Was hat die Beichte mit einer Zwiebelsuppe zu tun?
Wir haben allen Grund, dem Schriftsteller Günter Grass für seine jüngsten Enthüllungen unseren wärmsten katholischen Dank auszusprechen. Ein Kommentar.
(kreuz.net) Der aus katholischem Elternhaus stammende Günter Grass hat kürzlich die kirchliche Praxis
des ersten Jahrtausends in Erinnerung gerufen und eine öffentliche Beichte – ohne Absolution – abgelegt.
Das war Traditionalismus der hartgesottenen Art.
In der Kirche verschwanden solche radikalen Praktiken
im 7. Jahrhundert. Seither werden bei der Beichte kein öffentliches Bekenntnis und keine ausgedehnten
Bußwerke mehr verlangt.
Wie könnte ein Katholik in diesem laxistischen Kontext dem Schriftsteller nicht
dankbar sein, auf die frühkirchliche Bußpraxis hingewiesen zu haben?
Der 17jährige Günter Grass sei
Mitglied der Waffen-SS gewesen, erklärte der 78jährige Literatur-Nobelpreisträger kürzlich.
Es sei
ihm bei diesem Schritt zunächst vor allem darum gegangen raus zu kommen: „Aus der Enge, aus der Familie.
Das wollte ich beenden.“
Das kann man verstehen.
Jeder, der um die Schrecken eines vorkonziliären Elternhauses
weiß, muß für eine Flucht aus einem solchen unmenschlichen Milieu – und sei es in die Waffen-SS – Verständnis
und Respekt aufbringen.
Vom „katholischen Mief“ (Grass) in die weite Welt der Waffen-SS: Dahinter steckt
eine Logik geradezu prophetischen Ausmaßes.
Zwanzig Jahre nach dem gelungenen Ausbruch von Grass rannten
Ho-Ho-Ho-Tschi-Min schreiende Ex-Ministranten durch die deutschen Straßen und ließen das nächste totalitäre
System und die schlimmste aller Tyranneien – die Herrschaft der Sexualität – hochleben.
Das waren ebenfalls
von der Enge des Katholizismus befreite.
Grass stand wieder nicht im Abseits. Nachdem er aus dem verpönten
Ghetto-Katholizismus ausgebrochen war, hatte er beim gesellschaftlichen Establishment eine neue Heimat
gefunden.
Warum sollten wir also im Nachhinein über Grass enttäuscht sein? Vielleicht, weil er sich
seit den Tagen des Zweiten Weltkrieges treu geblieben ist?
Das Establishment ändert die Hülle, nicht
den Kern. Und der Mann des Establishments weiß um die Kunst des Sich Anpassens.
Darum begegnet er seiner
Zeit mit dem Zeigefinger im Wind.
Er stellt sich als revolutionärer Aus- und Aufbrecher hin, ist aber
in Wahrheit zutiefst ein Ja-Sager. Natürlich kein undifferenzierter. Sein bedingungsloses Ja zur moralischen
Kraft des Faktischen kaschiert er angemessen mit Kritiken und Distanzierungen. Aber immer im Rahmen der
vom Establishment vorgegebenen Spielregeln.
In diesem Rahmen wird zum Beispiel der vorgetäuschte und
institutionalisierte gesellschaftliche Konflikt zwischen Links und Rechts inszeniert, der am besten in
unsere parlamentarischen Scheindebatten sichtbar ist.
Hier geht es um Spiel nicht um Leben.
Grass war
und ist ein solcher offiziell beauftragter Spielkritiker. Er achtete dabei immer darauf, bei den Leuten
zu bleiben. Alleine war Grass in seinem Leben selten oder eher nie.
Er blieb bei den Leuten: bei der
Waffen-SS, bei der SPD oder beim Einsammeln von Literaturpreisen – mit denen in der Regel poetische Eintagsfliegen
des Establishments vom Establishment ausgezeichnet werden.
Auch mit seiner spektakulären SS-Offenbarung
blieb Grass ein Mann dieser Klasse.
Denn mit 78 Jahren hat ein Dichter bekanntlich seinen Zenit überschritten.
Das weiß auch Grass. Für sein nächstes – letztes? – Buch „Beim Häuten der Zwiebel“ brauchte er dringend
einen Werbegag.
Die Vermarktung der eigenen SS-Vergangenheit lag somit auf der Hand.
Der Wert des Reklameeffekts
seiner jüngsten Beichte geht in die Millionen. Darum dürfen wir die Rückkehr des Katholiken Grass ins
erste christliche Jahrtausend nicht überschätzen.
Denn wie so häufig im Leben des Günter Grass hat
er auch die öffentliche Beichte dazu benützt, um sein eigenes Zwiebelsüppchen zu kochen.
Email-Adressen der Empfänger
66 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
@ Artois: Trau, Schau, Wem Artois, Ihr Beitrag, in dem Sie Franco die Bildung absprechen, weil er sich
auf eine linke Quelle stützt erinnert mich an eine Spruchweisheit von – horribile dictu – Mao Zedong:
Was ist ein dummer Mensch? Ein dummer Mensch ist einer, dem man mit dem Finger den Mond zeigt, und der
statt auf den Mond auf den Finger schaut. Was haben Sie denn inhaltlich zu dem beschriebenen Kriegsverbrechen
zu sagen? Alles Lug und Trug? Wenn ja: dann hat sich ja auch Grass nichts vorzuwerfen. Die Verbrechen
der Waffen-SS sind sauber dokumentiert. Sie zu leugnen, berechtigt viel eher zu Zweifeln am Schulabschluß
des Leugners als die Verlinkung auf die linke Seite.
@franco.felice Sie wagen es, hier auf eine antifa-Seite zu verlinken und dann noch Glaubwürdigkeit zu
beanspruchen? Darf ich fragen, ob Sie ganz richtig im Kopfe sind? Haben Sie überhaupt einen Schulabschluß?
