Kein Ende im Streit um St. Afra
Die Situation um das in den Räumlichkeiten des ehemaligen Stiftes St. Afra residierenden Berliner Instituts St. Philipp Neri spitzt sich zu.

Dabei war eine kleine Delegation des Instituts St. Philipp Neri am 11. August voller Hoffnung zu einem Gespräch mit den Eigentümern von St. Afra gefahren.
Bisher hatten die Eigentümer jedes Gespräch über eine Neufassung des Kaufvertrages über die St. Afra-Kirche abgelehnt. Aber nun sah es so aus, als ob sie doch mit sich reden lassen wollten.
Mit Hilfe seiner Finanzberater und gestützt auf das überaus ermutigende Echo der Spendenaufrufe hatte das Institut zwei Finanzierungsmodelle ausgearbeitet, die es als Vorschläge in die Verhandlungen einbringen wollte.
Einen mittelfristigen Ratenplan, der bei jährlichen Zahlungen von 50.000 Euro noch eine Laufzeit von acht Jahren erfordert hätte, und einen langfristigen Plan, der bei Monatsraten von 2.500 Euro etwa doppelt so lange gelaufen wäre.
Die Mühe war umsonst. Der Finanzchef der Schwestern und der Rechtsanwalt machten schnell klar, daß die Festlegung eines Räumungstermins für St. Afra der einzige Gesprächsinhalt sein könne.
Äußerstenfalls bei sofortiger Barzahlung von 450.000 Euro würde man mit sich reden lassen.
Die Schwestern von der Heiligen Elisabeth werden von der Rechtsanwaltfirma Hogan & Hartson Raue LLP vertreten. Diese arbeitet auch für multinationale Konzerne und besitzt Niederlassungen unter anderem in New York, London, Paris, Moskau, Peking, Tokyo und Berlin, Potsdamer Platz 1.
Anscheinend liegt es den Schwestern sehr daran, die Immobilie so schnell wie möglich möglichst profitabel zu verkaufen.
Dabei ist im Augenblick nicht klar, ob sich noch einmal ein Käufer finden wird, der einen vergleichbaren Kaufpreis für ein Objekt aufbringen will, das in seiner Verwertbarkeit nicht nur kirchenrechtlich, sondern auch durch den Denkmalschutz eingeschränkt ist.
Die Kirche St. Afra ist einst aus einer frommen Stiftung für Werke der Seelsorge und der Nächstenliebe errichtet worden.
Jetzt stellt sich die Frage, ob die Kirche weiterhin für die Seelsorge einer wachsenden Gemeinde im weitgehend entchristlichten Berlin genutzt werden kann.
Das Institut St. Philipp-Neri ist nach wie vor bereit, den Preis zu bezahlen, den die Schwestern ursprünglich gefordert hatten – aber gestreckt über einen längeren Zeitraum. Wenn es dabei gelingt, die Finanzierung schneller als derzeit kalkulierbar zu bewältigen, auch früher.
Doch entsprechende Vorschläge wurden bei dem Gespräch am 11. August von den Schwestern zurückgewiesen. Seelsorgliche und finanzielle Aspekte würden sich auf verschiedenen Ebenen befinden, die man nicht vermischen könne.
Wohin das letztlich führt, ließen die Schwestern von der Heiligen Elisabeth in einer entscheidenden Stelle der erfolglosen Verhandlungen mit dem Institut erkennen.
Regelmäßige Teilnehmer an den Gottesdiensten in St. Afra hatten die Schwestern gebeten, dem Institut eine Zukunft in dieser Kirche zu ermöglichen und ihnen dazu eine Unterschriftenliste mit über hundert Namen übermittelt.
Schwester Dominica entdeckte auf der Liste auch die Namen von etwa zwanzig Kindern: „Kinder zählen nicht!“ – meinte sie dazu.
Der Rückfrage, wie das denn gemeint sei, folgte ohne langes Zögern die Erklärung: „Kinder können doch erst in zwanzig Jahren spenden.“
Jetzt müssen sich die Mitglieder des Instituts darauf einstellen, bald Besuch vom Gerichtsvollzieher zu bekommen. Er dürfte vor keiner einfachen Aufgabe stehen.
