Die überraschende Landkarte der Hexenjagd
Der Hexenwahn war dort am ausgeprägtesten, wo die politische Zentralmacht und die Katholische Kirche am schwächsten waren. Von Jenny Gibbons.

Darum vermuteten einige Historiker einen Zusammenhang zwischen dem Katharertum und der Hexerei. Sie glaubten, daß die Hexen letzte Überbleibsel eines dualistischen Glaubens waren.
Doch wenn die von Lamothe-Langon gefälschten Hexenprozesse einmal wegfallen, verschiebt sich das Zentrum der frühesten Hexenjagden in das Gebiet der heutigen Schweiz und nach Norditalien – weit weg vom Land der Katharer.
Wenn man alle Prozesse auf einer Landkarte auflistet, zeigen sich andere überraschende Gesetzmäßigkeiten.
1. Zunächst fällt auf, daß die Hexenprozesse sehr sporadisch auftraten.
Die Verteilung der Hexenjagden war in Europa sehr unterschiedlich. Sie ging von 26.000 Toten in Deutschland zu einem Tiefstand von vier Toten in Irland.
Das Buch von Robin Briggs „Witches and Neighbors“ – Hexen und Nachbarn – gibt eine gute Vorstellung vom Ausmaß der Willkür der Prozesse. Das Buch enthält drei Landkarten, welche die Verteilung der Hexenprozesse über Europa, Deutschland und die französische Provinz Lothringen zeigt, die Briggs eingehend studiert hat.
Die Karten zeigen, daß einige der schwersten Verfolgungen – wie zum Beispiel die Panikausbrüche in Würzburg, Deutschland – in der Nähe von Gebieten stattfanden, in denen es praktisch überhaupt keine Hexenprozesse gab.
2. Die Prozesse waren auf Zentraleuropa konzentriert: Deutschland, Schweiz und Ostfrankreich. Je weiter man sich von diesem Gebiet entfernt, desto tiefer wird im allgemeinen die Anzahl der Verfolgungen.
3. Der Höhepunkt der Verfolgungen fand während der Reformation statt, als die bisher geeinte Kirche in katholische und protestantische Gruppen zerfiel.
In Ländern wie Italien und Spanien, wo die Katholische Kirche und die Inquisition praktisch unangefochten regierten, waren Hexenjagden ungewöhnlich. Die schlimmsten Panikausbrüche fanden in Gebieten wie der Schweiz oder Deutschland statt, wo rivalisierende christliche Gruppen darum kämpften, einander ihre religiösen Ansichten aufzuzwingen.
4. Panikausbrüche konzentrierten sich auf Grenzgebiete. In Frankreich ereigneten sich zum Beispiel die schlimmsten Fälle von Hexenwahn in den Randgebieten auf der spanischen und östlichen Seite.
In Italien fanden die schlimmsten Verfolgungen in den nördlichen Regionen statt.
Der einzige Fall von Hexenwahn in Spanien wird aus dem Baskenland in der Nähe der französisch-spanischen Grenze berichtet.
5. Obwohl es üblich geworden ist, sich die Ausbrüche von Hexenjagden als üble Pogrome vorzustellen, die von bösartigen Eliten befohlen wurden, ereigneten sich die schlimmsten Vorfälle dort, wo die Zentralmacht zusammengebrochen war.
Deutschland und die Schweiz waren zusammengeflickte Landgebiete, lockere Föderationen, die aus Dutzenden von unabhängigen politischen Einheiten zusammengeflickt waren.
England, das eine starke Regierung besaß, erlebte wenige Hexenjagden. Der einzige Vorfall im Land fand während des englischen Bürgerkrieges statt, als die Macht der Regierung zusammenbrach.
Eine starke, geeinte Nationalkirche – wie in Spanien und Italien – besaß ebenfalls die Tendenz, die Todesfälle auf ein Minimum zu reduzieren.
Nicht immer verlangsamten starke Regierung die Hexenjagd, wie das Beispiel von König James von Schottland beweist. Aber die schlimmsten Paniken brachen eindeutig dort aus, wo Kirche und Staat schwach waren.
Jenny Gibbons, die Autorin des Beitrages studierte Mittelalterliche Geschichte und ist Anhängerin eines modernen Hexenkultes.
Nächstes Mal: Wer verurteilte die Hexen?
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
4. Die überraschende Landkarte der Hexenjagd
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Donnerstag, 17. August 2006 15:52
Laurentius2: @Benedikt und Athanasius
Vielen Dank Euch beiden !
Donnerstag, 10. August 2006 18:47
obelix †: eben ein echter Gläubiger der fest zu seinem Glauben steht!
Aloah: Sulpicius:>>… unsägliche „babylon“ gesperrt. Ein Geschichtsklitterer par excellence. Das hat
er wohl von seinem großen Vorbild Deschner…<<
…
Nein…, der große „Deschnerologe“…?
…
Der ist überzeugt, wenn auch nur von seinem Wahn!
…
Nein…, der große „Deschnerologe“…?
…
Der ist überzeugt, wenn auch nur von seinem Wahn!