#64 franco.felice 20:46:18 | Donnerstag, 17. August 2006
Brandenburgis: „…interessante Geschichte“ Tja, es klingt bitter. Aber alles leugnen zu wollen – was
auch auf der Gegenseite nicht helfen würde –, andert Geschehnisse leider nicht. Ich greife doch keinen
(mehr) an, wenn ich Ereignisse anspreche, die sich tatsächlich zugetragen haben. Es handelt sich auch
nicht um einseitige Darstellung, sondern um Fakten, die in einem ordentlichen Prozess gründlich eruiert
wurden. Major Reder hatte Glück, dass die Richter anders urteilten als er gehandelt hatte. Aber wenn
Sie allen anderen nicht glauben – ich habe nur 10 Sekunden gebraucht Ihnen folgenden Link herauszusuchen:
www.partigiani.de/zeitzeu/pirini.htm. Von dieser Seite habe ich allerdings nicht meine „Weisheiten“, sondern
„verdanke“ sie einem kritischen und gewissenhaften früheren Korrespondenten in Italien mit Namen Nino
Erné; und dies längst vor den Zeiten Googles. Was Sie im Internet aber nicht finden können: Als Reders
Mutter im Sterben lag und er sie noch einmal sehen wollte, erbat er Hafturlaub aus Gaeta. Man gab das
weiter an Marzabotto, und die Angehörigen der Ermordeten dort sollten abstimmen. Man lehnte ab. Durch
folgende Begründung eines Angehörigen, der es – mutet fast salomonisch an – auf den Punkt brachte: „Er
möchte seine Mutter noch einmal sehen – möchten wir auch. Er soll bleiben wo er ist! Nicht ganz christlich
werden Sie sagen? Mag sein. Aber, man kann ‘s verstehen. Nichts fur ungut! Franco
#63 Brandenburgis 11:42:10 | Donnerstag, 17. August 2006
@franco-felice Interessante Geschichte, da ich aber bereits 100e derartiger Gechichten als Märchen „entlarvt“
habe, fehlt mir der Glaube an ihre „Viererreihen“ … Ihr „Bundespräsident“ ist [war] übrigens nichts
als ein verlogener Lump …
#62 Benedikt 00:33:53 | Donnerstag, 17. August 2006
@ Bernardin Kümmern Sie sich um den Phoenix im Kabel! Für Sie ein erstaunlich schlechter Konter. Vielleicht
erzählen Sie mal, was Sie eigentlich wollen, anstatt blindlings auf jeden hier verbal einzuschlagen –
welcher „Richtung“ er auch immer entstammt.
#60 blueberry 23:12:05 | Mittwoch, 16. August 2006
@ Bernardin Weil es da keine Antwort gibt. Aber ein Vorbild muss makellos sein, ein richtiger Tugendbold.
Das ist doch in sich schon Kritik. Was soll man da antworten? Grass war nie Moralist in dem Sinn. Geehrte
wurde er mit dem Nobel-Preis auch als Wächter! Oh je! Jetzt fängt sie wieder an die alte Leier von der
jüdischen Weltherrschaft und dem willfährigen Helfer Grass. Herr schmeiß Hirn vom Himmel! Schnell und
möglichst viel!
#59 Bernardin † 23:01:38 | Mittwoch, 16. August 2006
Blueberry Warum keine Antwort auf den ersten Teil meiner Antwort??? Grass wollte eine moralische Instanz
sein, er war ein penetranter Schulmeister der Nation! Geehrte wurde er mit dem Nobel-Preis auch als Wächter!
#57 Bernardin † 22:53:08 | Mittwoch, 16. August 2006
Blueberry Warum lassen Sie in Ihrer Antwort beim Zitat den Anfang aus: „ Aber ein Vorbild muss makellos
sein…“ WARUM? Gibt es eine Antwort? Als Vorbild hat Grass den Nobel-Preis erhalten! Nein?
#56 blueberry 22:47:03 | Mittwoch, 16. August 2006
Die drittletzte Frage lautet SPIEGEL ONLINE: Warum ist die Empörung Ihrer Meinung nach so groß? Schindel:
Weil er sozusagen eine moralische Instanz war – und eine moralische Instanz darf in Deutschland, diesem
Tugendland, keine Fehler haben. Wir anderen dürfen Fehler haben und können die unangenehmen Dinge unseres
Lebens verschweigen. Macht doch jeder von uns. Aber ein Vorbild muss makellos sein, ein richtiger Tugendbold.
Das ist er natürlich nicht, er ist ein Schriftsteller mit allen Widersprüchen. Also, da stehts doch:
ein richtiger Tugendbold. Das ist er natürlich nicht, er ist ein Schriftsteller mit allen Widersprüchen.
#55 Bernardin † 22:43:20 | Mittwoch, 16. August 2006
Blueberry Also dann lesen Sie die 3.-letzte Frage von Hengst im Interview, das Sie selbst angeben! Grass
wollte ein Tugendbold sein!!! Ich möchte eigens betonen: Ich will HEUTE niemanden verurteilen, der GESTERN
diesen oder jenen Schritt getan hat! Ich weiss nicht, wie ich damals in dieser oder jener Situation gehandelt
hätte! In der warmen Stube und im gemütlichen Sessel von HEUTE kann ich alles beurteilen und verurteilen,
was GESTERN geschah! Ich verurteile Herrn Grass nicht, weil er gestern dabei war! Ich habe einfach viele
Fragen an den Herrn Saubermann, der jeden und alle beurteilte und verurteilte, der nicht in sein Bild
passte! Er hatte nie seine Vergangenheit integriert, und stürzte sich auf die Vergangenheit anderer!
