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Samstag, 5. August 2006 17:43
Kein Machwerk der Beliebigkeit
Im Zusammenhang mit einer DVD-Großaktion zur Erlernung der Alten Messe, veröffentlichte die Piusbruderschaft fünf Stellungnahmen jüngerer Diözesanpriester, die diesen uralten Ritus zelebrieren.
Alte Messe in der Kapelle der Piusbruderschaft in der Stadt Taunton im Südwesten von England
Alte Messe in der Kapelle der Piusbruderschaft in der Stadt Taunton im Südwesten von England
Quelle für die brachen Äcker der Kirche

„Ein Jahr nach meiner Priesterweihe begann ich, privatim die überlieferte Liturgie zu zelebrieren. Die Feier der Römischen Messe eröffnete mir nicht allein den eigentlichen Zugang zur Wahrheit des Meßopfers, sondern auch zur Größe des katholischen Priestertums.

Seit ich sie regelmäßig feiere, offenbart sich mir das Königtum Christi, der Geist der Kirche aller Zeiten, die Kraftquelle der Märtyrer und aller Heiligen.

Ich bete, daß diese reine Quelle endlich wieder frei fließen kann, um die brachen Äcker der Kirche neu zu befruchten! – Die heilige Therese vom Kinde Jesus schreibt, die Kirche habe ein vor Liebe brennendes Herz, und sie erkannte, „daß die Liebe allein die Glieder der Kirche in Tätigkeit setzt, und würde die Liebe erlöschen, so würden die Apostel das Evangelium nicht mehr verkünden, die Märtyrer sich weigern, ihr Blut zu vergießen…“

Dieses liebende Herz ist das Opfer des Altares, und seit man es unterdrückt, zeigen sich genau die Folgen, die die kleine Heilige voraussah: alle Glieder der Kirche sind gelähmt, die Wahrheit wird nicht mehr gelehrt, der Opfergeist ist erloschen.“

Zentrum des Glaubenslebens

„Den «alten» Ritus habe ich erst richtig nach meiner Priesterweihe kennengelernt. Er ist nunmehr zum Zentrum meiner Spiritualiät und meines Glaubenslebens geworden, was die neue Messe so nie war.

Der Glaube hat sich gefestigt, auch deswegen weil ich den Glauben meiner Kindheit wiedererkannte. Dieser Ritus vermag den Priester zu tragen – die Bereitung beim Stufengebet, die Opferung, die greifbare Darstellung der Realpräsenz – und die Hingabe an den Herrn zu fördern.

Vor allem aber ist der klassische Ritus ein einziger Akt der Anbetung des dreifaltigen Gottes, die Ehrfurcht wird zur Antwort, die aus dem Herzen fließt.“

Alt und bewährt

„Durch sein hohes Alter und seine Bewährtheit gibt der alte Ritus eine große Sicherheit. Er folgt treu dem Gesetz der «Lex orandi – lex credendi» [Das Gesetz des Betens ist das Gesetz des Glaubens], hält dem Gläubigen wie dem Priester den gesamten katholischen Glauben vor Augen und belebt ihn.

Während die Texte im neuen Ritus immer wieder im Sinne der katholischen Überlieferung interpretiert werden müssen, begegnet sie uns hier in ihrer Reingestalt.

Der Glaube ist nicht nur in Worten und Texten, sondern auch in den unzähligen Riten und Gesten ausgedrückt, so daß nicht nur der kritische Verstand angesprochen ist, sondern der ganze Mensch – auch in seiner Tiefe und seinem Bedürfnis nach Gott.“

Kein Machwerk der Beliebigkeit, sondern der Ewigkeit

„Der altehrwürdige römisch-katholische Meßritus ist ein wundervolles Kunstwerk, das unseren Glauben in unüberbietbarer Weise ausdrückt. Dieser Meßritus ist kein Machwerk der Beliebigkeit, sondern der Wahrheit, nicht der Angepaßtheit, sondern der Ewigkeit.

Ich danke Gott aus ganzem Herzen, daß auch mein Priestertum darin seine Harmonie und seinen höchsten Ausdruck gefunden hat!“

Atmet Ehrfurcht, Anbetung und Heiligkeit

„Bei der «alten» Messe treten Priester und Volk vor Gottes Gegenwart im Tabernakel. Alle Gesten, alle Worte, alle Handlungen atmen Demut, Ehrfurcht, Anbetung und Heiligkeit.

Die Gläubigen empfangen den Leib des Herrn kniend und auf die Zunge. Selbst der Priester wagt es kaum, die Heilige Hostie zu berühren.

