13:34:12 | Mittwoch, 2. August 2006
„Die Macht ist für den, der sie besitzt – oder glaubt sie zu besitzen –, nicht weniger unerbittlich als für seine Opfer“. Von Israel Schamir.
(kreuz.net) Als Israeli kann ich mich nicht darüber freuen, wenn Haifa von Bomben getroffen und Tel Aviv
bedroht wird.
Es gibt dort zu viele Unschuldige, die zwischen ihrer Rechten und Linken nicht unterscheiden
können – auch viel Vieh.
Gleichzeitig kann ich keine Verurteilungen aussprechen. Diese bittere Medizin
kann nämlich helfen, wo sanfte Reden gescheitert sind.
Die Raketen der Hisbollah sind vielleicht in
der Lage, die Israelis zur Vernunft zu bringen und ihre Machtsucht zu brechen.
Ähnlich konnte ein guter
Deutscher im Jahr 1940 für eine Niederlage seiner Landsleute in Holland beten. Eine solche Niederlage
hätte die Deutschen von der Tragödie des Jahres 1945 bewahrt.
Die Deutschen waren zu stark, als daß
dies für sie gut sein konnte. Diese exzessive Macht führte sie in den Abgrund. Jetzt droht Israel das
gleiche Schicksal.
Im zweiten Weltkrieg
Die Deutschen waren zu stark, als daß dies für sie gut sein konnte.
Diese exzessive Macht führte sie in den Abgrund. Jetzt droht Israel das gleiche Schicksal.
Übermäßige
Macht ist nicht besser als Machtlosigkeit. Macht vergiftet und zerstört. Dieser Krieg illustriert das
gut. Wegen Israels exzessiver Kraft wurde aus einem unbedeutenden Konflikt ein großer Krieg und eine
massive Zerstörung von Natur und bewohnten Städten.
Kleine Grenzzwischenfälle ereignen sich überall
auf der Welt. Aber sie führen nicht zu solchen Auswüchsen.
Wäre Israel klüger, würde es den Zwischenfall,
der durch seine Brutalität in Gaza verursacht wurde, verstehen. Wäre Israel schwächer, würde es mit
einem ähnlichen Gegenschlag antworten. Aber Israel ist zu dumm und zu stark, um für sein eigenes Gut
zu sorgen.
Die Juden wiederholen endlos ihre alten Fehler. Im Jahr des Herrn 66 – vor fast zweitausend
Jahren – vollbrachten sie ein großes Werk. Sie besiegten die XII. Legion des Cestius Gallus. Das war
so unglaublich wie der Sechs-Tage-Krieg (1967).
Römische Legionäre waren keine leichte Beute.
Den
Juden stieg dieser Erfolg in den Kopf. Sie glaubten etwas eitel, daß Gott für sie in den Krieg ziehen
würde. Aber Gott hatte andere Pläne. Im Jahre des Herrn 70 wurden Jerusalem und der Tempel zerstört.
Jetzt sind die Juden wieder von ihrer militärischen Fähigkeit, von der Unterwürfigkeit der USA und
der Europäischen Union sowie von ihrer Kontrolle über die Medien vergiftet.
Ihre Arroganz und Brutalität
führt sie in den Abgrund. Nach der Verwüstung von Gaza und des Libanon, kommt der toleranteste Mensch
im Nahen Osten zur Erkenntnis, welche die Römer vor 2000 Jahren hatten:
In der Region kann es keinen
Frieden geben, solange der jüdische Staat existiert. Die Amerikaner werden diese Erkenntnis teilen, wenn
ihre Erfahrungen mit der Herrschaft der Neokonservativen zu Ende ist.
Ein anderer Fehler, den die Juden
wiederholen, ist die Mißhandlung der einheimischen Bevölkerung.
Nach dem hasmonäischen Sieg über
die hellenistischen Seleukiden – der in den biblischen Makkabäer-Büchern beschrieben ist – übernahmen
die Juden die Herrschaft in Palästina.
Ihre erste Tat bestand in der Vertreibung der einheimischen Bevölkerung
von Cäsarea und in der Ansiedelung von Juden. Es gab schon damals eine Nakba [arabisch für „Katastraphe“ –
bezeichnet die Deportation knapp einer Million Araber und die Schleifung hunderter Dörfer im Jahr 1948].
In diesen Tagen besaßen die Einheimischen in Palästina keine Kraftwerke. Darum waren die Juden gezwungen,
sich darauf zu beschränken, ihre Tempel zu zerstören.
Simone Weil:
„Wir müssen lernen, die Macht nicht
zu bewundern, den Feind nicht zu hassen und die Besiegten nicht zu demütigen.“
Um Licht für die Völker
zu werden, mußten die Juden die Völker zuerst in Finsternis versetzen. Das taten sie auch. Hundert Jahre
einer absoluten jüdischen Herrschaft (168-68 v. Chr.) waren die schrecklichsten Zeiten für das Land.
