Erzbischof Milingo
Einige Hintergründe
Die Sektenbraut war dem Erzbischof seit seiner verunglückten Moon-Hochzeit im Jahre 2001 ständig auf den Fersen.
(kreuz.net) Die italienische Nachrichten- Webseite ‘imgpress’ veröffentlichte am Freitag den Artikel eines persönlichen Freundes des kürzlich wieder zur Moon-Sekte abgefallenen Erzbischofs, Mons. Emanuel Milingo (76).

Der Beitrag stammt von Alberto Giannino, dem Präsidenten der ‘Associazione docenti cattolici’ – Vereinigung katholischer Lehrer.

Giannino berichtet, daß Frau Maria Sung seit ihrer spektakulären Moon-Heirat mit dem Erzbischofs im Jahr 2001 nie von Mons. Milingo abgelassen habe.

So nahm Frau Sung zum Beispiel Wohnsitz in der Ortschaft Finocchio. Diese befindet sich nur zehn Kilometer von Zagarolo – bei Rom – entfernt, wo der Erzbischof bis zuletzt lebte.

In Afrika habe die Moon-Anhängerin sogar direkt neben der Schwester des Erzbischofs eine Unterkunft eingerichtet.

„Vor einigen Monaten sagte Milingo in einem Gespräch mit mir: »In dieser Kirche fühle ich mich eher toleriert als akzeptiert«“ – so Giannino.

Doch dann habe er von seiner Zukunft und von den Werken der Nächstenliebe gesprochen. Er habe gebeten, für ihn in Norditalien einen Sitz zu finden, um die Messe zu lesen und mit den Mitgliedern der von ihm gegründeten Gemeinschaft zusammenzusein.

Im Vatikan hätten sich vor allem der emeritierte Kurienkardinal Giovanni Cheli, der damalige Erzbischof Tarcisio Bertone und der Sekretär von Papst Johannes Paul II., Stanislaw Dziwisz, um Milingo gekümmert.

Feindlich gesinnt seien dem Erzbischof vor allem die Bischöfe und Kardinäle gewesen, die der italienischen Bewegung ‘Comunione e Liberazione’ nahestehen.

„Vergessen wir nicht, daß sehr viele Bischöfe Milingo nicht in ihrer Diözese wollten und ihm Schmerz und Leiden zugefügt haben.“

Der ehemalige Erzbischof von Mailand, Carlo Maria Kardinal Martini, habe es ihm nicht erlaubt, in seiner Erzdiözese die Messe zu lesen. Seine Gottesdienste würden die Gläubigen verwirren und zu einer „nicht mitgetragenen Pastoral“ führen.

Der ehemalige Erzpriester des Petersdoms, Virgilio Kardinal Noè, verbot ihm dort eine Taufe. Verbote gab es auch vom Erzbischof von Florenz, Ennio Kardinal Antonelli.

Bereits fünf Jahre vor Erreichen des Pensionsalters hätten die Kardinäle Giovanni-Battista Re und Angelo Sodano ihm sein Büro in der Kurie und seine römische Wohnung weggenommen.

„Milingo war als Bischof gezwungen, die Heilige Messe in Zelten oder Hotels zu zelebrieren.“

Es habe zwar auch Bischöfe gegeben – jene von Albenga, Brescia, Forlì und andere –, die dem Erzbischof mit Wohlwollen gegenüberstanden.

Der Bischof von Albenga – im Nordwesten Italiens – gewährte der Gemeinschaft von Mons. Milingo sogar ein Gebäude.

Insgesamt glaubt Giannino, daß der Boykott gegen Milingo der Grund seines Abfalls gewesen sei: „Ich habe die Nase voll, andere Bischöfe um Erlaubnis bitten zu müssen, damit ich die Messe lesen kann“ – sagte Mons. Milingo kürzlich zu Giannino.

Somit habe die Moon-Sekte einen sehr demotivierten Milingo angetroffen, der leicht zu bearbeiten gewesen sei.

Mons. Milingo habe ihm nach seinem ersten Absturz im Jahr 2004 gesagt, daß Sektengründer Moon sich gewünscht hätte, daß er sich um die verheirateten Priester kümmere.

Jetzt besteht nach Giannino die große Gefahr eines Schismas und der Entstehung einer afrikanischen Parallelkirche:

„Milingo könnte neue Bischöfe konsekrieren und sich um Afrika kümmern. Das ist eine konkrete und reale Sorge.“

Gegenwärtig befinde sich Milingo zusammen mit der Südkoreanerin Sung Ryan Saon (51) – genannt Maria – in den USA. Die Familie Sung sei mit dem Sektengründer befreundet und verdanke ihm viel.

Giannino berichtet, daß Frau Sung in Italien bereits mit Salvatore Grinillo (58) – einem Elektriker aus Neapel – verheiratet ist.

