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Mittwoch, 16. August 2006 09:31
Die Affen hingen von der Decke
„Kirche ist dort, wo ich meinen Koffer aufmache“ – erklärte ein katholischer Schaustellerpriester anläßlich einer Messe in Fulda.
Sogenannte Clowngottesdienste fassen auch im deutschsprachigen Raum Fuß
Sogenannte Clowngottesdienste fassen auch im deutschsprachigen Raum Fuß
(kreuz.net, Fulda) Der Altar war von zwei hölzernen Zirkuspferden eingerahmt.

Das berichtete die ‘Fuldaer Zeitung’ am 31. Juli 2006.

Das Kirchenschiff bestand aus einem Festzelt, von dessen Decke Affen aus Plüsch herunterhingen. An der vorderen Wand sah man – sozusagen als Altarbild – Bilder von Clowns.

Das war der Rahmen für die erste katholische Messe auf einem Fuldaer Schützen- und Volksfest. Sie fand auf der Fuldaer Ochsenwiese statt.

Die Karussellbetreiber, die nicht an der Zeltmesse teilnehmen wollten, stellen draußen auf dem Platz immerhin die Putzarbeiten ein.

„Für Sie ist es hier ein ungewöhnlicher Ort für eine Sonntagsmesse“ begrüßte Hw. Martin Fuchs (46) die 200 Anwesenden.

Es sei dennoch selbstverständlich, daß Gottes Wort auch am Schützenfest verkündet werde.

Hw. Fuchs stammt aus der Oberpfalz und ist Leiter der Katholischen Circus- und Schaustellerseelsorge in Deutschland.

Die Ochsenwiese, die während des Fuldaer Schützenfestes von morgens bis spät in der Nacht nicht zur Ruhe kommt, hielt eine Stunde lang inne – so die ‘Fuldaer Zeitung’.

Unter den Meßteilnehmern waren Schausteller, Schützen und Angehörige der Fuldaer Pfarrei St. Josef. Diese befindet sich nur wenige Schritte von der Ochsenwiese entfernt.

Auch andere Innenstadtpfarreien wie St. Blasius und die Dompfarrei sind nur wenige Gehminuten vom Festplatz entfernt und bequem zu Fuß zu erreichen.

Es gebe eine innere Verbindung zwischen der Kirche und den Volksfesten, die oft kirchlichen Ursprungs seien, erklärt der Priester während der Messe.

Das Tagesevangelium von der Speisung der 5000 sei ein wunderbares Evangelium für die erste katholische Messe auf einem Fuldaer Schützen- und Volksfest, beginnt Hw. Fuchs seine Predigt.

Auch zu Jesus seien viele Menschen gekommen, um sich aufbauen zu lassen.

„Aber leider läßt der Wille nach, sich auf die Fülle und die Freude des Lebens einzulassen und sich faszinieren zu lassen. Viele Menschen sehen nur noch nach dem, was ihnen nützt“ – klagte der Prediger.

Darunter litten Kirche und Schausteller, bei allen Unterschieden, gemeinsam.

Nach der Messe wird der Priester gefragt, ob es ihm nicht widerstrebe, in einem Festzelt, in dem sonst gelärmt und getrunken werde, eine Heilige Messe zu feiern.

Da sehe man das Festzelt zu negativ, erwidert Hw. Fuchs.

Im Zelt kämen die Menschen zum Essen und Trinken zusammen. Diese Gemeinschaft sei positiv.

Bei den Benediktinern gehört das gemeinsame Mahl nach Hw. Fuchs angeblich sogar zur Gebetszeit.

Die Schausteller besäßen kein eigenes Gotteshaus: „Kirche ist dort, wo ich meinen Koffer aufmache“ – so der Priester.

