsausfall, Reinigungskosten etc. zusammen.

Dazu kommen die vielfachen sozialen Belästigungen durch Rauch und Raucher in öffentlichen Räumen.

„Deutschland ist das Raucherparadies für die einen“ – schrieb ‘Der Spiegel’ im Monat Juni diesen Jahres, „für die anderen die ewig miefende Dunstglocke von etwa 22 Millionen Rauchern und bis zu 60 Millionen Passivrauchern.“

Am meisten leiden Kinder unter dem Rauch der Erwachsenen.

In ungefähr 50% der Haushalte mit Kindern raucht mindestens ein Elternteil. Die Folgen für kleinere Kinder sind katastrophal, Kinder im Schulalter leiden nicht weniger.

Nach einer Untersuchung des Autors wird bei mehr als 80% der Fastnachtsveranstaltungen für Kinder von erwachsenen Begleitern geraucht.

Ein von ungefähr hundert Kindern besuchter Festsaal war von zwanzig vorwiegend weiblichen Rauchern völlig verqualmt.

Allein schon aus Gründen des Lebensschutzes, der körperlichen Unversehrtheit und des Kinderschutzes sollten Kirche und Katholiken gegen das Tabakrauchen sein oder darauf verzichten.

Auf der anderen Seite steht die Tabakindustrie, die ihren Profit aus dem Verkauf von Genußmitteln zieht, die beim bestimmungsgemäßen Verbrauch zu Sucht, Krankheit und Tod führen.

Nikotin-Produkte sind eben nicht Waren wie jede andere, „über deren Kauf der mündige Bürger allein entscheiden sollte“ – wie es die Tabakindustrie propagiert.

Deshalb ist eine staatliche Beschränkung von Werbung, Verkauf und Verbrauch der Nikotin-Produkte politisch und gesellschaftlich sinnvoll und notwendig.

Die Nikotin-Bosse machen eine äußerst durchtrieben Marketing-Politik, indem sie Wissenschaftler kaufen, Politiker umgarnen und die Öffentlichkeit täuschen.

Die Tabakwerbung versucht, alle gesellschaftlich positiven Werte mit Tabakrauchen zu verbinden.

Höhepunkt der Unverschämtheit ist es, wenn die krankmachende, sucht- und todbringende Nikotindroge mit „liberté, toujours“ (Gauloise) im Zusammenhang gebracht wird.
Ein gewollter Nebeneffekt
dieser Produktstrategie ist es, daß Kinder unter 10 oder 8 Jahren relativ problemlos diese sogenannt milden Zigaretten rauchen können, während die alten Rachenputzer der 50er und 60er Jahre ihnen Schlund und Magen umgedreht hätten.


Mit verschiedenen chemischen Innovationen und Zusatzstoffen ist es der Tabakindustrie in den letzten Jahrzehnten gelungen, die Bioverfügbarkeit von Nikotin im Prozeß des Rauchens signifikant zu steigern.

Das bedeutet, daß ein Raucher aus einer objektiv „leichten“ Zigarette genauso viel Nikotin herauszieht wie aus dem klassischen Glimmstengel.

Ein gewollter Nebeneffekt dieser Produktstrategie ist es, daß Kinder unter 10 oder 8 Jahren relativ problemlos diese sogenannt milden Zigaretten rauchen können, während die alten Rachenputzer der 50er und 60er Jahre ihnen Schlund und Magen umgedreht hätten.

„Der Tabakmarkt ist ein Kindermarkt“, sagt Frau Pötschke-Langer, die Leiterin des Kollaborationszentrum der Weltgesundheitsorganisation für Tabakkontrolle am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Kirche und kirchliche Einrichtungen sollten sich stärker in die Bewegung für Rauchfreiheit und gegen die Machenschaften der Tabakindustrie einschalten.

Der Autor organisiert seit fünf Jahren einen hessenweiten Nichtraucher-Schülerwettbewerb.
      