#54 blueberry 22:29:59 | Mittwoch, 16. August 2006
@ Bernardin Ob ich Sie allein gemeint habe? Kaum! Gibts hier noch jemanden der Grass verteidigt? Aber
wer die Werke von Grass liest, wer sein Gehabe kennt, sein Auftreten erlebt, wer seine Einseitigkeit zur
Kenntnis nimmt, der kann nur staunen! Tut mir leid aber ich kann ihnen nicht folgen. Ich kenne fast alle
Bücher von Grass, angefangen bei der Blechtrommel bis zum Krebsgang. Krebsgang schildert den Untergang
der Wilhelm Gustloff und den Tod vieler tausend deutscher Flüchtlinge. Grass war nie ein kritikloser
Philosemit, sondern hat die Politik Israels häufig kritisiert und viel Kritik dafür einstecken müsse.
Ich kann ihnen ehrlich nicht folgen. Mich wundert nur, warum keiner seiner Kollegen von damals zum berühmten
Kollegen von heute bisher nie Stellung genommen hat! Haben sie doch. Walser hat seine Meinung gesagt und
Grass verteidigt. Die meisten aus der Gruppe 47 waren ja in der ein oder anderen Weise in die Machenschaften
des Dritten Reichs verstrickt. Hier ist ein Interview mit Robert Schindel www.spiegel.de/…,1518,431855,00.html
der schon seit zwanzig Jahren davon weiß.
#53 franco.felice 22:12:07 | Mittwoch, 16. August 2006
Artois: [kursiv] Mit den „Kriegsverbrechen“ der Waffen-SS ist es nicht weit her…[kursiv] So gerne man
Ihren Worten Glauben schenken möchte, wenn man denn könnte; aber nur ein weiteres trauriges Beispiel,
mit dem sogar später noch Bundespräsident Johannes Rau konfrontiert wurde: Wie war das also am 29. 09.
1944 mit einer Einheit der Waffen-SS unter einem gewissen Major Reder (kein Deutscher, dies allerdings
ohne Belang), der die Einwohner des Dorfes Marzabotto bei Bologna aus der Kirche riss – wobei der Priester
erschossen wurde –, sie in Viererreihen aufmarschieren und sie zum Friedhof „geleiten“ ließ? Dort wurden
sie, vor der Kapelle – Frauen, Kinder, Greise – mit einem MG erschossen, während von entfernten Hügeln
jene (Partisanen) um die es eigentlich ging und die Reder später als Grund für sein Gemetzel angab,
ohnmächtig zusehen mussten, wie man ihre Familien erschoss. Eine Schande für die deutsche Wehrmacht
und die meisten – zumindest gemessen an Reder – anständigen Soldaten und Offizieren. Insgesamt gab man
Reder für 1830 Tote (in der Region – Marzabotto war also kein Ausnahmefall!) die Schuld. Der Schaden
für das Ansehen der Wehrmacht – ist bis heute nicht gutzumachen. Wie gesagt, es war die Waffen-SS. Mag
sein, dass Grass davon nichts wusste als es ihn in die „Freiheit“ drängte; wie sollte er auch als 17jähriger
und fernab dem Geschehen. Aber der zitierte Satz stimmt leider nicht. Entschuldigen Sie, wenn ich da widersprechen
muss.
#52 Bernardin † 22:06:37 | Mittwoch, 16. August 2006
Benedikt und Parzifal Benedikt:Kümmern Sie sich um den Phoenix im Kabel! PARZIFAL: Ob ich Sie allein
gemeint habe? Kaum! Aber wer die Werke von Grass liest, wer sein Gehabe kennt, sein Auftreten erlebt,
wer seine Einseitigkeit zur Kenntnis nimmt, der kann nur staunen! Mich wundert nur, warum keiner seiner
Kollegen von damals zum berühmten Kollegen von heute bisher nie Stellung genommen hat! Keiner plauderte
aus…Sind schon alle tot oder warum haben die Medien bis heute keinen Hinweis bekommen? – Haben die Medien
ihn, den Herrn Grass, geschützt oder ist alles nur ein PR-Trick?
@ Bernardin Sie können ja wohl eigentlich nur mich meinen. Da können Sie mich ruhig auch ansprechen
meine Liebe! Wann hat Grass sich denn als Saubermann geriert? Grass hat nie behauptet im KZ gewesen zu
sein oder ein innerer Emigrant oder Widerstandskämpfer. Auch jetzt hat er niemanden erschossen oder verraten.
Er hat nur zugegeben tiefer von der Propaganda beeinflusst worden zu sein als er bisher schilderte. Er
hat es übrigens freiwillig zugegeben. Ich glaube auch nicht dass es so war wie es der Z. d. Juden meint,
dass es Grass also um Werbung für sein Buch ging. Einer solchen Kanonade und solchen lächerlichen Forderungen
wie der nach einer Rückgabe des Nobelpreises setzt man sich nicht freiwillig aus. Wann hat Grass jemanden
verurteilt? Grass war nie Thomas Mann. Mann ist nie mehr nach Deutschland zurück gekehrt. Höchstens
mal ein kurzer Besuch. Mann hat Deutschland auch Jahre nach dem Krieg nie richtig vergeben können. Grass
hat so nie reagiert. Als er den Besch des Friedhofes mit Soldaten der Waffen SS ablehnte, da geschah dass
nicht aus Hochnäsigkeit gegenüber diesen Soldaten sondern weil er die implizierte Botschaft dieses Besuchs
ablehnte. Damals tobte schließlich der Kalte Krieg und dieser Besuch hat praktisch den Antikommunismus
der Nazis in eine Reihe gestellt mit dem Antikommunismus der Demokraten. Und das hat Grass abgelehnt.
Grass hat den Kommunismus abgelehnt aber wollte nicht den Kommunisten die Menschlichkeit absprechen wie
es die Nazis taten.
