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Dienstag, 15. August 2006 11:25
Was hat die Beichte mit einer Zwiebelsuppe zu tun?
Wir haben allen Grund, dem Schriftsteller Günter Grass für seine jüngsten Enthüllungen unseren wärmsten katholischen Dank auszusprechen. Ein Kommentar.
Der Schriftsteller Günter Grass im Jahr 2004
Der Schriftsteller Günter Grass im Jahr 2004
(kreuz.net) Der aus katholischem Elternhaus stammende Günter Grass hat kürzlich die kirchliche Praxis des ersten Jahrtausends in Erinnerung gerufen und eine öffentliche Beichte – ohne Absolution – abgelegt.

Das war Traditionalismus der hartgesottenen Art.

In der Kirche verschwanden solche radikalen Praktiken im 7. Jahrhundert. Seither werden bei der Beichte kein öffentliches Bekenntnis und keine ausgedehnten Bußwerke mehr verlangt.

Wie könnte ein Katholik in diesem laxistischen Kontext dem Schriftsteller nicht dankbar sein, auf die frühkirchliche Bußpraxis hingewiesen zu haben?

Der 17jährige Günter Grass sei Mitglied der Waffen-SS gewesen, erklärte der 78jährige Literatur-Nobelpreisträger kürzlich.

Es sei ihm bei diesem Schritt zunächst vor allem darum gegangen raus zu kommen: „Aus der Enge, aus der Familie. Das wollte ich beenden.“

Das kann man verstehen.

Jeder, der um die Schrecken eines vorkonziliären Elternhauses weiß, muß für eine Flucht aus einem solchen unmenschlichen Milieu – und sei es in die Waffen-SS – Verständnis und Respekt aufbringen.

Vom „katholischen Mief“ (Grass) in die weite Welt der Waffen-SS: Dahinter steckt eine Logik geradezu prophetischen Ausmaßes.

Zwanzig Jahre nach dem gelungenen Ausbruch von Grass rannten Ho-Ho-Ho-Tschi-Min schreiende Ex-Ministranten durch die deutschen Straßen und ließen das nächste totalitäre System und die schlimmste aller Tyranneien – die Herrschaft der Sexualität – hochleben.

Das waren ebenfalls von der Enge des Katholizismus befreite.

Grass stand wieder nicht im Abseits. Nachdem er aus dem verpönten Ghetto-Katholizismus ausgebrochen war, hatte er beim gesellschaftlichen Establishment eine neue Heimat gefunden.

Warum sollten wir also im Nachhinein über Grass enttäuscht sein? Vielleicht, weil er sich seit den Tagen des Zweiten Weltkrieges treu geblieben ist?

Das Establishment ändert die Hülle, nicht den Kern. Und der Mann des Establishments weiß um die Kunst des Sich Anpassens.

Darum begegnet er seiner Zeit mit dem Zeigefinger im Wind.

Er stellt sich als revolutionärer Aus- und Aufbrecher hin, ist aber in Wahrheit zutiefst ein Ja-Sager. Natürlich kein undifferenzierter. Sein bedingungsloses Ja zur moralischen Kraft des Faktischen kaschiert er angemessen mit Kritiken und Distanzierungen. Aber immer im Rahmen der vom Establishment vorgegebenen Spielregeln.

In diesem Rahmen wird zum Beispiel der vorgetäuschte und institutionalisierte gesellschaftliche Konflikt zwischen Links und Rechts inszeniert, der am besten in unsere parlamentarischen Scheindebatten sichtbar ist.

Hier geht es um Spiel nicht um Leben.

Grass war und ist ein solcher offiziell beauftragter Spielkritiker. Er achtete dabei immer darauf, bei den Leuten zu bleiben. Alleine war Grass in seinem Leben selten oder eher nie.

Er blieb bei den Leuten: bei der Waffen-SS, bei der SPD oder beim Einsammeln von Literaturpreisen – mit denen in der Regel poetische Eintagsfliegen des Establishments vom Establishment ausgezeichnet werden.

Auch mit seiner spektakulären SS-Offenbarung blieb Grass ein Mann dieser Klasse.

Denn mit 78 Jahren hat ein Dichter bekanntlich seinen Zenit überschritten. Das weiß auch Grass. Für sein nächstes – letztes? – Buch „Beim Häuten der Zwiebel“ brauchte er dringend einen Werbegag.

