Fürchtet den Zorn Gottes
Dank Scheich Nasrallah erfahren die israelischen Städte – wenn auch in homöopathischen Dosen – wie es sich in Gaza oder Beirut anfühlt. Von Israel Shamir.

Frankreich drängte die Syrer aus dem Libanon. Die USA – dieser offensichtliche Feind der Araber – wäre ohne die Unterstützung von Paris dazu nicht in der Lage gewesen.
Nachdem der syrische Beschützer beseitigt war, stand Frankreich unter einer moralischen Verpflichtung, Beirut zu verteidigen. „Du bist auf ewig für den verantwortlich, den du gezähmt hast“, sagt der Fuchs zum kleinen Prinzen in der Geschichte von Saint-Exupéry – und Frankreich hat den Libanon gezähmt.
Der traurige und rassistische Anblick der Evakuierung der Ausländer aus dem Libanon müßte durch einen anderen Anblick ersetzt werden: durch das Landen französischer Eingreiftruppen: nicht als UNO- oder NATO-Friedenstruppen, sondern als Verteidiger des Libanon.
Die Franzosen wissen, wie das geht: Im Jahr 1860, als die Drusen Amok liefen, landeten französische Soldaten und stellten den Frieden wieder her, indem sie den Angreifer zurückstießen. Sie könnten heute diese Leistung wiederholen. Wenn die Franzosen mit den Libanesen Schulter an Schulter gegen den jüdischen Invasoren kämpfen würden, würde das dem Nahen Osten und Frankreich Frieden bringen.
Einige arabische Länder haben ihre brüderlichen Pflichten verraten.
Ägypten, Saudi Arabien und Jordanien verurteilten nicht den jüdischen Angreifer, sondern jene, die Widerstand leisteten, die Hisbollah. Die Golfstaaten taten nichts, um den Libanon zu retten. Sie sollten sich für ihren Verrat schämen.
Sie könnten in der Tat das erfolgreiche Ölembargo von 1974 wiederholen und Europa zwingen, den wildgewordenen zionistischen Pit Bull zu bremsen.
Der mutige und standhafte Widerstand der Hisbollah ist ein Ehrenzeichen für die Krieger und ein Zeichen der Schande für die anderen arabischen Anführer.
Sie sollten sich daran erinnern, daß jene, die Palästina verrieten, bestraft wurden. König Faruk wurde gestürzt, und König Abdullah wurde ermordet. Je länger der Krieg dauert, desto größer ist die Chance für diese Politiker, von ihren Leuten vertrieben zu werden.
Das wäre ein gutes Argument gegen einen Waffenstillstand.
Die Hisbollah sind die wahren Helden des Nahen Osten. Nicht wegen ihrer Macht, sondern wegen ihres Mitgefühls. Sie waren die einzigen, die mit den Leiden der Palästinenser Mitgefühl zeigten.
Sie schauten der Verwüstung Gazas nicht unbeteiligt zu. Sie versuchten mit ihren bescheidenen Mitteln, den Verwüster zu stoppen, so wie England gegen den deutschen Einmarsch in Polen protestierte. Mitgefühl und Solidarität sind wichtiger als Souveränität.
Aus diesem Grund können wir nicht die Kämpfer der Hisbollah oder gar „beide Seiten“ verurteilen.
Ein russischer Philosoph, Iwan Iljin (1883-1954) machte in seinem Werk „Gewalttätiger Widerstand gegen das Böse“ eine klare Unterscheidung zwischen dem Gewalttätigen und dem, der Widerstand leistet.
„Der Gewalttätige sagt zu seinem Opfer: »Du bist meiner Macht unterworfen«, während der Widerständische seinem Angreifer antwortet: »Du zerstörst und wirst zerstört werden. Hör auf!« Hier werde ich deiner Tyrannei ein Ende setzen.“
Tatsächlich versuchten die Juden die Palästinenser vollständig zu unterwerfen. Sie folterten sie so ungehindert und gewissenslos, daß jemand erscheinen mußte, der Widerstand leistet.
Angesicht der schändlichen Unterwürfigkeit des Restes der Araber, verdienen die Kämpfer von Scheich Hassan Nasrallah Lob. Sie sind der erste Widerstand, der die israelischen Spielregeln herausforderte und den Krieg auf das israelische Territorium trug, während die Feinde Israels bisher die Heiligkeit seines Landes respektierte.
Sogar im Jahr 1948 überquerten die Armeen von Ägypten, Transjordanien, Syrien, Libanon und Irak nicht die Grenzen des jüdischen Staates. Sie begnügten sich damit, das Territorium zu sichern, das die UNO dem palästinensisch-arabischen Staat gegeben hatte.
1967 bis 1971 wagte der ägyptische Präsident Nasser nicht einmal einen einzigen Bomber nach Tel Aviv zu schicken, obwohl die israelische Luftwaffe die ägyptischen Städte bombardierte.
Dank Scheich Nasrallah erfahren die israelischen Städte – wenn auch in homöopathischen Dosen – wie es sich in Gaza oder Beirut anfühlt.
Wir wollen hoffen, daß diese Erfahrung den jüdischen Überlegenheitskomplex zerstört, so daß das Volk von Israel aus dieser Erfahrung bescheidener, kompromißbereiter und seinen Nachbarn gegenüber rücksichtsvoller wird.
