13:42:42 | Freitag, 28. Juli 2006
(kreuz.net) Als Journalist – Das Parlament, Katholische Nachrichtenagentur, Rhein.Merkur, Die Tagespost,
Domradio Köln, Aachener Zeitung – hier in Jerusalem verfolge ich mit großer Sorge den Krieg im Libanon
und die Raketenangriffe auf Nordisrael.
Selbst war ich erst letzte Woche im Gaza-Streifen, und habe das
Elend dort gesehen.
Bitte seien Sie mutig – stoppen Sie Israel in seinem Kollektivkrieg gegen das gesamte
libanesische Volk! Stoppen Sie die Hizbollah!
Warum hat Israel das Verhandlungsangebot der Hizbollah
genauso abgelehnt wie das der Hamas?
Wer jetzt Freund
Israels sein will, der muß Israel auf die Finger
hauen.
Muß man dafür einen Flughafen kaputt schießen? Oder das einzige Elektrizitätswerk des Gaza-Streifens?
Wer jetzt Freund Israels sein will, der muß Israel auf die Finger hauen.
Israel zerbombt Stunde für
Stunde den immer kleiner werdenden Rest an Glaubwürdigkeit, den es vielleicht noch in der arabischen
Welt hat.
Friedliche Absichten hat in der arabischen Welt dem Staat Israel ohnehin fast niemand zugetraut –
aufgrund eigener leidvoller Erfahrungen.
Israel fordert vom Libanon die Umsetzung der UN-Resolution 1559?
Wie bitte? Israel spielt sich plötzlich als Schiedsrichter der UN auf, wo es doch selber nie etwas von
UN-Resolutionen gehalten hat.
Die Resolution 242 etwa wartet seit 39 Jahren auf die Umsetzung. Israel
jedoch fühlt sich nicht angesprochen.
Wenn wir nicht bald damit anfangen, dieselben Maßstäbe an die
arabische Welt und an Israel zu legen, verlieren auch wir bald unsere Glaubwürdigkeit in der arabischen
Welt.
Und nicht nur dort.
Sondern überall dort, wo wir gerne Demokratie und Freiheitlichkeit sehen
würden.
Vierte Genfer Konvention, internationales humanitäres Recht und Menschenrechte – Israel setzt
sich ständig darüber hinweg.
Und wir schweigen. Anstatt zu mahnen und einzufordern.
Uri Avnery – der
führende israelische Friedensaktivist
hat mir auf der großen Friedensdemo am letzten Samstag in Tel Aviv
mit 5.000 Menschen seine tiefe Enttäuschung über die Tatenlosigkeit der deutschen Bundesregierung ausgedrückt.
Auch wir untergraben damit den Wert dieser Rechte und Werte.
Haben Sie Mut, Herr Köhler, und werden
Sie deutlich.
Stehen Sie ein für Menschenrechte und die Vierte Genfer Konvention! Sprechen Sie sich
aus gegen Kollektivstrafen!
Vielleicht wird unser Freund Israel beleidigt sein – dafür werden Sie in
mindestens 22 arabischen Staaten, weiteren muslimischen Ländern sowie vielen Entwicklungsländern Freunde
und Ansehen gewinnen.
Wenn man dem Freund Israel nicht einmal die Wahrheit sagen kann, was ist das dann
für ein Freund?
Ich wünsche Ihnen den Mut, Klartext zu reden. Es geht um die Existenz Israels. Und
um die des einstmals christlichen Libanon, wenn nicht auch um die der Christen im ganzen Nahen Osten!
Nach sechs Jahren im Nahen Osten muß ich Ihnen auf die Frage „Was gibt dem islamischen Fundamentalismus
die meiste Nahrung?“ die Antwort geben:
– die israelische Besatzung palästinensischen Landes
– die Politik
des „Christen“ George W. Bush
Wenn wir durch Wegschauen oder Eintreten die Politik des „Christen“ George
W. Bush unterstützen, spannen wir das zerbrechliche Verhältnis von Christen und Muslimen im Nahen Osten
weiter an.
Für nicht wenige Muslime hat seit dem Amtsantritt von Bush die Zeit der Kreuzzüge wieder
begonnen.
Uri Avnery, der führende israelische Friedensaktivist, hat mir auf der großen Friedensdemo
am letzten Samstag in Tel Aviv mit 5.000 Menschen – nur die Aachener Zeitung und das Domradio interessierten
sich dafür – seine tiefe Enttäuschung über die Tatenlosigkeit der deutschen Bundesregierung zum Ausdruck
gebracht.
Jitzah Laor, ein israelischer Schriftsteller – bekannt für seine deutlichen Worte – hat mir
gesagt: „Europa? Was soll Europa schon tun? Es steckt doch tief im Arsch der Vereinigten Staaten!“
Die
bisherige Politik der Bundesregierung und der EU haben alles andere als das israelische Friedenslager
gestärkt.
Und Tag für Tag sprechen sich mehr israelische Professoren, Journalisten und Friedensaktivisten
gegen die israelische Politik aus.
Kommt das in Deutschland an?
Es grüßt Sie „in tiefer Sorge und
großer Enttäuschung über das Billigen, Schweigen und Zusehen Deutschlands“.
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