Warum können die Engel fliegen?
Benedikt XVI. gab am vorletzten Samstag abend mehreren deutschen Fernsehsendern ein Interview. Das halbstündige Gespräch wurde gestern abend ausgestrahlt.

Er wollte die Orte, die ihn geprägt und sein Leben geformt hätten, besuchen und den Menschen, unter denen er aufgewachsen sei, danken.
Gleichzeitig wolle er gemäß seinem Auftrag eine Botschaft ausrichten, die über das eigene Land hinausgehe.
Das Grundthema sei, daß wir Gott wiederentdecken müssen – nicht irgendeinen Gott, sondern den Gott mit einem menschlichen Antlitz: Jesus Christus.
Im Westen erlebe man heute eine neue Welle der Aufklärung, einen Laizismus drastischer Art. Der Glaube sei schwierig geworden, weil die Welt ganz von uns selber gemacht sei und Gott in ihr nicht mehr direkt vorkomme.
Dennoch sehe man an der Jugend, daß es ein Suchen nach etwas mehr gebe und das Phänomen Religion wiederkehre.
Zum Krieg im Nahen Osten erklärte der Papst, daß die Kirche keine politischen Möglichkeiten habe und auch keine politische Macht wolle. Er appellierte an die Christen, jene Kräfte zu mobilisieren, die erkennen, daß der Krieg für alle die schlechteste Lösung ist.
Zur Kollegialität der Bischöfe sagte der Heilige Vater, daß der Papst kein absoluter Monarch sei.
Es brauche aber eine vereinigende Instanz, die auch Unabhängigkeit von den politischen Kräften verschaffe. Sie diene im Zusammenspiel des Ganzen der Einheit, nehme die Vielheit auf und fördere sie.
Benedikt XVI. erklärte im Interview auch, warum er beim Familienkongreß in der ostspanischen Stadt Valencia nie von der Kinderabtreibung, der Kinderverhütung und der staatlichen Anerkennung von Homo-Konkubinaten gesprochen habe.
Er habe zwei mal zwanzig Minuten gesprochen: „Wenn man nur so viel Zeit zur Verfügung hat, kann man nicht gleich mit dem Neinsagen daherkommen.“
Der Katholizismus sei nicht eine Ansammlung von Verboten, sondern eine – fast ganz aus dem Blickfeld verschwundene – positive Option.
Zur Rolle der Frauen erklärte der Papst, daß sich die Kirche durch den Glauben und die Konstitution des Apostelkollegiums nicht ermächtigt fühle, Frauen die Priesterweihe zu erteilen.
Aber man dürfe nicht meinen, in der Kirche gelte nur der etwas, der ein Priester ist.
Es gebe ganz viele Aufträge und Funktionen in der Kirchengeschichte: „Ich glaube, die Frauen werden mit ihrem Schwung und ihrer Kraft, mit ihrem Übergewicht sozusagen, mit ihrer geistlichen Potenz sich selber ihren Platz zu verschaffen wissen.“
Über die deutsche Mentalität beim Weltjugendtag oder bei der Fußballweltmeisterschaft sagte der Heilige Vater, daß er es schön finde, wenn auch unvermutete Seiten des deutschen Charakters zum Vorschein kommen:
„Die Deutschen sind nicht bloß reserviert und pünktlich und diszipliniert, sie sind auch spontan, fröhlich, gastfreundlich.“ Das sei etwas sehr Schönes.
Er selber sei kein Mensch, dem dauernd viele Witze einfielen: „Aber auch das Lustige im Leben zu sehen, und die fröhliche Seite daran und alles nicht ganz so tragisch zu nehmen, das ist mir schon sehr wichtig.“ In seinem Amt sei das auch notwendig.
Irgendein Schriftsteller habe gesagt, die Engel könnten fliegen, weil sie sich leicht nehmen. „Wir könnten auch ein bißchen mehr fliegen, sozusagen, wenn wir uns nicht ganz so schwergewichtig nehmen würden.“
Benedikt XVI. äußerte sich auch kritisch zu den vielen Selig- und Heiligsprechungen seines Vorgängers Johannes Paul II.: „Ich hatte ja anfangs auch ein bißchen die Meinung, daß uns die große Menge der Seligsprechungen fast erdrückt und daß man vielleicht mehr auswählen sollte – Gestalten, die dann deutlich ins Bewußtsein treten.“
Der Heilige Vater erklärte ferner, daß er sich nicht so stark fühle, um noch viele große Reisen zu unternehmen.
