Wenn das so weiter geht, wird vom Libanon nichts übrigbleiben
Israels blinde Gewalt hat im Libanon bereits 900 Menschen umgebracht und weitere 3.000 verletzt. Von Pater Samir Khalil SJ, Beirut/Rom.

Die Menschen marschierten auf den Straßen und zwangen die syrischen Truppen, das Land nach einer 30jährigen Besatzung zu verlassen.
Heute, erlebt das libanesische Volk erneut den Alptraum eines Krieges. Die Enttäuschung ist gewaltig. Wut und sogar Haß sind viel größer als damals.
Eine sehr gute christliche Frau, die mit Politik nichts am Hut hat, schrieb mir und drückte ihre Wut auf Israel aus.
Zwar ist sie eine eiserne Gegnerin der Hisbollah. Doch angesichts der Flucht von einer Million Libanesen und der Zerfetzung der Kommunikationswege ist ihr Haß gegen den neuen Angreifer ins Grenzenlose gewachsen.
In knappen Worten schrieb sie mir, was sie über die Situation denkt: „Wegen zweier Geiseln hat Israel den ganzen Libanon in Geiselhaft genommen.“
Ein anderer Bekannter sagte mir: „Statt seine wirklichen Feinde – den Iran und Syrien – anzugreifen, zog es Israel vor, ein unschuldiges und friedliches Land zu zerstören, weil es schwach ist.“
Schon der Soldat, der von Hamas in Gaza entführt wurde, diente Israel als Vorwand, um den Gaza-Streifen zu bombardieren, zu demolieren und zu zerstören.
Im Namen von Sicherheit und Überleben scheint Israel bereit zu sein, alles zur Verfügung stehende auf seine Nachbarn zu schleudern, um sie zu zerstören. Das geschieht mit dem Rückhalt der mächtigsten Staaten dieser Welt.
Ich würde persönlich meine ganze Kraft dazu aufwenden, um für Israels Sicherheit zu kämpfen.
Aber ich frage mich: Braucht Israel diese Art von Sicherheit? Oder verdienen seine palästinensischen, libanesischen und syrischen Nachbarn nicht genausoviel Sicherheit?
In drei Wochen wurde fast ein Viertel der libanesischen Bevölkerung zur Flucht gezwungen. Während des ganzen Bürgerkrieges geschah nichts in dieser Größenordnung.
Israels extreme und blinde Gewalt hat bereits 900 Menschen umgebracht und weitere 3.000 verletzt, während das Land selber 64 Tote – 24 von ihnen Zivilisten, viele davon Araber, erlitt.
Wenn man sagt, daß Israels Reaktion unverhältnismäßig ist, dann handelt es sich um eine einfache Feststellung der Tatsachen, nicht um einen emotionalen Ausbruch.
Der israelische Premierminister Ehud Olmert hat erklärt: „Wir wollen den Hisbollah-Terrorismus ausrotten.“ Aber war es notwendig, ein ganzes Land zu zerstören, um an die Hisbollah heranzukommen?
War es notwendig, alle Verkehrsadern des Landes, die Brücken, den kürzlich renovierten Internationalen Flughafen von Beirut, die Autobahn nach Syrien, das Kraftwerk, drei Häfen, eine Milchfabrik usw. zu zerstören, nur weil die Hisbollah diese vielleicht benützt hätten?
Wenn das so weitergeht, wird vom Libanon nichts übrigbleiben!
Mehr zur Sache: Wie kann der Terrorismus ausgerottet werden?
Die Erfahrung der letzten fünf Jahre hat gezeigt, daß der Kampf gegen den Terrorismus nicht nur mit militärischen Mitteln geführt werden kann.
Im Gegenteil. Mit der illegalen Invasion des Irak wurde der Terrorismus verbreitet und zur Blüte gebracht.
Die Wurzeln des Terrorismus sind nicht militärischer, sondern ideologischer, kultureller und manchmal spiritueller Art. Diese Wurzeln müssen ausgerottet werden.
Der in Kairo geborene Jesuitenpater und Islamkritiker Samir Khalil (70) ist Professor an den Jesuitenuniversitäten St. Joseph in Beirut und Pontificio Istituto Orientale in Rom. Sein Beitrag zum Überfall auf den Libanon wurde zuerst von der Nachrichtenagentur ‘AsiaNews’ veröffentlicht.
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Donnerstag, 10. August 2006 10:15
FioreGraz: @ruhgebietler
Ist die Wahl der Mittel das Richtmaß?
Ja nämlich ein maß der Verhältnismässigkeit. Wenn jemand bei dir Einbricht kannst du ihn nicht auch einfach erschiesen ohne in eine Notwehrasituation zu gelangen die das erfordert.
LG
Fiore
Ja nämlich ein maß der Verhältnismässigkeit. Wenn jemand bei dir Einbricht kannst du ihn nicht auch einfach erschiesen ohne in eine Notwehrasituation zu gelangen die das erfordert.
LG
Fiore
Donnerstag, 10. August 2006 07:23
r.ruhrgebietler: Wahl der Mittel
wer provoziert muss damit rechnen, das der provozierte reagiert! Wenn mir in meinen Räumen einer etwas stiehlt, werfe ich ihn auch raus. Oder verfolge ihn, bis das gestohlene wieder da ist. Was macht Isreal anders? Ist die Wahl der Mittel das Richtmaß? DARÜBER könnte man in der Tat streiten!
Mittwoch, 9. August 2006 20:52
Rodolfo Panetta: Keinerlei Verhältnismäßigkeit
Israel und die USA reagieren übermäßig auf jede Provokation. Dadurch werden sie selbst zur größten Provokation auf dieser Erde.
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