Der gegenwärtige Erfolg der Juden erinnert auf eine bedrohliche Weise an das Gedicht Friedrich Schillers „Der Ring des Polykrates“ – der auf Herodots Geschichte über den außerordentlich erfolgreichen Polykrates basiert.
Ein Gast des Polykrates sorgt sich, denn solche Glückssträhnen enden häufig in einer Katastrophe. Er bittet Polykrates, seinen wertvollsten Ring zu nehmen und ihn in den See zu werfen. Polykrates befolgt den Rat.
Doch am andern Morgen kommt ein Fischer in den Königshof und bringt ihm einen großen Fisch, den er gefangen hat. Beim Aufschneiden des Fisches findet man den wertvollen Ring im Magen. „Hier wendet sich der Gast mit Grausen:
»So kann ich hier nicht ferner hausen,
Mein Freund kannst du nicht weiter sein.
Die Götter wollen dein Verderben;
Fort eil ich, nicht mit dir zu sterben.«“
Polykrates erleidet tatsächlich einen furchtbaren Umschwung seines Schicksals und wird von den Persern gekreuzigt.
Israel hat bei weitem zuviel Erfolg. Seine Generäle sind des schlimmsten Kriegsverbrechens – jenes der Aggression – schuldiggeworden. Sie töten ungestraft und werden von ihren amerikanischen Vasallen gelobt.
Jetzt haben sie die UNO angegriffen und Mitglieder von Friedenstruppen getötet. Es gibt aber keinen Grund zur Sorge. Niemand wird sie dafür tadeln.
Der israelische UNO-Botschafter verlangte vom rückgratlosen Kofi Annan sogar eine Entschuldigung, und ich bin mir sicher, daß er sie bekommen wird.
Die Juden brauchen nichts zu fürchten – aber führende orthodoxe Würdenträger – der griechische Erzbischof Christodoulos von Athen und der palästinensische Erzbischof Theodosios Atallah Hanna von Sebaste – erinnerten sie daran:
„Provoziert nicht unsere Gewissen. Gebt eurer Verurteilung durch die Welt keine Nahrung. Fürchtet den Zorn Gottes.“
Israel Schamir wurde 1950 in Nowosibirsk (Sibirien) geboren. Er ist ein israelischer Schriftsteller und Journalist.
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Freitag, 4. August 2006 22:02
blueberry: König Abdullah II warnt vor Schwächung moderater arabischer Regierungen
Jordaniens König Abdullah hat die USA und Israel vor einer Stärkung extremistischer Bewegungen im Nahen
Osten gewarnt, die durch den andauernden Krieg zwischen Israel und der Hizbollah neuen Zulauf erhalten
könnten. Selbst wenn die Schiiten-Miliz zerschlagen werden sollte, sei die Gefahr groß, dass eine ähnliche
Gruppe in Syrien, Ägypten, dem Irak oder Jordanien entstehen könnte, so der Monarch gegenüber der Nachrichtenagentur
AP.
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Freitag, 4. August 2006 11:16
Sozialkatholisch: @turk
Nur mit Hilfe der Syrer konnte der blutige Bürgerkrieg beendet werden. Sicherlich war am Verhalten der Syrer als Besatzerstaat nicht alles O.K., aber es war Frieden. Wenn im zerrissenenLibanon nach diesem Krieg wieder ei Burgerkrieg ausbrechen sollte werden die Syrer wohl nicht wieder für Frieden sorgen.
Freitag, 4. August 2006 00:48
turk: Syrischer Beschützer?
Im Text heißt es: „syrische Beschützer“ – das aber sahen und empfanden einige Libanesen anders.
Donnerstag, 3. August 2006 22:03
blueberry: Jo und der Mann
will also Jude sein!?!
Und ich bin Kaiser Augustus und der Prophet Mohammed in einer Person!
Damit hier mal was interessantes steht: In Saudi Arabien ist seit neuestem Fotografieren in der Öffentlichkeit erlaubt!
Krasses Pferd oder?
Und ich bin Kaiser Augustus und der Prophet Mohammed in einer Person!
Damit hier mal was interessantes steht: In Saudi Arabien ist seit neuestem Fotografieren in der Öffentlichkeit erlaubt!
Krasses Pferd oder?
Donnerstag, 3. August 2006 21:31
franco.felice: Giuseppe: „Keine noch so schlimme barbarische Menschenrechtsverletzung
von Seiten des aggressiven Staates Israel …“
Ma Giuseppe „… in quest’ rullio ti senti la patria maestà.“
Ist ja gut Giuseppe. Aber übertreib mal nicht!
Cordialmente
Franco
Ma Giuseppe „… in quest’ rullio ti senti la patria maestà.“
Ist ja gut Giuseppe. Aber übertreib mal nicht!
Cordialmente
Franco
Donnerstag, 3. August 2006 18:37
Gerhard: Narrenfreiheit
Das „große Vorbild“ Bush hat ja gezeigt und zeigt immer wieder, wie man „Politik“ zu machen hat! Mit Waffengewalt auf die Bevölkerung los – ohne Rücksicht auf die Folgen! Ob einer Christ, Muslim oder Jude ist, spielt da keine Rolle! Brutalität und Gewalt werden wieder verherrlicht!
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