13:46:26 | Montag, 7. August 2006
Ein Vertreter der Priesterbruderschaft St. Pius X. sprach in einem Interview von einer unglaublichen „Selbstzerstörung der Liturgie“.
(kreuz.net) Jüngst äußerte sich Pater Niklaus Pfluger – der zukünftige erste Generalassistent der
Piusbruderschaft – in einem Interview.
Pater Pfluger, der noch Distriktsoberer von Deutschland ist, sprach
mit der deutschen Monatszeitung ‘Kirchliche Umschau’, die der Piusbruderschaft nahesteht.
Er bestätigte
dabei, daß Pater Franz Schmidberger
als nächster Distriktsoberer für Deutschland bestimmt ist.
In
der Piusbruderschaft würden Ämter offiziell jeweils am 15. August gewechselt.
Die erste öffentliche
Amtshandlung des neuen Distriktsoberen wird die
Wallfahrt der Piusbruderschaft nach Fulda Anfang September
sein.
Der erste Generalassistent erklärt, daß die Piusbruderschaft sich um Kontakte mit dem Diözesanklerus
bemühe.
Schon in seiner Zeit als Regens im Priesterseminar von Zaizkofen habe Pater Schmidberger einen
viermal jährlich erscheinenden Rundbrief an Freunde im Priesteramt herausgegeben.
Es gebe auch Treffen
für die Priesterfreunde aus dem Diözesanklerus. Das nächste finde im Herbst in Norddeutschland statt.
Solche Kontakte habe es auch in den 70er und frühen 80er Jahren gegeben: „Aber dabei standen oft nostalgische
und klerikale Motive im Vordergrund.“
Jetzt zeige sich etwas Neues: „In letzter Zeit mehren sich in auffallender
Weise die Anfragen von Mitbrüdern, die Sehnsucht nach der alten Liturgie haben, obwohl sie diese in ihrer
Jugend nie erlebt haben.“
Dieses Interesse beunruhige die Bischöfe und ältere Priester, „die immer
noch vom Konzil überzeugt sind“. Das sei gut so.
Pater Pfluger erklärt, daß das Erlernen der Alten
Messe schwierig sei. Die uralten Riten müßten zum Habitus werden und verlangten den vollständigen Gehorsam
und große Ehrfurcht gegenüber den weisen Anordnungen der Kirche.
Für die jüngere Priestergeneration
sei der überlieferte Ritus Neuland.
Papst Vigilius († 555)
spricht in einem Brief an den Metropoliten der
portugiesischen Stadt Braga vom Römischen Kanon, „den wir durch Gottes Güte aus apostolischer Tradition
empfangen haben“.
Hw. Pfluger gibt zu bedenken, daß in diesem Jahr Priester geweiht werden, die in den
80er Jahren geboren wurden, und daß die Priester, die noch im alten Ritus geweiht wurden, in die Jahre
kommen:
„Wir haben bei der Weitergabe des klassischen Ritus an die nächste Priestergeneration ein Loch
von vierzig Jahren. Leider sind das vierzig Jahre einer unglaublichen »Selbstzerstörung der Liturgie«.“
Pater Pfluger erklärt, diesen Ausdruck der
Autobiographie des früheren Kardinal Ratzinger entlehnt
zu haben.
Der Generalassistent sprach im Interview auch über die Bezeichnung „tridentinische Messe“.
Der Ausdruck sei irreführend.
Im Anschluß an das Konzil von Trient (1545-1563) sei kein neuer Meßordo
geschaffen worden.
Pater Pfluger zitiert das Buch ‘Die Reform der römischen Liturgie’ des Liturgiewissenschaftlers,
Mons. Klaus Gamber.
Mons. Gaber hat nachgewiesen, daß das Missale von Papst Pius V. († 1572), der die
Tridentinischen Reformdekrete umsetzte, nichts anderes ist, als das schon Jahrhunderte zuvor in Rom entstandene
und von den Franziskanern in weiten Teilen des Abendlandes eingeführte Kurien-Missale.
Die Veränderungen,
die von Pius V. an diesem Meßbuch vorgenommen wurden, seien so gering, daß sie nur dem Fachmann auffielen:
„Vielmehr war der Meßkanon, bis auf kleine Änderungen unter Gregor I. († 604), bereits unter Gelasius
I. († 496) in der bis jetzt gültigen Form ausgebildet.“
Es sei sogar wahrscheinlich, daß die Alte Messe
auf die apostolische Tradition zurückgeht.
Mons. Gamber zitiert Papst Innozenz I. († 417). Dieser setzte
in einem Brief an den Bischof der mittelitalienischen Stadt Gubbio die apostolische Tradition des überlieferten
Ritus als allgemein bekannt voraus.
Innozenz I. schreibt über den Römischen Meßritus: „Wer nämlich
weiß nicht, … daß das, was
vom Apostelfürsten Petrus der römischen Kirche überliefert worden ist
und bis heute behütet wurde, von allen bewahrt werden muß…?“
Auch Papst Vigilius († 555) spricht
in einem Brief an den Metropoliten der portugiesischen Stadt Braga vom Meßkanon, „den wir durch Gottes
Güte aus apostolischer Tradition empfangen haben“.
Beim Alten Ritus handle es sich also – so Pater Pfluger –
um eine unvordenkliche Tradition der Kirche, die so alt sei, wie sie selber: „Es ist unfaßbar, daß man
ihn durch die Neue Meßordnung quasi zerstört hat.“
Der Generalassistent zitiert einen Diözesanpriester:
„Ich bin der letzte aus meinem Weihejahrgang. Alle anderen haben geheiratet. Jetzt sehe ich: Es geht nicht
mehr mit dem Neuen Meßritus.“
Im Interview sprach Pater Pfluger auch über die
DVD-Großaktion der Bruderschaft
zur Erlernung der Alten Messe.
Die Filmaufnahmen seien in drei Tagen am Hochaltar einer Pfarrkirche entstanden:
„Der Pfarrer war so freundlich – und mutig –, seine Kirche zur Verfügung zu stellen.“
Die Piusbruderschaft
und viele Priester in Deutschland seien ihm dafür dankbar.
Der Film mit 170 Minuten Laufzeit sei anschließend
in ungefähr 300stündiger Nachbearbeitung fertig geworden.
Weiter erklärte Pater Pfluger im Interview,
daß die Priesterbruderschaft die deutschen Bischöfe aufgefordert habe, die Rechtmäßigkeit des überlieferten
Ritus anzuerkennen.
Es sei momentan in Deutschland unmöglich, eine offizielle Seelsorgsstelle zu erhalten,
wenn man nur den alten Meßritus lesen oder der Mundkommunion treubleiben wolle.
Dieses Unrecht könne
nicht weiter hingenommen werden, vor allem weil es ansonsten nichts gebe, was in der Kirche verboten wäre:
Disko-Messen, Homo-Gottesdienste, selbstgebastelte Hochgebete mit veränderten Wandlungsworten.
„Bei
nicht wenigen Hirten scheint es nur noch eine schwere Sünde zu geben – die alte Messe beziehungsweise
die Rückkehr zur Tradition.“
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