Der Zirkuspriester ist optimistisch, daß der Gottesdienst zur festen Größe des Fuldaer Schützenfestes wird:

„Das Bistum sieht Messen im Freien generell mit Vorbehalten, aber vielleicht können wir ja heute eine neue Tradition begründen.“

Man kann davon ausgehen, daß diese Gottesdienstveranstaltung nächstes Jahr wiederholt wird.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 39 Lesermeinungen:
Sonntag, 20. August 2006 16:43
Brigitte Bussmann: Die Affen hingen…
ich kann Gerhard nur bestätigen. Die Kirche muss zum Menschen, und wenn Amtsvertreter der Kirche das nicht verstehen wollen und immer noch warten, dass irgend jemand aus der „Herde“ zu ihnen kommt, werden sie lange warten müssen. Und ich kann nur sagen, es treten noch mehr Menschen aus der Kirche aus.
Jesus hat es vorgelebt, er ist immer wieder auf die Menschen zugegangen und zwar genau dort, wo die Menschen lebten. Und genau das müssen unsere Amtsvertreter tun.
Und was noch sehr wichtig war, er hat ihre Fragen beantwortet und genau hier hapert es. Warum eigentlich?
Angst, Unvermögen, Unwissen der Theologen???
Samstag, 19. August 2006 15:21
Gerhard: Kirche und Mensch
„Wo die Menschen nicht mehr zur Kirche kommen, da soll die Kirche zum Menschen kommen“- so habe ich mal gehört. In Fulda ist das geschehen!
Freitag, 18. August 2006 08:47
Brigitte Bussmann: Die Affen hingen…
Lieber Herr Stromberg,
danke für den Hinweis. Hier habe ich mich vertippt. Natürlich sollte es nicht Schauspieler heißen, obwohl so manche Menschen der Kirche auch gute Schauspieler hätten werden können. Denken wir dabei nur an unseren verstorbenen Papst Johannes Paul II. Ich will damit aber jetzt nicht sagen, dass er es als Papst nicht ehrlich meinte.

Und nochmals grundsätzlich, diese Messe ist schon in Ordnung, auch wenn sie für manche Menschen nicht nachvollziehbar ist. Das sehe ich ja auch ein.
Aber ich kann mich nur ständig wiederholen, es geht doch um die Intention, die hinter diesem Gottesdienst steht und die ist den Auftrag Jesu Christi zu erfüllen, „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ Vielfach wird es auch noch anders übersetzt „um an mich zu denken“ usw.
Der biblische Jesus war es doch, der sich gegen die jüdischen Gesetze und die dazugehörige Hörigkeit gewendet hat und mit der Geistlichkeit seiner Zeit in Dauerklinch lag.
Und was macht die Kirche, die sich auf Jesus Christus beruft heute, sie ist schon wieder gesetzeshörig und hat sich seit Konstantin immer mehr von dem abgewandt, was Jesus Christus wollte und was Paulus betonte als er von der Freiheit der Kinder Gottes sprach.
Und wenn wir alle das Hauptgebot beachten würden:
Liebe Gott… , aber ein zweites ist diesem gleich, liebe deinen Nächsten wie dich selbst brauchten wir keine kirchlichen Gesetze mehr.
Donnerstag, 17. August 2006 16:20
Hyazinth: typischer
Fall von Pisa, kein Textverständnis.
Donnerstag, 17. August 2006 15:59
Benedikt: @ Hyazinth
Ihre Ausführungen bestätigen lediglich meine Prämisse, dass es sich um ein Ausbildungsproblem handelt.
Donnerstag, 17. August 2006 15:43
Hyazinth: Benedikt
Da sprechen sie mir aus der Seele. Da die meisten Priester heutzutage auch Messen in Bierzelten feiern, ist das ein großes Problem, weil so gut wie alle Gessinungs-Genossen dieses Priesters sind. ÜBERASCHENDERWEISSE kommt das bei fast allen Novus Ordo Priestern vor, die auch bei Novus-Ordo-Priestern ihre „Liturgie“-Ausbildung genossen haben. Kommts langsam, hä?
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