Nationalsozialismus
Die älteste Fassung der Bergpredigt
Die von der historisch-kritischen Methode eingeleitete Umschreibung biblischer Texten dient und diente vielen Ideologien – auch dem Nationalsozialismus.
(kreuz.net) Am 8. August erinnerte sich die deutsche Boulevardzeitung ‘Bild’ an das nationalsozialistische ‘Institut zur Erforschung jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben’.

Ziel dieser Einrichtung war die „Entjudung“ der Bibel und der theologischen Ausbildung.

Hinter dem Institut standen die ‘Deutschen Christen’ – eine nationalsozialistische Gruppierung innerhalb des deutschen Protestantismus zur Zeit der Hitler-Herrschaft.

Das Entjudungsinstitut wurde im Mai 1939 in Eisenach gegründet.

Der akademische Direktor des Instituts war der Neutestamentler Walter Grundmann (1906-1976).

In seiner Eröffnungsrede verglich Grundmann das Ziel des Institutes mit jenem der Reformation:

Wie Martin Luther den „internationalistischen Katholizismus“ habe überwinden müssen, so müsse der Protestantismus heute das Judentum überwinden, um Jesu „wahre Botschaft“ zu verstehen.

Grundmann war nach seinem ersten theologischen Examen von Oktober 1930 bis März 1932 Assistent beim berühmten Neutestamentler Gerhard Kittel.

Für dessen Standartwerk ‘Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament’ verfaßte er zwanzig Artikel.

Bei Kittel schrieb er auch seine Doktorarbeit über den Begriff der Kraft im Neuen Testament. Sie erschien 1932 als Buch.

1938 wurde Grundmann zum ordentlichen Professor für Neues Testament und Völkische Theologie in Jena ernannt. Seine Ernennungsurkunde trug Hitlers eigenhändige Unterschrift.

Am 11. Februar 1939 hielt Grundmann seine Antrittsvorlesung im Geiste der historisch-kritischen Methode.

Dabei behauptete er, daß die „älteste Fassung der Bergpredigt“ in Lk 6,20-49 keine jüdischen oder alttestamentlichen Motive enthalte. Diese habe erst der Evangelist Matthäus hineingebracht.

Christi Anliegen sei der Kampf gegen das Judentum gewesen.

Solche Thesen wurden auf Grundlage der historisch-kritischen Methode vertreten, in deren Rahmen ähnliche Theorien vertreten wurden – zum Beispiel, daß das Johannes-Evangelium „gnostisch“ oder einzelne Paulusbrief „frühkatholisch“ verseucht seien.

Unter den vielen vom Entjudungsinstitut publizierten Werken war das Buch „Deutsche mit Gott – ein deutsches Glaubensbuch“. Das Werk erschien im Verlag ‘Deutsche Christen’ in Weimar im Jahr 1941.

Dort wurden die Zehn Gebote auf zwölf erweitert:

1. Gib Gott die Ehre und vertraue ihm von ganzem Herzen!
2. Such die Stille vor Gott!
3. Meide alle Heuchelei!
4. Heilig sei dir Leib und Leben!
5. Heilig sei dir Gut und Ehre!
6. Heilig sei dir Wahrheit und Treue!
7. Ehre Vater und Mutter, deinen Kindern sei, Helfer und Vorbild!
8. Halte das Blut rein und die Ehe heilig!
9. Wahre und mehre das Erbe der Ahnen!
10. Sei immer bereit zum Helfen und Vergeben!
11. Ehre Führer und Meister!
12. Diene freudig dem Volk mit Arbeit und Opfer!

So will es Gott von uns!


Ein anderes Buch des Institutes war „Großer Gott, wir loben Dich“ – ein neues Gesangbuch.

Dort wurde Martin Luthers Text „Jesu Christ, der Herr Zebaoth“ durch „Jesus Christ, der Retter in Not“ modernisiert. Man wollte das hebräische Wort „zebaot“ – Heere – vermeiden.

Das Gesangbuch sollte auch dem „Kampf gegen den jüdischen Todfeind“ dienen.

Andere hebräische Wörter wie „Jehova“ oder „Halleluja“ wurden ebenfalls ausgemerzt.

Aus „Jerusalem, du hochgebaute Stadt“ wurde – zeitgemäß – „Ewigkeit, du lichte Gottesstadt“.

Im Entjudungsinstitut hieß es unter anderem: „Der Jesus der Evangelien kann nur dann unserem deutschen Volke Heiland werden, wenn er nicht Erfüller und Vollender des Judentums ist, sondern sein gewaltiger Feind und Bekämpfer.“

Ein evangelischer Landesbischof der ‘Deutschen Christen’ predigte in jener Zeit über die Herkunft Jesu aus Galiläa und erklärte im Zusammenhang des hebräischen Ausdruck „Gallil ha Gojim“ – Galiläa der Heiden, daß Christi Vorfahren aus dem Kaukasus eingewandert seien. Jesus sei kein Jude gewesen.