Nächstes Jahr werde er an dem Treffen der Vereinigung der lateinamerikanischen Bischofskonferenzen in Brasilien teilnehmen. Dann möchte er ins Heilige Land pilgern und es hoffentlich in Frieden betreten können: „Im übrigen wird man sehen, was die Vorsehung an mich heranträgt.“
Eine Reise in den österreichischen Marienwallfahrtsort Mariazell habe er „ein bißchen leichtsinnig“ versprochen.
Es habe ihm dort so gut gefallen dort, daß er gesagt habe: „Ja, zur Magna Mater Austriae komme ich wieder.“ Das sei natürlich sofort eine Zusage gewesen, die er auch einhalten werde und gerne einhalte.
Zu seiner eigenen Person erklärte der Heilige Vater, daß er schon mehrmals zerteilt worden sei: in den frühen Professor und den mittleren Professor – in den frühen Kardinal und in den späten. Mit seiner Wahl zum Papst komme noch eine Teilung dazu.
Sein Grundnaturell und auch seine Grundvision seien gewachsen – „aber in allen wesentlichen Dingen doch identisch geblieben“.
Er freue sich, wenn seit der Papstwahl auch Seiten gesehen würden, die vorher nicht so wahrgenommen worden seien.
Sein Amt sei mühsam: „Aber ich versuche jedenfalls, Freude daran zu finden.“
Das Interview im Wortlaut
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Montag, 21. August 2006 07:55
Abu: @ Artois
Da Pater Michael Weigl nicht zu den bekannten Theologen deutscher Zunge gehört, werden Sie mir erlauben,
Sie um einen Hinweis zu bitten, welche Texte Sie von ihm empfehlen können und wo diese zu finden sind.
Ich werde sie gerne lesen, neugierig darauf, ob ich Ihr Urteil nachvollziehen kann, er sei besser als Ratzinger.
Ich werde sie gerne lesen, neugierig darauf, ob ich Ihr Urteil nachvollziehen kann, er sei besser als Ratzinger.
Freitag, 18. August 2006 19:13
FritzG: Fragestellungen
Die Frage „Warum können Engel fliegen?“ sollte ersetzt werden durch „Können Engel fliegen?“, oder noch besser durch: „Gibt es Engel?“… Alternativ und ultimativ wäre dann auch noch „Gibt es Engel, und wenn ja, können sie fliegen – und falls sie es können, wie?“ eine gute Empfehlung.
Freitag, 18. August 2006 18:57
Christian Hüller: Ja, warum denn nun?
Die Frage, warum Engel fliegen können, hat sich mir bislang noch nicht gestellt.
Aber ich muss sagen: Hut ab!!
All diese wundersamen Erklärungen und Wortmeldungen haben mir die Wichtigkeit dieser Frage doch etwas näher
gebracht.
Aber ich muss sagen: Hut ab!!
All diese wundersamen Erklärungen und Wortmeldungen haben mir die Wichtigkeit dieser Frage doch etwas näher
gebracht.
Freitag, 18. August 2006 16:42
Artois †: @a_b_u
Kuhn und Hildebrandt kenne ich nun leider nicht. Spaemann schätze ich sehr, finde ihn aber ein wenig
zu zaghaft. Oder irre ich mich? Außerdem stört mich, daß er immer in dem J…blatt FAZ schrieb. Wenn
die ihn akzeptieren, muß etwas faul sein.
Barmherzigkeit
Mit Ratzinger ist allerdings ein rechter Bock zum Hirten gemacht worden. Man möchte meinen der Herrgott habe zugelassen, daß der Wolf ungezäumt auf die Herde losgelassen werde.
Barmherzigkeit
Mit Ratzinger ist allerdings ein rechter Bock zum Hirten gemacht worden. Man möchte meinen der Herrgott habe zugelassen, daß der Wolf ungezäumt auf die Herde losgelassen werde.
Freitag, 18. August 2006 12:54
Barmherzigkeit †: Artois,
der in seiner geistigen Enge wahrscheinlich nicht mal einem Messdiener das Wasser reichen kann, kritisiert Ratzinger. Nett! Machen wir die Böcke zu Gärtnern.
Freitag, 18. August 2006 07:46
Abu: @ Artois
Danke, Weigel kannte ich noch nicht, Kuehnelt gehört zu meinen Lieblingsautoren. Aber ich hätte jetzt doch vermutet, daß Robert Spaemann genannt wird, Helmut Kuhn oder Dietrich von Hildebrand …? An ausgesprochenen Theologen, die mehr als mäßig sind, sind war dann doch nicht sehr reich gesegnet. Siri?
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