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Freitag, 11. August 2006 15:44
Internationale Besorgnis statt konkrete Taten
Es gibt einen qualitativen Unterschied zwischen der Provokation der Hisbollah und einem Krieg, der mit Kampfflugzeugen, Kanonenbooten und Tanks geführt wird. Von Pater Samir Khalil SJ, Beirut/Rom.
Friedensdemonstration am 30 Juli in Schottland: "Heute wurden 27 Kinder von den neuen US- Bomben getötet - unterschrieben von Kindern aus Israel"
Friedensdemonstration am 30 Juli in Schottland: „Heute wurden 27 Kinder von den neuen US- Bomben getötet – unterschrieben von Kindern aus Israel“
(kreuz.net) Die internationale Gemeinschaft hat immer erklärt, daß sie sich um das Schicksal des Libanon sorgt. Aber was bedeutet das? In der Politik zählen Taten.

Gegenwärtig scheint der UNO- und EU-Vorschlag, eine internationale Truppe zu schicken, um einen Waffenstillstand zu garantieren, am sinnvollsten. Aber ich fürchte, daß die Umsetzung viel Zeit in Anspruch nehmen wird.

Israel ist entschlossen, seine Kriegspläne weiterzuführen und behauptet, ein Recht darauf zu haben. Das Land wird dabei von einigen Mächten unterstützt, besonders von den Vereinigten Staaten, die sich bedingungslos hinter Israel gestellt haben.

Auch die G8 Staaten haben den Krieg auf ihre Weise gerechtfertigt, indem sie nur Israels unangemessenen Gebrauch von Gewalt kritisierten statt den Angriff zu verurteilen.

Das Problem ist nicht die unangemessene Reaktion, sondern die Reaktion als solche.

Niemand hat das Recht, einen Vorwand auszunützen, um Krieg zu führen. Es gibt einen qualitativen Unterschied zwischen der Provokation der Hisbollah und einem Krieg, der mit Luftwaffe, Marine und Tanks geführt wird.

Der Libanon hat nicht seine Armee nach Israel geschickt. Im Gegenteil. Die libanesische Regierung wußte nichts von der Aktion der Hisbollah. Mehr noch. Beiderseitige Angriffe im Südlibanon waren nichts Neues. Warum kam es dann dieses Mal zu einer gewalttätigen Reaktion?

Gegenwärtig ist es dringend notwendig, einen Waffenstillstand zu erreichen und UNO-Truppen zu entsenden. Mit vielen Schwierigkeiten versucht die internationale Gemeinschaft, diese Ziele zu erreichen.

Es ist entscheidend, diesen unverantwortlichen Krieg zu stoppen.

In einer ausgewogenen Erklärung, sagte der vatikanische Staatssekretär Angelo Kardinal Sodano am 14. Juli:

„Wie in der Vergangenheit verurteilt der Heilige Stuhl die terroristischen Angriffe auf der einen und die militärischen Repressalien auf der anderen Seite.

Das Recht eines Staates zur Selbstverteidigung erlaubt ihm nicht, die Normen des internationalen Rechtes zu ignorieren, besonders was den Schutz der Zivilbevölkerung angeht.

Der Heilige Stuhl bedauert insbesondere den Angriff auf den Libanon, eine freie und souveräne Nationen, und versichert diesem Volk, das bei der Verteidigung seiner Unabhängigkeit so viel gelitten hatte, seine Nähe.“


Doch der Krieg wird bei der ersten Gelegenheit von neuem beginnen, wenn es keine internationale und multilaterale Lösung gibt – keine einseitige Maßnahme wie im Fall des Libanon und des Gaza-Streifens.

Diese Lösung muß die Rechte Israels und Palästinas anerkennen.

Das sagte der Papst dem diplomatischen Korps am vergangenen 9. Januar.

Im Heiligen Land „sollte der Staat Israel in der Lage sein, im Rahmen der Normen des internationalen Gesetzes friedlich zu existieren. In gleicher Weise muß es auch dem palästinensischen Volk möglich sein, im Hinblick auf eine freie und glückliche Zukunft seine eigenen demokratischen Institutionen zu entwickeln.“

Leider scheint die internationale Gemeinschaft von anderen Problemen abgelenkt zu sein. Jeder ist mehr darauf bedacht, daß die getroffenen Entscheidungen keinen Einfluß auf die eine oder andere Partei haben.

Es scheint, daß es letztlich keinen Wunsch gibt, für die bestehenden Probleme eine Lösung zu finden.