#49 Bernardin † 21:37:26 | Mittwoch, 16. August 2006
EWIGGESTRIGEN Welcher Teufel reitet eigentlich die EWIGGESTRIGEN hier im KREUZ.NET. Wie genau sie doch
mit dem GESTERN Bescheid wissen und das angebliche genaue Wissen der Materie entlarvt sie! Uebrigens:
Jugendsünden werden sofort vergeben! Nur wenn ein Mensch sich als ein HERR SAUBERMANN in Szene setzt
und das Leben anderer beurteilt und verurteilt, wenn er den anderen ihre Jugendsünden vorhält und seine
eigenen Jugendsünden verdrängt, dann wird es brisant! Herr Grass wollte übers ein Leben GRAS wachsen
lassen, nur nicht über das Leben anderer GRAS wachsen lassen. Das ist KRASS, HERR GRASS! Wen endlich
über eine Sache Gras gewachsen ist, dann kommt ein Kamel und frisst es wieder weg! Armes Kamel, das Gras
bekommt ihm nicht, HERR GRASS!
@ all Vielleicht meinte er als Chefankläger gegen alles rechts der SPD seine Weste rein zu waschen. Grass
war auch stets gegen alles links der Sozis. Er hat häufig betont dass während der Weimarer Republik
die Kommunisten und die Nazis gemeinsame Sache gegen Zentrum und SPD gemacht haben. Grass hat immer betont
dass er die BRD für einen guten Staat hält und mit seiner Einmischung in die Politik wollte er wohl
auch die unselige Tradition beenden, dass deutsche Schriftsteller oder Künstler sich in einen idealistischen
Elfenbeinturm einschließen wie bspw. Thomas Mann oder auch Goethe. Er hat das vermutlich als Beitrag
verstanden die Demokratie in Deutschland zu unterstützen und zu fördern. Ich glaube nicht dass es ihm
vornehmlich darum ging sich wichtig zu machen oder vorzudrängeln, wie häufig unterstellt wird. Na, meinetwegen:
Ich bin „tiefbraun“ und dieser Parzifal ist eine Kanaille (die mir auch noch die strafbare Führung eines
Doktortitels unterstellt). Nun nehmen Sies doch nicht gleich persönlich. Als der zweitklassige Schauspieler
Gibson betrunken Auto fuhr und Polizisten anpöbelte (gibts übrigens schon als Klingelton fürs Handy),
da hatten Sie doch auch so viel Verständnis für Gibson und so wenig für Journalisten usw. die sein
Verhalten kritisierten.
#47 Athanasius 21:25:32 | Mittwoch, 16. August 2006
(Forts.) …Russisch-Orthodoxe Kirche, die von 1939 bis 1946 von Stalin wieder erlaubt war. An der Heimatfront
(nicht bei den Greueln der Front) waren diese Geistlichen auch bei der Seelsorge erlaubt. Die Sowieter
waren nun einmal im „Großen Vaterländischen Krieg“ (1941-1945) weniger anti-christlich, als der Leninismus-Marxismus
vorschrieb, auch aus praktischen Gründen (man fürchtete Aufstände, die eine UntergrundGeistlichkeit
vielleicht unterstützen und anfeuern könnte – die wurden aber neutralisiert durch Erlaubnis). Feldgeistliche
gab es anfangs nicht, per Himmler-Dekret. Eine katholische Präsenz („Schwarze Internationale“/„Internationale
der Schwarzrocken“) hätte der Indoktrination mit dem Nihilismus des Nazismus im Wege gestanden. Ich möchte
Beweise für Ihre Behauptung, da meines Wissens nur zwei deutsche Feldgeistlichen MGer der Waffen-SS betreuten
(nach der zweiten Hälfte von 1943 allerdings), und sogar weite Teile der Wehrmacht ohne Feldgeistlichkeit
gehalten wurden. Nur die Jesuiten Flanderns, Walloniens und Südfrankreichs, die für den „Kampf gegen
den Bolschewismus“ kämpften, und naiv glaubten die Nationalsozialisten würden auch nach dem Endsieg
ihren separatistisch-„faschistischen“ Initiativen nichts im Wege legen, wurden bei den Auslandslegionen
toleriert. Sicherlich nicht bei der Allgemeinen-SS. In der DDR war nicht-direkt militärische Seelsorge
durch Lutherische Prediger erlaubt, solange sie den Sozialismus nicht kritisierten.
#46 AthanasiusII 21:17:09 | Mittwoch, 16. August 2006
@Parzifal Die Kirche ist tiefer verstrickt in die Naziverbrechen als der 15-jährige Grass. Ich sag nur
Rattenlinie! Günter Grass war 1944 17 Jahre alt. Mit 15 Jahren meldete er sich zur (auch sehr Führertreuen)
Kriegsmarine en.wikipedia.org/wiki/Kriegsmarine, mit 17 Jahren zur Waffen-SS en.wikipedia.org/wiki/Waffen-SSbeim
SS-Bewerbungsamt in Dresden. Es war kein Zufall, denn für die Waffen-SS mußte man applizieren, während
man für die nicht zu Verbrecherorganisationen erklärten Volkssturm und Wehrmacht einbezogen wurde. „Die“
Kirche war fast völlig schuldig, wenn man damit die Gesamtkirche meint. Nur die Kirche Österreichs (und
auch sehr zweifelhaft, sieh den Angriff der HJ-ler 1938 auf das erzbischöfliche Palast Kardinal Innitzers)
und die Kirche der Vichy-Territorien waren (teilweise) ‘mitschuldig’. An einer Rattenlinie war nur Mons.
