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Donnerstag, 10. August 2006 15:59
Standesamt in der Kirche?
In Bochum hegt die Oberbürgermeisterin interessante Pläne für eine leerstehende Kirche, für die es allerdings immer noch einen von ihr selber nicht abgelehnten Abrißantrag gibt.
Säulenkapitelle in der Bochumer Marienkirche
Säulenkapitelle in der Bochumer Marienkirche
(kreuz.net, Bochum) In der leerstehenden Marienkirche in Bochum-Mitte könnte das Standesamt einziehen.

Das erklärte die Oberbürgermeisterin von Bochum, Ottilie Scholz, Anfang August in einem Interview mit der ‘Westdeutschen Allgemeinen Zeitung’.

Bochum befindet sich im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen. Die dortige neugotische Marienkirche ist seit Jahren vom Abriß bedroht.

Doch jetzt gibt es eine gute Nachricht: „Abriß ist kein Thema mehr“ – sagte die Oberbürgermeisterin vor der ‘Westdeutschen Allgemeinen’.

Man spreche gerade über eine Nutzung des benachbarten Platzes mit Wohnungen und mit einer Markthalle, mit Spezialitäten aus ganz Europa: „Ich fände das toll“ – so die Oberbürgermeisterin:

„In der Marienkirche könnte das Standesamt einziehen. Ich will dazu Kontakte mit der Fachhochschule aufnehmen, an der dazu interessante Konzepte entwickelt wurden.“

Weniger optimistisch zeigte sich dagegen der Vorstand des Fördervereines Pro Marienkirche Bochum-Mitte in einer Stellungnahme.

Frau Dr. Scholz sei von Amtes wegen in der Lage, die Marienkirche sofort unter Denkmalschutz zu setzen. Doch bislang habe sie sich um diesen Entscheid gedrückt.

„Mit Schönrederei ist nicht geholfen. Es müssen Taten folgen. Gegenwärtig liegen mehrere sehr interessante Umnutzungsvorschläge vor. Auch wir haben ein Umnutzungskonzept vorgestellt“ – so der Förderverein.

Solange die Kirche nicht unter Denkmalschutz stehe, sei ihre Zukunft unsicher.

„Andere stark zerstörte Kirchen Bochums – zum Beispiel die Herz-Jesu Kirche in Bochum-Hamme –, die nach dem Krieg stark verändert wiederaufgebaut wurde, sind von der Oberbürgermeisterin erst im letzten Jahr unter Denkmalschutz gestellt worden.“

Einige der geschützten Kirchen – wie die St. Anna-Kirche – seien in einem schlechten Zustand – ganz im Gegensatz zur noch vollkommen intakten Marienkirche.

„Von der obersten Denkmalbehörde – dem Ministerium in Düsseldorf – wurde uns schriftlich mitgeteilt, daß es einen Gleichheitsgrundsatz zur Unterschutzstellung gibt.“

Doch dieser Gleichheitsgrundsatz werde von Frau Dr. Ottilie Scholz – der Chefin der unteren Denkmalbehörde der Stadt Bochum – im Fall der Marienkirche nicht beachtet.

Warum die bedeutende Marienkirche, die auf einem attraktiven Filetgrundstück steht, immer noch nicht auf der städtischen Denkmalliste stehe, sei für jeden interessierten Bürger vollkommen durchsichtig, so der Vorstand des Fördervereines.

Auch die 1.500 Unterschriften von Bochumer Bürgern, die eine Unterschutzstellung der Marienkirche gefordert haben, wolle die Oberbürgermeisterin nicht persönlich und in Verbindung mit einer Medienaktion der örtlichen Presse entgegennehmen.

Der Förderverein ‘Pro Marienkirche’ fürchtet darum, daß eine Unterbringung des Standesamtes in die Marienkirche nur eine Übergangslösung sein könnte.

Das Rathaus habe dafür schönere Räume – so Hans-Otto Forth von der FDP in einer Stellungnahme vor der ‘Westdeutschen Allgemeinen Zeitung’ vom 6. August.