Nach dem Krieg wurde der Nationalsozialist Grundmann in der sozialistischen DDR bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1975 zu einem angesehenen theologischen Lehrer.

1974 verlieh ihm die Kirchenleitung erneut den Titel eines „Kirchenrats“, um seine Arbeit anzuerkennen und seine Pension zu erhöhen.
      
23 Lesermeinungen
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#23   23er Hansl   17:45:05 | Montag, 14. August 2006
@Gotthard: nicht Schmalspurtheologen
das wäre eine viel zu optimistische Einschätzung
katechismusrezeptoren
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#22   Gotthard   22:35:07 | Sonntag, 13. August 2006
keine Ahnung
Die von der historisch-kritischen Methode eingeleitete Umschreibung biblischer Texten
Sollte dieses Forum tatsächlich von Theologen betrieben werden – was ich absolut bezweifel, dann sind diese Leute absolute Schmalspurtheologen, die ihr Studium wohl an einer Bibelschule in den mittleren USA absolviert haben…
von der historisch-kritischen Methode haben sie jedenfalls keinerlei Ahnung …
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#21   Athanasius   02:20:06 | Samstag, 12. August 2006
Hitler’s Religious Beliefs.
en.wikipedia.org/…7s_religious_beliefs
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#20   timpressum †   23:25:39 | Freitag, 11. August 2006
Also…
…das mag ja alles richtig sein und ist nach wie vor sehr gruselig! Auch die meisten Stimmen in der evangelischen Kirche haben den Nationalsozialimus unterstützt. Über Kontinuitäten nach 1945 inkl. des Stuttgarter Schuldbekenntnisses, das sich ja nicht zur Shoah geäußert hat, gar nicht zu reden…
Aber was hat das mit der historisch-kritischen Methode zu tun?
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#19   legeslegmegszentségtelenithetetlenségeskedéseitekért †   19:01:32 | Freitag, 11. August 2006
sorry, wollte sie nicht verwirren …
wenn Sie nichts damit anzufangen wissen, dann liegt es wahrscheinlich daran, dass sie nicht dazu gehören. Liegt aber wahrscheinlich daran, dass dies ganze nur ein Hirngespinst ist. Nochmals sorry.
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#18   wiener   18:58:35 | Freitag, 11. August 2006
–???-
? ? ? ? ? ?
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#17   legeslegmegszentségtelenithetetlenségeskedéseitekért †   18:54:58 | Freitag, 11. August 2006
@wiener
Entschuldigen Sie die unvermittelte Frage, aber wenn Sie schon wiener heißen, gehören Sie auch zu den Wiener Abtreibungstoleranzlerinnen von der feministisch-theologischen Fakultät www.kreuz.net/reader.1336.html?
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#16   wiener   18:50:45 | Freitag, 11. August 2006
@ artois
über die legitimität der hist.-krit. methode haben vatikanische stellen schon genug geschrieben. bleibt also festzustellen: artois irrt hier (andere möglichkeit: rom irrt. ich neige aber zu ersterer annahme)
und: über die theologische relevanz der „bild“ bin ich nun tatschlich anderer auffassung – auch wenn die bezeichnung „dümmlich“ und „links“ mit mir nicht viel zu tun haben kann.
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#15   Artois †   18:42:48 | Freitag, 11. August 2006
@aphrodite
eigentlich keine schlechte Idee, jedoch nur als „Gemeinschaftsprojekt“ zu realisieren. Ich wäre jedenfalls „dabei“ …
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#14   aphrodite †   16:09:13 | Freitag, 11. August 2006
das lassen sie dann meine sorge sein
bin noch unschlüssig, ob ich es dann gemeinsam mit der deutschsprahigen Ausgabe der Instruktion über die Heilige Schrift an den Vatikan schicke, und fordere, man sollte die Leute, die diese Instruktion geschrieben, korrekturgelesen, genehmigt und unterschrieben haben exkommunizieren, oder ob ich es einfach dem Diözesangericht zukommen lasse und um die Feststellung der de-facto wegen Glaubensabfalles schon erfolgten Exkommunikation ersuche. Aber ich bin keine Kanonikerin, ich würde mich natürlich vorher mit einem Kirchenrechtler meines Vertrauens beraten.
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#13   Artois †   16:05:55 | Freitag, 11. August 2006
@Aphrodite
Liebe/r aphrodite,
um Gottes Willen, – was wollen Sie denn, – damit?
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#12   aphrodite †   16:02:37 | Freitag, 11. August 2006
ich will keine Beweise, ich will diese Aussage
mit echtem Namen, unterschrieben vor zwei Zeugen, im Original in zweifacher Ausfertigung, am Besten mit einer Kopie ihres Passes und ihres Taufscheins beigelegt!
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#11   Artois †   15:53:46 | Freitag, 11. August 2006
@Gotthard
auf Deinen Beweis bin ich jetzt mal gespannt… nur Mut: Du sagst ja selbst, es sei leicht!