Dieser Krieg kann aufgehalten werden. Aber wenn die Ursachen nicht beseitigt werden, wird es bald einen anderen und dann noch einen Krieg geben.

Wir müssen den Mut aufbringen, eine dauerhafte Lösung zu finden. Dieses Problem wurde jahrzehntelang mitgeschleppt. Es ist wie ein Krebsgeschwür, das sich ständig mutiert.

Jede Lösung muß auf dem internationalen Recht gründen.

Das bedeutet eine Umsetzung der Resolution 242, die von beiden Parteien fordert, sich auf ihre international anerkannten Grenzen zurückzuziehen, dann Resolution 1559, welche die Entwaffnung aller libanesischen Milizen – wie die Hisbollah – verlangt.

Das bedeutet auch, daß die arabischen Staaten Israel innerhalb seiner internationalen Grenzen anerkennen müssen und Israel seine Nachbarstaaten – Ägypten, Palästina, Libanon und Syrien – innerhalb ihrer internationalen Grenzen anerkennt.

Alle Parteien werden dann in der Lage sein, Botschafter auszutauschen. Wir wollen auch daran erinnern, daß Syrien die internationalen Grenzen des Libanon nie anerkannt noch mit dem Libanon Botschafter ausgetauscht hat.

Nur dann könnte ein Friede möglich sein.


Der in Kairo geborene Jesuitenpater und Islamkritiker Samir Khalil (70) ist Professor an den Jesuitenuniversitäten St. Joseph in Beirut und Pontificio Istituto Orientale in Rom. Sein Beitrag zum Überfall auf den Libanon wurde zuerst von der Nachrichtenagentur ‘AsiaNews’ veröffentlicht.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 9 Lesermeinungen:
Sonntag, 13. August 2006 00:42
Parzifal: @ möchtegern kathole
Was daran nicht ok ist?
Dann denken Sie mal ganz scharf nach… ?:)
Samstag, 12. August 2006 10:07
möchtegern-kathole: @Parzi und @legeslegmegszentségtelenithetetlenségeskedéseitekért
@Parzi: was ist denn jetzt an „Krebsgeschwür“ schon wieder nicht ok?

@Mensch mit dem langen Namen:
ich sagte: „könnte man vielleicht“. Ich schließe mich Ihrer Meinung an, als Kathole geht das nicht, aber z.B. für jemand mit alttestamentarischer Rache-Logik. Aber das Totenverhältnis 1:10 gibt nicht mal das AT her, das ist Judo-Faschismus.

Ganz generell:
Warum kommt Israel nicht zu Frieden? Weil sie es nicht anderes wollen. Der Satz „Sein Blut komme über uns“ ist bisher nicht widerrufen worden. Nein es wird nicht Friede sein, bis nicht ER dort regiert.
Freitag, 11. August 2006 21:48
Parzifal: @ all …
ieses Problem wurde jahrzehntelang mitgeschleppt. Es ist wie ein Krebsgeschwür, das sich ständig mutiert.

Was für ein Problem denn?
Sorry aber das Gerede von „Krebsgeschwüren“ sollte man der HIsbollah, Syrien, den Muslimbrüdern, der Hamas oder dem Iran überlassen.
„Krebsgeschwür“ wirkt verdächtig…
Freitag, 11. August 2006 20:06
zumindest nicht als echter (und auch nicht als möchtegern) kathole: die auge-um-auge-logik der alttestamentlichen Ethik hat es nicht bis ins christentum geschafft, dafür hat jesus gesorgt. das manche kirchliche praxis anderes vermuten lässt, ändert an der tatsache nichts.
Freitag, 11. August 2006 20:02
möchtegern-kathole: mit 2 entführten …
… Soldaten könnte man vielleicht 2 tote Libanesen rechtfertigen, aber nicht 1000. Die restlich 998 sind Mord.

Und wenn man erst im Mai 30 Leute umgebracht hat, dann kann man mit 2 entführten Soldaten auch nicht 2 tote Libanesen rechtfertigen, dann ist es 1030facher Mord.
Freitag, 11. August 2006 19:34
FritzG: Erfreulich!
Es gibt einen qualitativen Unterschied zwischen der Provokation der Hisbollah und einem Krieg, der mit Kampfflugzeugen, Kanonenbooten und Tanks geführt wird.

Auch wenn ich es nur ungern zugebe: Mit diesem Satz trifft kreuz.net ausnahmsweise voll ins Schwarze!

Auch der Rest des Artikels findet großteilig meine vollste Zustimmung.

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