Alois Hudal en.wikipedia.org/wiki/Alois_Hudal (Graz, 1885) beteiligt! Überall sonst, außer in der Slowakei
(Mons. Josef Tiso), gab nur Opfer unter den Geistlichen: in den Niederlanden, Polen, Litauen, der Ukraine,
Nordfrankreich, Belgien, Bayern, Südtirol, Slowenien, Ungarn! @Artois: Die Feldgeistlichen der Waffen-SS
wurden erst dann einbezogen, als flämische Freiwillige diese forderten. Sie wurden aus den deutschen
Abteilungen, sowie aus den Niederländischen, Dänischen und „Nordischen“ Abteilungen gewehrt. Nur Flamen,
Walloner (Wallonien: sie Leon Degrelle) und einige Slowakische und Kroatische Legionen hatte die Erlaubnis
für Geistliche. In der Sowjetarmee war an der Heimatfront gerade wegen der zeitlichen Wiederzulassung
der Russisch- (Forts.)
@MK 28____ Mit den „Kriegsverbrechen“ der Waffen-SS ist es nicht weit her. „Oradour“ ist höchst umstritten,
„Lidice“ ebenfalls. In L. wurden übrigens Frauen, Kinder und Greise geschont, eine Milde, die man keinem
einzigen Kriegsgegner Deutschlands auch nur im Entferntesten nachsagen kann. Mir gegenüber haben viele
SS-Soldaten bestätigt, daß es sehr wohl Feldgeistliche gab und daß Christen unter keinerlei weltanschaulichem
Druck standen, wie es in kommunistischen Gliederungen üblich war. In der DDR war selbst der Gottesdienstbesuch
für Rekruten streng verboten. Wer gegen dieses Verbot verstieß wurde bestraft, ggf. mit Militärzuchthaus.
Antibürgerlich mag die Waffen-SS gewesen sein, fanatisch-enthemmt jedenfalls nicht, sondern eine der
diszipliniertesten Truppen, die Deutschland je hatte. Nicht umsonst wurde die israelitische Wehrmacht
vorwiegen nach dem Muster der Waffen-SS aufgebaut und militärisch-taktisch geschult. Im übrigen waren
die beiden WK antichristliche Vernichtungskriege, in denen es darum ging, die christliche Sozial- und
Staatsordnung zu zerstören.
@Unschuld Zumindestens sollte man dem Herrn mal nahe legen, sein Pseudonym zu ändern – sich auf den Gralsritter
zu berufen ist ja wohl ein ziemliches Unding. Wie wär’s denn mal mit „Pumuckl“? Nee,auch nicht so dolle…
Ich hab’s – das ist ja Günter Grass selber!!
@Unschuld Da bin ich nicht generell ihrer Meinung. Wir wollen uns hier ja nicht nur gegenseitig bestätigen,
denn das wäre langweilig und brächte keinerlei Erkenntnisfortschritt. Zustimmen kann man ihrem Anliegen
allenfalls bei solchen Leuten, die wirklich keinerlei Argumente bringen und einfach nur blöd und beleidigend
daherreden. Aber solche löscht die Redaktion ohnehin, oder?
#41 Nanny Ogg 12:32:03 | Mittwoch, 16. August 2006
… Es wäre generell anzuraten, User, die eindeutig gegen das Christentum Stellung nehmen, zu löschen.
Genau!!! Wider der Meinungsvielfalt! Löscht einfach die Postings, die nicht in euer Weltbild passen,
statt euch damit auseinander zu setzen. In guter, alter Tradition möchte man fast meinen
#40 stat crux 12:30:05 | Mittwoch, 16. August 2006
Herrschaft der Sexualität? Dieser Artikelschreiber hat ganz offenkundig gar keine Ahnung, was ein totalitäres
System ist. Intellektuell kann man einem solchen inmitten der offenen Gesellschaft genau so lange anhängen
(etwa SSPX), solange nicht das Risiko besteht, dass „die“ an die Macht kommen. Reine intellektuelle Selbstgefälligkeit
ist dieses Schwelgen im virtuellen Traditionalismus (und dann noch „Grass“ als Kronzeuge!), ohne jede
Berührung mit wirklicher Geschichte oder Tradition.
Redaktion: Bitte Pseudonym „Parzival“ entfernen Liebe Zeitgenossen, angesichts der üblen Verleumdungen
und Beschimpfungen sollte man den User Parzival löschen! Neben diesen Entgleisungen sind außerdem nur
antichristliche Stellungnahmen zu vernehmen, die uns Christen wehtun. Es wäre generell anzuraten, User,
die eindeutig gegen das Christentum Stellung nehmen, zu löschen. Danke
#38 Benedikt78 10:21:34 | Mittwoch, 16. August 2006
Grass ist krass Jaja, der Grass. Läuft sein Leben lang mit erhobenem Zeigefinger in der Weltgeschichte
rum, wittert überall Gefahr und (Blech)trommelt für die Sozialisten im Wahlkampf als höchstmoralische
Instanz gegen alles Bürgerliche und Freiheitliche. Und so jemand ist in der Waffen-SS gewesen. Was würde
er wohl machen, wenn ein anderer Schriftstellerkollege solch ein Geständnis abgelegt hätte? Nach Erfahrung
wohl medial gesteinigt! Der Dieb schreit: haltet den Dieb! Und macht sich aus dem Staub. Jetzt wissen
wir auch warum Grass so krass ist. Vielleicht meinte er als Chefankläger gegen alles rechts der SPD seine
Weste rein zu waschen. Er blieb sich aber treu, indem er sein Leben lang stramm den sozialistischen Systemen
und Ideologien die Treue schwor! Dass Prazifal sich nun als Grass-Fan outet, verwundert mich nicht! Hier
im Forum gebärdet er sich gleich, wie sein grosses Vorbild. Vielleicht kommt bald ein öffentliches Bekenntnis
von ihm, dass er in seiner Jugend in rechtsextremen Gruppierungen mitgemacht hat. Vorbildern muss man
ja nacheifern. Und ausserdem kommt eine fundamentalistische anti-krichliche Haltung nicht einfach so über
Nacht!