10 Lesermeinungen
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#10   Veit Vitus   19:06:51 | Montag, 13. April 2009
Rauchfreiheit ?
Die Sprache entlarvt die Seele: Bei keinem anderen jüngeren Thema läßt sich Mitläufertum von Eigenständigkeit so leicht unterscheiden, wie bei der Hetze gegen ehrbare Leute, die dem Tabakgenusse frönen. Ich hoffe inständig, daß dieser Artikel nicht repräsentativ für das Forum „kreuz.net“ ist.
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#9   Benedikt   21:26:23 | Montag, 31. Juli 2006
@ Peccator
Wenn in einer deutschen Stadt soviel Feinstäube existieren würden, wie in einem Lokal selbst nach ordentlicher Durchlüftung, dann müsste dort das Autofahren eigentlich verboten werden. Zudem ist es eher unüblich, dass jemand sich permanent 50 cm. neben einem Auspuff aufhält – während der Aufenthalt in verqualmten Lokalen für die Beschäftigten des Gaststättengewerbe Alltag ist. Das ganze hat auch nichts mit political correctness zu tun, sondern ist ein Fall von Rücksichtnahme.
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#8   Peccator   20:09:05 | Montag, 31. Juli 2006
Political Correctness auf Kreuz.net
Offensichtlich möchte Kreuz.net nun auch mal im Fahrwasser von Politcal Correctness mitschwimmen: „Auf zum Kampf gegen die BÖSEN BÖSEN Raucher“.
Jeder Autofahrer der von München nach Hamburg fährt erzeugt ein zigfaches an Krebsverursachenden Stoffen als ein Raucher in 10 Jahren. Doch dagegen kann man doch nichts sagen.
ICH RAUCHE JETZT ABSICHTLICH WEITER!!!
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#7   Benedikt   11:41:43 | Sonntag, 30. Juli 2006
Die Raucherlobby
…lässt also auch hier grüßen. Sauber :-!
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#6   Graf von Galen   23:24:00 | Samstag, 29. Juli 2006
Für ein freies Deutschland
Auch wenn ich Nichtraucher bin, so denke ich doch,
daß man zumindest Erwachsenen das Recht zum Rauchen
auch in der Öffentlichkeit zugestehen sollte.
Ich halte es jedenfalls für übertriebene Hysterie,
„Raucher“- Züge abzuschaffen oder das Rauchen
in Gaststätten verbieten zu wollen.
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#5   Jawohl!   18:01:28 | Samstag, 29. Juli 2006
zur lieben Hódmezövásárhelykutasipuszta
Wow! Noch so eine süße Maus aus dem Reli-LK. Bist du hübsch? Und heiß? Dann mal ganz hurtig hierhi www.kreuz.net/reader.2051.htmln und eine Mail an mich geschrieben! :(3 ^-^
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#4   Hódmezövásárhelykutasipuszta   17:55:54 | Samstag, 29. Juli 2006
Zitate aus einem anderen Thread:
Vielleicht kann man ja kreuz.net gerichtlich dazu verpflichten, dass wie auf Zigarettenpackungen pop-ups mit Warnhinweisen auf der Seite installiert werden.
Das Lesen dieser Seite kann ihre Intelligenz schädigen.
Diese Seite enthält Homophobie, Holocaustverharmlosungen, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit.
Wenn Sie etwas über Katholizismus erfahren wollen, schließen Sie diese Seite und googeln nach der nächstgelegenen theologischen Fakultät.
Steinbruchexegese vermindert ihren Erkenntnishorizont.
Schützen Sie Ihre Kinder! Lassen Sie sie nicht kreuz.net in der Liste aufgerufener Seiten finden!
und:
Kreuz.net-lesen während der Arbeitszeit erhöht ihren Adrenalinspiegel.
Wer das kreuz.net-lesen aufgibt, verringert wichtige Risken für die Entwicklung seiner Intelligenz.
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#3   Navon   17:48:03 | Samstag, 29. Juli 2006
Ja, …
…das wäre mal eine richtig gute Sache, wenn die Kirchen sich diesbezüglich äußern!
N.
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#2   Tridentinus   17:31:47 | Samstag, 29. Juli 2006
Furchtbar
Was hat dieser Artikel auf Kreuz.net verloren? Katholiken sind doch keine Puritaner! Da sind mir die Kalixtiner direkt lieber: Als Protestanten bestanden sie – da keine Wesenswandlung erfolgt und auch nicht geglaubt wird – letztlich darauf, unbedingt Wein zu trinken!
An der anschliessenden Diskussion kann ich leider nicht teilnehmen. Auch die Zone, wo ich momentan surfe, ist rauchfrei. Ich könnte höchstens Schnupftabak geniessen. Marke: Kloster Andechs „Spezial Snuff“, aber ich stopfe mir lieber eine Pfeife. Tabak „Pergamon“ – nein, ich bin kein Satanist, keine Sorge.
So bringe ich mein Rauchopfer dar: Odor suavitatis bzw. incensum istud! Tschö!
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#1   Elendester Sünder   17:23:24 | Samstag, 29. Juli 2006
Rauchen ist gesund
Ich zünd mir jetzt Eine an und verabschiede mich für heute.
Schönen Abend noch.
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