Ja, Gotthard, es ist leicht … Ich führe den Beweis hier auf kreuz.net bei Gelegenheit gern einmal!! (Wäre auch null Problemo, wenn es „schwer“ wäre“ – je schwerer, desto leichter, wie der „Theologe“ sagt …)
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#10   Gotthard   15:44:55 | Freitag, 11. August 2006
@Artois
sondern schlicht und einfach antikirchliche Propaganda und Gotteslästerung, wie ebenfalls leicht zu zeigen ist
auf Deinen Beweis bin ich jetzt mal gespannt… nur Mut: Du sagst ja selbst, es sei leicht!
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#9   aphrodite †   15:39:40 | Freitag, 11. August 2006
bitte, Artois: tun sie mir den gefallen und schicken Sie mir
die Aussage „die historisch-kritische Methode ist antirchliche Propaganda und Gotteslästerung“ offiziell mit Briefkopf beeidet und von zwei Zeugen beglaubigt mit unterschrift. alles weitere sehen wir dann.
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#8   Artois †   15:31:24 | Freitag, 11. August 2006
@Wiener
Die BILD-Zeitung ist nicht „irrelevant“ sondern höchst relevant. Ob das einem dümmlichen Links-„Christen“ nun paßt oder nicht, es ist einfach so, wie auch leichtest zu zeigen ist.
Zur hist.-krit. Methode:
… ist weder eine „historische Methode“ noch eine „kritische Methode“, sondern schlicht und einfach antikirchliche Propaganda und Gotteslästerung, wie ebenfalls leicht zu zeigen ist und vielfach bereits gezeigt wurde. Damit hat sich’s. Und tschüss
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#7   virOblationis   14:03:18 | Freitag, 11. August 2006
wissenschaftl. Elend
Es liegt der hist.-krit. Methode so verführerisch nahe: Man erklärt für echt, was einem liegt, und für sekundär, was einen stört. – Hört sich banal an, aber man schaue sich unter diesem Aspekt einmal hist.-krit. Arbeiten an.
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#6   Beobachterin   13:29:16 | Freitag, 11. August 2006
Diktaturen
Dieser Mann paßte doch zur DDR. Dort galt es, genau wie früher im Nationalsozialismus, die Religion so weit wie möglich aus dem öffentlichen Bewußtsein zu entfernen, wenn möglich ganz abzuschaffen und zu vertreiben, mindestens aber zu verfälschen und eine Art von Pseudo- oder Restreligion mit Alibifunktion zu schaffen. Dafür war dieser Mann geeignet, das hatte er ja in der Zeit vor 1945 hinreichend bewiesen.
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#5   wiener   12:02:38 | Freitag, 11. August 2006
das passt ja
„bild“-zeitung und kreuz.net – das passt ja vom niveau her ungemein gut zusammen.
beide sind in religiösen oder gar theologischen fragen ähnlich kompetent und gleich irrelevant.
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#4   nachtlaterne71   12:01:40 | Freitag, 11. August 2006
abusus…
abusus non tollit usum – Missbrauch hebt den (richtigen) Gebrauch der historisch-kritischen Methode nicht auf.
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#3   Maurice Corvisier   11:53:58 | Freitag, 11. August 2006
das ist zutreffend:
Der Nationalsozialismus hat sich der deutschen Sprache bedient, sollten wir diese Sprache deshalb ablegen und eine andere lernen?
Denken wir weiter: der nationale Sozialismus hat sich Begriffen bedient wie Volk, Vaterland, Heimat, Stolz, Ehre, Treue, Liebe zum Vaterland, Familie … usw. usf.
Einverstanden!
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#2   23er Hansl   11:48:40 | Freitag, 11. August 2006
Umschreibung biblischer Texte?
Keine Theologische Methode schreibt biblische Texte um!
Das kann man dem wüstesten fundamentalistischen Umgang mit der Bibel nicht vorwerfen, das kann man auch historisch-kritischer Exegese nicht vorwerfen!
Exegese beschäftigt sich mit der Auslegung biblischer Texte. Nicht mit deren Änderung.
Der fundamentalisitische Umgang beschäftigt sich mit der argumentativen Einbettung einzelner Bibelzitate in den jeweiligen Argumentationszusammenhang. Nicht mit deren Änderung.
Und: Nicht historisch-kritische Exegese (als ob es die zu der Zeit in der Form, wie wir sie kennen, gegeben hätte) diente dem Nationalsozialismus, sondern der Nationalsozialismus hat sich verschiedenster Dinge und Methoden bedient!
Der Nationalsozialismus hat sich der deutschen Sprache bedient, sollten wir diese Sprache deshalb ablegen und eine andere lernen?
Der Nationalsozialismus hat sich der Kraftfahrzeugtechnik Ferdinand Porsches bedient. Sollten wir deshalb alle Fahrzeuge, die daraus entstanden, verschrotten?
Kurzum: Was soll dieser Artikel?
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#1   Gotthard   11:40:04 | Freitag, 11. August 2006
Institut
Dieses Institut hat mit der historisch-kritischen Methode aber nun nichts zu tun – bzw diese Methode kann nicht für dieses Institut verantwortlich gemacht werden.
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