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Sonntag, 13. August 2006 14:15
Glaube, gläubig, ungläubig
Bei einem altkatholischen Kongreß wurde bedauert, daß Fundamentalisten eine unumstößliche Wahrheit suchen. Eine solche unumstößliche Wahrheit scheint allerdings die altkatholische Nähe zu den Protestanten zu sein.
Der altkatholische Erzbischof von Utrecht, Joris Vercammen
Der altkatholische Erzbischof von Utrecht, Joris Vercammen
(kreuz.net, Freiburg) Zwischen Mittwoch und Freitag tagte der 29. Internationale Altkatholiken-Kongreß in Freiburg im Breisgau.

An dem Treffen nahmen mehr als 400 Personen aus 24 Ländern teil. Thema des Kongresses war die „Hoffnung, die in uns lebt. Alt-Katholiken und Anglikaner in Europa“.

Bei dieser Gelegenheit trafen sich am Mittwoch abend der Erzbischof von Freiburg, Mons. Robert Zollitsch, der anglikanische Erzbischof von Canterbury und Oberhaupt der anglikanischen Gemeinschaft, Rowan Williams, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, Wolfgang Huber, und der altkatholische Erzbischof von Utrecht, Joris Vercammen.

Anlaß für den Empfang war das 75jährige Jubiläum der sogenannten Bonner Vereinbarung.

Es handelt sich dabei um eine Besiegelung der „vollen Kirchengemeinschaft“ zwischen den altkatholischen Kirchen der ‘Utrechter Union’ und der anglikanischen Kirche im Jahr 1931.

Die ‘Utrechter Union’ ist ein Zusammenschluß der selbstständigen, unabhängigen, altkatholischen Gemeinschaften in Europa. Diese spalteten sich nach dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869-1870) von der Kirche ab.

Erzbischof Zollitsch sagte in einem Grußwort, daß der Glaube – „ob alt-katholisch, anglikanisch oder römisch-katholisch“ -von Zeugen lebe, welche die innere Lebendigkeit und Kraft des Glaubens in ihrem Reden und Tun widerspiegelten:

„Angesichts dessen, was uns immer noch trennt, brauchen wir ein tiefes Gespür dafür, womit wir Christen uns gegenseitig auferbauen und beschenken können.“ Es liege an den Katholiken die Universalität ihrer Kirche einladend zu leben.

Der evangelische Bischof Huber betonte die guten Beziehungen der Protestanten zu den Anglikanern und Altkatholiken.

Die „drei Kirchen“ trügen in einer Art geistlichem Dreieck in einer stabilen und verläßlichen Form zu einer Vertiefung der Gemeinschaft in Europa bei.

Der altkatholische Erzbischof von Utrecht, Joris Vercammen, erklärte, die Anglikaner und Altkatholiken seien davon überzeugt, daß die „universale Kirche niemals durch eine einzige Konfession verwirklicht“ werden könne.

Vercammen bedauerte, daß es innerhalb des Christentums eine starke Strömung mit typisch fundamentalistischen Zügen gebe. Der Fundamentalismus strebe nach einer nicht in Frage zu stellenden Wahrheit.

Anläßlich der ersten altkatholischen Frauenordination in den 90er Jahren sprach der verstorbene Erzbischof von Fulda, Johannes Dyba († 2000), von Etikettenschwindel.

Die Altkatholiken seien weder „alt“ noch „katholisch“.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 68 Lesermeinungen:
Mittwoch, 16. August 2006 12:59
stat crux: Athanasius
Es hat rd. 200 Jahre gedauert (1768-1968) bis die Delegitimation der Hl. Schrift zur weitverbreiteten Krankheit der Theologie wurde. Aber der Weg zurück ist diesbezüglich längst im Gange. Man wird die Evangelien wieder als solche lesen. Und vor diesem Hintergrund bekommt die bislang wenig beachtete Konzilskonstitution ganz neuen Rang: Dei Verbum. Sie könnte eine Erholung der Theologie von der tödlichen Krankheit bewirken, so dass dann auch die Kirchenkonsitution und die Liturgiekonstitution theologisch verstanden werden. Wahrscheinlich leben wir zu früh nach dem Konzil, um seinen Segen im ganzen zu ermessen.
Dienstag, 15. August 2006 17:13
Athanasius: Ja doch
Typisch, daß hier angebliche „Theologen“ an Hand von Liedern von Nazi-Sängerinnen Theologie treiben wollen und nicht an Hand von Evangeliumsmanuskripte aus dem 1. Jh.