Erzbischof Milingo sei der Tradition, der Heiligen Schrift und dem Lehramt der Kirche treu gewesen. Er habe auch eine besondere Verehrung für den Heiligen Vater gehabt.

Er sei 1983 nach Rom gerufen worden, weil er mit seinem Heilungs- und Exorzismusdienst die Protestanten in Sambia gestört habe. Diese hätten den Apostolischen Nuntius davon überzeugt, den Erzbischof nach Rom zu versetzen.

Er sei ein Konservativer gewesen – immer gegen die Abtreibung, die Ehescheidung, die Homosexualität, das Konkubinat und die Priesterehe.

Trotzdem habe das päpstliche Umfeld es zustandegebracht, daß er zehn Jahre auf eine Privataudienz bei Papst Johannes Paul II. habe warten müssen.

Darum sei Milingos jüngste Entscheidung auch als Protest gegen jene Kardinäle und Bischöfe zu verstehen, die Leid über ihn gebracht hätten.
      
9 Lesermeinungen
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#9   Athanasius   10:55:01 | Freitag, 11. August 2006
@Unterem Beitrag
Tut mir Leid, aber wenn man das als Entschuldigung annimmt, hätte die ganze Pius X.-Bruderschaft zur Moon-Sekte abwandern können, nur weil sie von den Ortsbischöfen frustriert wurde. Zudem hat Milingo nicht erlaubte Exorzismen durchgeführt, das heißt: ohne das Römische Rituale zu verwenden. Er hat nach den Pfingstlermethoden gegriffen, ganz im Stil dieser ökumenistischen Zeit. In der Tat mag das die Dämonen gerade hervorgerufen haben gegen ihn selbst. Das Römische Rituále schützt únd vertreibt. Die Pfingstler vertreiben nur (zeitweise).
Milingo muß zurückkehren, aber anscheinend ist für ihn das Zölibatsgelübnis, wie für leider ganz viele einheimischen Priester aus Afrika, null und nichtig und wertlos. Auf ihm bauen kann die Kirche also nicht. Wenn man etwas verspricht muß man es entweder halten, oder im Extremfall die Laizierung erbitten. Nicht aber trotz Gelübnis die Ehe durchtreiben.
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#8   Evelin   12:01:42 | Mittwoch, 9. August 2006
Hintergründe zum Fall EB Milingo
Auf anderen Foren habe ich schon geschrieben, dass er mir sehr leid tut. Nach der Lektüre der Hintergründe (sie dienen mir als Erklärung, nicht als Rechtfertigung per se) verstehe ich seinen Weg auf menschlicher Ebene.
Interessant die Rolle von Fr. Dr. Sung, v. a. wenn sie schon verheiratet wäre (?). Noch interessanter die Interessen des Gründers der Moon-Sekte, sich in katholische Belange einzumischen. Was gehen ihn die verheirateten Priester an? Die haben ja sowieso ihre Vereine.
EB Milingo sei 1983 nach Rom gerufen worden, weil er mit seinem Heilungs- und Exorzismusdienst die Protestanten in Sambia gestört habe ? –-> das lässt auf einiges schließen, vor allem dass der Apost. Nuntius die Befehle von Protestanten befolgt. Das nächste Mal werde ich mich auch beschweren, wenn die Pfingstler in meiner Heimatstadt ihren „Befreiungsdienst“ ausführen.
Generell sind Exorzisten in ihrem Dienst gefährdeter als andere Priester/Bischöfe, weil sie den Zorn der Dämonen auf sich herabziehen. Dazu noch die persönlichen Verletzungen der lieben Mitbrüder.
Wenn jeder der geneigten Leser eine Novene für S. E. beten würde, dann würde sich alles zum Guten wenden.
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#7   AthanasiusII   17:06:08 | Dienstag, 8. August 2006
Dei Verbum? Lumen Gentium?
Sind das Affirmationen oder Infragestellungen? Deutliche Erklärungen oder doppeltzungige Dokumente? Die Geschichte hat es bereits erwiesen. Aus der 23. Session des Hl. Konzils von Trient ist nie so ein Unfug hervorgekommen wie aus Lumen gentium. Daß ich nicht lache, Otterbeck, Ihr Pro-Konziliarer Fanatismus ist lächerlich. Warum ist Selbstkritik gegen die „vorkonziliare“ Kirche völlig erlaubt (man denke an den skandalösen Aussagen JoPa II. zu den Kreuzzügen und den Muslimen), aber eine gewisse Kritik am Konzil nicht?
Wenn das keine Verunsicherung seitens der Konzilsfanatiker ist? Nicht umsonst griff man zu Exkommunikationen und Suspensionen um eigene theologische Bilder zu verteidigen. Wenn ein Burg steht, braucht er keine Verteidigung, wenn es aber nur eine Fassade auf Sand ist, dann muss man schießen, auch wenn man bemerkt, daß man den Berg hinunterrutscht samt dem Gebäude, wie es die „moderne“ Kirche heute tut in dieser magna apostasía die teilweise vom II. Vatikanum verursacht wurde und ganz von V2 akzelleriert wurde.