Die Vermarktung der eigenen SS-Vergangenheit lag somit auf der Hand.

Der Wert des Reklameeffekts seiner jüngsten Beichte geht in die Millionen. Darum dürfen wir die Rückkehr des Katholiken Grass ins erste christliche Jahrtausend nicht überschätzen.

Denn wie so häufig im Leben des Günter Grass hat er auch die öffentliche Beichte dazu benützt, um sein eigenes Zwiebelsüppchen zu kochen.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 66 Lesermeinungen:
Sonntag, 20. August 2006 21:45
MK28: @ Artois: Trau, Schau, Wem
Artois, Ihr Beitrag, in dem Sie Franco die Bildung absprechen, weil er sich auf eine linke Quelle stützt erinnert mich an eine Spruchweisheit von – horribile dictu – Mao Zedong:

Was ist ein dummer Mensch? Ein dummer Mensch ist einer, dem man mit dem Finger den Mond zeigt, und der statt auf den Mond auf den Finger schaut.

Was haben Sie denn inhaltlich zu dem beschriebenen Kriegsverbrechen zu sagen? Alles Lug und Trug? Wenn ja: dann hat sich ja auch Grass nichts vorzuwerfen.

Die Verbrechen der Waffen-SS sind sauber dokumentiert. Sie zu leugnen, berechtigt viel eher zu Zweifeln am Schulabschluß des Leugners als die Verlinkung auf die linke Seite.
Freitag, 18. August 2006 17:01
Artois †: @franco.felice
Sie wagen es, hier auf eine antifa-Seite zu verlinken und dann noch Glaubwürdigkeit zu beanspruchen? Darf ich fragen, ob Sie ganz richtig im Kopfe sind? Haben Sie überhaupt einen Schulabschluß?
Donnerstag, 17. August 2006 20:46
franco.felice: Brandenburgis:
„…interessante Geschichte“

Tja, es klingt bitter. Aber alles leugnen zu wollen – was auch auf der Gegenseite nicht helfen würde –, andert Geschehnisse leider nicht.

Ich greife doch keinen (mehr) an, wenn ich Ereignisse anspreche, die sich tatsächlich zugetragen haben. Es handelt sich auch nicht um einseitige Darstellung, sondern um Fakten, die in einem ordentlichen Prozess gründlich eruiert wurden. Major Reder hatte Glück, dass die Richter anders urteilten als er gehandelt hatte.

Aber wenn Sie allen anderen nicht glauben – ich habe nur 10 Sekunden gebraucht Ihnen folgenden Link herauszusuchen: http://www.partigiani.de/zeitzeu/pirini.htm.

Von dieser Seite habe ich allerdings nicht meine „Weisheiten“, sondern „verdanke“ sie einem kritischen und gewissenhaften früheren Korrespondenten in Italien mit Namen Nino Erné; und dies längst vor den Zeiten Googles.

Was Sie im Internet aber nicht finden können: Als Reders Mutter im Sterben lag und er sie noch einmal sehen wollte, erbat er Hafturlaub aus Gaeta. Man gab das weiter an Marzabotto, und die Angehörigen der Ermordeten dort sollten abstimmen. Man lehnte ab. Durch folgende Begründung eines Angehörigen, der es – mutet fast salomonisch an – auf den Punkt brachte: „Er möchte seine Mutter noch einmal sehen – möchten wir auch. Er soll bleiben wo er ist! Nicht ganz christlich werden Sie sagen? Mag sein. Aber, man kann ‘s verstehen.

Nichts fur ungut!

Franco
Donnerstag, 17. August 2006 11:42
Brandenburgis: @franco-felice
Interessante Geschichte, da ich aber bereits 100e derartiger Gechichten als Märchen „entlarvt“ habe, fehlt mir der Glaube an ihre „Viererreihen“ …
Ihr „Bundespräsident“ ist [war] übrigens nichts als ein verlogener Lump …
Donnerstag, 17. August 2006 00:33
Benedikt: @ Bernardin
Kümmern Sie sich um den Phoenix im Kabel!

Für Sie ein erstaunlich schlechter Konter. Vielleicht erzählen Sie mal, was Sie eigentlich wollen, anstatt blindlings auf jeden hier verbal einzuschlagen – welcher „Richtung“ er auch immer entstammt.
Mittwoch, 16. August 2006 23:19
Weiterhin viel Spass! Sie sind mir einfach zu dumm!
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