Darum wurde der römische General Pompeius der Große als Befreier empfangen, als er die Juden unterwarf
und ihre Macht auf Jerusalem und einige wenige andere Gebiete beschränkte.
„Die Starken sind nie absolut
stark und die Schwachen sind nie absolut schwach. Wer vom Schicksal Macht geliehen bekam, verläßt sich
zu sehr darauf und wird zerstört. Die Macht ist für den, der sie besitzt – oder glaubt, sie zu besitzen
–, nicht weniger erbarmungslos als für seine Opfer. Der zweite wird zerschmettert, der erste vergiftet“ –
schrieb Simone Weil, die französische Philosophin und Visionärin, welche die große Vergiftung der Macht
erlebte, die Zweiter Weltkrieg genannt wird.
Simone Weil bezog sich auf die Iliade von Homer und auf
den Trojanischen Krieg, als sie diese sublime Lehre erkannte:
„Die Menschheit ist in der Iliade nicht
in Sieger und Besiegte aufgeteilt. Dort gibt es keine Flucht vor dem Schicksal. Wir müssen lernen, die
Macht nicht zu bewundern, den Feind nicht zu hassen und die Besiegten nicht zu demütigen.“
Doch die
jüdischen Medien sagen: „Das ist kein Krieg, sondern eine Anti-Terror-Kampagne; Israel bekämpft die
Terroristen der Hisbollah.“
Hunderte von ausgebrannten Gebäuden, zerstörten Brücken und Kraftwerken,
getötete Frauen und Kinder sowie bombardierte Flüchtlinge widerlegen diesen ältesten aller Propagandatricks.
Napoleon behauptete, die Mamelucken zu bekämpfen, nicht die Hohe Pforte [Regierung des Osmanischen Reiches],
aber das Empire schickte seine Truppen nach Palästina, und er mußte fliehen und seine Soldaten zurücklassen.
Adolf Hitler behauptete, die „Kommunisten“ zu bekämpfen, nicht Rußland. Aber die Russen durchschauten
seinen Trick und scharten sich um Stalin.
Israel Schami
„Die Israelis bombardierten sogar Aschrafieh – den
bekannten christlich-maronitischen Vorort von Beirut – der die Volksbewegung für die Vertreibung der
syrischen Armee aus dem Libanon anführte.“
George Bush behauptete, Saddam Hussein zu bekämpfen, nicht
den Irak. Tausende von toten US-Soldaten entlarvten die Lüge.
Jetzt widerlegen die Libanesen die Aussage
der Israelis und sagen: Das ist ein jüdischer Krieg gegen den Libanon, ein totaler Krieg gegen seine
Bürger. Sein Motto wurde vom israelischen Generalissimo Dan Halutz so formuliert: „Für jede Rakete werden
wir in Beirut ein hohes Gebäude zerstören.“
Die Libanesen begriffen. Sie stiegen nicht auf die jüdische
Falle ein, die Hisbollah zu verurteilen, sondern fühlten, daß Hisbollah sie repräsentiert und ein integraler
Teil des Libanon ist.
Die libanesische Armee sollte sich an die Seite der Hisbollah stellen. Das würde
die Pläne der Invasoren vollständig aus dem Geleis bringen.
Die Juden bombardierten sogar Aschrafieh –
den bekannten christlich-maronitischen Vorort von Beirut – der die Volksbewegung für die Vertreibung
der syrischen Armee aus dem Libanon anführte.
„Haram, ja Aschrafieh“ – es tut mir für euch leid. Eure
Dummheit ist zu früh auf euch zurückgefallen. Mochten die Syrer auch schwach und grob sein, aber sie
beschützten eure Himmel vor den schwarzen Geiern aus dem Süden.
Ihr seid wie Lämmer, die ihren alten
und ungeliebten Hirten verjagten und schon kurz darauf vom Wolf gehäutet wurden. Der Traum eines unabhängigen
Libanon war nicht mehr als eine Illusion, die vom Meister der Träume produziert wurde.
Das Konzept der
Unabhängigkeit funktioniert nicht. Libanon würde als ein integraler und autonomer Teil von Syrien besser
dastehen.
Syrien würde es in einer Union mit dem Irak, mit Jordanien und Palästina besser gehen. Das
Reich der Ottomanen hätte nicht zerstört, sondern in einen Bundesstaat des Ostens verwandelt werden
müssen.
Denn vereint stehen wir, getrennt fallen wir.
Israel Schamir wurde 1950 in Nowosibirsk (Sibirien)
geboren. Er ist ein israelischer Schriftsteller und Journalist.
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