Legionäre Christi
Ein offener Brief
Erneut hat ein ehemaliger Priester der Legionäre Christi behauptet, als Jugendlicher von Pater Marcial Maciel mißbraucht worden zu sein.
(kreuz.net) Francisco Gonzalez-Parga war zwanzig Jahre als Seminarist und Priester Mitglied der Legionäre Christi.

Am 6. Juli – dem 40. Jahrestag seiner Priesterweihe – veröffentlichte er in der mexikanischen Tageszeitung ‘El Informador’ einen Offenen Brief.

Gonzalez-Parga wurde am 6. Juli 1966 von Papst Paul VI. im Petersdom zum Priester geweiht.

Die Legionäre vertrauten ihm verschiedene Aufgaben an. So war er für die Neueintretenden – Postulanten – in Spanien zuständig. Er arbeitete als stellvertretender Novizenmeister in Irland, als Studienpräfekt für das römische Kolleg der Kongregation sowie an der vatikanischen Bischofskongregation.

Schließlich verließ Gonzales-Parga die Ordengemeinschaft und das Priestertum. Der Grund waren Probleme körperlicher und psychischer Natur.

In dem Brief erklärt der Ex-Priester, von Pater Maciel als Jugendlicher „auf trügerische Art und vorsätzlich“ sexuell mißbraucht worden zu sein.

Noch heute leide er an den Schäden, die er durch die Übergriffe des Ordensgründers erlitten habe.

„Aber das ist nur meine Geschichte. Was ist mit den hundert oder mehr Fällen, die dem Heiligen Stuhl unter Eid berichtet wurden? Ich habe Pater Maciel vergeben und hoffe, daß ihn Gott erleuchtet und ihm hilft, die Schwere seiner Sünde zu erkennen, die er gegen seine jugendlichen Opfer und deren Familien, gegen die Gemeinschaft und gegen die Legionäre Christi, die der Kongregation im guten Glauben treu geblieben sind, begangen hat.“

Was Gonzalez-Parga Anfang Juli an die Öffentlichkeit weitergab, dürfte dem Vatikan nicht neu gewesen sein.

Der Ex-Priester war einer der angeblichen Mißbrauchsopfer, die Anfang April 2005 von der Glaubenskongregation angehört wurden.

Er klage Pater Maciel öffentlich an, weil es so viele gäbe, welche die Wahrheit nicht akzeptieren wollten und „die Wahrheit durch Ungerechtigkeit“ behinderten.

Papst Benedikt XVI. hätte den drastischen Schritt, Pater Maciel von allen öffentlichen Funktionen zu suspendieren, nicht gesetzt, wären nicht genügend Beweise gegen den Ordensgründer vorgelegen – so der Ex-Priester in seinem Brief.

Trotz der Unehre, welche die Maßnahme der Kirche, der Person von Johannes Paul II., der Person des gegenwärtigen Papstes sowie der Glaubwürdigkeit der Legionäre Christi und der Bewegung Regnum Christi einbringen könne, habe sich Benedikt XVI. zu dieser Maßnahme entschlossen.

Auch wirtschaftliche, politische und soziale Vorteile, welche die Legionäre Christi und die Vereinigung Regnum Christi dem Heiligen Stuhl einbrächten, sollten in diesem Zusammenhang bedacht werden – so der Briefschreiber.

Gonzalez-Parga glaubt, daß diese Vorteile der Grund sind, warum Pater Maciels für seine Vergehen so milde bestraft wurde.
      