@Parzifal der tiefbraune Heger, dessen Dokortitel eine Atrappe Na, meinetwegen: Ich bin „tiefbraun“ und
dieser Parzifal ist eine Kanaille (die mir auch noch die strafbare Führung eines Doktortitels unterstellt).
MfG Christoph Heger
#36 virOblationis 07:18:57 | Mittwoch, 16. August 2006
Genugtuung Ja ja, wie glänzend ein solcher Streiter für Recht und Wahrheit, der lediglich sechs Dezennien
braucht, um beiläuffig anzumerken, daß er selbst auch in solcher Weise gefehlt hat wie von ihm Angegriffene.
Aber im Ernst: Dieser Fall zeigt exemplarisch, auf welch dünnem Eis sich die linke Selbstgerechtigkeit
bewegt hat, um Altersgenossen, vor allem aber die „Vätergeneration“ anzuklagen. Dennoch ist es ihnen
gelungen, die Macht in der Gesellschaft an sich zu reißen und die Kultur so tiefgehend zu beschädigen,
daß Hoffnung auf Besserung fast vermessen wirkt. – Aber immerhin bleibt die Genugtunng, einen Vorkämpfer
der Linken jetzt demaskiert zu sehen.
Rattenlinie Die Rattenlinie war mit Sicherheit ein Fehler, aber sie war erstens keine offizielle Aktion
der Kirche und zweitens bedeutet sie keine Verstrickung in Nazi-Verbrechen.
@ all Ich finde eure Reaktion widerlich, scheinheilig und ekeleregend! Ich bin ein großer Bewunderer
von Grass. Er ist ein ein großer Mann und ein Genie. Sein Verhalten während der Jugendzeit war nicht
anderes als das der meisten seiner Altersgenossen. Die Eltern oder Großeltern so gut wie aller hier waren
in die Nazi Geschäfte auf die eine oder andere Art verwickelt. Grass hat zu den ganz ganz wenigen gehört
die späterhin zugegeben haben dass die Nazis nicht nur ein bisschen, sondern völlige und totale Scheiße
waren. Die meisten Eltern oder Großeltern der Teilnehmer hier hatten diesen Mut in keiner Weise. Stichwort:
Adenauer, Kiesinger, Schmitt und wie sie alle heißen. Verlogen durch und durch! Jetzt selbstherrlich
den Stab brechen zu wollen über einen der selbst aus freien Stücken einen Fehler eingesteht ist widerlich.
Plötzlich fallen Leute über den großen Deutschen her wie der selbsternannte Salonfaschist MK28, der
tiefbraune Heger, dessen Dokortitel eine Atrappe sein muss und sonstige katholische Taliban, die mal vor
ihrer eigenen Haustüre kehren sollten! Die Kirche ist tiefer verstrickt in die Naziverbrechen als der
15-jährige Grass. Ich sag nur Rattenlinie!
Intellektuelle im Kampf Naja, in Spanien war es das letzte Mal, daß Intellektuelle auf seiten der Rechten
dabei waren. Aber auf der Linken gab es schon noch einige Beispiele; die „Befreiungsbewegungen“ Lateinamerikas
waren doch durchaus „intellektuell“ angehaucht, Ernesto Cardenal z.B… Oder man nehme die Begeisterung
der linken Studenten für die „Zapatisten“ in Chiapas. In gewisser weise dürfte auch der Dschihad eine
Angelegenheit der Gelehrten sein. Das Faszinosum der blanken Macht besteht fort, täuschen Sie sich da
mal nicht. In allen Fällen dürfte das ausschlaggebend sein, was Grass als Motiv für seinen SS-Eintritt
angegeben hat: Die Sehnsucht nach dem Ausbruch aus der Bürgerlichkeit, die Faszination des Animalischen,
des Reinen, des Starken, der MAcht, bis hin zum Tode. Jüngers Stahlgewitter erfassen das, und die SS
verkörperte es wohl. Auch wird es etwa in der dritten Strophe des Fallschirmjägerliedes besungen: Klein
unser Häuflein, wild unser Blut/wir fürchten den Feind nicht und auch nicht den Tod/wir wissen nur eines:
wenn Deutschland in Not/zu kämpfen, zu siegen, zu sterben den Tod/An die Gewehre!
@MK28 Mir ist kein Fall bekannt, wo Intellektuelle sich in den bewaffneten Kampf einmischten, als in Spanien
in den Dreißigern. Grauenhaft! Ist das das Letzte, was der Homo Sapiens zustande bringt?
@ Alexandra: Frage Sie meinen, woher ich weiß, daß der Faschismus nicht nur in seiner Idee, sondern
auch in seinen Vertretern unappetitlich ist? Persönliche Erfahrung. Kennen Sie einen gebildeten, charmanten,
kultivierten Faschismus-Fan? Ich nicht! Vielleicht hat es das in Italien und Spanien der 20er und 30er
gegeben, aber seit 1945 ist Schluß. Der Faschismus hatte seine Epoche, aber die ist um. Und Leute, die
das nicht raffen und meinen, in den Kostümen der Vergangenheit Unsinn machen zu müssen, sind entweder
bemitleidenswert oder ekelig. Wir haben hier zudem einige NPD-Stadträte; ein Kabinett des Grauens. Man
sollte Zukurzgekommenen nie Macht geben, nie. Da pflege ich lieber meinen (Neo-)Konservatismus. Der hat
nicht nur den Vorteil einer gewissen intellektuellen Erhabenheit, ich kann auch sicher sein, recht zu
behalten – ich muß nur lang genug warten.
@ Athanasius: Stimme zu Stimme Ihnen völlig zu, vielleicht mit Ausnahme der „Salonfaschisten“. Zum einen
wegen grundsätzlicher Bedenken, zum anderen, weil ich solche noch nie erlebt habe; üblicherweise ist
die (heimliche oder offene) Verehrung des Faschismus in all seinen Arten ein Refugium unkultivierter Unterschichten.
