Weihnachten
Ist Weihnachten ein „getauftes“ heidnisches Fest?
Feiern die Katholiken das Geburtsfest Christi am Tag der Wintersonnenwende, um heidnische Gebräuche zu christianisieren? Ist der Weihnachtstag ursprünglich der Geburtstag des Gottes Mithras?
(kreuz.net, Nijmegen) Zur Frage, ob das Weihnachtsfest ursprünglich ein heidnisches Fest war, gibt es zwei Positionen.

Kritiker des Christentums behaupten, daß schon die heidnische Antike den Tag der Wintersonnenwende als das Geburtsfest des Mithras oder als das von Kaiser Aurelian im Jahr 275 eingeführte Fest der „Unbesiegten Sonne“ (Sol invictus) feierte. Die Kirche habe dieses heidnische Fest nur „getauft“ bzw. sich hier ein heidnisches Substrat angeeignet. Dieser „religionsgeschichtlichen Hypothese“ schließen sich heute auch gewisse progressive Theologen an.

Viele Katholiken entgegnen, daß die frühe Kirche aufgrund kalendarischer Berechnungen überzeugt gewesen sei, daß der 25. Dezember das historische Geburtsdatum Jesu gewesen sei.
Schon im Judentum gab es den Gedanken, daß vollkommene Menschen – so z.B. die Patriarchen – „vollkommene Jahre“ gelebt hätten, d.h. an ihrem Zeugungstag gestorben seien.

Tatsächlich ist bezeugt, daß im Westen der 25. März, im Osten der 6. April als Todestag Christi berechnet wurde und diese Daten als Tag seiner Verkündigung gefeiert wurden. Daraus wurde logischerweise der 25. Dezember bzw. 6 Januar als Geburtsdatum Christi errechnet.

Diese „theologische Hypothese“ begründet die Philologin Christine Mohrmann, eine der gründlichsten Kenner des christlich-antiken Schrifttums, wie folgt: „Es kann m.E. gewiß nicht das primäre Bedürfnis gewesen sein, dem Fest des Natalis solis invicti etwas gegenüberzustellen. Auch glaube ich kaum, daß in erster Linie historisierende Tendenzen dahinter stecken. Diese treten in der römischen Liturgie erst später auf. Wenn man die ältesten Weihnachtspredigten liest – und die ältesten liturgischen Texte studiert – bekommt man vielmehr den Eindruck, daß gewisse theologische Erwägungen bestimmend gewesen sind. Nach dem Konzil von Nicaea hat man deutlich das Bedürfnis gefühlt, die menschliche und ewige Geburt des Sohnes Gottes besonders zu betonen.“

Der hl. Augustinus sah einen kosmischen Grund in der Wahl des 24. Dezember von Seiten der Kirche: „Aus dem Vater geboren ohne einen zeitlichen Tag, aus der Mutter geboren an diesem Tag. Diesen Tag nämlich, den ER schuf, wählte ER aus, um an ihm geschaffen zu werden, so wie ER aus einer Mutter geschaffen wurde, die ER selbst geschaffen hatte. Denn gerade dieser Tag, ab dem das Licht nach und nach wieder zunimmt, bezeichnet das Werk CHRISTI, von dem unser innerer Mensch von Tag zu Tag erneuert wird. Für den ewigen Schöpfer mußte natürlich, als er in der Zeit geschaffen wurde, jener Tag sein Geburtstag sein, zu dem die zeitliche Schöpfung paßt.“ (Predigt 186)
      
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