10 Lesermeinungen
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#10   Alfredo Ottaviani   14:52:11 | Freitag, 11. August 2006
Ich meinte eigentlich…
… wenn man triftige Beweise für seine Schuld hat, so soll er angeklagt und ein Prozess geführt werden, der mit einem vollstreckbaren Urteil endet.
… wenn man keine triftigen Beweise hat, so soll man schweigen und nicht den guten Ruf von P. Maciel durch haltlose Rede- und Schreibereien ruinieren. Dann hat er das Recht auf seinen guten Ruf!!!
Entweder Prozess (bei Schuld) oder schweigen (bei Unschuld)! :-@
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#9   Abu   11:12:36 | Freitag, 11. August 2006
@ Athanasius & turk
Ich bin nicht für Vertuschen.
Ich bin auch nicht für Barmherzigkeit gegen Wahrheit.
Nur: Aus der Verlautbarung des Hl. Stuhls geht für mich nicht hervor, ob denn nun wirklich irgend etwas bewiesen ist. Es kommt mir eher so vor, als würde man sagen: Die Staatsanwaltschaft meint, Beweise zu haben. Wir könnten das Verfahren eröffnen. Aber der Angeklagte ist zu alt. Ganz sauber ist er nicht. Also büße er.
Es ist schon teils richtig, was Sie sagen Athanasius. Aber tatsächlich büßt Maciel ja auch. Aber für was genau, weiß nur er. Für uns ist er erst dann ein Schänder oder Homo oder was weiß ich, wenn es bewiesen ist. Dazu wird es wohl nicht mehr kommen.
Also bleibt mir nicht mehr die Frage, was eigentlich sein müßte, oder ob ein Sowieso nicht sowieso verdingst gehört, sondern: Wie ist die Situation jetzt? Was kommt unterm Strich dabei raus?
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#8   Athanasius   22:46:57 | Donnerstag, 10. August 2006
@ABu.
P. Maciel war von der Kindergeneration der Verfolgung, nicht ein Geistlicher unter dieser Verfolgung.
„Heute ist sie vor allem barmherzig.“
Kinder- und Burschenschändern gegenüber muß man nicht barmherzig sondern militant gegenüber stehen. Wenn Maciel schuldig ist, muß er büßen auch im hohen Alter.
Wenn eine Klage gegen den Gründer die ganzen Legionäre Christi auflösen oder kaputtmachen würde, bedeutet das, daß die LC einen zu starken Personality Cult betrieben haben.
Man erkennt den Baum an seinen Früchten.
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#7   turk   22:33:11 | Donnerstag, 10. August 2006
Nein, Vertuschen ist nicht mehr moeglich
Abu, Ihre Fragestellung ist falsch. Zur Rückgewinnung und Wahrung der Glaubwürdigkeit kirchlicher Verkündigung ist es nicht mehr möglich, in altem Stil alle möglichen Skandale zu vertuschen. Die Wahrheitsfindung muß daher immer Basis welcher disziplinär-barmherzigen Entscheidung auch immer sein. Darauf haben alle ein Recht, auf diese Wahrheitsfindung. Es ist daher ein Unsinn, im Sinne der Möchtegern-Vertuscher zu formulieren: „Wir werden es nie wissen.“
Der Heilige Stuhl hat doch klar gehandelt, und zwar so, daß auch klar wurde, daß wir es im wesentlichen „wissen“ dürfen, weil es Rom untersucht und erkannt hat: www.kreuz.net/article.3228.html
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#6   Abu   17:03:28 | Donnerstag, 10. August 2006
Was ist besser?
Ich empfinde die Geschichte um den Gründer der Legionäre als verstörend. Ein Mann, der aus der Katholikenverfolgung in Mexiko kommt und einen so zukunftsträchtigen Orden gründet und aufbaut –- und nun das.
Ist es besser, sicher zu sein, ob diese Geschichten wahr sind, oder ist die jetzige Situation besser? Vielleicht letztere. Sie enthält noch einen letzten Schimmer des Zweifels, ob es wirklich so war. Ein Urteil wäre eindeutig, für viele entlastend, aber die LC könnte das kaputtmachen.
Die ausgesagt haben, wissen das. Sagt das etwas über ihre Motivation? Wer kennt diese Leute? Was machen sie heute? Haben sie nur die LC verlassen oder auch die Kirche? Gingen sie im Streit? Kennen die sich?
Man sagt, Nazi-Verbrecher würden auch noch mit 100 angeklagt. Ja, aber doch weil sie Massenmörder, Kriegsverbrecher sind! Welche Vergehen justitiabler Art lastet man P.Maciel denn genau an? Wie alt waren die Burschen? War Gewalt im Spiel, Erpressung, Drogen oder war es einfach seine Autorität, vielleicht Schliche, wie der Autor schreibt?