#25 Athanasius 20:14:03 | Dienstag, 15. August 2006
@Lidice Während die polnischen Übergriffe von Milizen und die Grausamkeiten gegen pommersche, west-
und ostpreußische, schlesische und ostbrandenburger Deutschen in der Vertreibung zu erklären sind im
Lichte der 3 Millionen nicht-jüdischen ermordeten Polen, ist die Grausamkeit mit der die Tschechen die
Deutschen etwa in Aussig an der Elbe, Prag, Znaims, Brünn und Mährisch Schlesien verfolgten, absolut
unerklärbar. Das ‘Reichsprotektorat Böhmen und Mähren’ wurde besser behandelt als etwa Belgien. Der
Attentat gegen Heydrich war ungefähr der einzige Widerstandsakt. Lidice fast die einzige Greuel, ausser
der Gestapogefängnisse, die aber voll mit deutschsprachigen „Anti-Völkischen Elementen“ waren. Lidice
ist von der Propaganda der Westallierten vergrössert worden, wodurch der falsche Eindruck geweckt wurde,
die Tschechei sei am härtesten von den Deutschen heimgesucht worden, während gerade der Gegenteil der
Fall war. Übrigens sehe ich das Problem nicht ein, aber es kommt mir wieder vor, daß die Mai 1968er,
geführt von u.a. Günter Grass, sich als äusserst dem Zeitgeist anpassende Menschen erwiesen haben,
nicht als prinzipielle Gutmenschen. Das war mir aber schon längst bekannt. Ich mag lieber Salonfaschisten
als Salonsozialisten. Die ersteren sind wenigstens ehrlicher.
Artois – mal wieder daneben Artois, Sie schießen mal wieder übers Ziel hinaus. Richtig ist, daß die
Waffen-SS eine Doppelrolle spielte: einerseits militärischer Verband, kämpfende Truppe. Andererseits:
Kriegsverbrechen, wie in Oradour und Lidice. Mit der Waffen-SS sollte dem „professionellen Soldaten“ der
Wehrmacht der „politische Soldat“ gegenübergestellt werden. Der SS-Mann war eben nicht nur Soldat, sondern
immer auch „Träger einer Idee“. Und deshalb gab es – zumindest ursprünglich – auch keine Feldgeistlichen.
Die SS war antichristlich. Das übrigens, das Anti-Bürgerliche, Fanatische, Enthemmte, reizte ja nach
seinen eigenen Worten den Sturmmann Grass. Was die Ächtung der Waffen-SS, die übrigens erst 1968ff richtig
einsetzte, mit dem Kampf der Linken gegen die Kirche zu tun hat, weiß ich beim besten Willen nicht. Richtig
ist, daß es 1968ff zum Kampf gegen jede Form autoritärer Strukturen kam. Nur ändert das nichts daran,
daß der Anti-Nazismus nichts genuin antikatholisches ist; ich kann also die SS ablehnen, und gleichzeitig
die KIrche lieben. Nur weil also die antiautoritäre Bewegung alles für faschistisch hält, was autoritär
ist, besteht noch lange keine Gemeinsamkeit von Kirche und Waffen-SS.
Sturmmann Selbstverständlich hatte Grass als Mitglied der Waffen-SS einen Dienstgrad der SS. Die Dienstgradbezeichnungen
„SS-Generalmajor“ bzw „Generalmajor der Waffen-SS“ waren offiziell nicht erlaubt, worauf die SS-(Ober-)Gruppenführer
in der Waffen-SS auch mehrmals hingewiesen wurden, was ihnen aber egal war.
Günther Grass war weder Sturmmann noch SS-Mann, er war Soldat der Waffen-SS, einer völlig normalen militätrischen
Gliederung, die lediglich nach dem Kriege geächtet wurde, nicht wegen der Taten ihrer Mitglieder, sondern
um das deutsche Volk und auf diesem Wege auch die Kirche zu diffamieren unter unter Acht zu tun. Die Waffen-SS
hatte übrigens ev. und r-k Feldgeistliche und entsprach auch sonst modernen ethischen Maßstäben.
@ Benedikt Ja, aber er verurteilt Grass doch nicht, weil er in der SS war, sondern weil er sich zum moralisierenden
Scharfrichter erhoben hat. Und das haben Kiesinger und Co eben nicht gemacht. Henry Nannen ist hier ein
schlechtes Beispiel. Er steht doch wie Grass, Jens etc. für den linksliberalen Mainstream, der nach 1945
das Land geistig-moralisch verwüstet hat.
@ MK28 Das behaupte ich auch gar nicht. Ich finde es nur merkwürdig, dass Hr. Hüller Grass sozusagen
verurteilt und dann ausgerechnet auf Kiesinger verweist, der sich doch in einer ganz ähnlichen Situation
wie Grass befunden haben dürfte.
@ Benedikt @ Heger Benedikt schrieb: Oh ja, Kiesinger zB als Verbindungsmann des Reichsaußenministers
zum Propagandaministerium. Na und? Nicht jeder, der seinerzeit im System eingebunden war, ist doch schuldig
oder moralisch fragwürdig. Das zu behaupten ist doch die Lüge und Anmaßung von Grass und Co. Deshalb:
Wenn einer 17jährig bei der SS war, ist das maximal ein Beweis für die Dummheit der Jugend, aber nicht
mehr. Wenn aber ein ex-SSler sich zum moralischen Scharfrichter aufspielt und jeden, der wie er aus Dummheit
oder Verblendung mitgemacht hat, verurteilt, dann macht er sich dadurch schuldig. Ich werfe Grass also
nicht vor, bei der SS gewesen zu sein, ich werfe ihm seine elende Verlogenheit vor – die Kiesinger, Lübke
und Co nicht hatten. Grass und sein NSDAP-Kumpel Jens sind ja nicht die einzigen, die nach dem Krieg auf
der Linken zur Hetzjagd gegen die Mehrheit der anständigen Deutschen angetreten sind. War das nur der
Versuch der Wiedergutmachung oder wares nicht vielmehr die Fortsetzung des alten Weges unter neuer Fahne?