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#6   stat crux   12:20:13 | Dienstag, 8. August 2006
Ganz einfach.
Eine Ehe ist eine Ehe. Eine Frau ist eine Frau. Ein Priester ist ein Priester. Causa finita. Das solche Selbstverständlichkeiten überhaupt lehramtlich affirmiert werden müssen, zeigt doch die Tiefe der modernen Krise. Aber keine Sorge: Das Konzil hat die Antwort bereits gefunden: Dei Verbum, Lumen Gentium, Dignitatis humanae.
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#5   Athanasius   12:10:47 | Dienstag, 8. August 2006
Weil I a Gastwirt bin…
Haben Sie Belege, daß mit dem hl. Stuhl in voller gemeinschaft lebende Bischöfe Frauen geweiht haben?
Solche Bischöfe gibt es ja. Aber auch wieder nicht, denn man mag sich zwar ‘römisch-katholisch’ nennen, wie die meisten konziliaren Bischöfe immer noch tun, aber römisch-katholisch sein ist etwas anderes. Wie Joseph Ratzinger in der Einführung zu „Ad tuendam Fidei“ schrieb, ist jeder der die Frauenweihe macht oder befürwortet, wie jeder der die Gültigkeit der anglikanischen Weihen behauptet, „nicht mehr in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche.“
Die Bischöfe gibt es. Schauen Sie mal nach. Die ‘Bischöfinnen’ in den USA die unlängst auf internationalem Gewässer „Priesterinnen“ weihten, wie es in den Gewässern vor katholischen Ländern auch die femininistischen Abtreibungsärtztinnen machten vor einigen Jahren, gaben an, daß sie von römisch-katholischen (emeritierten) Bischöfen „geweiht“ wurden bis zum Episkopat. Oder soll ich zum „Episkopa“ sagen?
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#4   Gunsenum   09:57:56 | Dienstag, 8. August 2006
Kernsätze!
„In dieser Kirche fühle ich mich eher toleriert als akzeptiert“
Schlimm, wenn das nicht Vertreter von sogenannten „Randgruppen“ sagen, sondern ein Bischof (!) der sich in vielen Domänen für seine Kirche aufopferte.
„Milingo war als Bischof gezwungen, die Heilige Messe in Zelten oder Hotels zu zelebrieren.“
Wo bleibt der Aufschrei der KREUZNETFREAKS, die sich sonst über jedwede noch so kleine Unwürdigkeit an Meßfeiern stören? Wo bleibt EUER Aufschrei? Dazu schweigt man wohl lieber und verschanzt sich hinter ein paar lateinischen Versikeln!!
Er sei ein Konservativer gewesen – immer gegen die Abtreibung, die Ehescheidung, die Homosexualität, das Konkubinat und die Priesterehe.
Soso – und wo bleibt die Unterstützung der Kreuznetforumsschreiber? Haha! Das sind doch Eure Anliegen! Hallo!!! Stattdessen verurteilt jeder zweite Hardliner diesen Bischof, der Opfer einer wirklich monströsen Sekte geworden ist. Selbst große Heilige haben am Glauben gezweifelt oder sich zunächst Gott versagt! Das sollte zu denken geben…
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#3   Jörg Guttenberger, Köln   20:47:26 | Montag, 7. August 2006
Athanasius II: Bischöfinnen
Haben Sie Belege, daß mit dem hl. Stuhl in voller gemeinschaft lebende Bischöfe Frauen geweiht haben?
Ich habe mir gleich gedacht, daß der erneute Abgang Milingos auf Lieblosigkeiten seiner „Amts“-Brüder zurückgeht.
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#2   AthanasiusII   16:36:23 | Montag, 7. August 2006
@Ansgar
Ich glaube nur dabei ist der Unterschied da, daß Milingo keine Erlaubnis abbitten wird, und sich nicht wie Lefebvre auf die Knien werfen wird um einen Bischof zu bekommen. Dazu ist natürlich der theologische Weg ein ganz anderer, und die Situationen deswegen unvergleichbar. Dazu werde ich auch sagen, daß der Vatikan wohl auch nicht exkommunizieren wird. Man hat zu den ‘römisch-katholischen’ Bischöfen die heimlich Frauen zu ‘Bischöfinnen’ ‘weihten’ im vergangenen halben Jahr, und deren Namen, nämlich nicht einmal eine Untersuchung eingestellt.!
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#1   Ansgar   14:04:35 | Montag, 7. August 2006
Déjà vu
Ein merkwürdiger Erzbischof, der eigene Bischöfe weiht und sich von Rom abwendet… Kommt mir irgendwie bekannt vor.
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