Donnerstag, 10. August 2006 15:46
Aloah: Sulpicius:
>>… unsägliche „babylon“ gesperrt. Ein Geschichtsklitterer par excellence. Das hat er wohl von seinem
großen Vorbild Deschner…<<
Nein…, der große „Deschnerologe“…?
Wetten der steht morgen als Feuerbach, Nitzsche o. Schnädelbach wieder auf der Matte.
Der ist überzeugt, wenn auch nur von seinem Wahn!
Nein…, der große „Deschnerologe“…?
Wetten der steht morgen als Feuerbach, Nitzsche o. Schnädelbach wieder auf der Matte.
Der ist überzeugt, wenn auch nur von seinem Wahn!
Donnerstag, 10. August 2006 15:35
Benedikt: @ Laurentius
Für den Fall, dass Sie auch im Reallife nach dem Heiligen benannt wurden, wünsche ich Ihnen alles Gute zum Namenstag.
Donnerstag, 10. August 2006 11:43
Athanasius: @Laurentius
Dann kommt es mir sinnvoller vor, Dir einen Link zu einer BBC-Aussendung zu übergeben, das den Mythos
der gewalttätigen Spanischen Inquisition, auch bezüglich der Hexenverfolgung, explodiert.
Sehr interessant, normalerweise ist die BBC eher anti-katholisch und antispanisch in gutenglischer Tradition.
Der Mythos der Spanischen Inquisition. Endlich die Wahrheit. (Bitte Quellenseite ignorieren.)
Sehr interessant, normalerweise ist die BBC eher anti-katholisch und antispanisch in gutenglischer Tradition.
Der Mythos der Spanischen Inquisition. Endlich die Wahrheit. (Bitte Quellenseite ignorieren.)
Donnerstag, 10. August 2006 11:24
Dr. Christoph Heger: „Hexenbulle“
Sulpicius:
Endlich ist dieser… unsägliche „babylon“ gesperrt
Wirklich kein Verlust.
Zu der hier angeführten „Hexenbulle“ Innozenz VIII. Diesen Floh hat dem Papst Heinrich Institoris, der Autor des unsäglichen „Hexenhammers“ („Malleus maleficarum“), in den Pelz gesetzt. Institoris war allerdings ein Betrüger, der den daran völlig unschuldigen Professor Sprenger zum Mitautoren machte, um von dessen gutem Ruf zu profitieren.
Institoris war auch der eigentliche Verfasser der „Hexenbulle“. Trotzdem muß man natürlich dem Papst den Vorwurf machen, sie ausgefertigt zu haben. Allerdings ist der Inhalt der Bulle nicht gerade sehr belastend:
Der Papst Innocenz ermächtigt die beiden in Deutschland tätigen Inquisitoren Heinrich Institoris und Jacob Sprenger, gegen die Zauberer und Hexen gerichtlich vorzugehen. Er erklärt den Widerstand, den dieselben seither in Kreisen von Klerikern und Laien gefunden haben, für unberechtigt, da diese Verbrecher in die Kompetenz der Inquisition fallen, und beauftragt den Bischof von Straßburg, die den Inquisitoren etwa entgegengesetzten Hindernisse durch die Verhängung kirchlicher Zensuren zu beseitigen.
Diese Bulle kann man also noch nicht für die einige Jahrzehnte später erfolgenden Exzesse verantwortlich machen, da sie die entscheidende juristische Erleichterung der Verfolgung noch nicht enthält: die Umkehrung der Unschuldsvermutung in eine Schuldvermutung bei den sog. „geheimen Verbrechen“.
MfG
Christoph Heger
Endlich ist dieser… unsägliche „babylon“ gesperrt
Wirklich kein Verlust.
Zu der hier angeführten „Hexenbulle“ Innozenz VIII. Diesen Floh hat dem Papst Heinrich Institoris, der Autor des unsäglichen „Hexenhammers“ („Malleus maleficarum“), in den Pelz gesetzt. Institoris war allerdings ein Betrüger, der den daran völlig unschuldigen Professor Sprenger zum Mitautoren machte, um von dessen gutem Ruf zu profitieren.
Institoris war auch der eigentliche Verfasser der „Hexenbulle“. Trotzdem muß man natürlich dem Papst den Vorwurf machen, sie ausgefertigt zu haben. Allerdings ist der Inhalt der Bulle nicht gerade sehr belastend:
Der Papst Innocenz ermächtigt die beiden in Deutschland tätigen Inquisitoren Heinrich Institoris und Jacob Sprenger, gegen die Zauberer und Hexen gerichtlich vorzugehen. Er erklärt den Widerstand, den dieselben seither in Kreisen von Klerikern und Laien gefunden haben, für unberechtigt, da diese Verbrecher in die Kompetenz der Inquisition fallen, und beauftragt den Bischof von Straßburg, die den Inquisitoren etwa entgegengesetzten Hindernisse durch die Verhängung kirchlicher Zensuren zu beseitigen.
Diese Bulle kann man also noch nicht für die einige Jahrzehnte später erfolgenden Exzesse verantwortlich machen, da sie die entscheidende juristische Erleichterung der Verfolgung noch nicht enthält: die Umkehrung der Unschuldsvermutung in eine Schuldvermutung bei den sog. „geheimen Verbrechen“.
MfG
Christoph Heger
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