@ Heger: Daß wir mal einer Meinung sind … Aber es ist doch ein schönes Ereignis.
#14 Wolfgang K. 16:12:09 | Dienstag, 15. August 2006
Jugendsünden Das sind eigentlich nur lässliche Jugendsünden, Dummheiten hat einmal jeder gemacht. Ich
persönlich glaube, daß sich Grass mit dieser Waffen-SS nie identifiziert hat, Grass war auch ein Kind
seiner Zeit. Henry Nannen war zum Beispiel begeisterter Jungredakteur beim Stürmer. Richard Wagner war
ein glühender Antsemit. Ludwig Thoma genialer Schriftsteller aber er hatte eine Aversion gegen das Judentum.
Das schmälert ihre Leistungen nicht im geringsten. Joschka Fischer hat einmal an Straßenkämpfen teilgenommen –
bezeichnete Herrn Stücklen mit einem üblen Kraftausdruck.und wurde später einer der beliebtesten Politiker…Es
gäbe noch genügend Beispiele für andere Persönlichkeiten
@ Christian Hüller Die haben ihrem Deutschland auch gedient, aber nicht bei der SS. Oh ja, Kiesinger
zB als Verbindungsmann des Reichsaußenministers zum Propagandaministerium.
Eher zum Feixen! MK28: Als 1984 Kanzler Kohl mit US-Präsident Reagan den Soldatenfriedhof Bitburg besuchte,
war Grass einer derjenigen, die am lautesten dagegen protestierten. Grund des Protests: Unter den hunderten
Gefallenen deutschen und US-Soldaten befanden sich auch die Gräber von 86 Waffen-SSlern, also von Grass
ehemaligen Kameraden. Angesichts solcher Heuchelei kann man gar nicht so viel essen, wie man ko… möchte.
Stimme in der Sache zu, finde es aber weniger zum Erbrechen als zum Feixen – bei diesem selbsternannten
Moralprediger! o^/ MfG Christoph Heger
Grass den Artikel zuschicken Ätzender Artikel. Schade, dass ihn die Linke wohl nicht lesen wird. Geht
er nun unter die Gürtellinie? Dazu denke ich: Wer hart austeilt, muss auch einstecken können, zumal
die Kritik hier klar vorherzusehen war. Was man jetzt erwarten könnte seitens des Altlinken, wäre eine
angemessene Entschuldigung für Entgleisungen gegenüber solchen wie Kiesinger @ Co. Die haben ihrem Deutschland
auch gedient, aber nicht bei der SS. PS: Grass den Artikel zuschicken.
@ private-notes: Irrtum! Ob er bei der SS war, ist dann interessant, wenn das auf das Werk durchschlägt.
Das Werk lebt doch nicht ohne den Autor. Und hier kann ich schon fragen, ob nicht das „engagierte“ und
„politisch aktive“ Werk seine Vehemenz auch der Absicht verdankt, die eigene Vergangenheit zu büßen
oder – ebenfalls denkbar – es die Fortsetzung der radikalen Vergangenheit in anderem Gewand ist. Abgesehen
davon halte ich das Werk Grass für höchstens durchschnittlich, es lebt von der Provokation und dem Mangel
an Konkurrenz. Grass ist interessant nur durch seine angemaßte Rolle als moralische Instanz der Bundesrepublik.
Und die ist dahin, und das freut mich.
#7 private-notes 13:08:46 | Dienstag, 15. August 2006
Das Werk vom Autoren trennen Ob er in der SS war oder nicht ist nebensächlich, genauso, ob Wagner Antisemit
war oder nicht. Was sie geschaffen haben, dass zählt. Nicht der lächerliche Wind, der darum gemacht
wird.
linke helden? das muss man sich mal genauer auf der zunge zergehen lassen… halbe helden der linken…
wenn man mal vom peinlichen homoauftritt volker becks mit diplomatenpass auf der demo in moscow absieht…
tauchen auf einmal bei der waffen-ss auf… ich denke seit grass, haben die linken nie so positiv über
die waffen-ss philosophiert… so ändern sich die linken zeit, wenn ein halbstar der linken sich als
ehemaliger ss-mann herausstellt…
Da haben wir ja wieder ein journalistisch tolles Machwerk Ist es nicht üblich, einen Kommentar mit dem
Namen des Kommentierenden zu versehen? …erklärte der 78jährige Literatur-Nobelpreisträger kürzlich.
Denn mit 79 Jahren hat ein Dichter bekanntlich seinen Zenit… Wie alt ist denn der Grass jetzt?
Sturmmann GraSS Ich bezweifle, daß Grass Rechnung, sich mit seinem „Coming out“ einen weiteren Schub
zu geben, aufgeht. Sehr induktiv wardazu heute der Spiegel-Beitrag von Hendryk M. Broder. www.spiegel.de/…,1518,431695,00.html
Abgesehen davon, daß die derzeitige Debatte mal wieder keine Peinlichkeit ausläßt – so, wenn etwa das
NSDAP-Mitglied Walter Jens dem Sturmmann Grass beispringt – fehlt mir der Hinweis auf die größte Schweinerei:
Als 1984 Kanzler Kohl mit US-Präsident Reagan den Soldatenfriedhof Bitburg besuchte, war Grass einer
derjenigen, die am lautesten dagegen protestierten. Grund des Protests: Unter den hunderten Gefallenen
deutschen und US-Soldaten befanden sich auch die Gräber von 86 Waffen-SSlern, also von Grass ehemaligen
Kameraden. Angesichts solcher Heuchelei kann man gar nicht so viel essen, wie man ko… möchte.