11:16:30 | Montag, 7. August 2006
Die Sektenbraut war dem Erzbischof seit seiner verunglückten Moon-Hochzeit im Jahre 2001 ständig auf den Fersen.
(kreuz.net) Die italienische Nachrichten- Webseite ‘imgpress’ veröffentlichte am Freitag den Artikel
eines persönlichen Freundes des kürzlich wieder zur Moon-Sekte
abgefallenen Erzbischofs, Mons. Emanuel
Milingo (76).
Der Beitrag stammt von Alberto Giannino, dem Präsidenten der ‘Associazione docenti cattolici’ –
Vereinigung katholischer Lehrer.
Giannino berichtet, daß Frau Maria Sung seit ihrer spektakulären Moon-Heirat
mit dem Erzbischofs im Jahr 2001 nie von Mons. Milingo abgelassen habe.
So nahm Frau Sung zum Beispiel
Wohnsitz in der Ortschaft Finocchio. Diese befindet sich nur zehn Kilometer von Zagarolo – bei Rom – entfernt,
wo der Erzbischof bis zuletzt lebte.
In Afrika habe die Moon-Anhängerin sogar direkt neben der Schwester
des Erzbischofs eine Unterkunft eingerichtet.
„Vor einigen Monaten sagte Milingo in einem Gespräch mit
mir: »In dieser Kirche fühle ich mich eher toleriert als akzeptiert«“ – so Giannino.
Doch dann habe
er von seiner Zukunft und von den Werken der Nächstenliebe gesprochen. Er habe gebeten, für ihn in Norditalien
einen Sitz zu finden, um die Messe zu lesen und mit den Mitgliedern der von ihm gegründeten Gemeinschaft
zusammenzusein.
Im Vatikan hätten sich vor allem der emeritierte Kurienkardinal Giovanni Cheli, der
damalige Erzbischof Tarcisio Bertone und der Sekretär von Papst Johannes Paul II., Stanislaw Dziwisz,
um Milingo gekümmert.
Feindlich gesinnt seien dem Erzbischof vor allem die Bischöfe und Kardinäle
gewesen, die der italienischen Bewegung ‘Comunione e Liberazione’ nahestehen.
„Vergessen wir nicht, daß
sehr viele Bischöfe Milingo nicht in ihrer Diözese wollten und ihm Schmerz und Leiden zugefügt haben.“
Der ehemalige Erzbischof von Mailand, Carlo Maria Kardinal Martini, habe es ihm nicht erlaubt, in seiner
Erzdiözese die Messe zu lesen. Seine Gottesdienste würden die Gläubigen verwirren und zu einer „nicht
mitgetragenen Pastoral“ führen.
Der ehemalige Erzpriester des Petersdoms, Virgilio Kardinal Noè, verbot
ihm dort eine Taufe. Verbote gab es auch vom Erzbischof von Florenz, Ennio Kardinal Antonelli.
Bereits
fünf Jahre vor Erreichen des Pensionsalters hätten die Kardinäle Giovanni-Battista Re und Angelo Sodano
ihm sein Büro in der Kurie und seine römische Wohnung weggenommen.
„Milingo war als Bischof gezwungen,
die Heilige Messe in Zelten oder Hotels zu zelebrieren.“
Es habe zwar auch Bischöfe gegeben – jene von
Albenga, Brescia, Forlì und andere –, die dem Erzbischof mit Wohlwollen gegenüberstanden.
Der Bischof
von Albenga – im Nordwesten Italiens – gewährte der Gemeinschaft von Mons. Milingo sogar ein Gebäude.
Insgesamt glaubt Giannino, daß der Boykott gegen Milingo der Grund seines Abfalls gewesen sei: „Ich
habe die Nase voll, andere Bischöfe um Erlaubnis bitten zu müssen, damit ich die Messe lesen kann“ –
sagte Mons. Milingo kürzlich zu Giannino.
Somit habe die Moon-Sekte einen sehr demotivierten Milingo
angetroffen, der leicht zu bearbeiten gewesen sei.
Mons. Milingo habe ihm nach seinem ersten Absturz
im Jahr 2004 gesagt, daß Sektengründer Moon sich gewünscht hätte, daß er sich um die verheirateten
Priester kümmere.
Jetzt besteht nach Giannino die große Gefahr eines Schismas und der Entstehung einer
afrikanischen Parallelkirche:
„Milingo könnte neue Bischöfe konsekrieren und sich um Afrika kümmern.
Das ist eine konkrete und reale Sorge.“
Gegenwärtig befinde sich Milingo zusammen mit der Südkoreanerin
Sung Ryan Saon (51) – genannt Maria – in den USA. Die Familie Sung sei mit dem Sektengründer befreundet
und verdanke ihm viel.
Giannino berichtet, daß Frau Sung in Italien bereits mit Salvatore Grinillo (58) –
einem Elektriker aus Neapel – verheiratet ist.
Erzbischof Milingo sei der Tradition, der Heiligen Schrift
und dem Lehramt der Kirche treu gewesen. Er habe auch eine besondere Verehrung für den Heiligen Vater
gehabt.
Er sei 1983 nach Rom gerufen worden, weil er mit seinem Heilungs- und Exorzismusdienst die Protestanten
in Sambia gestört habe. Diese hätten den Apostolischen Nuntius davon überzeugt, den Erzbischof nach
Rom zu versetzen.
Er sei ein Konservativer gewesen – immer gegen die Abtreibung, die Ehescheidung, die
Homosexualität, das Konkubinat und die Priesterehe.
Trotzdem habe das päpstliche Umfeld es zustandegebracht,
daß er zehn Jahre auf eine Privataudienz bei Papst Johannes Paul II. habe warten müssen.
Darum sei
Milingos jüngste Entscheidung auch als Protest gegen jene Kardinäle und Bischöfe zu verstehen, die
Leid über ihn gebracht hätten.
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