11:13:03 | Sonntag, 6. August 2006
Es gibt verschiedene Gründe, warum im Bistum Essen so viele Kirchen zugesperrt werden müssen.
(kreuz.net) Franz Kardinal Hengsbach († 1991) – der erste Bischof von Essen – wollte nicht daran glauben,
daß einmal weniger Menschen in die Kirchen kommen.
Das berichtete die ‘Westdeutsche Allgemeine Zeitung’
Mitte Juli.
Das Ruhrbistum befindet sich in einem gigantischen Umbauprozeß. Künftig werden 96 der 350
Kirchen außer Betrieb genommen.
Die 249 Pfarreien werden zu 43 Großpfarreien mit 6.500 bis 35.000 Gläubige
zusammengelegt.
Das Bistum begründet die Maßnahmen mit zurückgehenden Kirchensteuer-Einnahmen, weniger
Kirchenbesuchern, weniger Geburten und dem Priestermangel.
Doch im Bistum weiß man noch andere Gründe:
Hätte der erste Ruhrbischof Franz Kardinal Hengsbach nicht so viele neue Kirchen geweiht, wäre es heute
leichter für das Bistum.
Albert Kaussen (78) der unter Kardinal Hengsbach im Generalvikariat des Bistums
für die Planung zuständig war, lächelt:
Die Zahl der Katholiken
im Bistum Essen sank von 1,5 Millionen
bei der Gründung auf heute 950.000.
„Ja, Hengsbach war ein unverbesserlicher Optimist“ – sagt er vor
der ‘Westdeutschen Allgemeinen’.
Es habe schon damals Zahlen gegeben, welche die gegenwärtige Entwicklung
vorhergesagt hätten. Aber Planungen seien auch eine Frage der Mentalität.
So sei dem Ruhrbischof schon
in den 70er Jahren eine Statistik über die Entwicklung der Priesterzahlen auf zehn Jahre im voraus vorgelegt
worden.
Doch Mons. Hengsbach habe davon nicht viel wissen wollen. Er habe geglaubt, daß es eine Trendwende
geben werde.
Ähnlich sei es mit den neugebauten Kirchen gewesen.
Von den 350 Gotteshäusern des Bistums
Essen sind etwa fünfzig nach der Gründung des Bistums im Jahr 1958 entstanden. 47 Pfarrzentren wurden
neu errichtet.
Zur Gründung neuer Pfarreien hätten auch die Gläubigen gedrängt: „Die treibende Kraft
bei Neugründungen waren häufig die Katholiken. Das ging von unten nach oben zum Bischof, selten umgekehrt“ –
so Baldur Hermans, ehemaliger Dezernent für gesellschaftliche und weltkirchliche Aufgaben.
Pfarrgemeinderäte
hätten damals geglaubt, daß eine selbständig gewordene Filialkirche auch mehr Geld bekomme. Sinkende
Kirchensteuern seien noch kein Thema gewesen.
Heute gehen im Bistum Essen
noch 11,5 Prozent der Katholiken
regelmäßig in die Kirche. 1958 waren es 35,5 Prozent.
Doch Hinweise auf die erste Kohlekrise gab es
bereits ein Jahr vor der Bistumsgründung. Die Arbeitslosigkeit machte sich bemerkbar – auch die demographische
Entwicklung.
Die Zahl der Katholiken im Bistum Essen sank von 1,5 Millionen bei der Gründung auf heute
950.000.
Heute gehen gerade mal noch 11,5 Prozent der Katholiken regelmäßig in die Kirche. 1958 waren
es 35,5 Prozent.
Kardinal Hengsbach habe die zurückgehenden Zahlen der Kirchenbesucher nicht zur Kenntnis
nehmen wollen – so Albert Kaussen:
„Er kam ja aus dem Sauerland und dort war die Entwicklung anders als
hier im Schmelztiegel Ruhrgebiet. Hengsbach guckte in der Beziehung auf das Sauerland. Er war eben immer
Optimist.“
Bischof Felix Genn:
„Die Fiktion anhaltender Normalität hat lange vorgehalten, aber sie zerreißt.“
Zudem habe zur Gründungszeit ein besonderer Geist geweht. Bischof Hengsbach sei mit außerordentlichem
Elan nach Essen gekommen.
Die Gründung eines neuen Bistums in einer Industrieregion sei für die Kirche
eine große Herausforderung gewesen. Verbunden mit der Neugründung war eine neue Form der Seelsorge –
die Begleitung der Kumpel und Stahlarbeiter –, die es bis dahin europaweit nicht gab.
Damals habe man
auch gewollt, daß die nächste Kirche höchstens fünf Minuten weit entfernt sei.
Wo 2.000 oder 3.000
Katholiken wohnten, sollte auch eine Kirche stehen.
„Die Fiktion anhaltender Normalität hat lange vorgehalten,
aber sie zerreißt.“
Mit diesen Worten begründete der jetzige Ruhrbischof, Mons. Felix Genn, den Umbau.
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mathild 10:41:36 | Donnerstag, 16. November 2006
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Isidor 11:05:07 | Montag, 7. August 2006
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Adrian 10:17:12 | Montag, 7. August 2006
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Rocky 20:41:30 | Sonntag, 6. August 2006
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Adrian 15:14:47 | Sonntag, 6. August 2006