Zum Bischof mit einer Frau: Habe ich irgendwo geleugnet, die ersten Bischöfe waren verheiratet? Aber nur einmal durften sie heiraten, vor der Bekehrung, vor der Weihe. Danach nicht mehr. Es wurde vorgelebt, etwa vom hl. Johannes, schon.
Dienstag, 15. August 2006 16:29
Benedikt: @ Stefan M.
Denn kein menschlicher Geist verwindet es, an den körperlichen Freuden nicht teilnehmen zu dürfen und von ihnen abgeschnitten zu sein

Eine lächerliche Unterstellung, die Sie hier gegen tausende Priester vorbringen. Ihre Quelle ist vermutlich ideologisch aufgeladen. Zudem ist das von Ihnen gesagte eine böse Beleidigung aller Impotenten etc.
Dienstag, 15. August 2006 16:23
Abu: @ Stefan M.: Die „kirchliche Theorie“,
von der Sie schreiben, ist die Transzendenzbegabung des Menschen (Anthropologie), theologisch geht es um Gnade. Das zölibatäre Leben ist ohne die Gnade weder denkbar noch realistisch, ebenso die priesterliche Berufung überhaupt.

Ein kindischer Unfug wie „Kann denn Liebe Sünde sein?“ von der Knef, die im übrigen die katholische Kirche sehr schätzte, eignet sich für den Fasching.

Christliche Liebe ist nicht identisch mit dem Eros, lesen Sie einfach mal „Deus Caritas est“.
Dienstag, 15. August 2006 11:40
Stefan M.: @Abu Sie tuen mir leid
Gestatten Sie, aber dass was Sie mir hier schreiben ist kirchliche Theorie. Die Realität ist eine ganz andere.
Zara Leander hat mal einen wunderbaren Satz gesagt, für den ich ihr sehr dankbar : Kann denn Liebe Sünde sein? Dies ist eine ernsthafte Frage! Wie viele Priester können nicht länger und geben sich ihren Gefühlen zu Recht hin. Lesen Sie bitte einmal :Eros und Klerus von Hubertus Mynarek; Ihnen werden die Augen geöffnet!
Dienstag, 15. August 2006 08:25
Abu: @ Stefan M.
Christus spricht von der Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen. Er fügt hinzu: „Wer es fassen kann, der fasse es.“ Jesus selbst lebte jungfräulich, ehelos. Die Kirche hat diesen Wert in die drei Evangelischen Räte aufgenommen.
Der Priester steht am Altar für Jesus Christus. Er repräsentiert einen Mann, kann also keine Frau sein (wir sind nicht in einem Schauspiel, wir sind in der Wirklichkeit). Es ist absolut konsequent, daß auch der Priester die Räte lebt, weil sie der Lebensweise Jesu entsprechen.
Das ist ein groß(artig)es Zeichen gegenüber der Welt, inmitten der Welt: Männer, die am Altar für den Sohn Gottes stehen, leben jenseits der drei großen Weltmächte: Sex, Macht und Geld. Sie gewinnen ihre Kraft, ihre Energie, ihr Leben von woanders her, von dorther, wo alles herkommt, von Gott, vom Schöpfer. Quia tuum est regnum, et potestas, et gloria in saecula.
Und das soll wider die Natur sein? In gewisser Weise ja, wie so vieles, was Kultur ist und Menschsein ausmacht. Entspricht es nicht der „Natur“ des Mannes seinen Samen überallhin zu verbreiten? Ist es nicht ganz natürlich, beim nächsten Weibchen erst einmal alle fremden Kinder abzumurksen, wie das ein ordentlicher Löwe zu tun pflegt? „Die Beobachtung der vollkommenen Enthaltsamkeit rührt sehr unmittelbar an viel tiefere Neigungen der menschlichen Natur“ (Perfectae caritatis 12). Es ist die Neigung, ganz frei für Gott zu sein. Zum Menschsein gehört Transzendenz. Wir übersteigen die animalische Natur. Es gibt Wunder.
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