Wir werden es nie wissen. Denn wenn es zuginge wie in der Welt (und wenn die Vorwürfe nach deren Maßstäben nicht verjährt sind), dann würde keine einfache Aussage an Eides statt genügen, dann würde man verhören: über Wochen immer wieder dieselben Fragen stellen, immer wieder Details abrufen, bis man weiß, ob einer lügt.
Die Kirche hat einmal die Wahrheitsfindung in die Rechtspraxis eingeführt (Inquisition), heute ist sie vor allem barmherzig.
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#5   virOblationis   13:31:15 | Donnerstag, 10. August 2006
Zustimmung und Vorschlag
Schlimm genug, wenn die belastenden Aussagen seit so langer Zeit vorliegen, doch jetzt sollte man den greisen Gründer der Legionäre wirklich nicht mehr vor Gericht stellen, sondern ihm Gelegenheit geben, sich darauf vorzubereiten, daß er bald vor einem höheren Richter wird Rechenschaft ablegen müssen. – Insofern finde ich das Vorgehen Roms sehr weise.
Wenn man Verfehlungen solcher Art verfolgen will, gibt es gewiß genügend Kandidaten, deren Alter weniger Anlaß zur Schonung gibt.
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#4   Pünktchen   11:42:59 | Donnerstag, 10. August 2006
Ottaviani I u. II
Man muß im gegebenen Fall schon von einer gewollten Prozeßverschleppung, bzw. -verhinderung sprechen, die inzwischen durch den Gesundheitszustand des Beschuldigten nachträglich den Schein einer Rechtfertigung erhält. (Die eidesstattlichen Erklärungen vieler Zeugen liegen ja nicht seit Jahren, sonern seit Jahrzehnten vor!) Hand auf’s Herz: Das Ganze ist kein Ruhmesblatt für die Kirche!
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#3   Athanasius   11:36:34 | Donnerstag, 10. August 2006
@Ottaviani
Ein „guter Pater“ ist P. Maciel (geweiht 1941) wohl kaum, wenn diese Klagen alle wahr sind. Und Prozesse werden auch heute noch (etwa in den Niederlanden) gegen deutsche Offiziere oder ausländische Waffen-SS-Freiwillige geführt in Altern von 80 bis 100 Jahren.
Ich kann dem Briefschreiber zustimmen, daß es oft Mitglieder und Gläubige gibt die nicht zugeben wollen, daß diese schwersten sexuellen Angriffe überhaupt stattgefunden haben können.
Ich bin froh, daß der hl. Stuhl jetzt eingreift.
Ich bin sehr beruhigt, daß ich mehrfach hautnah Skandale in der FSSPX habe behandelt sehen worden. Die FSSPX hat etwa in Bordeaux, nachdem einer ihrer Priester eine junge Frau sexuell berührt und quasi-intimidiert hatte, selbst die Anklage unterstützt mit Beweisen und völliger Mitwirkung am zivilen Gerecht. Keine Verhüllung und Nebelwerfer. Das gleiche bei dem Fall des Ertrinkens eines Jungens auf einem Segellager an der Atlantikküste. Glücklicherweise sind mir aus der römisch-katholischen Traditionsbewegung keine Mißbrauchsfälle von Jungen und Minderjährigen bekannt, zumindest nicht aus FSSPX, FSSP, ICKSP. In den USA gab es das von der Diozöse Scranton verursachte Skandal, daß ein wegen Seminarhomosexualität aus der FSSPX vertriebener Priester (hochintellektuell) es schaffte mit einigen anderen Priestern eine neue Ecclesia Dei Gemeinschaft zu gründen (Society of St. John). Die FSSPX hatte jeden gewarnt vor Homosexualität und Angriffe auf Jungs. Er missbrauchte aber dennoch, als Diözesanpr
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#2   ottaviani   11:01:42 | Donnerstag, 10. August 2006
ich vermute
das der gute Pater bereits so gebrechlich ist das er einen Prozeß nicht durchstehen würde wenn er während des verfahrens stirbt wird er für gewisse kreise zum „matyrer“
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#1   Alfredo Ottaviani   10:49:23 | Donnerstag, 10. August 2006
Ich kann den Heiligen Stuhl nicht verstehen!
Wenn der Gründer der Legionäre Christi schuldig ist bzw. deutliche Beweise für eine Schuld vorliegen, so muss man im Vatikan ein Verfahren gegen ihn eröffnen, das die Schuld oder auch die Unschuld eindeutig beweist. Ihn nur zu bitten (wenn auch dringend) nicht mehr öffentlich aufzutreten und die schweren Schuldvorwürfe im Raum schweben zu lassen ist eine klare Ungerechtigkeit den Opfern und auch dem Beklagten gegenüber.
Lieber Heiliger Vater,
lass Taten sprechen!!! Erweise seine Schuld und bestrafe ihn oder stelle seine Unschuld fest und sprich ihn von allen Vorwürfen frei!!!
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