Wie man aus den inneren Kreisen hört, gedenken die Institutsmitglieder nicht, das Feld freiwillig zu räumen.
Und Priester von der Polizei aus einer Kirche tragen zu lassen, ist mit Sicherheit keine dankbare Aufgabe.
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Donnerstag, 24. August 2006 00:25
Bernado: @Romano
Sie schrieben:““.Anscheinend ist aber bislang kein Cent an die Verkäuferinnen gezahlt worden. Falls das
wirklich der Fall ist, kann man den Ordensschwestern m.E. keinen moralischen Vorwurf machen; vielmehr
sollte man sich überlegen, ob man dem Institut Geld spenden sollte, wenn es auf den Beträgen zunächst
einmal „sitzenbleibt“.
Auf der Website steht aber auch, daß die Eigentümerinnen bisher „alles oder raus“ fordern. Einfach mal ein paar Zehntausender abzudrücken ist unter diesen Umständen wohl wenig sinnvoll. Da bleibt dem Institut wohl nichts anderes übrig, als solange zu sammeln, bis wenigstens der Eigenanteil für die Bankkredite zusammen ist.
Auf der Website steht aber auch, daß die Eigentümerinnen bisher „alles oder raus“ fordern. Einfach mal ein paar Zehntausender abzudrücken ist unter diesen Umständen wohl wenig sinnvoll. Da bleibt dem Institut wohl nichts anderes übrig, als solange zu sammeln, bis wenigstens der Eigenanteil für die Bankkredite zusammen ist.
Mittwoch, 23. August 2006 17:20
Romano: Tilgungsversuch?
Ausweislich der Homepage des Instituts sind – auch aufgrund eines Darlehens – nun ungefähr 120.000 Euro
„beisammen“. Anscheinend ist aber bislang kein Cent an die Verkäuferinnen gezahlt worden. Falls das wirklich
der Fall ist, kann man den Ordensschwestern m.E. keinen moralischen Vorwurf machen; vielmehr sollte man
sich überlegen, ob man dem Institut Geld spenden sollte, wenn es auf den Beträgen zunächst einmal „sitzenbleibt“.
Aber vielleicht kann mich ja ein „Insider“ darüber aufklären, ob das Institut zumindest „Tilgungsversuche“ unternimmt…
Aber vielleicht kann mich ja ein „Insider“ darüber aufklären, ob das Institut zumindest „Tilgungsversuche“ unternimmt…
Dienstag, 22. August 2006 19:12
Maurice Corvisier: @ Brandenburgis
Danke dafür.
Dienstag, 22. August 2006 17:41
Gotthard: Primizspruch
kennt jemand den Primizspruch von Gerald Goesche?
Dienstag, 22. August 2006 17:18
Bernado: @Brandenburgis
Sie schrieben:“Jesu, beuge doch mein Herze unter deine starke Hand“.
Ein Zeichen der Besinnung und der Umkehr, von Ihnen?! Daß unsereins das noch erleben darf. Es besteht also wirklich noch Hoffnung, anscheinend nicht nur pro multis, sondern sogar für alle.
Ein Zeichen der Besinnung und der Umkehr, von Ihnen?! Daß unsereins das noch erleben darf. Es besteht also wirklich noch Hoffnung, anscheinend nicht nur pro multis, sondern sogar für alle.
Dienstag, 22. August 2006 16:13
Brandenburgis: Bach Kantate „Wer sich selbst erhöht, …“
Jesu, beuge doch mein Herze
unter deine starke Hand,
daß ich nicht mein Heil verscherze
wie der erste Höllenbrand.
Laß mich deine Demut suchen
und den Hochmut ganz verfluchen,
gib mir einen niedern Sinn,
daß ich dir gefällig bin!
unter deine starke Hand,
daß ich nicht mein Heil verscherze
wie der erste Höllenbrand.
Laß mich deine Demut suchen
und den Hochmut ganz verfluchen,
gib mir einen niedern Sinn,
daß ich dir gefällig bin!
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