„Der Abrißantrag wurde von der Propsteigemeinde und von Propst Hermann-Josef Bittern immer noch nicht zurückgezogen“ – so der Förderverein.

„Solange die Oberbürgermeisterin die Kirche nicht unter Schutz stellt, ist der Abriß dieses für die Geschichte Bochums bedeutenden Bauwerks nicht vom Tisch.“
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 12 Lesermeinungen:
Donnerstag, 17. August 2006 11:57
Maledica: Mammon
Das Bistum wird wohl das Geld für das Grundstück der Marienkirche brauchen, um die Essener Jugend“kirche“ zu finanzieren, denn dieses Gehampel wird Millionen Euros vollgepumpt, damit die Kirche noch säkularer wird!!!
Samstag, 12. August 2006 16:56
ExBochumer †: @ Bernardin
Wat jammers du denn hier rum?

Is doch toll, wenn es auch ein standesamtliches Büro in einem säkularisierten Kirchenraum gibt.

Übrigens: Anfragen an die zuständige Pfarrei hat die Gemeindereferentin abgefangen und dem zuständigen Priester vorenthalten. Jedenfalls habe ich vor rund 1 1/2 Jahren auf Anfragen meinerseits von der Propsteigemeinde keine Antwort erhalten.

Danke, ihr weltlichen Herrschaften der Propstei St. Peter und Paul in Bochum. Schön, dass ihr nunmehr auch in den BoGeStra-Kreisen Aufnahme findet mit eurem Kirchenraum.

ExBo
Freitag, 11. August 2006 22:15
Bernardin †: Isidor und ExBochumer
Klaget nicht – weinet über euch und eure Haltung! Was haben Sie getan, damit die Kirche von Bochum lebendig ist, lebendig bleibt??? Sie können die Kirche aus Stein abreissen (und etliche Kirchen in Bochum sind leer!!!) , nicht aber die Kirche aus lebendigen Steinen!!! Was sind Sie für komische Typen? Klageweiber!
Freitag, 11. August 2006 14:10
ExBochumer †: Nun denn, nur zu …
Bochum hat ja auch schon eine „Museumsstrassenbahn“, in der für 70 EUR die Trauung vollzogen werden kann.

Allerdings darf diese Tram aus rechtlichen Gründen während der Zeremonie nur vor dem Betriebsgebäude der BoGeStra stehen bleiben.

Das „Standesamt“ ist somit nicht nur auf einen Standort beschränkt.
Freitag, 11. August 2006 10:52
Isidor: Hier geht es um die Kirchenrettung – die mit Augenwischerei durchgeführt werden soll
Wenn Frau OB Dr. Ottilie Scholz wirklich an einer Rettung des bedeutenden Bauwerks interessiert wäre – so stände die Kirche in der Denkmalliste der Stadt Bochum. So aber ist sie nach wie vor – einfach dem Abriss preisgegeben. Frau Dr. Scholz ist übrigens sehr gut befreundet mit dem Abriss- Propst Hermann Josef Bittern, der jetzt in den Ruhestand geht, aber einen tollen neuen Nachfolger bekommt.
Da scheint es offensichtlich Zusammenhänge zu geben.
Raumverträgliche Umnutzungsvorschläge liegen zahlreich vor – werden von der „Kirche und vom Bistum“ negiert.
Abriss ist also primärer Faktor, der wegen dem Filetgrundstück verfolgt wird.
DIE KIRCHE ZERSTÖRT SICH SELBST – betet alos Confratres!
Donnerstag, 10. August 2006 20:53
Bernardin †: Kirche und Ehe
Ich dachte immer, die EHE sei wichtig! Jetzt soll also eine Kirche, die als Kirche am falschen Ort steht, weil die Menschen die City verlassen, nicht würdig sein, dass in ihr Menschen vor dem Standesbeamten das Ja-Wort sprechen? Komisch!
Ich finde die Idee der Frau Oberbürgermeisterin genial!
Oder soll die Kirche als Aldi-Markt oder als Teppich-Bazzar dienen?
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