Klerus
Zwei Priester im Frontalangriff
Ihre Enttäuschung über den gegenwärtigen Kurs der Katholischen Kirche haben zwei Priester der Erzdiözese Melbourne (Südaustralien) gegen die Bischöfe zum Ausdruck gebracht. Die Kirchenführung sei „diktatorisch“, „wirklichkeitsfremd“ und „erbarmungslos“.
(kreuz.net, Melbourne) Nach einem Bericht der in Melbourne erscheinenden Tageszeitung „The Age“ haben zwei Priester der dortigen Erzdiözese gegen die Bischöfe Australiens und vor allem gegen ihren ehemaligen Vorgesetzten, Kardinal George Pell (63) von Sydney, losgelegt. Kardinal Pell war früher Erzbischof in Melbourne.

Pfarrer Len Thomas und Pfarrer Peter Foley meinten in einer heute veröffentlichten Stellungnahme, daß die Kirche an Herz und Verstand an der gegenwärtigen Rückkehr hinter das Zweite Vatikanische Konzil leide.

Insbesondere Kardinal George Pell, der Erzbischof von Sydney, habe die Haltung des „Wenn ihr nicht mit uns seid, seid ihr gegen uns“, meinte der 68 jährige Foley. In seinem Alter brauche er sich vor den Repressalien der Bischöfe nicht mehr zu fürchten: „Dies ist ein Schrei aus meinem Herzen. Ich möchte nicht einfach in die Zeitungen kommen. Ich habe 42 Jahre für diese Diözese gearbeitet.“

Insbesondere kritisierten die zwei Priester das neu eingerichtete diözesane „Amt für Evangelisation“, dessen Ziel es ist, die Zahl der Kirchengänger zu erhöhen. Dieses Amt werde unter den Priestern mit „Mißtrauen“ gesehen und diene vor allem der Beschwichtigung des Vatikans.

Pfarrer Thomas sagte, daß die Menschen und die Bischöfe die Kirchenleitung mit der Kirche verwechselten: „Aber die Kirche ist das Volk, das an den Gottesdiensten teilnimmt, und das wir bei Beerdigungen und Hochzeiten erreichen.“

Die Priester beschwerten sich auch über Zentralismus und Kontrolle, die in der Erzdiözese Melbourne und weltweit herrschten, sowie über den Mangel an Dialog. Ein Abgrund existiere zwischen der diözesanen und vatikanischen Bürokratie auf der einen und dem Volk und den Priestern auf der anderen Seite: „Mitgefühl und Vielfalt leiden, wenn Priester kalte und stumpfe Anweisungen erhalten, in denen es üblicherweise um die Liturgie geht.“ Pastorale Perspektiven fehlten.

Der Herausgeber der Homepage „OnlineCatholics“, auf welcher die Stellungnahme der Priester heute publiziert wurde, meinte dazu: „Das Kirchenrecht sagt, daß die Priester das volle Recht besitzen, den Hirten ihre Anliegen vorzubringen.“
      
3 Lesermeinungen
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#3   Dolfus   21:07:47 | Mittwoch, 22. Dezember 2004
@FioreGraz
„Dorn im Fleisch der Traditionalisten“ – Du sagst es richtig! Das ist ein dehnbarer Begriff. Fest steht, daß er gegen die wichtigste Enzyklika Papst Pauls VI. opponiert hat, zusammen mit der westdeutschen Bischofskonferenz. Der Papst soll Berichten zufolge darüber sehr erbost gewesen sein. „Humanae vitae“ hat Paul VI. nach bestem Gewissen und gegen alle Menschenfurcht abgefaßt – dann sind ihm die BRD- und Österreich-Bischöfe in den Rücken gefallen. König war der österreichische Anführer schlechthin. Außerdem hat er die ÖVP in ihrem parlamentarischen Kampf gegen die Kinderabtreibung im Regen stehen gelassen, und sich von Kreisky übers Ohr hauen lassen. Ein richtiger „Brückenbauer“ halt, die gab’s auch in der NS-Zeit zur Genüge unter den deutschen Bischöfen. König hätte bereits da vorzüglich als brückenbauender Cardinal voller Führungsstörke hineingepaßt.
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#2   FioreGraz   11:50:05 | Mittwoch, 22. Dezember 2004
Amenmärchen
@Dolfuß
Das ist ne Legende mit der „gewisse Kreise“ Königs Andenken und ERbe in eine Richtung drängen wollen. Er war nunmal ein Dorn im Fleisch der Traditionalisten.
LG
Fiore
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#1   Dolfus   09:52:21 | Mittwoch, 22. Dezember 2004
Österreichs letzte „moralische Autorität“
Österreichs letzter Kirchendictator war der hochwürdigste Herr Cardinal Eminenz Franz König. Er war respectiert von Volk, allen Parteien, insbesondere den Roten und den Schurzträgern, und sein Wort hatte Gewicht. Wer nicht gehorchte, war draußen. Die Bischöfe Krenn, Eder und Groer hätten von ihm was lernen können.
Das Image, dank P.R.-Maschinerie war aber anders, Krenn galt als „the dictator“, während König als der „König der Herzen“ gefeiert wurde.
Königs offen liegender Leichnam soll übrigens binnen eines Tages sich dunkel gefärbt haben. Orate pro eum!
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