In der neuen Messe stehen sich Priester und Volk ständig gegenüber. Man hat den Eindruck, hier feiert die Gemeinde ein Mahl, bei dem Gott nur eine Nebenrolle spielt.“
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 80 Lesermeinungen:
Mittwoch, 9. August 2006 23:33
Jörg Guttenberger, Köln: Graf von Galen: VatII
Die geistliche Kraft der Kirche ist zwar größer, als die der Welt, wie Sie richtig schreiben, weil wie selbst von Kommunisten(!) zugegeben wurde, die Liebe der Christen die größte Kraft ist, die es überhaupt gibt, doch zum Glück wüßten das die Christen nicht. – Zugleich ist aber die Liebe auch am verletztlichsten!

Erinnern Sie sich noch an den Film „Das Schweigen“ und einen anderen Sexfilm der um 1964 herauskam, als es noch keine Veröffentlichung bzw. Inkraftsetzung von Konzilsbeschlüssen gab? Die „Frankfurter Schule“ unseligen Angedenkens, die als geistige Grundlage der 68er gilt, hat m. W. bereits kurz nach dem Krieg ihre zersetzenden Ideen veröffentlicht.

M. E., und da stimme ich Ihnen zu, sind die 68er Ideologien die Dornen, unter die die Saat des Konzils gefallen ist und die diese Saat „rechtzeitig“ so erstickt haben, daß heute die Früchte der Dornen mit denen des Konzils verwechselt werden, s. einen meiner früheren Beiträge.
Mittwoch, 9. August 2006 22:50
Graf von Galen: Wider VII, @ Guttenberger
Das bestreite ich. Ohne VII kein 68. VII hat zuerst die
Tradition verraten. Die Wirkung der Kirche auf die Welt
ist größer als die Wirkung der Welt auf die Kirche.
Sehr schön läßt sich dies ablesen an den sieben Sendschreiben i.d. Offenbarung des Johannes.
Mittwoch, 9. August 2006 22:40
„Den Kulturbruch der Folgejahre hätte die Kirche sowieso durchstehen müssen“ Diesen Satz sollten sich die Konzilsverächter (Pius-X-Brüder, Sedisvakantisten usw.) einmal Herzen nehmen!
Dienstag, 8. August 2006 11:30
stat crux: Gotthard und Guttenberger
Auch ich danke für die schönen Ergänzungen! Tatsächlich, die Eucharistie als Immerwährender Abendmahlssaal und Vorausklang des Himmlischen Hochzeitsmahles; am Abend vor Seinem Leiden ist kein Tropfen Blut getropft; die Erste Gegenwärtigsetzung des morgigen Geschehens war bereits „progressiv“. Auch die Liturgiereform wendet ihren Blick nach vorn, dem wiederkommenden Herrn entgegen und damit ist der Neuen Messordnung eine für das III. Jahrtausend taugliche Wende geglückt, wie auf allen 5 Kontinenten bestätigt wird. Gerade die vehemente Ablehnung seitens der Integralisten verdeutlicht im Rückblick den Ernst der Gefahr, in der die authentische Liturgie sich längst befand. Dank des Konzils wurde die größte aller Gefahren für die amtliche Liturgie abgewendet, ihre Verarmung zum leeren, lieblosen Ritual, das Ewigkeitsbezug nur noch darstellt, aber nicht lebt. Der „Einbruch“ der Praxis in manchen Ländern lässt unbequeme Schlüsse darauf zu, wie dünn das Eis längst war. Es war 1963 „höchste Zeit“ für Sacrosanctum Concilium (denn den Kulturbruch der Folgejahre hätte die Kirche sowieso durchstehen müssen). Wir stehen also am Anfang des „Erwachens der Seelen“, nicht am Ende der liturgischen Bewegung.
Montag, 7. August 2006 20:29
Herzlichen Dank für den schönen Text!
Montag, 7. August 2006 20:13
Gotthard: aus 1264
hier eine schöne Beschreibung aus dem Jahre 1264:
Als unser Herr und Heiland Jesus Christus ehe er die Welt verlassen und zu seinem Vater zurückkehren wollte, am Abende vor seinem leiden mit seinen Jüngern das Abendmahl genossen hatte, setzte er das allerheiligste, kostbarste Sakrament seines Leibes und Blutes ein, in welchem er uns seinen Leib zur Speise, und sein Blut zum Tranke gab. Denn sooft wir von diesem Brot essen und von diesem Kelch trinken, verkündigen wir den Tod des Herrn. Bei der Einsetzung dieses Geheimnisses sagte er zu seinen Jünger: „Tut dies zu meinem Gedächtnis,“ indem er ihnen zu erkennen geben wollte, dass das große und verehrungswürdige Sakrament, welches er eben eingesetzt, das vorzüglichste und bedeutendste Andenken seiner unendlichen Liebe gegen uns sei, ein bewunderungswürdiges, angenehmes, liebliches, süßes und über Alles kostbare Andenken, in welchem alle Gnadenbezeigungen erneuert, alle Wunder übertroffen sind, in welchen man alle Ergötzung, alles Liebliche und das sicherste Pfand des ewigen Lebens finden kann.
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